Smart Beta-ETFs – Definition, Vor- und Nachteile

Was sind Smart Beta-ETFs?

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Smart Beta-ETFs sind ETFs, die einen nach Faktoren gewichteten Index nachbilden. Solche Faktoren können „Dividende“, „geringe Schwankungen“ oder „Wert“ sein. In einem Smart Beta-ETF mit dem Faktor „Dividende“ sind demnach Titel mit besonders hoher Dividende stärker gewichtet als andere. Damit verbinden Smart Beta-ETFs die passive Strategie eines klassischen ETFs mit der aktiven Strategie eines aktiv gemanagten Fonds.

Welche Eigenschaften hat ein Smart Beta-ETF?

Ein Smart Beta-ETF vereint passives Investieren mit aktivem Investieren. Ein gewöhnlicher ETF bildet einen Marktindex wie den Dax oder den MSCI World nach. Die Aktien in einem solchen Index werden nach Marktwert gewichtet. Betrüge beispielweise der Marktwert von Adidas 2,5 Prozent vom Marktwert aller Unternehmen im Dax, wäre die Gewichtung von Adidas im Index 2,5 Prozent und auch in einem ETF auf den Dax wäre Adidas mit 2,5 Prozent gewichtet.

Die Regeln für den ETF sind also klar vorgegeben. Es handelt sich um passives Investieren, weil der ETF lediglich einen Marktindex nachbildet.

Anders sieht es bei aktiv gemanagten Fonds aus. Über ihre Zusammensetzung entscheidet der Fondsmanager. Er verfolgt eine Strategie, nach der er Aktien auswählt und in sie investiert. Die Hoffnung dahinter ist letztlich, dass der Fonds den Markt – also einen vergleichbaren Index – schlägt und den Anlegern damit eine höhere Rendite oder andere Vorteile gegenüber einem ETF bringt.

Ein Smart Beta-ETF setzt nun wie ein gewöhnlicher ETF auf einen Index – allerdings auf einen Index, der nach bestimmten Faktoren gewichtet ist. Das heißt, die einzelnen Titel sind nicht nach ihrem Marktwert gewichtet, sondern beispielsweise so, dass diejenigen, welche nur geringen Schwankungen ausgesetzt sind, einen höheren Anteil haben also solche, die besonders stark schwanken.

Smart Beta-ETFs verbinden passive und aktive Strategien

Damit ist ein Smart Beta-ETF ein passives Investment insofern, als er nach klar definierten Regeln einen Index nachbildet. Ein aktives Investment ist er, da er durch die Gewichtung zugleich eine Strategie verfolgt – etwa das Risiko zu minimieren, indem er auf besonders schwankungsarme Titel setzt, oder die Rendite zu erhöhen, indem er besonders auf Titel mit hoher Dividende setzt.

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Nach welchen Faktoren werden Smart Beta-ETFs gewichtet?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, nach denen Smart Beta-ETFs gewichtet werden können. Die bekanntesten gehen auf die Wirtschaftswissenschaftler Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama und Kenneth French zurück. Ihr Fama-French-Dreifaktorenmodell wurde im Laufe der Zeit um weitere Faktoren erweitert.

Quelle: Flossbach von Storch

Size (Small Cap)

Ein beliebter Faktor bei der Gewichtung ist die Größe. Hierbei wird besonders stark in die kleinen Unternehmen eines Index investiert (Small Caps). Unternehmen mit einer geringen Marktkapitalisierung sind besonders riskant für Anleger. Allerdings können sie auch schnell wachsen, wodurch sich die Rendite für Anleger erhöht.

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Value

Value bedeutet ins Deutsche übersetzt „Wert“. Smart Beta-ETFs, die nach „Value“ gewichtet sind, setzen besonders stark auf Unternehmen, die als unterbewertet gelten. Unterbewertet können Unternehmen sein, weil ihr Geschäftsmodell auf den ersten Blick wenig aufregend wirkt. Oft werden Erträge, Cashflow und Buchwert des Unternehmens betrachtet, um herauszufinden, ob sie sich als unterbewertet einstufen lassen. Auch hier ist die Hoffnung, dass sich Unternehmen, die aktuell unterbewertet sind, langfristig besser entwickeln als der Markt.  

Quality

Anders als bei der Gewichtung nach Größe, werden mit dem Faktor Qualität nicht besonders riskante, sondern stabile Unternehmen hervorgehoben. Eine gute Ertragslage und eine hohe Eigenkapitalrendite können auf Qualitätsunternehmen hinweisen. Manchmal haben solche Unternehmen hohe Investitionskosten, doch das kann sich langfristig auszahlen.

Momentum

Mit diesem Faktor soll das Momentum genutzt werden. Die Theorie besagt, eine Aktie, deren Kurs im Moment steigt, wird sich auch in den nächsten Monaten gut entwickeln.

Low Volatility

Die Volatilität gibt an, wie stark die Schwankungen sind, denen eine Aktie ausgesetzt ist. Ist es das Ziel, ein hohes Risiko zu vermeiden, können die Aktien in einem Index so gewichtet werden, dass diejenigen mit nur geringen Schwankungen mehr Raum bekommen. Diese Sicherheit, die krisenresistente Unternehmen bieten, kann auf Kosten der Rendite gehen.

Dividende

Ein klassischer Faktor ist auch Dividende. Hier werden Titel mit besonders hoher Dividende bevorzugt. Dadurch soll die Rendite steigen.

ESG

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich auch Smart Beta-ETFs, die nach dem Faktor ESG gewichtet sind. ESG steht für „Environmental, Social, Governance“ – zu deutsch: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung. Hier stehen nachhaltige Unternehmen besonders im Fokus.

Multi-Factor

Natürlich lassen sich auch verschiedene Faktoren kombinieren. So können Anleger beispielweise gleichzeitig von „Momentum“- und „Quality“-Unternehmen profitieren. Eine Kombination aus „Quality“ und „Low Volatility“ eignet sich beispielweise für risikoscheue Anleger. Je mehr Faktoren zusammenkommen, desto schwieriger wird es allerdings für Anleger, die Gewichtung des Smart Beta-ETFs nachzuvollziehen.

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Vorteile: Was spricht für Smart Beta-ETFs?

Potentiell höhere Rendite als gewöhnliche ETFs

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Zu den Versprechen von Smart Beta-ETFs zählt, dass sie eine höhere Rendite erwirtschaften als gewöhnliche ETFs. Dafür nutzen sie die Vorteile des passiven Investierens, um einen Index nachzubilden, und kombinieren diese mit den Vorteilen des aktiven Investierens, indem sie den Index nach gewissen Faktoren gewichten. Geht die Strategie auf, so dass sich etwa bei Smart Beta-ETFs mit dem Faktor Size die kleinen Unternehmen tatsächlich besonders gut entwickeln, haben Anleger den Markt geschlagen und am Ende mehr Geld in der Tasche.

Potentiell geringere Schwankungen als gewöhnliche ETFs

Smart Beta-ETFs die auf die Faktoren „Quality“ und „Low Volatility“ setzen, versprechen Anlegern geringere Schwankungen als bei gewöhnlichen ETFs. Besonders stabile Unternehmen sollen dafür sorgen, dass sich der Smart Beta-ETF auch bei Kurseinbrüchen an den Börsen gut schlägt und Anleger so geringere Verluste haben als hätten sie auf den Markt gesetzt.

Surftipp: Lexikoneintrag: Volatilitätsvergleiche »

Niedrigere Kosten als aktiv gemanagte Fonds

Durch die Faktoren erhalten Smart Beta-ETFs zwar ein aktives Element. Anders als bei aktiv gemanagten Fonds gibt es jedoch keinen Fondsmanager, der die Geschicke des ETFs lenken würde. Dadurch sind auch die Kosten von Smart Beta-ETFs deutlich geringer als die Kosten von aktiv gemanagten Fonds. Anleger profitieren bei geringen Gebühren von aktivem Investieren.

Persönliche Vorlieben möglich

Schließlich lassen sich durch Smart Beta-ETFs auch persönliche Vorlieben verwirklichen. Mit einem Smart Beta-ETF, der auf den Faktor „Value“ setzt, kann beispielweise gezielt in unterbewertete Unternehmen investiert werden. Außerdem gibt es Smart Beta-ETFs, die besonders nachhaltige Unternehmen hervorheben. Diese eigenen sich für Anleger, die Wert darauf legen, nur in Unternehmen zu investieren, die hohe Umweltstandards erfüllen und für faire Arbeitsbedingungen sorgen.

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Nachteile: Was spricht gegen Smart Beta-ETFs?

Potentiell höheres Risiko als bei gewöhnlichen ETFs

Die Gewichtung durch Faktoren birgt die Gefahr, dass Anleger sich mit einem Smart Beta-ETF größeren Risiken aussetzen als mit einem gewöhnlichen ETF. Wer etwa auf einen Smart Beta-ETF mit dem Faktor „Size“ setzt, riskiert, dass die kleinen Unternehmen in Schwierigkeiten geraten und darum den Kurs des ETFs in den Keller ziehen, statt ihn zu befeuern.

Auch kann durch die Gewichtung die Streuung beeinflusst werden. Durch den starken Fokus auf Unternehmen, die bestimmten Kriterien entsprechen, werden andere ausgeschlossen bzw. kaum gewichtet. Dadurch kann ein Smart Beta-ETF stärkeren Schwankungen ausgeliefert sein.

Höhere Kosten als bei gewöhnlichen ETFs

Smart Beta-ETFs sind im Schnitt teurer als gewöhnliche ETFs. Eine Studie von Flossbach von Storch gibt die Kostenquote von Smart Beta-ETFs mit 0,3 bis 0,4 Prozent an. Bei gewöhnlichen ETFs liegt sie teils nur mehr bei 0,1 Prozent. Höhere Kosten drücken zugleich wieder die Rendite.

Versprechen werden in der Realität häufig nicht eingelöst

Die Studie „Gestern hui, morgen pfui“ von Flossbach von Storch kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass keiner der verschiedenen Faktoren sich einem anderen als überlegen erweist und – was noch wichtiger ist – in der Regel erzielen Smart Beta-ETFs auch keine Überrenditen im Vergleich zum jeweiligen Benchmark. Das Versprechen, den Markt zu schlagen, lösen sie damit nicht.

Ähnlich sieht es bei der Sicherheit aus. Die Studie zeigt, dass sich Smart Beta-ETFs in der Regel keine geringeren Schwankungen aufweisen als gewöhnliche ETFs. Im Gegenteil sind sie häufig sogar volatiler.

In welche Smart Beta-ETFs können Anleger investieren?

Smart Beta-ETFs werden von zahlreichen Unternehmen angeboten. Die Namen sind aus dem Geschäft mit gewöhnlichen ETFs bekannt: iShares, Lyxor, UBS, Amundi usw. Im Folgenden führen wir einige Smart Beta-ETFs auf, in die auch deutsche Anleger investieren können:

Fonds ISIN Faktor TER Wertent-
wicklung 2017
Quelle: Eigene Recherchen, condirect
ISHARES EDGE S&P 500 MINIMUM VOLATILITY UCITS ETF USD – ACC ETF IE00B6SPMN59 Low Volatility 0,20  %  +1,82 %
LYXOR UCITS ETF SG GLOBAL QUALITY INCOME NTR – D EUR DIS ETF LYX0PP Dividende 0,45 %  -2,64 %
UBS-ETF SICAV MSCI WORLD SOCIALLY RESPONSIBLE UCITS ETF – A USD DIS ETF LU0629459743  ESG 0,38 %  +5,67 %
AMUNDI ETF EURO STOXX SMALL CAP UCITS ETF – EUR ACC ETF FR0010900076   Size/Small Cap n.a.  +20,11%

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Fazit

Anleger sollten sich gut mit Smart Beta-ETFs beschäftigen, bevor sie in einen solchen investieren. Durch die höhere Gewichtung bestimmter Faktoren können sie für höhere Renditen oder niedrigere Schwankungen sorgen – so das Versprechen. Derzeit lösen sie dieses Versprechen jedoch häufig nicht ein und verursachen lediglich höhere Kosten als gewöhnliche ETFs. Geeignet sind sie noch für solche Anleger, die bestimmte Vorlieben verwirklichen wollen, zum Beispiel nur in nachhaltige Unternehmen zu investieren bzw. diese zu bevorzugen. Für die allermeisten Anleger dürfte hingegen ein gewöhnlicher ETF die bessere Wahl sein.

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Weiterführende Links

Invesco – Invesco Global Factor Investing Study 2018

Börse-Online – Smart Beta: Die besten intelligenten ETFs

Flossbach von Storch – Gestern hui, morgen pfui