Deutsche Bank: Boni und Dividenden im Vergleich

Die Deutsche Bank kommt seit Jahren nicht aus den Negativschlagzeilen. Sie reichen von Zins-Manipulationen am Libor und Euribor, bis zu Cum-Ex-Geschäften und Schummeleien beim Wertpapierhandel am amerikanischen Immobilienmarkt. Allein für letztere musste die Deutsche Bank sieben Milliarden Dollar Strafe zahlen. Es ist kein Wunder, dass sich die Aktie im Sinkflug befindet. Auch die Dividende pro Aktie liegt nur noch bei wenigen Cents. Alles schlecht also bei der Deutschen Bank? Nicht für die Mitarbeiter. Die erhalten weiterhin hohe Bonuszahlungen, wie unsere Statistik zeigt.

Wie entwickeln sich die Bonuszahlungen und Dividenden der Deutschen Bank?

In der folgenden Grafik stellen wir die Bonuszahlungen der Deutschen Bank an Mitarbeiter den Dividendenausschüttungen an Aktionäre seit 2010 gegenüber:

Infografik zum Verhältnis von Boni und Dividenden der Deutschen Bank

Boni und Dividenden der Deutschen Bank seit 2010
Jahr Bonus in Mrd. Euro Anzahl Aktien Dividende pro Aktie in Euro Dividende gesamt in Mio. Euro Verhältnis Dividende zu Bonus
Quelle: Deutsche Bank
2010 4,269 929.499.640 0,75 697,12 0,16
2011 3,516 929.499.640 0,75 697,12 0,20
2012 3,166 929.499.640 0,75 697,12 0,22
2013 3,160 1.019.499.640 0,75 764,62 0,24
2014 2,700 1.019.499.640 0,75 764,62 0,28
2015 2,400 1.379.273.131 0,08 110,00 0,05
2016 0,500 1.379.273.131 0,11 152,00 0,30
2017 2,200 2.066.773.131 0,11 227,35 0,10
2018 1,900 2.066.773.131 0,11 227,35 0,12

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2015 und 2016 sollte es gar keine Dividende für die Aktionäre geben. Doch das Landgericht Frankfurt verpflichtete die Deutsche Bank zur Zahlung einer Mindestdividende. So wurde auf der Hauptversammlung 2017 eine Dividende von 19 Cent für beide Jahre beschlossen – 8 Cent für 2015 und 11 Cent für 2016. In den folgenden Jahren bis 2018 blieb sie immer unter der Marke von 20 Cent pro Aktie. Bei rund 2 Milliarden ausgegebenen Aktien 2017 bedeutet das für die Gesamtausschüttung an Dividenden einen Wert von etwas mehr als 200 Millionen Euro. Den Mitarbeitern der Deutschen Bank wurden hingegen variable Vergütungen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro eingeräumt. Damit entsprachen die Dividendenzahlungen nur 10 Prozent der Bonuszahlungen.

2018 betrugen die Mitarbeiterboni 1,9 Milliarden Euro. Die Dividendenausschüttungen belaufen sich erneut auf 227,35 Millionen Euro (11 Cent pro Aktie). Das bedeutet Kürzungen bei den Mitarbeiterboni von rund 14 Prozent sowie eine Stagnation bei den Dividenden. Die Dividendenzahlungen machen trtzdem nur 12 Prozent der Bonuszahlungen aus. Mitarbeiter der Deutschen Bank werden deutlich mehr verwöhnt als Aktionäre.

Wie begründet die Deutsche Bank die hohen Bonuszahlungen?

Bei den meisten Banken wird für 2018 mit konstanten oder leicht steigenden Boni gerechnet. Mit der Kürzung von 14 Prozent wird die Deutsche Bank eher die Ausnahme sein. Für die Deutsche Bank könnte das zum Problem werden. Personalberater Nils Wilm, Geschäftsführer von Bankenwelt Executive Search, meint: „Bei der Deutschen Bank denken viele über eine Veränderung nach, die Kürzung der Boni dürfte dieses Problem noch verschärfen.“[1]

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Die Deutsche Bank will also verhindern, dass ihre Talente abwandern. Das will sie teilweise auch erreichen, indem sie stärker unterscheidet, welche Mitarbeiter tatsächlich sehr gute Leistungen erbracht haben, und diesen höheren Boni zahlt als anderen. Außerdem werden bis 2019 7.000 Stellen abgebaut. Gestrichen sind bereits jetzt rund 1.000 stellen. Der kleinere Bonustopf wird also auch über einer kleineren Menge Mitarbeiter ausgeschüttet. Trotzdem bleibt die Frage: Wenn die Mitarbeiter der Deutschen Bank so gute Arbeit geleistet haben, wie die Boni suggerieren, warum kommt das Institut dann seit Jahren nicht aus dem Krisenmodus?

Wie hoch sind die Dividenden bei den anderen DAX-Konzernen?

Die folgende Tabelle zeigt die geschätzten Dividendenausschüttungen der DAX-Konzerne für das Geschäftsjahr 2018:

Dividenden der DAX-Konzerne im Geschäftsjahr 2018
Unternehmen Anzahl der Aktien Dividende pro Aktie in Euro Dividende gesamt in Mio. Euro
Anmerkungen: Alle Werte sind Schätzungen; Quellen: finanzen.net, eigene Berechnungen
Adidas 203.861.234 3,14 640,12
Allianz 424.459.661 8,84 3.752,22
BASF 918.500.000 3,21 2.948,39
Bayer 932.551.964 2,84 2.648,45
Beiersdorf 252.000.000 0,71 178,92
BMW St 602.000.000 3,85 2.317,70
Commerzbank 1.252.000.000 0,20 250,40
Continental 200.010.000 4,44 888,04
Covestro  183.000.000 2,39 437,37
Daimler 1.069.840.000 3,48 3.723,04
Deutsche Bank 2.066.773.131 0,11 227,35
Deutsche Börse 190.000.000 2,64 501,60
Deutsche Post 1.236.510.000 1,17 1.446,72
Deutsche Telekom 4.761.460.000 0,70 3.333,02
E.ON 2.201.100.000 0,43 946,47
Fresenius 554.430.000 0,79 438,00
Fresenius Med. 308.950.000 1,25 386,19
HeidelbergCement 198.420.000 2,13 422,63
Henkel Vz 178.160.000 1,87 333,16
Infineon 1.135.380.000 0,27 306,55
Linde 185.730.000 3,86 716,92
Lufthansa 475.210.000 0,82 389,67
Merck KGaA 129.240.000 1,28 165,43
Münchener Rück 155.030.000 9,13 1.415,42
RWE AG St 575.750.000 0,70 403,03
SAP 1.228.500.000 1,44 1.769,04
Siemens 850.000.000 3,80 3.230,00
ThyssenKrupp 622.530.000 0,15 93,38
Volkswagen Vz 206.210.000 5,21 1.074,35
Vonovia 511.100.000 1,45 741,10
Wirecard 123.490.000 0,21 25,93

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Die Dividende pro Aktie für das Geschäftsjahr 2018 wird bei der Deutschen Bank so niedrig sein wie bei keinem anderen DAX-Konzern. 2017 ging die rote Laterne noch an die Commerzbank – dem anderen kriselnden Finanzinstitut Deutschlands. Diese verzichtete auf eine Dividendenausschüttung. Trotz Abstieg aus dem DAC prognostizieren ihr Experten für das Geschäftsjahr 2018 eine Dividende von 0,20 Euro pro Aktie. Ebenfalls am unteren Ende befinden sich ThyssenKrupp mit 0,15 Euro pro Aktie und DAX-Neuling Wirecard mit 0,21 Euro pro Aktie. Spitzenreiter bei den Dividenden pro Aktien waren 2018 dürften die Münchner Rück mit 9,13 Euro und die Allianz mit 8,84 Euro werden.

Bei den Boni hingegen sind die meisten anderen DAX-Konzerne verschlossener als die Deutsche Bank. Während sich bei dieser die Höhe der variablen Vergütung an die Mitarbeiter ohne Schwierigkeiten im Vergütungsbericht finden lässt, beschränken sich andere Firmen auf die Aufschlüsselung der Vergütung für Vorstand und Aufsichtsrat. Immerhin in diesem Punkt ist die Deutsche Bank vorbildlich.

Zumindest von der Commerzbank ist jedoch bekannt, dass seit Anfang 2019 neue Regeln bei der Vergütung von Mitarbeitern gelten. So können Vorgesetzte nun weniger frei über die Boni ihrer Mitarbeiter entscheiden. „Diese Zielgröße für den variablen Vergütungsbestandteil wird nicht mehr wie bisher für jeden Mitarbeiter individuell durch seinen Vorgesetzten festgelegt“[2], gab die Bank bekannt. Individuelle Boni werden nur noch am Mitarbeiter im Ausland oder an „Risk Taker“ ausgeschüttet. Wobei als „Risk Taker“ gilt, wer das Risikoprofil der Bank beeinflusst.

Das neue Modell trifft nicht zuletzt Investmentbanker. Bei vielen Mitarbeitern der Commerzbank kamen die hohen Boni für die Investmentbanker nicht gut an. Manche Experten befürchten darum auch bei der Commerzbank eine Abwanderung von Talenten. Doch für Betriebsratschef Uwe Tschäge ist wichtiger, dass jeder Mitarbeiter seit 2019 „eine mindestens zweiprozentige Erhöhung des Fixgehalts“ erhält.

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Weiterführende Links

[1] Handelsblatt – Deutsche Bank fürchtet Abwanderung von Mitarbeitern

[2] Handelsblatt – Commerzbank schafft individuelle Boni ab