Altersvorsorgedepot statt Riester: Wann sich der Wechsel lohnt

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Millionen Deutsche zahlen seit Jahren in einen Riester-Vertrag ein – oft ohne genau zu wissen, wie viel davon am Ende wirklich bei ihnen ankommt. Mit dem Altersvorsorgedepot bekommt die geförderte private Altersvorsorge ab 2027 einen Nachfolger, der auf dem Papier vieles besser machen soll: mehr Rendite, mehr Flexibilität, weniger Kosten. Doch heißt das automatisch, dass sich ein Wechsel für jeden lohnt? Dieser Ratgeber ordnet ein, was sich ändert, was ein Wechsel kostet und für wen er tatsächlich sinnvoll ist.

Das Wichtigste im Überblick

  • Riester-Neuverträge sind nur noch bis zum 31. Dezember 2026 möglich. Ab 2027 startet das Altersvorsorgedepot als Nachfolgeprodukt, bestehende Riester-Verträge laufen aber automatisch und unverändert weiter.
  • Ein Wechsel ist freiwillig, kein Zwang. Innerhalb der ersten fünf Vertragsjahre kann eine Übertragung bis zu 150 Euro kosten, danach soll sie kostenfrei sein.
  • Alte und neue Förderregeln lassen sich nicht mischen: Wer zusätzlich ein Altersvorsorgedepot eröffnet, wechselt auch mit dem bestehenden Riester-Vertrag automatisch komplett ins neue Fördersystem.

Die Reform in Kürze: Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgereformgesetz wurde am 27. März 2026 vom Bundestag beschlossen, passierte am 8. Mai 2026 den Bundesrat und wurde Ende Mai desselben Jahres verkündet. Damit ist der rechtliche Rahmen für den Riester-Nachfolger endgültig gesetzt. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Banken, Neobroker und Fondsgesellschaften das neue Altersvorsorgedepot anbieten – vorausgesetzt, sie lassen ihre Produkte vom Bundeszentralamt für Steuern zertifizieren.

Der zentrale Unterschied zu Riester: Das Altersvorsorgedepot kommt ohne Versicherungsmantel aus. Gespart wird direkt in zertifizierte ETFs, Fonds oder Anleihen, nicht über eine Rentenversicherung mit eingebauter Garantie. Das eröffnet höhere Renditechancen, bedeutet im Gegenzug aber auch, dass es – anders als bei vielen Riester-Verträgen – keine Beitragsgarantie mehr gibt.

Was passiert mit einem bestehenden Riester-Vertrag?

Hier können viele Riester-Sparer erst einmal aufatmen: Es gibt keine automatische Kündigung oder Zwangsumwandlung. Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, kann ihn unverändert weiter besparen – mit allen bisherigen Zulagen und Steuervorteilen. Ab 2027 lassen sich lediglich keine neuen Verträge nach dem alten Riester-Modell mehr abschließen. Der Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist eine freiwillige Option, keine Pflicht.

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Quellen:

Förderung im Vergleich: Was bringt das neue System konkret?

Der wichtigste Verkaufsvorteil des Altersvorsorgedepots ist die deutlich großzügigere staatliche Förderung. Während die Riester-Grundzulage bei maximal 175 Euro jährlich gedeckelt war, sieht das neue System ein zweistufiges Modell vor:

  • Der Staat gibt 50 Cent je eingezahltem Euro auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr.
  • Auf weitere 1.440 Euro Eigenbeitrag gibt es 25 Cent je Euro.

Bei einem vollen Eigenbeitrag von 1.800 Euro im Jahr ergibt das eine staatliche Zulage von 540 Euro – gut das Dreifache der bisherigen Riester-Grundzulage. Hinzu kommen 300 Euro pro Kind (sobald mindestens 300 Euro Eigenbeitrag im Jahr geleistet werden) sowie einmalig 200 Euro für alle, die zu Beginn des Beitragsjahres unter 25 Jahre alt sind. Ausgezahlt wird das angesparte Kapital frühestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres.

Wichtig zu wissen: Die alten und neuen Förderregeln lassen sich nicht parallel nutzen. Wer neben einem bestehenden Riester-Vertrag ein Altersvorsorgedepot abschließt, überführt damit automatisch auch den kompletten alten Riester-Vertrag in das neue Fördersystem – die Riester-Förderung nach altem Recht endet dann für diesen Vertrag. Es ist allerdings möglich, die persönliche Förderung auf maximal zwei Verträge gleichzeitig aufzuteilen.

Was kostet ein Wechsel?

Wer sich für eine Übertragung entscheidet, sollte die Kostenseite im Blick behalten. Innerhalb der ersten fünf Vertragsjahre dürfen abgebende Anbieter für die Übertragung des Altvertrags bis zu 150 Euro verlangen. Läuft der bestehende Riester-Vertrag bereits fünf Jahre oder länger, soll die Übertragung kostenfrei sein. Da viele Details zur genauen Ausgestaltung der Übertragungsprozesse bei den einzelnen Anbietern noch nicht final feststehen, lohnt sich vor einem Wechsel in jedem Fall der Blick ins Kleingedruckte des jeweiligen Riester-Vertrags sowie eine Nachfrage beim neuen Anbieter.

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Für wen lohnt sich der Wechsel – nach Alter und Lebenssituation

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn die richtige Entscheidung hängt stark vom Alter, der verbleibenden Anlagedauer und der persönlichen Lebenssituation ab. Ein Blick nach Altersgruppen macht die Abwägung greifbarer.

Unter 35: der Renditevorteil spielt seine volle Stärke aus

Wer noch 30 Jahre oder mehr bis zur Rente vor sich hat, profitiert am stärksten vom Wechsel. Der lange Anlagehorizont gleicht Marktschwankungen aus und lässt den Renditevorteil eines ETF-basierten Depots gegenüber einer klassischen Riester-Rentenversicherung voll zur Geltung kommen. Hinzu kommt: Wer beim Vertragsabschluss noch unter 25 ist, erhält einmalig zusätzlich 200 Euro staatliche Förderung obendrauf. Für diese Gruppe spricht in aller Regel wenig gegen einen zügigen Umstieg.

35 bis etwa 50: meist ebenfalls klar für den Wechsel

Auch in dieser Lebensphase bleibt der Anlagehorizont in der Regel lang genug, damit sich das höhere Renditepotenzial des Depots gegenüber den Garantien einer Riester-Versicherung auszahlt. Wer in diesem Alter mit den Kosten oder der Wertentwicklung seines bestehenden Riester-Vertrags unzufrieden ist, findet hier meist die stärksten Argumente für einen Wechsel. Ein Blick lohnt sich vor allem dann, wenn der Riester-Vertrag bereits länger als fünf Jahre läuft – dann fällt die Übertragung sogar kostenfrei aus.

Ab etwa 50 bzw. kurz vor der Rente: genauer rechnen

Je näher der Renteneintritt rückt, desto mehr gewinnt die fehlende Beitragsgarantie des Altersvorsorgedepots an Gewicht – ein kurzer Anlagehorizont lässt weniger Zeit, um Kursschwankungen auszusitzen. Hier lohnt sich ein genauer Vergleich: Wie hoch sind die Garantien und laufenden Kosten des bestehenden Riester-Vertrags wirklich, und wie viele Jahre bleiben tatsächlich noch bis zur geplanten Auszahlung? Ein pauschaler Wechsel ist in dieser Gruppe seltener sinnvoll als bei jüngeren Sparern, im Einzelfall – etwa bei einem besonders teuren oder renditeschwachen Altvertrag – kann er aber dennoch Sinn ergeben.

Alter Renditevorteil ggü. Riester Anlagehorizont Vorteil/Sonstiges
< 35 Jahre +++ langfristig U25: +200 Euro staatliche Förderung (einmalig)
35 bis 49 Jahre ++ mittel Übertragung kostenfrei bei Riester-Laufzeit über 5 Jahren
> 50 Jahre +/0 mittel- bis kurzfristig Vergleich empfohlen/Wechsel sinnvoll bei teuren oder renditeschwachen Altverträgen
Quelle: Brokervergleich.de / +++ = sehr gut; ++ = gut; + = mittel / 0 = kein Vorteil

Surftipp: Mehr Infos zum Altersvorsorgedepot: Die staatlich geförderte ETF-Vorsorge »

Sonderfall: geringes Einkommen mit mehreren Kindern

Unabhängig vom Alter gibt es eine Konstellation, in der das bisherige Riester-Modell im Einzelfall sogar günstiger bleiben kann: Haushalte mit niedrigem Einkommen und mehreren Kindern, die von der bisherigen Riester-Kinderzulage besonders profitieren. Hier lohnt sich eine genaue Vergleichsrechnung beider Fördersysteme, bevor eine Entscheidung fällt.

Grund zum Wechsel? Kein Grund zur Eile

Wer sich in keiner der genannten Gruppen eindeutig wiederfindet oder schlicht unsicher ist, muss nicht sofort handeln: Die staatliche Förderung für das gesamte Jahr 2027 gibt es auch dann noch, wenn ein Vertrag erst im Dezember 2027 abgeschlossen wird. Zeitdruck besteht also in keiner Altersgruppe. Beiden Produkten gemeinsam ist zudem ein oft übersehener Vorteil: Sowohl Riester-Guthaben als auch das Altersvorsorgedepot sind in der Ansparphase als Schonvermögen geschützt und werden nicht auf Bürgergeld beziehungsweise Grundsicherung angerechnet.

Welche Anbieter stehen schon in den Startlöchern?

Auch wenn der offizielle Start erst am 1. Januar 2027 erfolgt, positionieren sich die großen Broker und Banken bereits jetzt. Scalable Capital hat als einer der ersten Anbieter konkrete Konditionen genannt und wirbt mit einem Modell ganz ohne Ordergebühren für ETF-Sparpläne, solange der gesetzliche Kostendeckel von maximal 1 Prozent Effektivkosten pro Jahr eingehalten wird. Kurz darauf zog finanzen.net Zero mit einem sehr ähnlichen, ebenfalls gebührenfreien Modell nach und ergänzte eine offene ETF-Positivliste sowie ein eigenes Anmeldeformular speziell für Riester-Wechsler. Auch Direktbanken wie die DKB (angekündigte Depotgebühr von 0,15 Prozent pro Jahr) und die ING (rund 0,20 Prozent pro Jahr, etwa 40 zertifizierte ETFs) haben bereits Konditionen in Aussicht gestellt. Trade Republic hat Interesse bekundet und eine Vorregistrierung ermöglicht, konkrete Konditionen und eine eigene Produktseite stehen dort zum jetzigen Zeitpunkt aber noch aus – auch weil die Zertifizierung durch das Bundeszentralamt für Steuern für viele Anbieter erst im Herbst 2026 anläuft.

Wer schon jetzt einen Anbieter fest im Blick hat, kann sich in der Regel unverbindlich auf eine Warteliste setzen lassen, um am Stichtag ohne Verzögerung starten zu können. Wer noch unentschlossen ist, sollte bei der Auswahl nicht nur auf die Kosten schauen, sondern auch auf die ETF-Auswahl, die Abwicklung der Zulagen und den Umgang mit einer möglichen Riester-Übertragung achten.

So läuft ein Wechsel Schritt für Schritt ab

Wer einen Wechsel ernsthaft in Erwägung zieht, sollte in dieser Reihenfolge vorgehen: Zunächst den bestehenden Riester-Vertrag genau prüfen – wie lange läuft er schon, welche Garantien und Kosten sind enthalten, und was würde eine Übertragung konkret kosten. Danach lohnt sich ein Vergleich der sich abzeichnenden Anbieterkonditionen fürs Altersvorsorgedepot, insbesondere mit Blick auf Gebühren und ETF-Auswahl. Erst wenn beide Seiten der Rechnung – bisherige Kosten und Nachteile versus neue Förderung und Renditechancen – für den Wechsel sprechen, sollte die Übertragung tatsächlich angestoßen werden. Da sich die Produktlandschaft bis zum offiziellen Start im Januar 2027 noch weiterentwickelt, ist es meist die klügere Strategie, sich zwar frühzeitig zu informieren und gegebenenfalls vorzumerken, die endgültige Entscheidung aber erst zu treffen, wenn die konkreten Konditionen des Wunschanbieters feststehen.

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Fazit

Der Wechsel von Riester zum Altersvorsorgedepot ist keine Entweder-oder-Entscheidung, die 2027 über Nacht getroffen werden muss. Bestehende Riester-Verträge laufen unverändert weiter, und die neue Förderung ist attraktiv genug, um sich in Ruhe damit zu beschäftigen. Wer einen langen Anlagehorizont hat und mit den Kosten oder der Rendite seines aktuellen Riester-Vertrags unzufrieden ist, für den dürfte sich der Wechsel in den meisten Fällen lohnen. Wer dagegen kurz vor der Rente steht, Wert auf Garantien legt oder noch mitten in den ersten fünf Jahren eines Riester-Vertrags steckt, sollte die eigene Situation genau durchrechnen, bevor er sich festlegt. Die gute Nachricht: Zeitdruck gibt es keinen – wohl aber gute Gründe, sich schon jetzt mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Weiterführende Links und Quellen




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