Frischer Wind für Anleger: Windkraft-Aktien und ETFs

Bei der Frage, woher der Strom in Deutschland kommt, sind die Zahlen recht deutlich: Der größte Anteil, der in das öffentliche Stromnetz eingespeisten Energie, stammt mittlerweile aus erneuerbaren Quellen. 2025 lag der Wert bei 55,9 Prozent (laut Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE). Der Anteil der Photovoltaik steigerte sich demnach auf rund 21 Prozent und der stärkste Nettostromerzeuger war die Windkraft. Kommen wir in die nahe Gegenwart und blicken auf den Anteil erneuerbarer Energie im Mai 2026: Hier finden wir sogar einen Wert von 63,2 Prozent (Energie-Charts.info). Kurzum: Der Trend ist eindeutig und steigend. Allerdings sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor, dass der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 mindestens 80 Prozent betragen soll – ein mehr als ambitioniertes Ziel, hinter dessen Erreichbarkeit sicher ein paar Fragezeichen stehen. Nichtsdestotrotz sind Investments in diese Technologien bzw. in die beteiligten Unternehmen sicherlich sinnvoll. Wir starten unsere Reise in die Welt der Energie-Anlagen mit frischem Wind unter den Flügeln: Windkraft-Aktien und ETFs.
Das Wichtigste im Überblick
- Vestas oder Nordex: Marktführer aus Dänemark oder Wachstums-Chancen in Hamburg
- Windenergie-ETFs: Zwei mal sparplanfähige Windkraft
Inhaltsverzeichnis
Windturbinen-Hersteller
Die Hersteller von Windenergie-Anlagen sind nur eine Option, sich anlagetechnisch im Feld der Windkraft zu verwirklichen. Wir haben zwei Anbieter aus Europa herausgesucht, in deren Aktien investiert werden kann.
Vestas Wind Systems (WKN A3CMNS)
Wenn es um Windenergie geht, dann dürfte Dänemark einer der Vorreiter sein. Mehr als die Hälfte des Strombedarfs in diesem Land werden damit gedeckt. Entsprechend verwundert es niemanden, dass ein Branchenprimus aus dem Land der Wikinger stammt: Die Vestas Wind Systems A/S bzw. schlicht Vestas. Mit 36.973 Mitarbeitern (Stand: 2025) und einem Umsatz von 18,822 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist das Unternehmen Weltmarktführer im Aufbau von Windkraftanlagen. Bemerkenswert für einen Anbieter, der ursprünglich handliche Haushaltsgeräte, dann Landmaschinen und zwischenzeitlich Hydraulikkräne herstellte. Mittlerweile befindet sich der Hauptsitz von Vestas Wind Systems auch nicht mehr im beschaulichen Eisenbahner-Städtchen Lem, sondern in Aarhus und widmet sich von dort aus der Energiegewinnung aus Wind (bereits seit 1979 – als eine Reaktion auf die Ölkrise). Die heutige Unternehmung entstand indes erst nach einer Insolvenz im Jahr 1986. Weitere relevante Daten: Der Börsengang an der Kopenhagener Börse erfolgte 1998 und beschleunigte die Expansionsbestrebungen und die technologische Entwicklung massiv. 2004 fusionierte Vestas zudem mit NEG Micron, einem der bekanntesten Konkurrenten.
Verständlicherweise dehnte sich Vestas Wind Systems A/S über die Jahre hinweg aus. Das Unternehmen hat u. a. Produktionsstätten bzw. Stützpunkte in Deutschland, Großbritannien, Schweden, Japan, Australien, China und in den USA. Wind gibt es eben überall. Hierzulande befindet sich die deutsche Niederlassung (Vestas Deutschland GmbH) in Hamburg.
Ob Onshore oder Offshore, also an Land oder zu Wasser – Vestas Wind Systems A/S ist praktisch in jedem Segment der Windkraftgewinnung zuhause. Zudem beruht ein immenser Teil des Geschäfts auf Service- und Wartungsdienstleistungen für installierte Turbinen. Deren Vertragslaufzeiten sind bisweilen enorm langfristig und sichern stabile Einnahmen. Ein Blick in die Bilanzen: 2025 war ein mehr als solides Jahr und Vestas erzielte „den höchsten Umsatz und die höchste Profitabilität seiner Geschichte“ (so CEO Henrik Andersen). Alle Details finden sich im Geschäftsbericht für 2025, darunter eine EBIT-Marge von 5,7 Prozent und ein Auftragseingang von 16,3 GW. Die Aktionäre durften sich über eine Dividende in Höhe von 0,74 Dänischen Kronen je Aktie freuen. Nicht übermäßig viel, aber immerhin.
Apropos Aktie: In den vergangenen 12 Monaten verzeichnete Vestas Wind Systems unterm Strich ein Plus von rund +69 bis 72 Prozent, allerdings immer mit z. T. deutlichen Korrekturen versehen. Zuletzt lag der Kurs umgerist ein Profiteur der globalen Energiewende und hat eine solide Wachstumsperspektive. Politische Einwände, Preisdruck (vor allem aus China) und steigende Rohstoffkosten sorgen andererseits dafür, dass die Aktie kein Selbstläufer ist.
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Nordex SE (WKN A0D655)
Gute Nachrichten für ein deutsches Unternehmen – ja, das gibt es noch: Der Windkraftanlagenbauer Nordex SE sicherte sich jüngst einen Megadeal aus der Türkei und liefert bzw. errichtet im Westen des Landes 16 Turbinen des Typs N175/6.X für den Windpark Balikesir-3. Gesamtleistung 110 Megawatt. Obendrauf gibt es einen zehn Jahre laufenden Premium-Service-Vertrag. Ein gutes Geschäft, da der reine Anlagenwert bereits 9-stellig in Euro sein dürfte, wenn wir den durchschnittlichen Verkaufspreis pro MW Leistung heranziehen. Eigentlich ein Grund zur Freude. Weil aber zu viel Optimismus nicht sehr deutsch ist, erinnern wir an dieser Stelle gleich an die Aussagen des Nordex-CEOs José Luis Blanco von Anfang Mai: Europäische Firmen wie Nordex stehen wegen Chinas Dominanz auf dem Markt unter Zugzwang, was das Wachstum angeht. Die weltweit größten Unternehmen in diesem Sektor stammen nämlich aus dem Reich der Mitte (z. B. Goldwind, Envision Energy oder Windey Energy) und jene nutzen ihre Vorteile, darunter ein großer Heimatmarkt, staatliche Förderungen sowie eine aggressive Preispolitik. Es ist eben die Konkurrenz-Elite, gegen die nur Qualität und Dynamik hilft…und damit zurück zu Nordex aus Hamburg.
Ursprünglich geht das in der Hansestadt ansässige Unternehmen auf eine dänische Firma zurück (Brande Kedel og Beholderfabrik), welche 1985 gegründet wurde. Der Start in Deutschland begann erst mit einem Vertrieb 1991 und 1992 mit einer eigenen Entwicklungs- und Produktionsabteilung. Vor rund 30 Jahren übernahm dann Balcke-Dürr (gehört zu Babcock Borsig) die Mehrheit an Nordex und die Expansion lief international weiter. Weil der Mutterkonzern finanziell strauchelte, ging es 2001 an die Börse. Wenige Monate später veräußerte Babcock-Borsig seine Beteiligung an die Westdeutsche Landesbank. Aufgrund hoher Verluste und eines stagnierenden Markts geriet Nordex zwischen 2003 und 2005 in Schieflage, fing sich aber in den Folgejahren wieder. Ein entscheidender Wendepunkt war 2015/2016 die Fusion mit Acciona Windpower, die Nordex zu einem global wettbewerbsfähigen Windkonzern machte. Seither drehen sich die Räder weitestgehend sauber im Wind und Nordex ist einer der führenden europäischer Hersteller von Onshore Windkraftanlagen.
Für Anleger interessant: Nordex gehört tatsächlich zu den dynamischsten und vielversprechendsten Anbietern im Windenergie-Bereich (abseits der asiatischen Unternehmen). Pluspunkte: Die Zahlen waren zuletzt durchweg positiv – in Q4/2025 kletterte der Überschuss auf 274 Millionen Euro und der Auftragseingang auf den Rekordwert von 10,2 Gigawatt. Der Geschäftsbericht für 2025 zeigt insgesamt einen Umsatz von 7,553 Milliarden Euro (+3,5 Prozent zum Vorjahr) und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 449,8 Millionen Euro. Alles Hinweise auf eine gestärkte Position im Markt und eine solide Basis. Die Risiken, wenn wir wieder zum Anfang zurückkehren, bleiben indes die genannten, d. h. geopolitische Verwerfungen, Margendruck und der Wettbewerb mit China.
Volle Auftragsbücher, ein gelungener Turnaround, aber gleichzeitig hohe Erwartungen und eine nicht unbedingt einheitliche Analysten-Prognose. Was die Anlage bei Nordex angeht: Es gibt Luft nach oben und nach unten. Prinzipiell handelt es sich um ein Papier, dass eine langfristige Strategie benötigt. Dividenden schüttet Nordex SE momentan nicht aus, was sich ab 2027 aber ändern könnte. Der Aktienkurs: Zuletzt lag jener bei 41,60 Euro mit leicht sinkender Tendenz. Das Kursziel dürfte indes im Bereich zwischen 43 und 48 Euro liegen.
In Aktien investieren per Sparplan
Breit im Wind aufgestellt: Windkraft-ETFs
Wie sichtbar, sind Aktienanlagen in einzelne Werte immer mit gewissen Risiken verbunden und die Volatilität der Kurse ist hoch. Um sich etwas „bodenständiger“ und breiter aufzustellen, hilft ggf. ein ETF – was zudem Kosten spart. Wir haben zwei Windenergie-ETFs herausgesucht, die monatlich besparbar sind und sich in den vergangenen zwölf Monaten durchweg positiv entwickelten. Investiert wird beim Invesco Wind Energy ETF in Unternehmen, die durch innovative Technologien die Förderung von Windenergie bzw. dessen Nutzung im Fokus haben. Ein Blick auf die Bestandteile: 57,37 Prozent Industrie, 22,27 Prozent Versorger und 14,17 Prozent Telekommunikation/IT bilden den Hauptbestandteil. Die größte Position bildet LS Electric Co. Ltd. mit 2,52 Prozent. Beim Global X Wind Energy ETF ist die Verteilung der Bestandteile mit 47,39 Prozent Industrie, 46,21 Prozent Versorger und 6,40 Prozent Rest etwas anders aufgebaut. Der Anteil an Unternehmen aus China ist deutlich größer, wobei mit Oersted der dänische Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie das Feld anführt (13,42 Prozent).
| ETF | WKN | Fondsgröße in Mio. EUR | Laufende Kosten | Entw. in 12 Mon. in % | Ausschüttung | Sparplanfähig |
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| Invesco Wind Energy UCITS ETF – USD ACC | A3DP7S | 24,58 | 0,60 | +74,37 | thesaurierend | ja |
| Global X Wind Energy UCITS ETF – USD ACC | A3C9MA | 4,35 | 0,50 | +46,37 | thesaurierend | ja |
| Quelle: Brokervergleich.de / comdirect / Stand: 29.05.2026 | ||||||
Fazit: Langfristige Ziele setzen
Stabiler Marktführer, Wachstums-Gigant oder doch das breite Fundament mittels ETF? Pauschal lässt sich das nicht beantworten, weil es – wie üblich – von der eigenen Risikobereitschaft bzw. Strategie abhängt. Allerdings ist der Trend hier „der Freund“ des Anlegers: Der Ausbau der Windenergie wächst weltweit kontinuierlich, angetrieben durch die Energiewende, steigenden Strombedarf und politische Vorgaben zur CO₂ Reduktion. Trotz erheblicher Schwankungen eine langfristig interessante Option.
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Quellen und weiterführende Links
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Kursangaben und Einschätzungen basieren auf öffentlich verfügbaren Quellen zum Stand Mai 2026. Investitionen in Aktien sind mit Risiken verbunden – insbesondere in geopolitisch unsicheren Marktphasen.


