Nachhaltige Geldanlage

Grüne Investments erfreuen sich bei den Anlegern immer größerer Beliebtheit. Von einer nachhaltigen Geldanlage spricht man, wenn insbesondere ökologische, soziale und ethische Aspekte (sog. ESG-Kriterien) in der Beurteilung des Anlageproduktes berücksichtigt werden. In einer aktuellen Studie der European Bank for Financial Services GmbH geben insgesamt vier von zehn Befragte an, dass das Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage in den nächsten 12 Monaten zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Vor allem jüngere und wohlhabende Anleger interessieren sich seit einiger Zeit verstärkt für eine nachhaltige Geldanlage. Aber welche Kriterien muss eine Kapitalanlage im Detail erfüllen, um als nachhaltig zu gelten und wie definieren Banken und Fonds den Begriff Nachhaltigkeit? Des Weiteren erklären wir, wie jeder Anleger das Thema Nachhaltigkeit in seiner eigenen Anlagestrategie umsetzen kann.

Was ist eine nachhaltige Geldanlage?

Grundsätzlich erfolgt die Beurteilung einer Geldanlage vorwiegend auf Grundlage der Rentabilität, Liquidität und aufgrund des Risikos. Bei einer nachhaltigen Geldanlage finden darüber hinaus ökologische, soziale und ethische Kriterien Beachtung. Hierbei handelt es sich um die sogenannten ESG-Kriterien, also um Environmental (Umwelt), Social (Soziales) sowie um Governance (gute Unternehmensführung). Nicht jede nachhaltige Geldanlage muss dabei alle drei Aspekte in derselben Gewichtung berücksichtigen. Grundsätzlich müssen Anleger bei solchen grünen Investments keine Abstriche im Bereich der klassischen Kriterien wie zum Beispiel der Rendite hinnehmen. Das Ziel der Nachhaltigkeit soll dabei darin bestehen, die Bedürfnisse der heutigen Generation zu befriedigen, ohne dabei die zukünftigen Generationen an der Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu hindern.

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Wie definieren Banken und Fonds Nachhaltigkeit?

© Petmal/ iStock/Getty Images

Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass Begriffe wie „nachhaltig“, „klimafreundlich“ und „sozial“ gesetzlich nicht geschützt sind. Das bedeutet, dass sich Anleger nicht allein von der Aussage „nachhaltige Geldanlage“ blenden lassen sollten. Stattdessen sollte man sich als interessierter Investor vorab genau darüber informieren, welche Nachhaltigkeitskriterien im Einzelfall angewendet werden und in welchem Bereich die Schwerpunktsetzung erfolgt (z.B. Umweltaspekte oder gute Unternehmensführung).

Prinzipiell wird bei nachhaltigen Geldanlagen zwischen vier unterschiedlichen Ansätzen unterschieden. Diese möchten wir Ihnen nachfolgend kurz vorstellen:

  • Beurteilung nach Negativ- bzw. Ausschlusskriterien: Hier kann der Anleger Geldanlagen ausschließen, wenn bestimmte Produkte hergestellt (z.B. Tabak, Rüstung) oder bestimmte soziale bzw. ökologische Aspekte nicht berücksichtigt werden. Des Weiteren können die Todesstrafe oder die Verletzung von Menschenrechten im jeweiligen Staat Ausschlussgründe darstellen.
  • Positivkriterien: Bei diesem Ansatz wird nach bestimmten „ESG-relevanten“ Branchen gesucht, in die der Anleger investieren kann. Am naheliegendsten ist hier natürlich die Branche der Erneuerbaren Energien. Zu beachten gilt es, dass das Geld hier auch in Unternehmen investiert werden kann, in denen die nachhaltige Geldanlage nur einen kleinen Teilbereich des Geschäftes darstellt. Theoretisch kann das Unternehmen damit gleichzeitig in der Kernenergie aktiv sein und hier hohe Umsätze generieren.
  • Best-in-Class-Ansatz: Bei diesem Ansatz werden Unternehmen aufgelistet, die im Bereich der Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten (ESG-Kriterien) besonders fortschrittlich agieren. Hier kann es insbesondere um einen zukunftsorientierten Energie- bzw. Ressourcenverbrauch oder um einen unabhängigen Aufsichts- oder Verwaltungsrat gehen. Wichtig zu wissen ist, dass hier theoretisch auch Wirtschaftszweige wie Waffen- oder Ölindustrie enthalten sein können.
  • Engagement: Hierbei nehmen die Aktionäre/Investoren ihre Stimmrechte war, um aktiv an der Erreichung der Umwelt- und Sozialziele mitzuwirken. Es kommt zum langfristigen Dialog von großen Investoren und den Unternehmen. Werden die „ESG-Ziele“ der Anleger nicht erreicht, können diese Druck ausüben, indem sie mit einem Ausstieg aus dem Investment drohen.

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Nachhaltige Banken vs. konventionelle Banken

Zu den nachhaltigen Banken lassen sich am ehesten die alternative und kirchlichen Banken zählen. Zwar werben auch konventionelle Kreditinstitute häufig mit einer nachhaltigen Geldanlage, jedoch sollten Anleger in diesem Fall aufpassen, wie der Begriff „nachhaltig“ vom jeweiligen Anbieter definiert wird. So investieren konventionelle Banken mitunter auch in Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energie. Hierbei werden Investitionen in klimaschädliche Branchen (z.B. Atom- oder Ölindustrie) oftmals aber nicht ausgeschlossen.

Alternativ gibt es inzwischen sogenannte nachhaltige Banken. Einige Beispiele hierfür sind die GLS Bank („erste sozial-ökologische Universalbank der Welt“), die Triodos Bank („Europas führende Nachhaltigkeitsbank“) oder die EthikBank der Volksbank Eisenberg eG, die sich als ethisch-ökologische Direktbank versteht.

Studie: Wie entwickelt sich die Branche derzeit?

Für immer mehr Anleger werden bei der Auswahl einer geeigneten Geldanlage nachhaltige Aspekte relevant. In der Studie „Nachhaltige Kapitalanlagen 2019“ der European Bank for Financial Services GmbH (ebase®) prognostizieren beispielsweise knapp 40% der Deutschen, dass das Thema Nachhaltigkeit bei Geldanlagen in den kommenden 12 Monaten weiter an Bedeutung gewinnen wird. Auffallend ist dabei, dass dieser Trend sich mit einem steigenden Haushaltseinkommen weiter verstärkt. Bei Anlegern mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 Euro sind es nämlich sogar rund 45% der Befragten, die die obige Aussage bestätigen. Zusätzlich lässt sich sagen, dass je höher der Bildungsabschluss der Befragten, desto mehr Personen erwarten, dass das Thema Nachhaltigkeit in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnt.

Nachhaltige Portfolios bei Robo-Advisors

Robo-Advisors sind digitale Vermögensverwaltungen. Anhand eines Fragebogen bestimmen sie das Risikoprofil ihrer Anlager. Auf dieser Grundlage erstellen sie ein passenden Portfolio, dass sie im Anschluss für die Anleger verwalten. Einige Robo-Advisors bieten auch nachhaltige Strategien an, bspw. investify, VisualVest, LIQID, und Solidvest.

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Für Banken und Fondsgesellschaften dürfte darüber hinaus der Fakt interessant sein, dass 55% der Befragten vorhaben, bei ihrer eigenen Geldanlage Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigen zu wollen. Damit wird es auch für die Anbieter attraktiver, nachhaltige Geldanlageprodukte anzubieten, da die Nachfrage entsprechend hoch ist. Die optimistische Haltung zum Thema nachhaltige Geldanlage zieht sich in der Studie mit Ausnahme vom Saarland quer durch die Bundesrepublik.

Dennoch geben in der ebase®-Studie insgesamt über 44% der Befragten an, dass das Thema Nachhaltigkeit für sie bei der Geldanlage nicht entscheidend sei. Übrigens: Je jünger die Befragten der Studie waren, desto höher war der persönliche Anspruch, nur auf nachhaltige Geldanlagen zurückzugreifen. Insgesamt wurden in der ebase®-Studie 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren online durch das Marktforschungsinstitut Toluna befragt.

Ebase®-Studie: Wie denken Sie, wird sich die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit bei der Geldanlage in den nächsten 12 Monaten entwickeln?

  Stark steigen Steigen Gleich bleiben Sinken Stark sinken
Quelle: ebase®-Studie „Nachhaltige Kapitalanlagen 2019“
Alle Befragten insgesamt 4,6% 32,7% 54,8% 6,0% 1,9%
Befragte mit Hochschulabschluss 5,6% 38,6% 49,4% 5,2% 1,3%
Befragte mit Haushaltsnettoeinkommen ab 4.000 Euro 3,5% 42,1% 47,4% 3,5% 3,5%
Befragte ab 60 Jahren 2,4% 25,0% 59,8% 9,5% 3,3%

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Wie können Anleger das Thema Nachhaltigkeit umsetzen?

An dieser Stelle sei nochmals auf die nicht gesetzlich festgelegte Definition für eine nachhaltige Geldanlage hingewiesen. Es liegt daher in der Verantwortung des einzelnen Anlegers zu überprüfen, welche ESG-Faktoren jeweils zum Tragen kommen und welche Filter angelegt werden. Vor allem institutionelle Anleger haben für nachhaltige Investments mittlerweile klare Vorgaben. In einigen Ländern unterliegen sie in diesem Zusammenhang sogar regulatorischen Vorgaben. In Zukunft will die EU ein Klassifikationssystem schaffen, in dem genau benannt wird, welche Aktivitäten als nachhaltig beworben werden dürfen. Doch bis zur Einführung eines solchen Systems müssen potenzielle Anleger andere Maßstäbe ansetzen. Dieter Niewierra von der Ratingagentur Oekom / ISS ESG sagt dazu gegenüber dem Handelsblatt: „Es gibt inzwischen international anerkannte Maßstäbe wie beispielsweise den UN Global Compact und die UN Sustainable Development Goals, deren Nachhaltigkeitsziele nicht nur für die Investoren und Unternehmen, sondern auch für die Staaten und Individuen gelten“. Alternativ stellen „ESG-Filter“ eine attraktive Lösung dar, sich als Anleger nach den Geldanlagemöglichkeiten umzuschauen, die die persönlichen Schwerpunktsetzungen verfolgen.

Produktvielfalt im Bereich der nachhaltigen Geldanlage

Klimafreundliche Geldanlagen sind mittlerweile in ganz verschiedenen Anlageklassen Zuhause. So bieten einige Banken in ihren Produktportfolios speziell ökologische und klimaschonende Sparanlageangebote. Des Weiteren gibt es Aktien und Investmentfonds mit nachhaltiger Schwerpunktsetzung (z.B. im Bereich der Wind- und Solarenergie). Als Anleger sollte man sich hier jedoch unbedingt über das vergleichsweise hohe Risiko bewusst sein, welches man bei einem Investment dieser Art eingeht.

Nachhaltige Fonds und ETFs in der Übersicht:

Produkt ISIN Beschreibung Fonds-
volumen in Euro
1-Jahres-Per-
formance
3-Jahres-Per-
formance
Quelle: comdirect, eigene Recherchen, Stand: 28.02.19
UBS ETF – MSCI Word Socially Responsible Ucits LU0629459743 Nachhaltige Variante des Weltaktienindex MSCI World 945 Mio. +6,02% +30,28%
iShares Dow Jones Europe Sustainability Screened ETF IE00B52VJ196 Zugang zu den oberen 20% der 600 größten nachhaltigen Unternehmen in Europa aus dem Dow Jones Global Total Stock MarketIndex. 622,55 Mio. +3,52% +24,95%
Triodos Sustainable Equity Fund (Aktienfonds) LU0278272413 Aktienportfolio, bei der die Auswahl nach strengen ESG-Kriterien erfolgt. 684 Mio. +7,44% +23,35%

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Fazit

In der Zukunft werden sich die Präferenzen bei den Anlegern bezüglich der Auswahl ihrer Geldanlage höchstwahrscheinlich weiter verändern. Es ist davon auszugehen, dass immer mehr Anleger sich für klimabewusste Geldanlagen interessieren werden. Wünschenswert wäre dazu eine möglichst bald erfolgende gesetzliche Definition einer nachhaltigen Geldanlage. Die Suche nach einem grünen Investment kann mit den vier etablierten Konzepten Ausschlusskriterien, Positivkriterien, Best-in-Class-Ansatz und Einflussnahme auf Unternehmen/Engagement durchgeführt werden. Die kürzlich veröffentlichte ebase®-Studie ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Trend in Richtung nachhaltiger Geldanlage aktuell vor allem bei Besserverdienenden und jungen Menschen zu erkennen ist.

Christian Finkenbrink

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Weiterführende Links

ebase® – Studie „Nachhaltige Kapitalanlagen 2019“

Verbraucherzentrale – Gut fürs Klima: Nachhaltigkeit bei Geldanlagen

Handelsblatt – Nachhaltige Investments – Immer mehr Großanleger legen Wert auf ESG-Kriterien

Handelsblatt – Warum nachhaltig nicht gleich nachhaltig ist