Investments in E-Auto-Anbieter – Teil 1

Es muss nicht immer Tesla sein. Deshalb widmen wir uns in dieser kurzen Reihe einigen Anbietern, die mit eigenen E-Automobilen den Markt aufrollen oder zumindest die richtige Einfahrt finden wollen. Nicht immer klappte das nach Wunsch, wie unsere ersten beiden Kandidaten zeigen. Diesmal beschäftigen wir uns mit Rivian Automotive und Sono Motors aus Deutschland. Beide gut gestartet, aber derzeit stottert der Motor.


Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Rivian: Weniger Elon Musk – im Guten und im Schlechten
  • Sono Motors GmbH: Praktisch gegen die Wand gefahren

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Rivian (WKN A3C47B) – der Anti-Tesla

Wenn es einen bekannten Tesla-Konkurrenten auf dem US-Markt gibt, dann eventuell Rivian. Rivian Automotive Inc. aus Plymouth in Michigan hat zwar nicht Elon Musk an der Spitze des Unternehmens, aber dafür Robert Joseph RJ Scaringe (40), einen eher unspektakulären Ingenieur und Gründer (auch wenn er inzwischen ebenfalls Multimillionär ist). Die Financial Times beschrieb ihn im Mai 2022 als eine Art Anti-Elon-Musk [1] – Familienmensch, Veganer, kein Social-Media-Typ und optisch an Clark Kent angelehnt. Aufregend geht anders. Ganz im Gegenteil zu Rivian. Das E-Fahrzeug-Unternehmen schwankt zwischen Top und Flop. Pluspunkte sammelte der Hersteller bei der Auswahl seiner primären Modelle, einem Pick-up und einem SUV. Beides gut abgestimmt auf den US-Markt. Hinzu kommt ein Electric Delivery Van, für den es einen immensen Deal mit Amazon gibt (100.000 Autos bis 2030). Auf der anderen Seite liefert Rivian aber in schöner Regelmäßigkeiten auch eher denkwürdige Momente, darunter den Verlust einer Kooperation mit Ford (2021), einen (wenn auch zweifelhaften) Vorwurf wegen unfairen Wettbewerbs (durch Tesla!) und zuletzt deutlich korrigierte Produktionsziele. Statt der für 2022 als Jahresziel anvisierten 25.000 Autos wurden lediglich 20.332 ausgeliefert und insgesamt 24.377 Fahrzeuge produziert. Unterm Strich reichte es für einen Marktanteil von zwei Prozent bei den US-Neuzulassungen in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres. Verantwortlich für das verfehlte Ziel sind die üblichen Verdächtigen, d. h. eine Gemengelage aus Lieferkettenproblemen, Materialengpässen und Produktionsschwierigkeiten im Werk in Illinois. Apropos: Um Kosten zu senken, will der Autobauer in nächster Zeit rund 840 seiner 14.000 Mitarbeiter entlassen. Rivian-Chef RJ Scaringe sprach von einem „harten Tag“. [2]

Ein Blick auf den Aktienkurs: Positiv: Zuletzt stieg der Kurs nach einer Weile der stetigen Talfahrt zu Jahresbeginn wieder. In der zweiten Jahreshälfte 2022 war es hingegen eine holprige Strecke ohne große Anstiege oder Abfahrten. Rivian hat zwar ausreichend Potential unter der Kurs-Motorhaube, aber erst wenn das Unternehmen zumindest profitabel arbeitet (voraussichtlich 2027) und sich globaler aufstellt, dürfte sich das Investment lohnen. Derzeit ist es eher eine Wette auf die Zukunft.

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Quellen:

Made in Germany: Sono Motors GmbH (WKN A3C7QW)

Hoffnungsvoll gestartet, aber (bisher) irgendwie gegen die Wand gefahren. Wer etwas ungnädig auf die Entwicklung des Münchner Start-ups Sono Motors schaut, wird viele Stellen finden, in denen das Unternehmen wirtschaftlich ein eher wildes Schleudertrauma anstatt einer stabilen Straßenlage vorweist. Kommen wir aber zunächst zu den positiven Aspekten: Der Grundgedanke ist gut. Der Sono Sion verfügt über Solarzellen, die in die Kunststoff-Karosserieverkleidungen implementiert werden, d. h. das Fahrzeug lädt sich praktisch selbst – zumindest, wenn die Sonne scheint. Die Gründer starteten seit 2016 mit ihrer Vision und Crowdfunding bzw. Crowdinvesting-Kampagnen durch. Zwischenzeitlich gab es Umstrukturierungen, Investitionen, erste Serienmodelle und nicht zuletzt einen fast spektakulären Börsengang (2021). Kommen wir zu den Haken: In schöner Regelmäßigkeit geht dem Start-up das Geld aus. Zuletzt gab es entsprechende Meldungen zum Jahresende 2022. Eine neue Finanzierungsrunde scheiterte und in einem Youtube-Video gab Mitgründer Laurin Hahn bekannt, dass das Projekt Sion kurz vor dem Aus stehe. Einziger Ausweg sei, dass ca. 3.500 Kunden ihren ermäßigten Kaufpreis von 27.000 Euro komplett vorab bezahlen. Bis Ende Februar 2023 lief der Rettungsversuch. UPDATE: Der Versuch scheiterte und das Projekt SION ist damit am Ende. [3]

Bemerkenswert war dieser erneute Geldmangel insofern, als es dieses Szenario bereits drei Jahre zuvor in ähnlicher Weise gab und es damals offenbar genügend Interessenten gab, die für ihre Reservierung einen Anteil des späteren Kaufpreises für einen Sion bereits hinterlegten – im Durchschnitt 2.000 Euro von etwa 21.000 Kunden. Am Ennde standen die Macher vor der gleichen Liquiditätslücke und mehr als erneut die Kundschaft anzupumpen, fiel ihnen nicht ein. Immerhin: Das neben der Sion-Entwicklung laufende B2B-Solargeschäft generiert wohl solide Umsätze und Experten halten es für zukunftsfähig. Wir hatten generell mehr als ein paar Zweifel beim Blick auf die Crowdfunding-Kampagne.

Ein Blick auf den Aktienkurs (Stand: 01/2023): Aus der ersten Startreihe nach hinten durchgereicht. Inzwischen liegt der Wert des Papiers bei knapp unter einem Euro. Der Peak 2022 lag noch bei 7,7050 US-Dollar (19. April 2022). Von den Kursen zum Börseneinstieg (um die 27 US-Dollar) wollen wir gar nicht reden. Ein Hoffnungsträger der E-Mobilität sieht anders aus.

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Quellen:

Fortsetzung folgt

Im 2. Teil beschäftigen wir uns mit zwei weiteren Exoten, die bereits mit Vorschusslorbeeren gestartet sind.


Weiterführende Links

[1] Financial Times: How Rivian’s CEO became the anti-Elon

[2] Handelsblatt: Krise bei Rivian spitzt sich zu – US-Start-up streicht Hunderte Jobs

[3] Business Insider: Sono Motors stampft sein E-Auto ein – und entlässt drei Viertel der Belegschaft