Südamerika vor neuem Rohstoffboom: Welche Chancen bieten sich Anlegern?

Kommt der nächste große Rohstoffboom aus Südamerika? Die steigende Nachfrage nach strategischen Rohstoffen wie Lithium und Kupfer könnten dem Kontinent einen kräftigen Wachstumsschub und einen wirtschaftlichen Aufschwung bescheren. Durch wirtschaftliche Reformen und Maßnahmenpakete sollen jetzt internationale Investoren angelockt werden. Einige Marktteilnehmer sehen bereits jetzt Parallelen zum Rohstoff-Superzyklus aus den 2000er-Jahren. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zu damals: Die Energiewende, der Rohstoff-Hunger der künstlichen Intelligenz und der weltweite Ausbau der Stromnetze befeuern die Nachfrage aktuell. Für Anleger könnten sich hier spannende Chancen ergeben.
Das Wichtigste im Überblick
- Neuer Rohstoffboom möglich: Südamerika könnte von der weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen wie Kupfer, Lithium, Eisenerz und Energie profitieren.
- Rohstoffreiche Region: Auf Zentral- und Südamerika entfallen rund 30 Prozent der weltweiten Kupferreserven und 45 Prozent der Lithiumreserven.
- Investitionen im Fokus: Mehrere Regierungen wollen mit Steuererleichterungen und weniger Bürokratie neue internationale Investoren gewinnen.
Blick in die Vergangenheit: Der Rohstoff-Boom der 2000er-Jahre
Vielleicht werden sich einige Leser erinnern: In den Anfängen der 2000er-Jahre kam es zu einer rasanten Industrialisierung Chinas und einer daraufhin stark steigenden Nachfrage nach Rohstoffen. Neue Städte, Fabriken und Infrastrukturprojekte benötigten gewaltige Mengen Kupfer, Eisenerz und Erdöl. Die Folgen waren spektakulär: Innerhalb eines Jahrzehnts vervierfachte sich der Ölpreis und die Preise für Metalle wie Kupfer und Co. stiegen in bis dato nicht gekanntem Maße. Für rohstoffreiche Länder wie Brasilien, Chile und Peru bedeutete das damals schnell steigende Exporterlöse und zusätzliche Investitionen. Nun könnte sich das Szenario wiederholen.
Bedarf an Rohstoffen steigt: Warum Südamerika profitieren könnte
Anders als im damaligen Rohstoff-Boom hängt die Nachfrage heute nicht mehr ausschließlich von China ab. Gleich mehrere globale Trends erhöhen den globalen Bedarf an Rohstoffen aktuell. Besonders deutlich wird dies beim Kupfer: Das Metall wird für Stromleitungen, Transformatoren, beim Bau von Elektroautos, für erneuerbare Energien und Rechenzentren benötigt. Damit profitieren Kupferproduzenten potenziell sowohl vom Ausbau der Energieinfrastruktur als auch vom Boom der Künstlichen Intelligenz.
Wie wichtig Südamerika für die weltweite Rohstoffversorgung ist, macht eine Studie der internationalen Energieagentur (IEA) deutlich. Laut der IEA verfügen Zentral- und Südamerika über rund 30 Prozent der globalen Kupferreserven und etwa 45 Prozent der Lithiumreserven. Mehrere Länder könnten von einem Rohstoff-Boom profitieren, darunter:
- Chile: Einer der weltweit wichtigsten Kupferproduzenten und bedeutender Lithiumlieferant.
- Peru: Große Kupfer- und weitere Metallvorkommen sowie zahlreiche geplante Bergbau- und Infrastrukturprojekte.
- Argentinien: Wachsende Bedeutung bei Lithium sowie erhebliche Öl- und Gasvorkommen.
- Brasilien: Bedeutender Exporteur von Eisenerz und Agrarrohstoffen mit zusätzlichen Potenzialen bei kritischen Mineralien.
- Bolivien: Umfangreiche Lithiumressourcen, deren wirtschaftliche Erschließung allerdings mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist.
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Politische Reformen sollen internationale Investitionen anlocken
Mehrere südamerikanische Regierungen möchten jetzt ausländisches Kapital durch steuerliche Anreize, vereinfachte Genehmigungsverfahren und bessere Investitionsbedingungen akquirieren. So soll die Unternehmenssteuer in Chile bis 2029 schrittweise von 27 auf 23 Prozent gesenkt werden, Peru plant die Beschleunigung von Bergbau- und Infrastrukturprojekten und der argentinische Präsident Javier Milei hat bereits Großprojekte mit einem geplanten Volumen von 50 Milliarden US-Dollar geplant.
Spannend wird es aktuell auch in Brasilien, der größten Volkswirtschaft Südamerikas: Nach der Wiederwahl des linken Präsidenten Lula haben brasilianische Aktien und die Landeswährung Real massiv an Wert verloren. Investoren befürchten, dass Präsident Lula seinen bisherigen wirtschaftspolitischen Kurs fortsetzt und die Sozialprogramme sowie die staatlichen Investitionen ausweitet, ohne die Ausgaben zu begrenzen. Das könnte die brasilianische Verschuldung weiter erhöhen und Investitionen und das Wirtschaftswachstum belasten.
Rohstoffboom Südamerika: Chancen für Anleger
Ein möglicher Rohstoff-Superzyklus wäre nicht nur für die Volkswirtschaften Südamerikas interessant. Auch an den Kapitalmärkten könnten sich neue Anlagechancen für Anleger ergeben. Besonders profitieren könnten Rohstoff- und Bergbau-Aktien, Länder- und Schwellen-ETFs sowie Rohstoff-ETCs. Eine Auswahl an möglichen Titeln für ein Investment in Südamerika bzw. einen möglichen Rohstoff-Superzyklus:
| Wertpapier | ISIN | Land/Region | Schwerpunkt | TER p.a. | 1 Jahr | 3 Jahre |
|---|---|---|---|---|---|---|
| iShares MSCI EM Latin America UCITS ETF | IE00B27YCK28 | Lateinamerika | Breiter Aktienmarkt | 0,20 % | 21,3 % | 27,7 % |
| Xtrackers MSCI Brazil UCITS ETF | LU0292109344 | Brasilien | Brasilianische Aktien | 0,25 % | 24,3 % | 33,2 % |
| Global X Copper Miners UCITS ETF | IE0003Z9E2Y3 | Weltweit | Kupferminen | 0,55 % | 35,1 % | 129,8 % |
| WisdomTree Copper ETC | GB00B15KXQ89 | Weltweit | Kupfer-Futures | 0,49 % | 31,2 % | 65,8 % |
| Vale (ADR) | US91912E1055 | Brasilien | Eisenerz, Nickel | – | 8,6 % | -17,6 % |
| Southern Copper | US84265V1052 | Peru, Mexiko | Kupfer, Molybdän | – | 57,7 % | 177,9 % |
| SQM (ADR) | US8336351056 | Chile | Lithium, Jod, Düngemittel | – | 42,3 % | 10,7 % |
| Antofagasta | GB0000456144 | Chile | Kupfer, Gold, Molybdän | – | 30,3 % | 157,2 % |
| Buenaventura (ADR) | US2044481040 | Peru | Gold, Silber, Basismetalle | – | 39,9 % | 230,3 % |
| Petrobras (ADR) | US71654V4086 | Brasilien | Erdöl, Erdgas | – | 97,1 % | 38,6 % |
| Gerdau (ADR) | US3737371050 | Brasilien | Stahlproduktion | – | 48,6 % | 22,9 % |
| Lundin Mining | CA5503721063 | Chile, Brasilien, Argentinien | Kupfer, Gold | – | 52,4 % | 238,5 % |
| Quelle: comdirect. de, finanzen.net / Stand: 10.2026 | ||||||
Hinweis: Wer vom möglichen Rohstoffboom in Südamerika profitieren möchte, benötigt kein spezielles Auslandsdepot. Zahlreiche Rohstoffaktien sowie passende ETFs und ETCs sind bei etablierten deutschen Brokern wie der comdirect, ING, Trade Republic oder Scalable Capital erhältlich. Einige der vorgestellten Produkte lassen sich auch über einen Sparplan besparen. Bei einzelnen südamerikanischen Unternehmen erfolgt der Handel über sogenannte American Depositary Receipts (ADRs), also in den USA handelbare Hinterlegungsscheine.
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Neuer Rohstoff-Superzyklus in Südamerika? Das spricht dagegen
Trotz der vielversprechenden Aussichten für Südamerika ist ein neuer Rohstoff-Superzyklus keinesfalls garantiert. Während in den 2000er-Jahren die rasante Industrialisierung Chinas für einen breiten Anstieg der Rohstoffpreise sorgte, ist das Bild heute deutlich uneinheitlicher. Kupfer profitiert beispielsweise von der Elektrifizierung und dem Ausbau von KI-Rechenzentren, während die anhaltenden Probleme im chinesischen Immobiliensektor die Nachfrage nach Eisenerz belasten.
Hinzu kommt, dass steigende Rohstoffpreise langfristig auch das Angebot erhöhen können. Werden neue Minen erschlossen und bestehende Förderkapazitäten ausgebaut, könnte dies den Preisanstieg bremsen. Gleichzeitig erschweren politische Unsicherheiten, hohe Investitionskosten und langwierige Genehmigungsverfahren die Umsetzung neuer Projekte. Auch technologische Fortschritte und zunehmendes Recycling könnten die Nachfrage nach einzelnen Rohstoffen verändern. Statt eines breit angelegten Superzyklus erscheint deshalb auch ein selektiver Rohstoffboom denkbar.
Fazit zum möglichen Rohstoffboom in Südamerika
Südamerika könnte ein neuer Rohstoffboom bevorstehen. Der Kontinent verfügt über enorme Vorkommen an wichtigen Rohstoffen wie Kupfer, Lithium oder Eisenerz. Durch die Energiewende und dem Ausbau von KI-Infrastruktur dürfte die Nachfrage nach diesen Rohstoffen weiter zunehmen. Gleichzeitig können wirtschaftspolitische Reformen Investoren anlocken und rohstoffreichen Ländern zusätzlich wirtschaftlichen Rückenwind verleihen.
Ob daraus ein ähnlicher Boom wie in den 2000er-Jahren werden könnte, bleibt allerdings abzuwarten. Die globale Nachfrage nach Rohstoffen entwickelt sich sehr dynamisch und kann sich je nach Rohstoff deutlich unterscheiden. Anleger sollten außerdem politische Risiken und die hohe Volatiliät einiger Rohstoffe berücksichtigen.
Für Anleger könnten sich über Rohstoffaktien, ETFs oder ETCs dennoch interessante Chancen ergeben. Dabei ist empfehlenswert, nicht pauschal auf einen breiten Rohstoffboom zu setzen, sondern lieber auf einzelne Rohstoffe und Unternehmen zu setzen.
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Weiterführende Links und Quellen
- Handelsblatt: Steht Südamerika vor einem neuen Rohstoff-Superzyklus?
- Internationale Energieagentur: Global Critical Minerals Outlook 2025
- Weltbank: Commodity Markets
- Brasilianisches Wahlgericht: Ergebnis der Präsidentschaftswahl 2026
Erstellt am 28.10.2026, zuletzt aktualisiert am 28.10.2026


