Das Metaverse – Chancen und Risiken für Anleger

Das Thema Geldanlage dreht sich längt nicht mehr nur um Klassiker wie das Sparbuch. In den letzten Jahren sind zahlreiche Formen und Themen hinzugekommen. Robo-Advisor strömten auf den Markt, der Bitcoin wurde erfunden, und dank NFTs bevölkern nun auch Cryptopunks die Finanzwelt. In Zukunft sollten Anleger auch folgenden Begriff parat haben: das Metaverse.

Laut einer Prognose könnte das Metaverse als Branche bis zum Jahr 2024 einen Wert von 800 Milliarden US-Dollar erreichen, im Jahr 2030 sollen es der Schätzung nach 2.500 Milliarden US-Dollar sein. Der mächtige Facebook-Konzern hat sich kurzerhand bereits in „Meta“ umbenannt. Grund genug, sich auch als Anleger mit dem Thema zu beschäftigen. Was steckt dahinter, welche Chancen und Risiken gibt es?

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Das Metaverse ist eine virtuelle Welt, in der Konzerte, Modeschauen und mehr stattfinden
  • Sowohl Technologie-Unternehmen als auch zahlreiche weitere Branchen versprechen sich davon neue Möglichkeiten, mit Kunden in Kontakt zu treten sowie Waren und Kunst abzusetzen
  • Ob sich daraus langfristig tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln lassen, muss sich erst noch zeigen

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Was ist das Metaverse? Eine Definition

© JustSuper/ stock.adobe.com

Das Metaverse oder auch Metaversum ist eine digitale Welt, die parallel zur realen Welt existiert. Im Unterschied zum bisherigen Internet sollen sich Menschen darin mithilfe von Avataren, also virtuellen Abbildern ihrer selbst, aufhalten. Sie können in einer dreidimensionalen Umgebung interagieren.

Zugang erhalten sie beispielweise mit Virtual Reality- oder Augumented Reality-Brillen (VR und AR). Sie können im Metaversum ein Konzert besuchen oder auch shoppen. Unternehmen sehen im Metaverse eine Chance, auf neue Art mit ihren Kunden in Kontakt zu treten.

Teile des Metaverse bestehen bereits, andere sind noch Zukunftsmusik. Ursprünglich stammt der Begriff aus einem 1992 erschienen dystopischen Science Fiction Roman von Neal Stephenson mit dem Titel Snow Crash, wo das Metaversum eine „allumfassende, digitale Welt [ist], die parallel zur echten Welt existiert“.[1]

Beispiele für Anwendungen des Metaversums

Um es etwas konkreter zu machen, hier zwei Beispiele:

Sophia the Robot zeigte auf der Metaverse Fashion Week „high fashion Wearables“ Quelle: decentraland.org

Der Technologiekonzern Sony und der Fußballclub Manchester City arbeiten an einer digitalen Nachbildung des Stadions von Manchester City. Damit soll es Fans künftig möglich sein, Spiele des Clubs live und im Stadion zu verfolgen, ohne das eigene Zuhause verlassen zu müssen. Dank Hawk-Eye-Technologie und VR-Brillen soll es ein authentisches Erlebnis werden und zugleich weitere Möglichkeiten wie verschiedene Blickwinkel bieten. Für Manchester City hat das den zusätzlichen Vorteil, dass es beliebig viele Eintrittskarten verkaufen können wird.[2]

Bereits stattgefunden hat die erste Metaverse Fashion Week. Vom 24. bis zum 27. März 2022 präsentierten auf dieser virtuellen Modewoche unter anderem Etro, Tommy Hilfiger und Elie Saab ihre Kollektionen. Digitale Avatare trugen digitale Mode und zeigten sie dem Publikum, es gab Shows und Partys. Das Publikum konnte Non-Fungible-Token (NFTs) für die eigenen Avatare erwerben. Einige Artikel ließen sich nach den Shows aber auch physisch erwerben.

Tommy Hilfiger sagte: „Als ich 1985 meine gleichnamige Marke gründete, hätte ich mir nie vorstellen können, dass die Modewochen einmal in einer vollständig virtuellen 3D-Welt stattfinden würden.  Ich bin inspiriert von der Macht der digitalen Technologie und den Möglichkeiten, die sie bietet, um mit größeren Personengruppen auf faszinierende und relevante Weise in Kontakt zu treten.“[3]

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Wichtige Firmen im Zusammenhang mit dem Metaverse

Vor allem Technologieunternehmen sehen im Metaversum große Chancen – und wittern hohe Gewinne. Die Umbenennung von Facebook in Meta wurde bereits erwähnt. Auch Microsoft hat Ambitionen im Metaverse – unter anderem deshalb schlug es für rund 70 Milliarden US-Dollar beim Spielehersteller Activision Blizzard zu. Außerdem entstehen derzeit zahlreiche Kooperationen etwa von Modefirmen mit Spielunternehmen, darunter Gucci mit Roblox, Balenciaga mit Fortnite bzw. Epic Games und Louis Vuitton mit Riot Games.

Quelle: ariva.de

Einen ETF zum Thema Metaverse gibt es auch schon, den Roundhill Ball Metaverse ETF (ISIN: US53656F4173). Er lässt sich in Deutschland derzeit allerdings nur an der Börse Berlin handeln und ist nicht sehr liquide – und auch darum von Anlegern mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem geben die Firmen des zugrunde liegenden Index Aufschluss über wichtige Player im Metaverse. Die zehn größten Positionen sind:

Top 10 Unternehmen des Roundhill Ball Metaverse ETF
Unternehmen ISIN Anteil am ETF
Stand: 03/2022 Quelle: roundhillinvestments.com
NVIDIA CORPORATION US67066G1040 8,79%
ROBLOX CORP US7710491033 8,77%
META PLATFORMS INC US30303M1027 7,96%
UNITY SOFTWARE INC US91332U1016 7,25%
MICROSOFT CORP US5949181045 6,30%
SNAP INC US83304A1060 5,32%
SEA LTD US81141R1005 4,26%
AMAZON COM INC US0231351067 3,69%
APPLE INC US0378331005 3,57%
AUTODESK INC US0527691069 3,40%

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Die Liste umfasst viele große Tech-Unternehmen, die sich auch abseits vom Metaverse bereits einen Namen gemacht haben. Daneben gibt es Unternehmen wie Roblox, das 2004 gegründet wurde und die gleichnamige Spieleplattform betreibt, jedoch erst im Jahr 2021 den Börsengang wagte. Anfang 2022 verlor die Aktie deutlich.

Chancen und Risken des Metaverse

Welche Chancen bietet das Metaverse?

Vor der Corona-Krise hätten vermutlich viele Menschen den Gedanken verlacht, auf ein digitales Konzert zu gehen. Warum nur virtuell daran teilnehmen, wenn ich auch physisch vor der Bühne stehen kann? Die Pandemie hat den Blick auf Großveranstaltungen jedoch verändert. Plötzlich scheint es attraktiv, in einer virtuellen Welt mit anderen zu feiern.

Für Unternehmen bietet das Metaversum zudem zahlreiche potenzielle Einnahmenquellen. An virtuellen Großveranstaltungen können noch mehr Menschen teilnehmen als an realen. Wie das Beispiel von Manchester City zeigt, könnten beliebig viele Tickets verkauft werden.

Technologie-Unternehmen können vom Metaverse profitieren, indem sie die benötigte Hard- und Software zu Verfügung stellen – wie beispielweise VR-Brillen. Industrie-Unternehmen können in virtuellen Fabriken das Design ihrer Produkte optimieren. Modelabels und Künstler bekommen neuen Möglichkeiten, ihre Waren und Kunstwerke auszustellen, sie einem breiten Publikum anzupreisen und zu verkaufen.

Markus Richert, Finanzplaner beim Kölner Vermögensverwalter Portfolio Concept, sagte beispielsweise, im Metaversum „wird das Geld nicht nur mit dem Verkauf von VR- und AR-Brillen verdient. Viel Potenzial liegt in der Möglichkeit, in den virtuellen Welten Besitz zu haben. Machbar wird dies durch die Blockchain. Kryptowährungen und Non-Fungible-Token können zur tragenden Säule werden.“[4]

Surftipp: Was sind Non-Fungible-Token (NFT)? »

Welche Risiken birgt das Metaverse?

Allerdings birgt das Metaverse auch die Gefahren eines Hypes, der schnell verflogen sein könnte. Erinnert sei hier nur an „Second Life“. Diese „Lebenssimulation“ in einer virtuellen Welt, durch die man sich mit Avataren bewegt, ist ein Vorläufer dessen, was jetzt als Metaverse lanciert. Im Jahr 2003 veröffentlicht löste das Spiel zunächst eine Welle der Begeisterung aus. Teils tummelten sich darin mehr als eine Millionen Nutzer pro Monat. Büros und Shops echter Unternehmen und Marken wurden eröffnet.

Auch heute gibt es Second Life noch. Doch kaum jemand redet mehr darüber. Das Spiel hatte unter anderem damit zu kämpfen, das verbotenes pornographisches Material verbreitet wurde und virtuelle Banken dubiose Angebote machten. Von den großen Social Media Plattformen wurde es inzwischen abgehängt.[5]

Was Facebook angeht, wird zudem gemutmaßt, dass die Umbenennung in Meta und die Beschäftigung mit dem Metaverse vor allem von den zahlreichen Problemen des Unternehmens ablenken soll – etwa den Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen.

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Außerdem gibt es einen Bericht über sexuelle Übergriffe auf Kinder im Metaversum. So tarnte sich eine Journalistin in der App VRChat als 13-Jährige und hatte trotzdem Zugang zu Räumen, in denen „Avatare Sex simulieren“. Viele Männer sprachen sie an. Auch Sexspielzeug und Kondome wurden ihr gezeigt.[6] In Facebooks Horizon-App kann nach Beschwerden über Belästigungen inzwischen ein Mindestabstand festgelegt werden.[7]

Das Metaversum wird also mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie Social Media Plattformen schon heute. Die schöne neue Welt könnte von einigen Nutzern für ihre eigenen Zwecke missbraucht werden. Es könnte dort nicht immer so friedlich zu gehen, wie sich das die beteiligten Firmen gerne wünschen – und in Folge als Geschäftsfeld an Attraktivität verlieren.

Fazit

Am Metaverse zeigen sich viele etablierte Technologie-Unternehmen interessiert, darunter Meta, Nvidia und Microsoft. Technologie-Unternehmen waren in der Vergangenheit auch abseits des Metaversums oft eine gute Wahl für Anleger und sorgten für gute Renditen. Schon darum kann sich ein Blick auf sie lohnen.

Dennoch sind Investitionen rund um das Metaverse derzeit mit Vorsicht zu genießen. Es ist nicht abzusehen, ob sich im Metaverse wirklich langfristig tragbare Geschäftsmodelle entwickeln. Vieles könnte sich als kurzlebiger Hype herausstellen.

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Weiterführende Links

[1] Vice – Definition Metaverse

[2] Handelsblatt – Anleger entdecken das Metaverse

[3] Vogue – Metaverse Fashion Week

[4] Siehe Fußnote 2

[5] NZZ – Second Life

[6] Heise – Metaversum: „Eine giftige Kombination von Risiken für Kinder“

[7] Heise – Facebook Metaverse Mindestabstand