Bildungsrendite

Ein Credo aus der Finanzwelt lautet, dass Renditen nur mit Aktien, Rohstoffen, Immobilien und anderen Anlageoptionen erzielt werden können. Doch auch eine Investition in die eigene Bildung erweist sich oftmals als gewinnbringend. Nach der Humankapitaltheorie handelt es sich nämlich bei Bildung ebenfalls um eine Investition. Die sogenannte Bildungsrendite misst dabei, ob und in welchem Umfang sich eine Bildungsinvestition lohnt. Zur Ermittlung der Bildungsrendite werden wie bei anderen Investitionsarten – die Kosten, die zum Beispiel für ein Studium anfallen, den monetären Erträgen, also dem späteren Mehrverdienst gegenüber dem weniger qualifizierten Arbeitnehmer, gegenübergestellt. Je höher der Wert der Bildungsrendite ausfällt, desto sinnvoller ist es, in die jeweilige Bildungsmaßnahme (z.B. Studium) zu investieren. Oftmals liegt die Bildungsrendite deutlich über den Renditen am Kapitalmarkt. So beträgt die Bildungsrendite nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zwischen 6 und 10 Prozent. Aber welche Rendite lässt sich für verschiedene Abschlüsse wie Berufslehre oder Studium in Deutschland erzielen und wie funktioniert die Berechnung der Bildungsrendite im Detail?

Was versteht man unter Bildungsrendite?

Man unterscheidet zwischen individueller, staatlicher und sozialer Bildungsrendite. Bei der Bildungsrendite werden die Kosten für Bildungsmaßnahmen dem monetären Nutzen gegenübergestellt, um herauszufinden, ob sich Bildung lohnt. Solche Kosten können beispielsweise Studiengebühren sein. Der monetäre Nutzen kann ein höheres Gehalt sein.

Im Detail:

Prinzipiell dreht sich beim Thema Bildungsrendite alles um die Frage, ob sich Bildung rentiert. Zu unterscheiden ist hier zwischen der individuellen, staatlichen und sozialen Bildungsrendite. Bei der individuellen Bildungsrendite geht es um die Sicht des Einzelnen und um die Frage, ob sich eine bessere Bildung mit einem entsprechend höheren Gehalt bezahlt macht. Bei der gesamtgesellschaftlichen Sichtweise steht stattdessen das Gemeinwohl im Fokus. So werden hier auch positive Effekte berücksichtigt, für die beispielsweise neue Entwicklungen von Hochqualifizierten ursächlich sind und von denen alle profitieren. Als dritte und letzte Säule der Bildungsrendite gibt es die staatliche Sichtweise. Hier ist die Antwort auf die Frage ausschlaggebend, ob durch die Einnahmen des Staates die Kosten für das Bildungssystem gedeckt werden können.

Um herauszufinden, wie attraktiv die jeweilige Bildungsrendite ist, werden die Kosten, die durch die Bildungsmaßnahme entstehen, dem späteren monetärem Nutzen (= Mehrverdienst gegenüber einem weniger qualifizierten Berufstätigen) entgegengestellt. Relevante Kosten sind für den Einzelnen unter anderem die Studiengebühren sowie das entgangene Einkommen während der Ausbildung. Auf der anderen Seite ist der monetäre Ertrag der Bildungsmaßnahme, also das höhere Einkommen, welches mit dem besseren Bildungsabschluss erwirtschaftet werden kann. Die Bildungsrendite wird dann aus dem Ertrag im Verhältnis zu den Gesamtkosten ermittelt. Auf diesem Weg lässt sich zum Beispiel berechnen, inwiefern sich ein zusätzliches in Bildung investiertes Jahr auf das gesamte Berufsleben rentiert. Je höher die Rendite ausfällt, desto sinnvoller ist es logischerweise, die jeweilige Bildungsmaßnahme durchzuführen.

Die Bildungsrendite kann von äußeren Einflussfaktoren verändert werden. So wirkt sich beispielsweise die Einführung von Studiengebühren, die Verkürzung/Verlängerung der Ausbildungszeit und die Veränderung des Zinssatzes zur Berechnung des Kapitalwertes unmittelbar auf die Bildungsrendite aus.  

Jetzt Online-Broker vergleichen »

UBS-Studie: Die höchste Bildungsrendite wird mit einem Fachhochschulabschluss erzielt

Eine bereits im Jahr 2014 veröffentlichte Studie der Schweizer Großbank UBS beweist, dass sich ein höherer Bildungsabschluss grundsätzlich bezahlt macht. Das bedeutet, dass der durch den besseren Bildungsabschluss erwirtschaftete „Mehrlohn“ im Durchschnitt höher ist, als die Kosten für die Ausbildung sowie der in dieser Zeit entgangene Lohn. Überraschend an der Studie ist vor allem die Tatsache, dass Abgänger einer Fachhochschule (FH) von einer höheren Bildungsrendite profitieren als ihre Kollegen an den Universitäten. So liegt die jährliche Rendite bei den männlichen FH-Abgängern im Durchschnitt bei mehr als zehn Prozent (Frauen: ca. 9%).

Quelle: IAB-Kurzbericht 1/2014

Deutlich größer ist die Differenz der privaten Bildungsrendite zwischen Männern und Frauen beim universitärem Abschluss. Während Männer hier immerhin auf eine Bildungsrendite von rund sechs Prozent kommen, schaffen Frauen nur etwa zwei Prozent. Laut den Ökonomen der Schweizer Großbank liegt das vor allem an der tendenziell geringeren Erwerbsbeteiligung. Häufig entscheiden sich weibliche Arbeitnehmerinnen nämlich für Teilzeit und fallen für die Zeit der Mutterschaft aus. Dementsprechend bleibt ihnen meist weniger Zeit, die entstandenen Bildungskosten mit einem höheren Lohn auszugleichen. Wer also dauerhaft nur teilzeitbeschäftigt ist, lässt die Bildungsrendite schnell ins Minus rutschen.

Quelle: IAB-Kurzbericht 1/2014

Die Ursache dafür, dass FH-Absolventen von einer attraktiveren Bildungsrendite profitieren, liegt in der meist kürzeren Ausbildungszeit. Während ein Uni-Studium meist bis zu sieben Jahre in Anspruch nimmt, hat man einen FH-Abschluss oftmals bereits nach drei Jahren in der Tasche. Außerdem wird ein Fachhochschulstudium häufiger berufsbegleitend durchgeführt als ein Studium an einer Universität, was die Kosten deutlich senkt. Die Zahlen der UBS-Studie beziehen sich auf die Schweiz, sind jedoch ungefähr mit denen in Deutschland vergleichbar.

Laut dem Ende 2014 veröffentlichten Bericht „Erträge von Bildungsinvestitionen“ vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) liegt die fiskalische Bildungsrendite sowohl bei der Berufsausbildung als auch beim Studium in Deutschland bei über fünf Prozent. Zum Vergleich: Die aktuelle Verzinsung von 10-jährigen Bundesanleihen beträgt weniger als ein Prozent.

Surftipp: Robo-Advisors im Echtgeld-Test »

Bildungsrenditen im europäischen Vergleich

Der Kurzbericht 5/2012 des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass sich die privaten Bildungsrenditen im europäischen Vergleich deutlich unterscheiden. In Deutschland lag die Bildungsrendite 2007 bei 5,32 (Männer) bzw. 4,82 (Frauen). Damit reiht sich Deutschland ins Mittelfeld des europäischen Vergleiches ein. Spitzenreiter ist mit einer Rendite von 8,63 (Männer) und 8,68 (Frauen) Luxemburg. Ähnlich sehenswert ist die Bildungsrendite mit 6,81 (Männer) bzw. 9,92 (Frauen) in Irland. Schlusslicht war mit Werten von 3,88 (Männer) bzw. 4,48 (Frauen) Italien.

Mit einem Hochschulstudium lassen sich im Erwerbsleben im Schnitt 2,3 Millionen Euro verdienen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat errechnet, dass Akademiker mit einem abgeschlossenen Hochschulabschluss im Laufe ihres Erwerbslebens im Schnitt etwa 2,3 Millionen Euro verdienen. Mit insgesamt rund 2 Millionen Euro haben Absolventen einer Fachhochschule nur ein klein wenig weniger auf dem Lohnzettel zu erwarten – und dass bei einer meist deutlich kürzeren Ausbildungszeit. In Anbetracht dieser Zahlen ist die höhere Bildungsrendite bei FH-Absolventen keine wirkliche Überraschung mehr.

Das Abitur führt im Berufsleben durchschnittlich zu einem Einkommen von 1,56 Millionen Euro. Ein Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung kommt hingegen lediglich auf durchschnittlich 1,08 Millionen Euro. Mit abgeschlossener Berufsausbildung kommen Arbeitnehmer im Laufe ihres Lebens immerhin auf einen Verdienst von rund 1,33 Millionen Euro.

Berechnung der Bildungsrendite – wie funktioniert das?

Die meisten Studien befassen sich mit der Berechnung der individuellen Bildungsrendite. Zur Berechnung dieses Wertes wurden in der Vergangenheit geeignete Methoden und Verfahren entwickelt. In diesem Zusammenhang haben sich die von der OECD verwendete Short Cut-Methode und die sogenannte Mincer-Gleichung etabliert. Vereinfacht gesagt werden in diesen Verfahren die Kosten, die ein höherer Bildungsabschluss mit sich bringt, dem monetärem Nutzen im späteren Berufsleben, also dem Mehrverdienst, gegenübergestellt. Auf der Kostenseite geht es dabei einerseits um die direkten Kosten (z.B. Studiengebühren, Unterrichtsmaterialien) und andererseits um das entgangene Einkommen. Zusätzlich lässt sich in die Berechnung zum Beispiel das Risiko der Arbeitslosigkeit berücksichtigen. Demzufolge gilt ein Bereich mit hoher Bildungsrendite bei vergleichsweise niedrigem Lohnrisiko als finanziell lukrativ.

Problematisch an dieser Berechnungsweise ist die Tatsache, dass ein hoher Bildungsstand in vielen Fällen auch mit anderen Faktoren korreliert. So können zum Beispiel Motivation und Intelligenz einen positiven Effekt auf das Einkommen haben.

Surftipp: Drei Gründe, warum die Deutschen Aktien meiden - und welche Gewinne sie dadurch verpassen »

Jedes Jahr Bildung bringt fünf Prozent mehr Einkommen

Bildung lohnt sich auch nach dem abgeschlossenen Hochschulstudium – zu diesem Ergebnis ist auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in ihren Berechnungen gekommen. „Jedes zusätzliche Ausbildungsjahr bringt 5 bis 6 Prozent mehr Gehalt“ sagt Friedhelm Pfeiffer vom ZEW. Demzufolge lohnt es sich in aller Regel, mehr Zeit in die Bildung zu investieren und dafür den Einstieg ins Berufsleben weiter nach hinten zu schieben. Zu bedenken gilt es jedoch, dass sich die Bildungsmaßnahmen meist nicht kurzfristig, sondern meist erst mittel- und langfristig auszahlen.

In der Literatur wird teilweise eine seit den 1980er Jahren allgemein sinkende Bildungsrendite festgestellt (z.B. Steiner/Lauer). Zu den Gründen dieser Entwicklung könnte gehören, dass eine größere Gruppe der Bevölkerung sich zu höheren Bildungsinvestitionen gezwungen sieht. Für dieses Argument sprechen insbesondere die immer steigende prozentuale Anzahl an Schulabsolventen, die sich gegen eine klassische Berufsausbildung und stattdessen für ein Studium entscheidet.

Fazit

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Investitionen in die Bildung aus Sicht des Einzelnen als profitabel angesehen werden können. Mit kaum einer anderen Kapitalanlage lässt sich eine ähnlich attraktive Rendite erzielen wie mit einer Bildungsinvestition. Dementsprechend kann das Bildungswesen in Deutschland insgesamt als qualitativ hochwertig angesehen werden. Die Investition in Bildung macht sich auch nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung und nach einem Hochschulstudium noch bezahlt. Laut Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben Arbeitnehmer für jedes zusätzliche Ausbildungsjahr zwischen 5 und 6 Prozent mehr Gehalt zu erwarten. Die höchste Bildungsrendite in Deutschland lässt sich zurzeit mit einem Fachhochschulabschluss erzielen. Mit einem universitären Abschluss verdienen Akademiker zwar im Laufe ihres Erwerbslebens mit durchschnittlich 2,3 Millionen Euro deutlich mehr als ihre FH-Kollegen, doch dafür dauert der Abschluss an der Universität meist deutlich länger, was die Bildungsrendite wiederum sinken lässt. Grundsätzlich lässt sich jedoch ein äußerst robuster und positiver Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad und dem im Berufsleben erzielten Einkommen feststellen.

Christian Finkenbrink, 08/18 

Die besten Broker mit Aktiensparplänen »


Weiterführende Links:

http://blog.iw-akademie.de/2016/10/18/warum-sich-bildung-jetzt-besonders-lohnt

http://blog.iw-akademie.de/2017/04/27/studieren-lohnt-sich-argumente-fuer-bildungsinvestitionen/

http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/gutachten/Ertraege_BildungsinvestitionenZEW2014.pdf

http://doku.iab.de/kurzber/2012/kb0512.pdf

https://www.iab.de/194/section.aspx/Publikation/k140121301

https://diw-econ.de/wp-content/uploads/2017/05/DIW-Econ_Jacobs-Foundation_Bildungsrendite-eines-Studiums_v2.0.pdf

https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/BildungForschungKultur/Bildungsrenditen_112013.pdf?__blob=publicationFile

http://www.skbf-csre.ch/fileadmin/files/pdf/portraet/sw_volkswirtsch_de.pdf

https://www.20min.ch/finance/news/story/Fachhochschule-lohnt-sich-mehr-als-Uni-21121236?httpredirect

https://bazonline.ch/leben/gesellschaft/Frauen-ihr-seid-selbst-schuld/story/24010841

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/recht-und-gehalt/bildungsrendite-ein-studium-bringt-2-3-millionen-euro-12765964.html

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/bildungsrendite-warten-auf-das-grosse-geld-1951890.html

https://www.nzz.ch/wissenschaft/bildung/ohne-anreize-funktioniert-es-wohl-nicht-1.18574854