Anlagebetrug – unseriöse Angebote erkennen und im Betrugsfall richtig reagieren

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten Geld anzulegen. Aber nicht alle Anbieter sind seriös. Werden Anleger am Kapitalmarkt getäuscht und tragen somit ungewollt zur illegalen Bereicherung der Anbieter bei, spricht man von Kapitalanlagebetrug. Wir klären auf, wie Sie sich wirksam vor betrügerischem Trading schützen können und wie Sie reagieren sollten, wenn Sie bereits auf Betrüger hereingefallen sind.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Anlagebetrüger nutzen häufig Werbeanzeigen, gefälschte Webseiten, Fake-Apps, Social-Media-Kanäle und betrügerische Mails, um mit Anlegern in Kontakt zu kommen
  • Sie locken oft mit hohen Renditen, setzen Anleger unter Zeitdruck und haben bspw. kein Impressum
  • Anleger, die Opfer von Anlagebetrügern geworden sind, sollten Strafeanzeige bei der Polizei stellen und sich an Verbraucherzentrale und BaFin wenden

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Welche Betrugsmethoden und zum Schein angebotene Finanzprodukte gibt es?

Das Internet eröffnet für die Betrüger neben den althergebrachten Methoden wie Anzeigenschaltung und Cold-Calling (unerlaubte Telefonanrufe) neue Möglichkeiten, wie beispielsweise Werbeanzeigen auf sozialen Medien wie Facebook und Instagram oder personalisierte Werbung auf Google.

Diese Werbeanzeigen sind nicht erlaubt, aber es ist zeitaufwendig sie sperren zu lassen. Somit erreichen diese Anzeigen trotzdem eine Vielzahl an möglichen Opfern.  

Die Finanzprodukte, die dabei zum Schein angeboten werden, sind vielfältig. Es handelt sich meist um Produkte wie Differenzkontrakte (Contracts for Difference; CFD*), virtuelle Währungen und Initial Coin Offerings (ICOs), aber auch Aktien und Fonds.

Wie funktioniert Betrug mit Differenzkontrakten (Contracts for Difference, kurz: CFD)?

Finanzielle Differenzgeschäfte sind Verträge zwischen zwei Parteien, die auf die Kursentwicklung eines bestimmten Basiswerts spekulieren und außerbörslich angeboten werden. Sie zeichnen sich durch ihre Hebelwirkung aus und haben für den Anleger ein sehr hohes Verlustrisiko, welches sich nicht nur auf den konkreten Kapitaleinsatz des Kunden beschränkt, sondern auch sein gesamtes Vermögen betreffen kann.

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Herangehensweise der Betrüger: Als Voraussetzung für den Handel mit CFD, muss der Verbraucher ein Kundenkonto bei einer Handelsplattform einrichten. Danach wird der Täter in Kontakt mit dem Anleger treten und versuchen ihn zu möglichst hohen Investitionen zu überreden. 

Wie funktioniert Betrug mit Aktien und Fonds?

Mit Aktien investieren Anleger in einzelne Unternehmen und können von Kursgewinnen sowie Dividendenausschüttungen profitieren. Bei einer Investition in einen aktiv gemanagten Fonds vertrauen sie ihr Geld hingegen einen Fondsmanager an, der dieses dann je nach verfolgter Strategie in eine Vielzahl von Aktien, Anleihen oder anderen Produkten anlegt. Sowohl Aktien als auch Fonds können von Betrügern für verschiedene Betrugsmaschen genutzt werden.

Betrug mit Aktien – Herangehensweise der Betrüger

Beim Betrug mit Aktien handelt es sich regelmäßig um dieselbe Masche. Die Betrüger investieren im Vorfeld in Aktien, die sich für weniger als einen Euro handeln lassen. Diese sind auch als Penny Stocks bekannt. Anschließend versenden sie Börsenbriefe in Form von Mails oder rufen direkt bei Anlegern an und fordern sie dazu auf, in die entsprechenden Aktien zu investieren. Fallen die Anleger auf die Betrüger herein und investieren, steigt der Kurs kurzfristig, woraufhin die Betrüger ihre eigenen Aktien schnell abstoßen und den Gewinn einstreichen. Der Kurs bricht ein und Anleger bleiben auf den Verlusten sitzen.

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Betrug mit Fonds – Herangehensweise der Betrüger

In Zusammenhang mit Anlagebetrug hat es auch der ehemalige Hedgefondsmanager Helmut Kiener zu trauriger Berühmtheit gebracht. Kiener hatte unter anderem den Hedgefonds K1 aufgelegt und über 5.000 Anleger sowie drei Banken (u.a. Barclays und BNP Paribas) dazu gebracht, in seine Finanzprodukte zu investieren. Am Ende verloren sie rund 345 Millionen Euro.

Seine Methode: Kiener versprach Anlegern horrende Renditen von 30 bis 40 Prozent. Verluste verschleierte er mit gefälschten monatlichen Gewinnmitteilungen. Auszahlungen wurden über die Investitionen neuer Anleger finanziert. So entstand ein Schneeballsystem.

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Wie funktioniert Betrug mit Virtuellen Währungen?

Beispiele für Betrugsmaschen im Zusammenhang mit Investitionen in virtuelle Währungen
Kanal Masche Schutzmaßnahmen
Quelle: Kaspersky.de
Gefälschte Webseiten Anleger werden auf Webseiten gelockt, die den Webauftritt etablierter Anbieter täuschend echt nachahmen
  • URL genau prüfen
  • Bei gefälschten Seiten fehlt das kleine Schlosssymbol vor dem https://
Fake-Apps Anleger sollen gefälschte Apps herunterladen und über diese Geld investieren
  • Name und Beschreibung der App auf Rechtschreibfehler prüfen
  • Logo und Branding der App prüfen
Seltsame Tweets und andere Social-Media-Beiträge Bots ahmen legitime Konten nach und fordern über Social-Media-Kanäle zum Investieren auf
  • Keinen unbekannten Accounts trauen
  • Auch Reaktionen anderer Nutzer auf das Angebot können von Bots sein
Betrügerische E-Mails Anleger werden mit betrügerischen Mails auf unsersiöse Plattformen geleitet oder mit ICOs gelockt
  • Absender prüfen
  • Logo und Branding prüfen
  • Rechtschreibung prüfen

Kryptowährung sind virtuelle Zahlungsmittel, die nur in digitaler Form vorliegen und in der Regel von keiner zentralen Instanz herausgegeben werden. Es wird ein dezentrales Netzwerksystem zur Aufzeichnung von Transaktionen und zur Generierung neuer Währungseinheiten verwendet (Blockchain-Technologie).

Initial Coin Offerings (ICOs):

ICOs sind ein Mittel der Kapitalaufnahme zur Finanzierung unternehmerischer Vorhaben. Dabei werden neue digitale Einheiten erzeugt (Token Generating Event). Die generierten Token werden meist in einem unregulierten öffentlichen Bieterverfahren an interessierte Anleger verkauft (Token Sale). Ein ICO kann auch als Form des Crowdfunding bezeichnet werden.

Beim Anlagebetrug im Zusammenhang mit virtueller Währung kann in bereits existierende Produkte investiert werden (z.B. Bitcoin); in solche Produkte, die sich gerade in der Entwicklung befinden (z.B. Investition in ICOs unter Herausgabe von Token/Coins) oder in sonstige Anlagemodelle (z.B. Investition in Crypto-Trading-Bots/Handelsroboter für virtuelle Währungen oder in Cloud Mining, bei dem der Investor Kapital in externe Rechenzentren zum Schürfen von Kryptowährungen anlegt).

Vor- und Nachteile von Kryptowährungen + Kryptobörsen aus Europa im Vergleich »

Welche Strafen gibt es für Kapitalbetrug?

Der Kapitalanlagebetrug ist nach § 264a des Strafgesetzbuchs strafbar und kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldbuße geahndet werden.

Wie erkennen Sie unseriöse Anbieter?

Unaufgeforderter telefonischer Kontakt (sogenanntes Cold Calling)

Kein seriöser Finanzdienstleister wird sich unaufgefordert per Telefon bei Ihnen melden. Besonders bei Anrufen aus dem Ausland sollten bei Ihnen alle Alarmglocken läuten.

Nicht von wohlklingenden Bezeichnungen täuschen lassen

Namen wie „Vermögensberater“, „Finanzkaufmann“ und „Finanzberater“ sind nicht rechtlich geschützt. Es kann sich also theoretisch jeder so nennen. Vertrauen Sie nicht auf wohlklingende Bezeichnungen.

Gesellschaftsform des Unternehmens

Achten Sie auf die Gesellschaftsform des Anbieters! Besondere Vorsicht ist hier bei der „Limited“ (Ltd.) geboten. Sie ist zwar rechtlich mit einer GmbH vergleichbar, jedoch reicht hier als Startkapital bereits ein Euro bzw. ein britisches Pfund. Bei der GmbH wird dagegen stets ein Startkapital von 25.000 Euro verlangt. Daher unterliegt die Ltd mangels Stammkapital keiner Haftungsverpflichtung.

Zeitdruck

Nur Betrüger drängen Sie zum sofortigen Abschluss des Geschäfts. Umso länger diese warten müssen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das unseriöse Angebot durchschauen. Darum gilt: Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen! Anlageentscheidungen sollten wohl überlegt sein. Ein seriöser Anbieter gibt Ihnen diese Zeit, da er Sie langfristig als zufriedenen Kunden gewinnen will. 

Verwandte oder Bekannte als Referenz

Die Vertrauenswürdigkeit erhöht sich auch nicht dadurch, dass Verwandte oder Bekannte als Referenz genannt werden, denn meist ist das ein ausgeklügeltes Schneeballsystem, bei dem selbst zum Opfer gewordene Anleger dazu genutzt werden, um neue Kunden zu locken. Die Investitionen von anderen Kunden werden oft dazu genutzt, um wieder andere Kunden anfänglich auszuzahlen. Aber irgendwann bricht das Schneeballsystem zusammen.

Schwarzgeld-Anlage

Abgesehen davon, dass Sie sich bei der Investition in eine Schwarzgeld-Anlage erpressbar machen, kann es zu einem Ermittlungsverfahrungen der Steuerfahndung kommen. Dann müssen Sie ihr verlorenes Kapital nachträglich versteuern und mit einer Strafe oder Geldbuße rechnen.

Hohe Rendite und anfängliche Auszahlung

Vorsicht vor Versprechungen, wie beispielsweise, dass Sie schnell und einfach reich werden können. Es gibt keine Geheimformel, um Kurse vorhersagen zu können und es wird Ihnen ganz bestimmt kein Geld geschenkt. Je höher die versprochene Rendite, desto höher auch das Risiko. Lassen Sie sich nicht davon blenden, dass eventuell anfangs die Erträge ausgezahlt werden. Das ist leider Teil der Betrugsmasche. Sie sollen Vertrauen fassen und Ihre Anlagebereitschaft erhöhen bzw. Ihren Bekannten von der „gewinnbringenden“ Anlagemöglichkeit berichten.

Impressum mit Kontaktdaten fehlt

Bei fehlendem Impressum ist dringend abzuraten Geld bei dem Unternehmen anzulegen.

Firmensitz im Ausland

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie feststellen, dass sich der Firmensitz im Ausland befindet. Zum einen können Gerichtskosten im Ausland sehr teuer werden und zum anderen wählen Betrüger gerne den Firmensitz im Ausland, um eine strafrechtliche Verfolgung zu erschweren. Mitunter befindet sich dann nur ein Briefkasten an der offiziellen Firmenadresse.

EU-Lizenz fehlt

Ob der jeweilige Anbieter eine EU-Lizenz vorweisen kann, erfahren Sie in der Unternehmensdatenbank der BaFin.

Wenige Informationen

Als Anleger sind Sie der Geldgeber haben damit ein Anrecht auf ausführliche und aussagekräftige Informationen. Lassen Sie sich nicht mit halbherzigen Aussagen abspeisen.

Absprachen zwischen Anbieter und Treuhänder

Bei einem Treuhänder ist es wichtig, dass er vom Anbieter unabhängig ist und die beiden nicht hinter Ihrem Rücken gemeinsame Sache machen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich beide Parteien kennen und abgesprochen haben, sollten Sie besser Abstand von dem Geschäft nehmen.

Nicht durch notarielle Kontrolle in Sicherheit wiegen

Bei der notariellen Abwicklung eines Anlagegeschäfts sollten Sie unbedingt daran denken, dass der Notar nur die formelle Richtigkeit des Vertrags überprüft. Ob das Angebot seriös ist, liegt nicht in seiner Zuständigkeit.

Verspätete Veröffentlichung von Jahresabschlüssen

Um einen Eindruck der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens zu bekommen, sind diese verpflichtet ihre Jahresabschlüsse rechtzeitig zu veröffentlichen. Für Unternehmen, die Vermögensanlagen vertreiben, gilt nach Jahresabschluss eine sechsmonatige Frist. Verspätete Ergebnisse sind meist ein Anzeichen dafür, dass irgendetwas nicht stimmt.

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Was tun, wenn Sie bereits auf Betrüger hereingefallen sind?

➔ Stellen Sie eine Strafanzeige bei der Polizei. Diese kann die Konten der Betrüger sperren lassen und Vermögen sicherstellen.

➔ Überprüfen Sie, ob Sie Ihr Geld zurückholen können. Bei Zahlung mit Kreditkarte ist das meist möglich. Bei Überweisungen sollten Sie sich mit Ihrer Bank in Verbindung setzen und nachfragen.

➔ Wenden Sie sich an die Verbraucherzentrale. Diese kann Sie bei Ihrem weiteren Vorgehen beraten und andere Verbraucher warnen.

➔ Schalten Sie die Finanzaufsichtsbehörde (BaFin) ein. Diese hat weitreichende Befugnisse, um das jeweilige Unternehmen mit Sanktionen zu belasten.

➔ Ziehen Sie einen Anwalt zu Rate, speziell um Verträge zu widerrufen oder anzufechten. Sie können auch Schadenersatzansprüche bei falscher Beratung gegen den Anlageberater geltend machen.

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Weiterführende Links

Verbraucherzentrale – Geldanlage: Seriöse Finanzberater und Anlagegesellschaften erkennen

Polizeiliche Kriminalprävention – Kredit- und Anlagebetrug

Bundeskriminalamt – Kapitalanlagebetrug

Bundeskriminalamt – Bundeslagebild Wirtschafskriminalität 2018

Kaspersky – Top 4 der Betrugsmaschen mit Kryptowährungen und wie Sie sie vermeiden

Das Investment – Fondsverband warnt vor unseriösen Angeboten

Manager Magazin – Helmut Kiener


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Risikohinweis CFD- und Forex-Handel

Der Handel mit Devisen und CFDs ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust Ihrer gesamten Kapitaleinlage führen. Zwischen 74% und 89 % der Kleinanlegerkonten verlieren beim Handel mit CFD Geld! Möglicherweise gibt es Kontoarten, bei denen Verluste das eingesetzte Kapital übersteigen können. Der gehebelte Handel mit CFD und Forex ist eventuell nicht für Sie geeignet! Informieren Sie sich darum ausführlich, wie der CFD- und Forexhandel funktioniert. Sie sollten keine Gelder einsetzen, deren Verlust Sie im schlimmsten Fall nicht verkraften könnten. Stellen Sie sicher, dass Sie alle mit dem CFD- und Forexhandel verbundenen Risiken verstanden haben. Der Inhalt dieser Webseite darf NICHT als Anlageberatung missverstanden werden! Wir empfehlen, sofern notwendig, sich von unabhängiger Stelle beraten zu lassen.


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