Geldanlage nach dem Brexit

Die Europäer sind es leid, die Briten sind es leid. Aber für das britische Parlament und die Regierung um Theresa May scheint die Nicht-Einigung beim Brexit die aktuelle Existenzberechtigung zu sein. Für zahlreiche Sparer steht dadurch eine drängende Frage im Vordergrund. Was passiert mit meinem Ersparten, das in Großbritannien bei einer Bank liegt?

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Der Brexit selbst stellt keine Gefahr für deutsche Anleger dar.
  • Bei Einlagen in GBP Wechselkurse in Bezug auf Höhe der Einlagensicherung beachten.
  • Britische Banken in Deutschland sind auch Mitglieder in deutschen Einlagensicherungen.
  • Barclay Bank hat Geschäft nach Irland verlagert, Bank of Scotland Tochter mit deutscher Banklizenz gegründet.

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Bleibt die britische Einlagensicherung erhalten?

Die Frage, wie es mit den Tagesgeldern und Festgeldern deutscher Sparer nach dem Brexit weitergeht, zielt natürlich nicht auf eine Enteignung ab. Der Punkt, der im Raum steht, zielt auf die britische Einlagensicherung ab. Die britische Einlagensicherung als solche mag stabil sein. Für Ausländer spielt als potenzielles Risiko jedoch der Wechselkurs des GBP mit hinein.

Die britische Einlagensicherung beläuft sich auf 85.000 GBP. Stand 8. April 2019 entsprach dieser Betrag bei einem Wechselkurs von 1 GBP zu 1,16 EUR aber nur noch 98.390 Euro. Das Kurschart der letzten zwölf Monate zeigt sich auch alles andere als vertrauenerweckend:

Quelle: finanzen.net

Wer Geld bei einer Bank anlegen möchte, die ausschließlich der britischen Einlagensicherung angehört, sollte bei seinen Einlagen Sicherheitspuffer in Bezug auf Wechselkursveränderungen einkalkulieren.

Abgesehen von der europäischen Einlagensicherung sind viel britische Banken durch ihre Niederlassungen in Deutschland auch in deutschen Einlagensicherungsvereinen und bieten damit weiterhin die bewährte Sicherheit deutscher Systemen. Niemand kann vorhersagen, wie sich

  • Die britische Wirtschaft nach dem Brexit entwickeln wird
  • Ob es zu einem Investitionsstopp aus dem Ausland kommen wird

Der berühmte englische Nebel liegt in größtmöglicher Dichte über allem, was nach dem Brexit kommt. Sparer sollten sich in Geduld üben und in bester englischer Manier Abwarten und Tee trinken.

Wie sieht es mit den Wechselkursen im schlimmsten Fall aus?

Der Devisenhandel basiert auf Angebot und Nachfrage. Gerät die britische Wirtschaft ins Straucheln, würde dies zu einer Abwertung des Pfund führen. Für Sparer, die in diesem Moment zeitnah ihre Einlagen benötigen, wäre dies ein Nachteil. Anleger, die keinen akuten Liquiditätsbedarf haben, sollten abwarten, bis sich die Währung wieder erholt hat. Die Entwicklung von Devisenkursen unterliegt nicht nur harten volkswirtschaftlichen Fakten, sondern in großem Umfang auch den psychologischen Momenten der Marktteilnehmer.

© BrianAJackson / iStock / Thinkstock

Positiv für deutsche Anleger wäre, dass britische Waren in Deutschland billiger würden und auch Reisen auf die Insel die Urlaubskasse deutlich geringer belasten als dies in der Vergangenheit der Fall war. Gerade London ist für sein sportliches Preisniveau bekannt.

Dieser Sachverhalt zeigt jedoch, zugegebenermaßen sehr „plain and simple“, wie sich eine Währung entwickelt. Export und Tourismus steigen durch eine billige Währung, die Wirtschaft erhält einen Schub, die Währung steigt wieder im Kurs.

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Währungskonten gab es schon vor langer Zeit, Anleger in diesem Segment wissen um die Volatilität. Manch ein Anleger wird auf den Brexit und den damit möglichen Kursverfall des Pfundes warten, um dann einzusteigen. Es bleibt ja die Option, dass das Pfund mit dem von den Befürwortern versprochenen Erstarkens der britischen Wirtschaft außerhalb der EU wieder steigt.

Es wird offenkundig, dass es keine gesicherte und valide Antwort auf die Frage, wie sich deutsche Anleger im Zusammenhang mit dem Brexit verhalten sollen, gibt – zumindest nicht in Bezug auf Festgelder und Tagesgelder.

Wie sieht es bei den bekannten britischen Banken aus?

Kunden der ICICI Bank müssen sich keine Sorgen machen. Das Institut ist nicht nur Mitglied in der britischen Einlagensicherung, sondern auch im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken.

Bank of Scotland

Die Bank of Scotland, vermutlich prominentester Vertreter der britischen Banken bei Deutschlands Sparern, ging in Bezug auf einen möglichen Brexit einen ganz eigenen Weg. Zunächst einmal erfolgte die Gründung der Lloyds Bank. Diese wiederum ist eine Tochter der Lloyds Banking Group. Diese Bank übernahm am 29. März 2019 alle Geschäfte der Berliner Niederlassung der Bank of Scotland.

Das neugegründete Institut verfügt über eine deutsche Banklizenz und ist Mitglied der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung deutscher Banken. Die Einlagen der Kunden sind damit nach europäischem Recht bis zu einer Höhe von 100.000 Euro je Sparer abgesichert. Allerdings birgt dieses Vorgehen auch einen Wermutstropfen.

Bislang war die Bank of Scotland Mitglied im freiwilligen Entschädigungsfonds deutscher Banken. Die Einlagen bei der Bank of Scotland waren bis zu einer Höhe von 250.000 Euro gesichert. Sparer, die den Betrag voll ausgeschöpft hatten, sollten überlegen, einen Teil ihres Guthabens auf andere Banken zu verteilen.

Barclay Bank

Die Barclay Bank bietet ihren Kunden den größten „Komfort“. Vor dem Hintergrund des möglichen Brexit hat sie ihr Geschäft mit deutschen Anlegern nach Irland verlagert, auch wenn die Hamburger Niederlassung erhalten bleibt. Zunächst sind die Einlagen deutscher Sparer bei der Barclay Bank durch den Einlagensicherungsfonds der Zentralbank von Irland geschützt.

Sollten die Iren als Garantiegeber jedoch ausfallen, bleibt immer noch der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken, dessen Mitgliedschaft die Barclay Bank beibehalten hat. Dieser Fonds greift dann, wenn die Einlagensicherung im Heimatland nicht sichergestellt ist.

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Ich habe britische Aktien – was kommt da auf mich zu?

Für britische Aktien gilt, mit oder ohne Brexit, das gleiche, wie für alle anderen Aktien auch. Der Markt  bestimmt den Preis. Könnte man die Frage beantworten, wäre die Antwort für alle Aktienmärkte die gleiche: Jetzt kaufen oder jetzt verkaufen. Allerdings gehen die Börsen immer von zwei parallelen Vermutung aus – der Vermutung der Käufer auf steigende Kurse und die Vermutung der Verkäufer auf fallende Kurse.

© PhonlamaiPhoto / iStock / Thinkstock

Für britische Aktien gilt allerdings im Zusammenhang mit einem Brexit das gleiche, wie für die britische Währung. Es ist anzunehmen, dass es nach dem Vollzug des Brexit dazu kommt, dass die Kurse zunächst massiv nachgeben.

Dazu kommt, dass die Dividenden bei einem Kursverfall des Pfundes für deutsche Anleger ebenfalls weit weniger Rendite bringen, wie aktuell. Wer einen langen Atem hat, kann diesen Sachverhalt aussitzen und hoffen, dass es zu einer Umkehr kommt. Wer massive Befürchtungen hat, sollte sich aus dem britischen Markt zurückziehen.

Dem Wechselkurs des Pfund kommt in diesem Fall die gleiche Bedeutung zu, wie der Unsicherheit in die nahe Entwicklung der britischen Wirtschaft. Gehen ausländische Investitionen zurück? Müssen die Briten unter Wert ihrer Ware exportieren? Gehen die Banken nach Dublin, Frankfurt am Main oder  Luxemburg?

Der Brexit stellt eine einzige Unwägbarkeit dar, für Anleger ebenso, wie für die britische Volkswirtschaft.

Was sollten deutsche Anleger tun?

Die Antwort auf diese Frage ist so schlicht und einfach, wie sie generell Gültigkeit besitzt. Kein Anleger sollte seine Investments nur auf ein Produkt setzen. Unabhängig davon, ob er im Ausland investiert ist oder nur in Deutschland.

Grundsätzlich gilt, dass eine gesunde Streuung auf unterschiedliche Anlageklassen und durchaus auch unterschiedliche Regionen Risiken jeder Art minimiert. Wer mit zehn Prozent seines Vermögens in Großbritannien investiert ist, kann den Unwägbarkeiten des Brexit durchaus entspannt entgegensehen und weiterhin von attraktiven Zinsen auf der Insel profitieren und durchaus auch ein wenig „zocken“.

Wer seine Einlagen ausschließlich bei britischen Banken platziert hat, sollte eventuell ein wenig umdenken, um Risiken zu minimieren.

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