Interview mit Diana Bartl, Gründerin von WERTvoll macht Schule
Der Weltspartag ist das, was wir daraus machen

Diana Bartl, Gründerin von WERTvoll macht Schule

Alles ganz einfach, aber irgendwie ist Geld doch kompliziert – zum Weltspartag 2026 haben wir uns eine Gesprächspartnerin gesucht, die mit einer Bildungsinitiative versucht, Kinder an das Thema Finanzen heranzuführen: Wir sprechen mit Diana Bartl von WERTvoll macht Schule über moderne Geldanlagen, grundlegende Entscheidungen und die Herzenswunschstunde.

Der Weltspartag begleitet seit fast 100 Jahren Generationen von Kindern. Wie zeitgemäß ist der Weltspartag im Jahr 2026 noch?

Der Weltspartag ist das, was wir daraus machen. Es ist immer sinnvoll, über Geld zu sprechen, weil Geld und Werte so viele Bereiche des Lebens berühren. Ein Tag, der ums Einzahlen kreist, erreicht aber nur die Kinder, die etwas haben. Als Bildungsinitiative sehen wir auch die, die nichts mitbringen können, weil zu Hause nichts übrig ist. Für sie kann so ein Tag unangenehm sein. Der Weltspartag sollte ein Tag werden, an dem alle Kinder dabei sind und an dem es um Entscheidungen und Werte geht.

Hintergrund

Diana Bartl ist Gründerin von WERTvoll macht Schule, einer gemeinnützigen Initiative, die Kindern in der Grundschule Finanzkompetenz und Wertebildung vermittelt. Das Unterrichtsprogramm ist für Schulen kostenfrei, getragen von Spenden und Förderern. Die Intuitive wurde mit dem Bundespreis „Zu gut für die Tonne!“ ausgezeichnet.

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Früher ging es beim Weltspartag vor allem ums Sparschwein. Heute stehen auch Themen wie Inflation, ETFs, Nachhaltigkeit und digitale Finanzwelt im Raum. Wie hat sich der Begriff „Sparen“ aus Ihrer Sicht verändert?

Verändert hat sich zuerst das Bezahlen. Kaufanreize sind überall sichtbar, das Geld selbst ist unsichtbar geworden, weil wir mit Karte oder Handy zahlen. Und auch das Wort Sparen ist nicht für alle gleich. Wer jeden Monat rechnen muss, kann nichts zurücklegen und schämt sich oft dafür. Ich kenne das. Ich war alleinerziehend und habe für den Schulausflug meiner Tochter offiziell um Hilfe gebeten, trotz Scham. Wenn wir über Geld sprechen, holen wir es und die Gefühle, die daran hängen, aus der Unsichtbarkeit.

Wenn Eltern oder Großeltern heute Geld für Kinder zurücklegen möchten: Wie sollte eine moderne und kindgerechte Geldanlage aussehen?

Wir sind eine Bildungsinitiative und keine Anlageberatung. Welche Anlage passt, klären Familien am besten mit unabhängiger Beratung. Aus Bildungssicht gilt: Kinder sollten wissen, wofür Geld zurückgelegt wird. Meine Tochter legt heute selbst Geld an und studiert. Für sie ist Geld ein Mittel zum Zweck für ein selbstbestimmtes Leben und kein Tabu. Das wünsche ich mir für viele Kinder: dass sie später eigeninitiativ und selbstverantwortlich mit Geld umgehen.

Gibt es Grundregeln, die Familien beachten sollten, wenn sie langfristig Vermögen für Kinder aufbauen wollen?

Drei Dinge aus der Perspektive der Bildungsinitiative. Erstens lernen Kinder an kleinen Beträgen. Taschengeld darf auch mal falsch ausgegeben werden. Daraus lernen sie mehr als aus jeder Erklärung. Wichtig ist dann, wertfrei und ohne Vorwürfe mit ihnen darüber zu sprechen. Zweitens hat Geld mit mehr zu tun als mit Zahlen. Bei uns spielen deshalb Taschengeld, Gutes tun und Gefühle eine Rolle: eben alles, was Kinder in diesem Alter rund um Geld berührt. Drittens sind Eltern Vorbild. Kinder beobachten, wie wir einkaufen, verzichten und entscheiden.

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Apropos: Was genau macht „WERTvoll macht Schule“ und welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Bildungsangebot für Schulen und Familien?

WERTvoll macht Schule ist ein Unterrichtsprogramm für die Klassen 1 bis 6, das Finanzkompetenz mit Wertebildung verbindet. Geld ist bei uns ein Thema, aber nie das Ziel. Die werteorientierten Themen beziehen sich auf die Alltagswelt von Kindern und Familien, und genau darin unterscheidet sich das Unterrichtsprogramm von reiner Finanzbildung. Die Kinder sprechen über Geld, Konsum und Werte und bilden sich ein eigenes Urteil. Wir geben keine Antworten vor, sondern Raum zum Verstehen, Nachdenken und Entscheiden. Wir haben das Unterrichtsprogramm in der Corona-Pandemie mit viel Ehrenamt entwickelt, und eine Unterrichtseinheit wurde mit dem Bundespreis „Zu gut für die Tonne!“ ausgezeichnet. Für Schulen ist es kostenfrei, getragen von Spenden und Förderern. Die Nachfrage von Schulen und Eltern wächst, und damit wir sie tragen können, bauen wir WERTvoll macht Schule gerade aus. Wer uns dabei unterstützen will, findet uns auf .

Warum reicht es nicht aus, Kindern nur den Umgang mit Geld beizubringen?

Weil Geld Gefühle auslöst und mit Wertigkeit zu tun hat, bei Kindern wie bei Erwachsenen. Es hängt an Konsum, Medien, Gesundheit, an fast allem im Alltag. Ein Kind, das nur rechnen lernt, lernt nicht, was ihm wichtig ist. Geldentscheidungen sind Wertentscheidungen: Was brauche ich, was will ich nur, was teile ich? Und es geht darum, wie ein Kind sich selbst sieht. Geld soll nicht darüber entscheiden, wie viel sich ein Kind wert fühlt. Kinder sollen erleben, dass ihre Wünsche zählen und dass sie sie aussprechen dürfen, auch wenn Geld knapp ist. Dafür geben wir ihnen im Unterricht Raum, in der Herzenswunschstunde.

Viele Kinder kommen schon früh mit Online-Shopping, In-App-Käufen und Social Media in Berührung. Welche Kompetenzen brauchen sie, um später gute finanzielle Entscheidungen zu treffen?

Kinder brauchen Orientierung und die richtigen Vorbilder. Und sie schauen zu, was wir tun. Beim Online-Shopping etwa hilft eine kleine Pause vor dem Klick: Will ich das oder brauche ich das? Wer sagt mir, dass ich es brauche, und wer verdient daran? Kinder müssen auch wissen, dass ein Klick in der App echtes Geld kostet, auch wenn man nichts davon sieht. Wer solche Dinge früh übt, lässt sich später schwerer locken.

Welchen häufigen Irrtum beobachten Sie bei Eltern, wenn es um Taschengeld, Sparen oder finanzielle Bildung von Kindern geht?

Typisch ist, Kinder aus Altersgründen nicht an das Thema Geld heranzuführen. Dabei kann schon über Geld gesprochen werden, wenn ein Kind Taschengeld bekommt, sich etwas Kleines kauft oder im Alltag mitbekommt, dass eingekauft wird. Das gilt gleichermaßen, wenn viel oder wenig Geld da ist. Viele Eltern denken, wenn sie nichts sagen, merken die Kinder nichts. Kinder merken es trotzdem, am Gesicht beim Einkaufen oder an abgesagten Plänen, aber auch daran, wenn umfangreicher Konsum zur Tagesordnung gehört. Der Klassiker ist: Über Geld spricht man nicht. Das Schweigen schützt die Kinder nicht. Es lässt sie mit ihren Vermutungen allein, und manche fangen an, sich zu schämen, ohne zu wissen wofür.

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Zum Abschluss eine klassische Weltspartags-Frage: Haben Sie einen konkreten Anlagetipp oder einen Rat, den Sie Familien heute mit auf den Weg geben möchten?

Einen Anlagetipp gibt es von uns nicht. Mein Rat: Beschäftigt euch überhaupt erst einmal damit. Gerade ist viel in Bewegung und viele Familien haben noch nicht verstanden, was sie dafür tun müssen. Nehmt den Weltspartag, um hinzuschauen: Worauf sparen wir, und ergibt das für uns Sinn?

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