Mischfonds: Hohe Kosten, kaum Rendite?

Der Charme von Mischfonds besteht primär in einer optimalen Risikostreuung. So wird das vom Anleger eingezahlte Kapital nicht nur in Aktienwerten, sondern beispielsweise auch in Anleihen investiert. Das prozentuale Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen kann dabei je nach Mischfonds variieren. Aktuell beträgt der Anteil von Mischfonds in Deutschland laut Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) 47 Prozent und stellt somit den europäischen Spitzenwert dar. Dennoch scheint die Attraktivität von Mischfonds angesichts hoher Kosten und einer vergleichsweise niedrigen Rendite begrenzt zu sein. Die Performance der meisten Mischfonds konnte in den vergangenen Jahren nämlich nicht überzeugen. Fast immer lag die Rendite der Mischfonds nach Abzug aller Kosten unterhalb der Inflationsrate. Das bestätigen nun auch aktuelle Zahlen des Finanzinformations- und Analyseunternehmens Morningstar. Aber was sind überhaupt Mischfonds, wie attraktiv sind diese in der Morningstar-Untersuchung jeweils im Vergleich zu anderen ETF-Portfolios gewesen und welche Argumente sprechen für und gegen diese spezielle Form der Investmentfonds?  

Was ist überhaupt ein Mischfonds?

Bei einem Mischfonds handelt es sich um einen Investmentfonds, dessen Kapital in unterschiedliche Anlageklassen (vor allem in Aktien und Anleihen) investiert wird. Durch diese Kapitalstreuung auf unterschiedlich riskante Anlagen soll ein niedriges Risikoniveau erreicht werden. Mischfonds sind nicht von der Entwicklung einzelner Aktientitel oder Anlagebereiche abhängig, sondern sie sind breit aufgestellt und daher vergleichsweise risikoarm. Grundsätzlich wird bei Mischfonds zwischen konservativen (= niedriges Risiko, da hoher Renten- bzw. Geldmarktanteil) und progressiven Fonds (= höheres Risiko, da Anlage in Aktien oder Edelmetallen stattfindet) unterschieden. Die Entscheidung über den richtigen Mix aus Aktien und Anleihen trifft der jeweilige Fondsmanager. Generell können Mischfonds also trotz des Vorteils der Risikostreuung sowohl konservative als auch risikofreudige Strategien verfolgen.

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Grundsätzlich teilt man Mischfonds abhängig von der gewählten Anlagestrategie in unterschiedliche Kategorien ein:

  • Defensive Mischfonds
  • Aggressive Mischfonds
  • Ausgewogene Mischfonds
  • Dynamische/flexible Mischfonds

Erstaunlich ist dabei die Tatsache, dass der Anteil an Mischfonds in Deutschland mit 47 Prozent europaweit am höchsten ist. Berücksichtigt wurden bei den im Juli 2018 vom Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) veröffentlichten Statistiken alle in Deutschland aufgelegten Publikums- und Spezialfonds. Das übrige Fondsvermögen teilt sich auf Rentenfonds (24 Prozent), Aktienfonds und sonstige Fonds (jeweils 15 Prozent) auf. Im europäischen Schnitt sind im Vergleich nur 20 Prozent des Fondsvermögens in Mischfonds angelegt. An erster Stelle stehen hier Aktienfonds mit einem Anteil von 28 Prozent. Zum Stichtag am 30. April 2018 waren in Deutschland 272.223,8 Millionen Euro in Mischfonds investiert.

Trotz dieser Beliebtheit scheinen Mischfonds in der aktuellen Marktsituation keine komplett empfehlenswerte Anlagemöglichkeit darzustellen. Hohe Kosten bei vergleichsweise niedrigen Renditeaussichten trüben die Laune der Investoren zurzeit massiv. Zwar wird immer gepredigt, wie wichtig doch ein breit aufgestelltes Portfolio ist, doch es gilt die Faustregel: „Wer zu viel mischt, der verliert“.  

Performance der Mischfonds überzeugt im Vergleich zu statischen ETF-Portfolios nicht

Das börsennotierte Analyseunternehmen Morningstar Inc. hat Ende 2016 vier ETF-Musterportfolios für unterschiedliche Investorentypen vorgestellt. Nun hat Morningstar die Performance der verschiedenen Musterportfolios veröffentlicht – mit einem ernüchternden Ergebnis für fast alle Mischfonds. Statische ETF-Portfolios erzielten zumindest im laufenden Jahr durchgängig eine höhere Performance als aktiv verwaltete Mischfonds. 

In den ersten fünf Monaten des Jahres erzielten drei von vier Mischfondskategorien eine negative Performance zwischen 0,30 und 0,94 Prozent. Einzig und allein aktienorientierte Mischfonds haben die ersten fünf Monate mit einer minimal positiven Performance von 0,40 Prozent hinter sich bringen können.  

Währenddessen schnitten die Vergleichsportfolios, insbesondere das inflationsbremsende (2,04 Prozent) und das diversifizierte ETF-Portfolio (1,98 Prozent), in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres deutlich besser ab. Das inflationsbremsende Portfolio von Morningstar investiert zu etwa einem Viertel in Inflationsschutzanleihen. Hinzu kommt auf der Seite der Rohstoffe eine zehnprozentige Goldquote sowie auf der Aktienseite der MSCI World sowie der MSCI Emerging Markets. Beim diversifizierten Portfolio findet eine Verteilung auf insgesamt elf ETFs statt. Hier gibt es eine Rentenquote von 35 Prozent sowie ein Investment in Schwellenländeraktien in Gestalt des MSCI Emerging Markets. Darüber hinaus wird hier auf Länder-ETFs der Industrieländer sowie auf deren Nebenwerte spekuliert.

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Beim Blick auf das zurückliegende Jahr ist die Performance von Mischfonds hingegen weitaus sehenswerter. Die Performance lag hier mit Ausnahme der defensiven Mischfonds fast immer im Bereich um die 5 Prozent-Marke. Die aktienorientierten Mischfonds schafften 2017 sogar eine Performance von 7,40 Prozent – und damit deutlich mehr als die vier ETF-Vergleichsportfolios. Wobei auch diese im Performance-Check 2017 durchgängig mit einer Rendite zwischen 4,26 und 5,50 Prozent überzeugten.

Interessant ist jedoch vor allem die durchschnittliche Performance der zurückliegenden drei bzw. fünf Jahre. Im 3 Jahres-Check versagen Mischfonds mit Ausnahme der aktienorientierten Mischfonds (1,73 Prozent p.a.) auf ganzer Linie. So erzielten alle übrigen Mischfondskategorien in der Morningstar-Analyse eine unterirdische Performance zwischen 0,01 und 0,75 Prozent p.a. Damit ließen sich in den vergangenen drei Jahren mit Mischfonds kaum Erträge oberhalb der Inflationsrate erwirtschaften. Zum Vergleich: Alle vier ETF-Vergleichsportfolios schafften im selben Zeitraum eine Performance von um die drei Prozent p.a.

Im 5 Jahres-Schnitt kommen die Mischfonds zwar auf eine Performance zwischen 2,10 und 5,79 Prozent p.a. – doch auch hier überzeugen die Vergleichsportfolios, vor allem das diversifizierte Portfolio, mit einer Performance zwischen 6,99 und 7,82 Prozent p.a. Damit ist die Performance der ETF-Portfolios hier mehr als doppelt so hoch wie die der Mischfonds.

Die ETF-Portfolios von Morningstar im Performance-Check:

Portfolio Performance Sharpe Ratio (5 Jahre)
2018 2017 3 Jahre (p.a.) 5 Jahre (p.a.)
Quelle: Morningstar Direct (http://www.morningstar.de/de/news/168433/etf-portfolios-im-performance-check.aspx; Performance per 31.05.18)
Das einfache Portfolio 1,72% 4,26% 3,21% 7,79% 1,17%
Das diversifizierte Portfolio 1,98% 4,70% 2,70% 7,82% 1,05%
Das realwirtschaftliche Portfolio 1,68% 4,61% 2,64% 6,99% 0,98%
Das inflationsbremsende Portfolio 2,04% 5,50% 3,12% 7,23% 0,96%
EUR Mischfonds ausgewogen -0,30% 4,45% 0,75% 3,88% 0,71%
EUR Mischfonds flexibel -0,38% 5,06% 0,35% 3,64% 0,54%
EUR Mischfonds defensiv -0,98% 2,11% 0,01% 2,10% 0,62%
EUR Mischfonds aggressiv 0,40% 7,40% 1,73% 5,79% 0,76%

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Vor- und Nachteile von Mischfonds

Die positiven Seiten der Mischfonds hören sich zumindest auf dem ersten Blick überzeugend an. Von einer optimalen Risikostreuung und geringen Kursschwankungen ist hier die Rede. In Zeiten volatiler Märkte sind diese Eigenschaften sicherlich als positiv zu bewerten. Auch haben Anleger die Möglichkeit, Mischfonds nach ihrem individuellen Risikoprofil auszuwählen. Entscheidet man sich hier allerdings für ein aggressives Anlageprofil, sieht sich der Investor schnell mit einem ähnlich hohen Risiko wie bei einem Aktienfonds konfrontiert. Demzufolge sind Mischfonds insbesondere für die Sparer gedacht, die langfristig mit Fonds ein Vermögen aufbauen wollen und dabei weder das notwendige Know-how noch die Zeit haben, ihr Portfolio selbst zu entwickeln und zu verwalten.

Als entscheidender Nachteil der Mischfonds gilt das hohe Kostenniveau. Dadurch, dass das Risiko gestreut wird, indem viele unterschiedliche Anlageklassen bedient werden, ist der Verwaltungsaufwand und die Kosten für das Fondsmanagement enorm hoch. Indexfonds zum Beispiel erreichen ein weitaus niedrigeres Gebührenniveau, da diese lediglich bestimmte Indizien wie den DAX nachbilden und nicht aufwendig und damit teuer durch Fondsmanager geführt werden müssen. Auf der anderen Seite zeigen vor allem die vergangenen fünf Jahre, dass das Renditeniveau bei Mischfonds eher niedrig ist – ursächlich hierfür ist auch hier die breite Risikostreuung, die eben erhebliche Kursschwankungen weitestgehend verhindert. In der Konsequenz lässt sich also festhalten, dass die ohnehin schon niedrige Rendite aufgrund der hohen Kosten weiter schrumpft. Das Ergebnis waren in den zurückliegenden Jahren Erträge kaum oberhalb der Inflationsrate. In manchen Fällen hätte man mit einem klassischen Tagesgeld- oder Festgeldkonto sogar eine höhere Rendite erwirtschaften können.

Inflationsraten der vergangenen Jahre in Deutschland:

  • 2013: 1,5%
  • 2014: 0,9%
  • 2015: 0,3%
  • 2016: 0,5%
  • 2017: 1,8%

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Die Berechnung der effektiven Rendite für verschiedene Aktien- und Anleihenquoten

An der folgenden Tabelle lässt sich erkennen, dass Mischfonds aufgrund einer ungünstigen Kombination aus einer hohen Gesamtkostenquote (TER) auf der einen und einer verhältnismäßig niedrigen Rendite vor Kosten auf der anderen Seite keine optimalen Voraussetzungen für eine attraktive Anlage mitbringen. Bei einer niedrigen Aktienquote von zehn Prozent ist die Rendite sogar so niedrig, dass die Kosten nicht gedeckt werden können, sodass eine negative Rendite nach Kosten, also ein Verlust, hingenommen werden muss. Kosten und Renditen sind bei Mischfonds also aus dem Gleichgewicht geraten.

Aktienquote Anleihenquote TER Rendite vor Kosten Rendite nach Kosten
Annahme: Aktienrendite = 5,00%, Anleihenrendite = 1,00% (jeweils vor Kosten)
10% 90% 1,50% 1,40% -0,10%
20% 80% 1,50% 1,80% 0,30%
30% 70% 1,50% 2,20% 0,70%
40% 60% 1,50% 2,60% 1,10%
50% 50% 1,50% 3,00% 1,50%
60% 40% 1,50% 3,40% 1,90%
70% 30% 1,50% 3,80% 2,30%
80% 20% 1,50% 4,20% 2,70%
90% 10% 1,50% 4,60% 3,10%
 
10% 90% 1,80% 1,40% -0,40%
20% 80% 1,80% 1,80% 0,00%
30% 70% 1,80% 2,20% 0,40%
40% 60% 1,80% 2,60% 0,80%
50% 50% 1,80% 3,00% 1,20%
60% 40% 1,80% 3,40% 1,60%
70% 30% 1,80% 3,80% 2,00%
80% 20% 1,80% 4,20% 2,40%
90% 10% 1,80% 4,60% 2,80%
 
10% 90% 2,00% 1,40% -0,60%
20% 80% 2,00% 1,80% -0,20%
30% 70% 2,00% 2,20% 0,20%
40% 60% 2,00% 2,60% 0,60%
50% 50% 2,00% 3,00% 1,00%
60% 40% 2,00% 3,40% 1,40%
70% 30% 2,00% 3,80% 1,80%
80% 20% 2,00% 4,20% 2,20%
90% 10% 2,00% 4,60% 2,60%

Selber rechnen: Mischfonds oder ETFs?

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  Mischfonds ETF
Aufteilung der Anlageklassen
 
Kosten und Gebühren


Erwartete Rendite vor Kosten
   
Erwartete Rendite nach Kosten und Gebühren
   
   
Minderung der Rendite durch Kosten und Gebühren
   

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Fazit

Die Idee und das Konzept, das hinter den Mischfonds steckt, sind zweifelslos gut. Doch der größte Vorteil, eine bequeme und risikostreuende Einzelanlage zu besitzen, kann sich bei näherer Betrachtung wegen hohen Kosten und einer niedrigen Rendite als Nachteil entpuppen. Aus diesem Grund eignen sich Mischfonds aktuell – wenn überhaupt – nur für Sparer mit wenig Zeit und Know-how, die den Mischfonds als einzige Anlage besitzen. Der Performance-Check von Morningstar belegt jedoch, dass in der jüngeren Vergangenheit nur selten Erträge oberhalb der Inflationsrate erzielt werden konnten. Überraschenderweise liegt der Anteil von Mischfonds in Deutschland mit knapp 50 Prozent laut BVI dennoch europaweit an der Spitze. Mischfonds sind daher nach wie vor ein Verkaufsschlager. Dabei ist die Bilanz der ETF-Vergleichsportfolios in den vergangenen Jahren fast immer deutlich überzeugender gewesen. Vor allem in Anbetracht der hohen Kosten sollten Anleger also genau überlegen, ob sie sich für Mischfonds als Investment entscheiden.

Christian Finkenbrink, 07/18

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Weiterführende Links

Morningstar – ETF-Portfolios im Performance Check

WiWo – Strategien von Mischfonds

BVI – Mischfonds-Anteil in Deutschland europaweit am höchsten