Green Bonds – die grünen Anleihen

Green Bonds

Nachdem erst im Jahr 2007 die ersten sogenannten Green Bonds von der Weltbank herausgegeben wurden, ist in den darauffolgenden Jahren ein regelrechter Hype um sie entstanden. Mittlerweile hat sich das jährliche Emissionsvolumen auf zuletzt 508,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 vervielfacht. Die Beliebtheit dieser Asset-Klasse lässt sich vor allem damit erklären, dass sich immer mehr Klein- und Großanleger auch für Nachhaltigkeitsaspekte wie Klima- bzw. Umweltschutz interessieren. Im September 2020 wurde hierzulande sogar die erste grüne Bundesanleihe emittiert. Aber welche formellen Anforderungen müssen Green Bonds erfüllen, wie hoch ist das derzeitige Emissionsvolumen und wie können private Anleger am besten investieren?

 

Was sind Green Bonds?

Unter Green Bonds (= Grüne Anleihen) versteht man festverzinsliche Wertpapiere, bei denen das eingenommene Kapital für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen genutzt wird. Investoren haben somit die Möglichkeit, gezielt die Natur und den Umweltschutz zu unterstützen. Wie bei Anleihen üblich, verpflichtet sich der Emittent auch hier, eine jährliche Verzinsung zu leisten und den Kaufbetrag am Laufzeitende vollständig zurückzuzahlen. Die Verzinsung ist grundsätzlich konstant, wobei es infolge von Kursschwankungen zu zusätzlichen Gewinnen oder Verlusten kommen kann. Emittenten sind inzwischen nicht mehr nur öffentliche Förderbanken, sondern auch Privatunternehmen.

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Wie hoch ist das Emissionsvolumen?

In den vergangenen zehn Jahren haben sich Green Bonds vom Nischenmarkt zu einer erwachsenen Asset-Klasse entwickelt. Insbesondere in den letzten Jahren hat sich das Emissionsvolumen deutlich erhöht. Im Jahr 2017 waren es weltweit bereits knapp 160 Milliarden US-Dollar und 2020 sogar schon rund 300 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2021 betrug das Emissionsvolumen 508,8 Milliarden US-Dollar. Die Climate Bonds Initiative hat dabei das exakte Emissionsvolumen der vergangenen Jahre veröffentlicht. Die Daten zeigen deutlich, dass sich das Volumen seit Jahren kontinuierlich erhöht. Trotz der weltweit andauernden COVID-19-Pandemie dürfte der Trend auch in diesen turbulenten Zeiten nicht spürbar nachlassen. Und dass, obwohl die Renditen bei diesen Anleihen kaum nennenswert sind.

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Quellen:

Wie können Anleger investieren?

Nachhaltige Investments erfreuen sich wie bereits erwähnt seit Jahren einer großen Beliebtheit. Für immer mehr Anleger spielen Aspekte wie Klima- bzw. Umweltschutz und Ethik nämlich eine immer wichtigere Rolle. Den Anfang machte damals die Europäische Investmentbank, die den ersten Green Bonds aufsetzte. Bereits wenige Jahre später folgten die Weltbank und die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit eigenen grünen Anleihen.

Nach und nach strömten auch private Anbieter auf den aussichtsreichen Nischenmarkt und legten zahlreiche Green Bonds auf. Mittlerweile mischen etliche Weltkonzerne am grünen Markt mit. So zum Beispiel der französische Energieversorger EDF, der Technikgigant Apple, der Automobilkonzern VW und der Lebensmittelriese Unilever. Aber warum sollten oder können private Anleger häufig keine einzelnen grünen Unternehmensanleihen kaufen?

Auch bei den Green Bonds gilt, wie bei allen anderen Anlageformen, dass eine Risikostreuung stattfinden sollte, um das Risiko möglichst minimieren zu können. Während ein Unternehmen sich mit der Ausgabe von Unternehmensanleihen eine zusätzliche Liquidität sichern kann, erhält der Anleger im Gegenzug „nur“ ein Forderungsrecht. Zwar wird ein „Anleihen-Gläubiger“ im Falle einer Insolvenz gegenüber den Aktionären bevorzugt, allerdings findet hier überhaupt keine Risikostreuung statt, da man als Anleger vom Erfolg eines einzelnen Unternehmens abhängig ist.

Hinzu kommt, dass grüne Unternehmensanleihen teilweise erst ab einem Anlagebetrag von 100.000 Euro aufwärts zu haben sind. Aus diesem Grund sind ETFs und aktiv gemangte Fonds in vielen Fällen die deutlich bessere Lösung. Bei ETFs handelt es sich um börsennotierte Indexfonds, die entsprechende Indizes so genau wie möglich nachbilden.

Beispiele für nachhaltige Anleihefonds und grüne ETFs:
Fondsname ISIN Wert- entwicklung (1 Jahr) Fondsvolumen Laufende Kosten p.a.
Quelle: WirtschaftsWoche, ariva.de, eigene Recherchen, Stand: 04/2022
Lyxor Green Bonds ESG Screened ETF LU1981859819 -6,90% 28,30 Mio. Euro 0,25 %
iShares Global Green Bond ETF US46435U4408 -1,87%
Allianz Green Bonds W EUR LU1297616101 -9,00% 990,63 Mio. Euro 0,42 %
Amundi Responsible Investing Green Bonds FR0013053451 -5,89% 357,49 Mio. Euro 0,70 %
AXA World Fund Global Green Bonds LU1300811699 -6,98% 1.315,70 Mio. Euro 0,54 %
SEB Green Bonds Fund LU0041441808 -4,11% 240,34 Mio. Euro 0,46 %

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Die größten Emittenten in Europa

In anderen europäischen Ländern startete man bereits vor mehreren Jahren damit, Investorengelder für grüne Staatsanleihen einzusammeln. Nachdem Polen im Jahr 2016 den Anfang machte, emittierten in den folgenden Jahren unter anderem auch Frankreich und die Niederlande ihre Green Bonds. Erst im September 2020 folgte dann endlich Deutschland mit seiner ersten nachhaltigen Bundesanleihe. Die Nachfrage für die grüne Staatsanleihe überstieg mit über 30 Milliarden Euro das Emissionsvolumen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro um ein Vielfaches. Und dass trotz eines Zinskupons von null Prozent bei zehnjähriger Laufzeit. Die vom Bund mit dieser Anleihe eingenommenen Milliarden sollen in nachhaltige Projekte fließen, die bereits im Jahr 2019 finanziert wurden. Und genau das ist ein häufig zu hörender Kritikpunkt. Der Bund entwickelt nicht etwa neue Klimaschutzprojekte, sondern investiert das Geld in bestehende Projekte.

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Quellen:

Nach welchen Kriterien werden Green Bonds eingestuft?

Green Bonds Principles (GBP)

Ein häufiger Kritikpunkt ist, dass der Begriff „Green Bonds“ nicht geschützt ist. Zwar gibt es die sogenannten Green Bonds Principles (GBP), in denen beispielsweise festgelegt ist, welche Projektarten für das Investment von Green Bonds infragekommen. Genauer gesagt heißt es in der Definition: „Green Bonds sind alle Arten von Anleihen, bei denen die Erlöse exklusiv grüne Projekte ganz oder teilweise finanzieren oder refinanzieren“.

Der Haken ist jedoch, dass diese nicht bindend sind und demnach auch eine Reihe an Green Bonds am Markt angeboten werden, die sich bei näherer Betrachtung als wenig grün entpuppen. Damit bleibt den Anlegern nichts anderes übrig, als jedes Papier möglichst detailliert selbst zu prüfen. Teilweise haben die Emittenten allerdings ein spezielles Anforderungsprofil entwickelt, damit Green Bonds in ihr Portfolio aufgenommen werden. Bei der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurden beispielsweise folgende Mindestkriterien formuliert, die sich auch an den Green Bond Principles orientieren:

  • klare Definition der Projekte inklusive der Darstellung der Ziele und der erwarteten Umweltauswirkungen,
  • sachkundige Projektauswahl und transparenter Prozess der zweckgebundenen Mittelverwendung,
  • regelmäßige, öffentliche Berichterstattung über Art und Umfang der Projekte, Mittelabfluss (sog. Allocation Reporting) und Umweltauswirkungen (sog. Impact Reporting), und
  • Verifizierung von Projektauswahl / Mittelverwendung durch eine qualifizierte unabhängige Drittpartei vor Emission.

Faktisch können die beteiligten Unternehmen das eingesammelte Kapital aus den Green Bonds trotzdem nahezu frei verwenden. Das bedeutet, dass theoretisch auch wenig klimafreundliche Projekte mit dem grünen Geld finanziert werden könnten. Früher oder später dürfte diese Vorgehensweise jedoch zumindest zu einem Imageproblem führen. Aus diesem Grund sind die Unternehmen mehrheitlich daran interessiert, tatsächlich Klimaschutzprojekte erfolgreich voranzutreiben.

Aktuell kümmern sich vor allem die Experten der Banken um eine faire und realistische Einstufung der Green Bonds. So hat etwa Arnaud-Guilhem Lamy, Spezialist für Anleihen und Nachhaltiges Investieren (SRI) im Management von BNP Paribas Asset Management eine sehr konkrete Vorstellung von Green Bonds: „Anleihen, die eine längere Lebensdauer der Infrastruktur für fossile Brennstoffe und Anlagen unterstützen, die nicht auf ein 2-Grad-Szenario ausgerichtet sind, fallen bei uns per se durchs Raster“. Weiterhin warnt der Fachmann davor, sich nicht von der Projektüberschrift in die Irre führen zu lassen: „Ein Green Bond, mit dem das Eisenbahnnetz elektrifiziert werden soll, damit die alten Dieselloks verschwinden, klingt erst einmal großartig. Man muss sich jedoch anschauen, wie der Strom produziert wird: Stammt die Energie für die neuen E-Loks vor allem aus Kohlekraftwerken, ist das kein Gewinn für die Umwelt”.

Die Herausforderung für die Zukunft besteht nun also darin, einheitlich festzulegen, was man unter „grün“ versteht. Schon jetzt bemühen sich die beteiligten Organisationen um eine Standardisierung. Die Green Bonds Principles (GBP) sind als freiwillige Richtlinie ein erster Schritt, um dieses Ziel zu erreichen.

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EU-Standard für grüne Anleihen (EU Green Bond Standard / EUGBS)

Die EU arbeitet außerdem an einem Standard für grüne Anleihen. Er wird freiwillig sein, soll aber nach Verabschiedung zum Gold-Standard werden. Am 6. Juli 2021 hat die EU-Kommission ihren Vorschlag zum Green Bond Standard (EUGBS) veröffentlicht. Er ist Teil des Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums, der 2018 vorgestellt wurde. Die Zustimmung des Europäischen Parlaments steht noch aus.

Das sind die vier Kernpunkte des EUGBS:

  • Die von der Anleihe eingesammelten Mittel sollten vollständig in Projekte fließen, die sich an der EU-Taxonomie ausrichten
  • Es muss vollkommen transparent sein, für was die Erlöse verwendet werden – das beinhaltet Pflichten zur detaillierten Berichterstattung
  • Alle EU Green Bonds müssen von einer externen Prüfstelle geprüft werden, um sicherzustellen, dass sie die Vorgaben einhalten und sich an der EU-Taxonomie ausrichten.
  • Diese externen Prüfstellen müssen bei der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zugelassen sein und von ihr überwacht werden, um die Qualität ihrer Dienstleistungen und Prüfungen sicherzustellen.

Fazit

Green Bonds sind im Laufe der vergangenen Jahre zu einer äußerst beliebten Anlageklasse aufgestiegen. Das wird spätestens mit einem Blick auf das stetig wachsende Emissionsvolumen deutlich. Dieses hat sich zwischen 2015 und 2021 von 46,2 auf 508,8 Milliarden US-Dollar mehr als verelffacht. Demnach legen auch immer mehr private Anleger großen Wert auf Aspekte wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz, wenn sie ihr Geld gewinnbringend am Kapitalmarkt investieren.

Seit dem 2. September 2020 gibt es endlich auch eine grüne Staatsanleihe des Bunds. Der zehnjährige Titel hat bei einem Zinskupon von null Prozent 6,5 Milliarden Euro erlöst. Für private Anleger dürften vor allem die nachhaltigen Anleihefonds und ETFs von Interesse sein, da hier eine Risikostreuung stattfindet und der Mindesteinlagebetrag nicht allzu hoch ist. Bei grünen Unternehmensanleihen beträgt dieser teilweise 100.000 Euro und mehr. Potenzielle Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass bei Green Bonds aktuell kaum nennenswerte Renditen zu erwarten sind. Um sicherzugehen, dass mit den Green Bonds-Fonds auch tatsächlich Projekte zum Umwelt- und Klimaschutz finanziert werden, sollte im Vorfeld besser zweimal hingeschaut werden. Allein der Name „Green Bonds“ ist jedenfalls noch kein sicheres Indiz dafür, da die entwickelten Green Bonds Principles (GBP) nicht bindend sind, sondern lediglich als Richtlinie bei der Emission von grünen Anleihen zu verstehen sind. Für mehr Transparenz soll der EU Green Bond Standard (EUGBS) sorgen.

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Quellen

WirtschaftsWoche, Ausgabe 37/2020

KfW Green Bond Portfolio

Grüne Staatsanleihen: Bund goes Green Bond – Bankenverband

Green Bond • Definition | Gabler Banklexikon (gabler-banklexikon.de)

„Green Bonds sind erwachsen geworden“ – dpn (dpn-online.com)

Europaparlament – Zeitplan Green Bond Standard (englisch)

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