Nicht nur das Koffein puscht: Kaffee-Aktien

3,8 Tassen – so viel Kaffee trinken die Deutschen pro Person täglich im Durchschnitt. Das gab im Frühjahr 2023 der Deutsche Kaffeeverband (ja, den gibt es wirklich) bekannt, der regelmäßig entsprechende Studien veröffentlicht. 2021 waren es übrigens 3,6 Tassen und vor den Corona-Jahren 3,5 Tassen. Der Trend geht entsprechend zu mehr Kaffee und hierzulande liegt der Konsum des Getränks aus den gerösteten Bohnen sogar noch vor Mineralwasser und Bier. Noch ein paar Zahlen gefällig? In Deutschland wurden beispielsweise 2022 rund 497.700 Tonnen Röstkaffee verkauft, in Europa beträgt der Umsatz mit Kaffee 2023 ca. 30,9 Milliarden Euro und pro Kopf geben die Kunden damit 36,32 Euro für Kaffee aus. Ach ja: Marktprognosen gehen davon aus, dass Europa 2028 ein Marktvolumen von 37,5 Milliarden Euro erreicht – was auf ein Umsatzwachstum von leicht unter 4,00 Prozent pro Jahr hindeutet. In anderen Märkten ist die Tendenz ähnlich positiv. Setzen wir uns doch einmal hin, schenken nach und betrachten, wo sich in Aktien investieren lässt, die mit Kaffee zu tun haben. Mit Milch oder ohne?


Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die weltweite Kaffeeketten No. 1: Starbucks
  • Konkurrenz in und aus China: Luckin Coffee Inc.

Online-Broker im Vergleich »

 

In unserer ersten Runde zum Thema Kaffee begeben wir uns zu den Kaffeehausketten, wobei wir die globale Nummer 1 und den chinesischen Herausforderer auf die Kaffeetafel bringen.

Starbucks Aktie (WKN 884437)

Beginnen wir mit einem Unternehmen, welches für viele Konsumenten synonym für den Kaffee unterwegs aka „coffee to go“ steht: Starbucks. Das grüne Logo mit der Meerjungfrau (mit zwei Flossen!) kennt praktisch jeder und Filialen des US-Franchisegebers gibt es gefühlt auch in allen größeren Städten. Weltweit waren es 2022 35.711 Coffeeshops, darunter teilweise bemerkenswerte Filialen wie jene am karibischen Strand der Turks- und Caicosinseln oder der Starbucks Ninenzaka in einem traditionellen japanischen Gebäude mit Tatami-Matten in Kyoto. Mehrheitlich sind Starbucks-Filialen aber eher zweckdienlich gebaut und strukturiert – weil das Sinn macht. Systemgastronomie in Perfektion (was der Kunde großartig finden kann, aber nicht unbedingt muss). Hauptsitz der Starbucks Corp. ist übrigens Seattle im US-Bundesstaat Washington. Gegründet wurde die Kaffeehauskette 1971 von drei Studienfreunden, die ihrem „Kaffee-, Tee- und Gewürzgeschäft“ den Namen in Anlehnung an den Steuermann aus Melvilles Moby Dick gaben. Nach eher ruhigen Anfangsjahren kam bei Starbucks 1982 Howard Schultz an Bord, der sich u. a. um die Vermarktung des Geschäfts kümmern sollte. Seine expansiven Pläne und die Ideen der Gründer passten allerdings nicht zusammen und der New Yorker trennte sich bereits 1985 wieder von Starbucks, nur um 1987 zurückzukehren und das gesamte Unternehmen für ca. 3,8 Millionen US-Dollar zu übernehmen. Direkt danach startete die erste Expansionsphase und innerhalb von zwei Jahren wurden aus elf insgesamt 55 Filialen. 1992 ging Starbucks dann an die Börse (NASDAQ). Die restliche Geschichte handelt vorwiegend von immer neuen Filialen und Übernahmen bzw. Joint Ventures. Aus Starbucks wurde eine globale Marke, zu Kaffee kam eine schier endlose Reihe an gebrandeten Produkten und der mittlerweile 70-jährige Schultz steuert inzwischen sein Kaffee-(+Extras)-Imperium als erneut zurückgekehrter Übergangs-CEO, der nicht wirklich von seinem Platz auf der Brücke lassen kann.

Was macht das Kaffee-Franchise Starbucks für Investoren und Anleger interessant? Zunächst seine globale Aufstellung. Wie erwähnt: An der Marke bzw. den Cafés kommt fast niemand vorbei. Aus eigener Erfahrung: In Japan scheint beinahe täglich ein entsprechender Laden aus dem Boden zu schießen und das trotz des Umstands, dass Essen und Trinken im Gehen gar nicht gerne gesehen sind. Aber viele Kunden (und Studierende) finden das Gratis-WiFi-Angebot inklusive Kaffee mehr als attraktiv. Auch in den USA soll die Anzahl der Nettogeschäft bis 2025 um rund 2.000 steigen.

Zurück zur globalen Aufstellung: Die sorgt dafür, dass immer noch viel Wachstumspotential im Unternehmen steckt. Haken: Starbucks steht in einer krisengeschüttelten Welt natürlich mit einigen Filialen auch in kritischen Gebieten. 2022 zog sich die weltgrößte Café-Kette z. B. aus Russland zurück und schloss diverse Geschäfte. Auch die Corona-Krise hinterließ bei Starbucks ihre Spuren.

Von Krisenstimmung ist bei Starbucks derzeit aber wenig zu erkennen. Das letzte Quartal brachte eine Umsatzsteigerung um 11,40 Prozent auf 9,37 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 8,41 Milliarden US-Dollar) – das lag über den Erwartungen der meisten Analysten. Der Jahresumsatz zeigte einen Wert von 35,98 Milliarden US-Dollar, was ebenfalls (wenngleich nur knapp) über den Schätzungen blieb. Der Gewinn je Aktie wurde mit 3,54 US-Dollar beziffert. [1]

Kurstechnisch war das ein großer Schluck aus der Kanne: Die Aktie kletterte zuletzt auf über 97 Euro bzw. 105,60 USD (Stand: 15. November 2023). Aufgrund der weiterhin starken Expansion ist sogar noch ein weiterer Keks für Anleger drin. Für alle die bereits investiert sind, würden wir „halten“ empfehlen.

Bedienhinweis: Einzelne Datenreihen lassen sich durch Klick auf die betreffende Überschrift aus- und wieder einblenden.

Quellen:

Surftipp: Anleihen kaufen - so geht es richtig »

Luckin Coffee (WKN A2PJ6S)

Nicht überall auf der Welt ist der Aufdruck auf dem Kaffeebecker grün. In China z. B. ist nicht Starbucks auf dem Vormarsch, sondern Luckin Coffee Inc. – eine erst 2017 in Peking gegründete Kaffeehauskette mit sagenhaften 13.255 Stores im Reich der Mitte (4.466 als Partnership und 8.739 im Eigenbetrieb) [2]. Außerhalb sieht die Lage etwas übersichtlicher aus: Dort gibt es 18 Geschäfte, von denen elf gerade erst eröffnet haben. Viele Läden in China sind indes eher Abholstandorte, die sich in Büros oder an Universitäten ansiedeln.

Das Wachstum der Läden ist immens und die Zahlen generell bemerkenswert: Der Umsatz im vergangenen Quartal kletterte um 84,9 Prozent auf 7,2 Milliarden RMB. Analysten hatten sogar noch deutlich höher mit ihren Erwartungen gelegen. Generell gilt jedoch bei Luckin Coffee: Bitte zweimal hinsehen. 2019 ging es für das Unternehmen an die US-Aktienmärkten (im Rahmen eines sponsored ADR-Programms). Kurstechnisch war es ein ziemliches auf und ab. 2020 kamen zudem Hinweise auf einen Betrugsfall hinsichtlich gefälschter Umsätze auf, die Luckin Coffee zunächst abstritt, aber nach internen Untersuchungen im Umfang von etwa 310 Millionen US-Dollar (2,2 Milliarden RMB) eingestehen musste. Was folgte war ein radikaler Absturz des Aktienkurses und die Aussetzung des Handels inklusive Insolvenzverfahren. Seit Mai 2020 wird das Papier wieder gehandelt und es ist weitestgehend ruhig um Luckin Coffee geworden – zumindest im Westen der Welt.

Innerhalb Chinas expandiert Luckin Coffee weiterhin stark. Für Anleger könnte das Geschäft dann interessant werden, wenn die Kette sich massiv ins Ausland ausweitet. Es darf aber bezweifelt werden, dass das bisherige Modell sich umfassend auf alternative Märkte übertragen lässt, da Luckin Coffee doch sehr deutlich den chinesischen Coffee-Style bedient. Vielfach wird Kaffee bestellt und geliefert, bezahlt wird digital per App und die große Kaffeeketten-Kultur gibt es nicht. Aber Kaffee gilt vor allem bei jüngeren Chinesen als beliebt und löst ein wenig den Tee ab (wenngleich der Kaffee zum Frühstück selten sein dürfte).

In der Aktien-Betrachtung nach 2020 sieht der Kurs (abseits der obligatorischen Corona-Delle) sehr gut aus. Allerdings betrachten wir das Papier eher aus der Ferne und nehmen zum Überlegen noch einen Schluck aus dem Pappbecher. Zuletzt wanderte die Aktie rund um die 30,00 Euro mit leichter Seitwärtstendenz.

Bedienhinweis: Einzelne Datenreihen lassen sich durch Klick auf die betreffende Überschrift aus- und wieder einblenden.

Quellen:

Anbieter für Aktiensparpläne vergleichen

Fortsetzung

Im 2. Teil unserer Serie sehen wir uns einen Italienischen Hersteller von Kaffeemaschinen und einen bekannten Kaffeeröster an.

Weiterführende Links und Quellen:

[1] Starbucks Investor Relations

[2] Luckin Coffee Third Quarter Earnings Presentation 2023