Jahresausblick 2026 – Was Investment-Experten aus aller Welt für die Kapitalmärkte erwarten

Das Jahr 2026 steht im Zeichen grundlegender Veränderungen an den globalen Kapitalmärkten. Nach einem turbulenten 2025, das durch geopolitische Spannungen, schwankende Zinspolitik und die anhaltende KI-Revolution geprägt war, blicken Investoren und Finanzexperten mit einer Mischung aus vorsichtigem Optimismus und strategischer Wachsamkeit auf das neue Jahr. Während die Künstliche Intelligenz als dominierender Wachstumstreiber die Märkte weiterhin in Atem hält, sorgen gleichzeitig protektionistische Handelspolitik, hohe Bewertungen und makroökonomische Unsicherheiten für erhöhte Volatilität.
Die Kapitalmärkte befinden sich in einer Übergangsphase, wie Experten es formulieren. Alte Gewissheiten verlieren an Bedeutung, neue Strukturen sind noch nicht etabliert. In diesem komplexen Umfeld trennt sich die Spreu vom Weizen: Erfolgreiche Investments erfordern 2026 nicht nur Mut, sondern vor allem eine differenzierte Portfoliogestaltung, aktives Risikomanagement und die Bereitschaft, über den gewohnten Mainstream hinauszublicken.
Das Wichtigste im Überblick
- Globales Wachstum bleibt robust: Die Weltwirtschaft dürfte 2026 mit rund 2,7 bis 3,1 Prozent wachsen, getragen von anhaltenden KI-Investitionen und expansiver Geld- sowie Fiskalpolitik in wichtigen Wirtschaftsregionen.
- Aktien favorisiert, aber selektiv: Experten bevorzugen Aktien gegenüber Anleihen, warnen jedoch vor Sorglosigkeit – hohe US-Bewertungen und geopolitische Risiken erfordern eine diversifizierte, aktive Portfoliostrategie mit Fokus auf europäische und asiatische Titel.
- Zinswende in den USA: Die Federal Reserve könnte den Leitzins bis Ende 2026 auf 2,5 bis 3,5 Prozent senken, während die EZB den Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen dürfte – ein wichtiger Katalysator für risikobereite Anlagen.
- Venezuela-Krise und Krypto-Konsolidierung: Die US-Intervention in Venezuela schafft Unsicherheit am Ölmarkt, während der Bitcoin-Markt nach der Euphorie 2025 eine Phase der Konsolidierung durchläuft – mit Kurszielen zwischen 120.000 und 180.000 Dollar bis Jahresende.
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Inhaltsverzeichnis
- Globale Konjunkturaussichten: Wachstum trotz Fragmentierung
- Aktienmärkte 2026: Zwischen Euphorie und Ernüchterung
- Zinspolitik und Anleihenmärkte: Die große Wende
- Venezuela-Krise: Ölmarkt im Umbruch
- Krypto-Märkte: Zwischen Konsolidierung und Hoffnung
- Weitere Marktthemen 2026
- Fazit: Differenzierung als Schlüssel zum Erfolg
Globale Konjunkturaussichten: Wachstum trotz Fragmentierung
Die globale Wirtschaft zeigt sich 2026 überraschend widerstandsfähig. Trotz anhaltender Belastungen durch protektionistische Zollpolitik und geopolitische Spannungen prognostizieren führende Institutionen ein solides Wachstum. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit 3,1 Prozent Weltwirtschaftswachstum, während Allianz Global Investors von 2,7 Prozent ausgeht. Die OECD erwartet sogar drei Prozent globales Wachstum. Diese Resilienz ist bemerkenswert, berücksichtigt man die Herausforderungen durch Handelskonflikte und Lieferketten-Unterbrechungen.
„Noch nie zuvor haben wir Haushaltsdefizite oder Zinssenkungen in diesem Ausmaß außerhalb von Rezessionen erlebt. Diese fiskal- und geldpolitischen Anreize werden das Wachstum in den USA, Europa und Asien ankurbeln“, prognostiziert Tilman Galler, Kapitalmarktstratege bei JPMorgan.
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USA: Innovationskraft trotzt Zollbelastungen
Die US-Wirtschaft erweist sich als besonders robust. Hauck Aufhäuser Lampe traut den USA ein Wachstum von 2,3 Prozent zu, während die Commerzbank 2,2 Prozent prognostiziert. Allianz Global Investors geht von 1,5 bis 2 Prozent aus, womit das Wachstum leicht unter dem Potenzialwachstum läge. Der Boom bei KI-Investitionen und moderate fiskalpolitische Impulse – die vor den Zwischenwahlen im November 2026 vorgezogen werden dürften – gleichen die Belastungen durch Zölle teilweise aus.
„Die US-Wirtschaft wird den Belastungen durch die Zollpolitik weiter trotzen. Dem innovationsfreundlichen Land trauen wir ein ansehnliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu“, erklärt Dr. Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei Hauck Aufhäuser Lampe.
Die Inflation bleibt mit über 3 Prozent hartnäckig hoch. AXA Investment Managers betont, dass wichtig für Anleger sei, dass weiter mit hohen KI-Investitionen zu rechnen ist, die sowohl das US-BIP als auch Technologieaktien stärken dürften.
Deutschland: Fiskalimpulse ohne Strukturreformen
Für Deutschland bleiben die Aussichten gedämpft optimistisch. Getragen vom Fiskalpaket für Verteidigung und Infrastruktur wird ein BIP-Wachstum von 1,2 Prozent erwartet. Die OECD traut Deutschland nach langer Stagnation ein Plus von einem Prozent zu. Allerdings warnen Experten, dass ohne breit angelegte investive Ausgaben und strukturelle Reformen lediglich ein konjunkturelles Strohfeuer zu erwarten ist.
„Das Fiskalpaket schiebt das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland zwar an. Mangels breit angelegter investiver Ausgaben und fehlender Strukturreformen ergibt sich 2026/27 aber lediglich ein konjunkturelles Strohfeuer. Ein dauerhaft höherer Wachstumspfad ist nicht in Sicht“, warnt Hauck Aufhäuser Lampe.
Union Investment sieht trotz geopolitischer Risiken Chancen: Das Kapitalmarktjahr 2026 dürfte Chancen bieten, da die US-Wirtschaft robust ist und Europa von starken Fiskalimpulsen profitiert.
Asien: Technologie als Wachstumsmotor
In Asien stehen Wirtschaftswachstum und Inflation unter Druck. Der Handel mit konventionellen Gütern leidet unter US-Zöllen, doch die Nachfrage im Technologiebereich stützt Investitionen und regionalen Handel. Allianz Global Investors berichtet, dass das Wachstum in China sich unter dem Druck der US-Zölle und der nach wie vor verhaltenen Binnennachfrage abschwächen dürfte. Politische Maßnahmen, die darauf abzielen, übermäßigen und schädlichen Wettbewerb zu bekämpfen, könnten jedoch aktuelle deflationäre Tendenzen dämpfen.
Aktienmärkte 2026: Zwischen Euphorie und Ernüchterung
Nach drei Jahren Hausse sind die weltweiten Aktienmärkte hoch bewertet. Die KI-Fantasie hat bislang die Oberhand behalten, doch Experten warnen vor Sorglosigkeit. LBBW-Research stellt fest, dass Aktien weisen gegenüber Renten nur noch eine minimale Risikoprämie aufweisen – ein deutliches Warnsignal.
„Nach drei Jahren Hausse sind die weltweiten Aktienmärkte eher hoch bewertet. In den Köpfen der Anleger hat sich offenbar eine gewisse Sorglosigkeit breitgemacht – schließlich ist bislang alles gut gegangen. Genau hierin liegt aber die Gefahr für die Märkte, denn Risiken verschwinden nicht durch Ignorieren“, warnt Dr. Berndt Fernow von LBBW Research.
DAX mit vorsichtigem Optimismus
Für den DAX herrscht vorsichtiger Optimismus. Die Commerzbank erwartet ein Gewinnwachstum von 6 bis 8 Prozent für DAX-Unternehmen, während Hauck Aufhäuser Lampe ein Kursziel von 25.500 Punkten bis Mitte 2026 ausgibt. Zwei bis drei Konsolidierungen mit Verlusten von 5 bis 10 Prozent werden als Kaufgelegenheiten gesehen.
„Wir gehen mit vorsichtigem Optimismus in das DAX-Jahr 2026. Der DAX dürfte Rückenwind von der deutschen Konjunktur bekommen, die mit 1,2 Prozent endlich wieder stärker wachsen dürfte“, so die Einschätzung der Commerzbank Research.
US-Märkte: Konzentration als Risiko
US-Technologieaktien sind hoch bewertet und weisen eine extreme Konzentration in den Indizes auf. Allianz Global Investors analysiert: „Das globale Wachstum erscheint widerstandsfähig, wobei der Boom im Bereich Künstliche Intelligenz dazu beiträgt, Belastungen durch den Zollkonflikt auszugleichen. Dennoch sind US-Technologieaktien hoch bewertet und weisen eine extreme Konzentration in den Indizes auf – eine sorgfältige Auswahl wird dort von entscheidender Bedeutung für den Erfolg sein.“
Ulrich Stephan, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, betont: „Anlagedisziplin ist angesagt. Dazu gehören eine individuelle Sektor Auswahl, eine aktive Portfoliogestaltung und ein Risikomanagement inklusive entsprechender Absicherungsmechanismen.“
Deutsche Bank-Experte Stephan glaubt weiter an einen anhaltenden KI-Boom, woraufhin die bedeutendsten US-Digitalunternehmen auch 2026 weiter an absoluter Stärke gewinnen sollten und viele andere Branchen innerhalb der Wertschöpfungskette profitieren würden. Die Fondsexperten der Union Investment gehen ebenfalls davon aus, dass KI auch 2026 ein zentraler Wachstumstreiber am Kapitalmarkt bleiben wird.
Europa und Schwellenländer: Attraktive Bewertungen
Abseits des US-dominierten Mainstreams bieten sich durchaus Chancen. LBBW betont: „Asiatische und europäische Werte sind deutlich günstiger als amerikanische. Nachhaltig dividendenstarke Titel verdienen Beachtung, ebenso Aktien der zweiten Reihe.“
Fidelity International sieht für Anfang 2026 günstige Bedingungen für Risikoanlagen mit unterstützender Politik, soliden Gewinnen und Chancen in Schwellenländern. Auch Aberdeen House View hebt hervor, dass Aktien aus Schwellenländern, Staatsanleihen und Infrastruktur zu den bevorzugten Strategien gehören, da sich das globale Wachstum stabilisiert.
Christoph Ohme, Leiter Deutsche Aktien bei ODDO BHF, erklärt: „Small und Mid Caps sind nicht nur günstiger bewertet, sondern punkten mit höheren Wachstumsraten und starker Innovationskraft.“ Analysten der BASF sehen zudem Comeback-Chancen bei zyklischen Industriewerten, sollte die Weltwirtschaft wie prognostiziert deutlich wachsen.
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Zinspolitik und Anleihenmärkte: Die große Wende
Die Zinspolitik entwickelt sich 2026 zu einem starken Bullen-Faktor für risikoreichere Anlagen. Während die EZB ihren Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen dürfte, steht die Federal Reserve im Fokus der Aufmerksamkeit.
Fed unter politischem Druck
Die Erwartungen für die Fed-Politik divergieren. Die Commerzbank erwartet, dass die US-Notenbank ihren Leitzins in fünf Schritten von derzeit 3,75 Prozent auf 2,50 Prozent reduzieren wird – auch wenn die US-Inflation voraussichtlich hartnäckig bei 3,0 Prozent verharrt. Allianz Global Investors geht von einer Zielbandbreite von 3,25 bis 3,50 Prozent aus.
Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price, rechnet zwar mit Zinssenkungen, erwartet aber keine weitere große Lockerung und prognostiziert eine „hawkish“ Senkung bei anhaltend über Ziel liegender Inflation.
„Der wahrscheinlich auf 2,5 Prozent sinkende US-Leitzins entwickelt sich 2026 zu einem starken DAX-Bullenfaktor“, prognostiziert die Commerzbank Research. Diese Zinssenkungen erfolgen trotz erhöhter Inflation unter politischem Druck und dem Ziel, die Wirtschaft anzukurbeln – ein ungewöhnliches Szenario, das die Fed in eine schwierige Position bringt.
Anleihen: Positive Realrenditen kehren zurück
Für Anleiheanleger gibt es gute Nachrichten. AXA Investment Managers erklärt: „Die gute Nachricht für Anleiheanleger ist, dass sie wieder für Laufzeitrisiken entlohnt werden. Sowohl in Europa als auch in den USA sind dadurch nach Abzug der Inflation wieder positive reale Renditen mit Staatsanleihen möglich – das gab es in dieser Breite lange nicht mehr.“
AXA hält einen weiteren Zinsrückgang im Jahr 2026 für den wahrscheinlichsten Fall, was Anleihen generell guttun dürfte. Allerdings gibt es auch Risiken: Die hohe staatliche Kreditaufnahme könnte einigen Staatsanleihenmärkten Probleme machen, und die engen Credit Spreads begrenzen das Mehrertragspotenzial von Investment-Grade- und High-Yield-Papieren.
PIMCO sieht in ihrem Ausblick 2026 attraktive Chancen bei Anleihen und empfiehlt eine flexible Positionierung. Bei den 10-jährigen Bundesanleihen gehen die Expertenmeinungen stark auseinander: 38 Prozent der DVFA-Befragten erwarten niedrigere, 39 Prozent höhere Renditeniveaus ausgehend von aktuell rund 2,6 Prozent.
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Venezuela-Krise: Ölmarkt im Umbruch
Die Situation in Venezuela hat sich Anfang Januar 2026 dramatisch zugespitzt und sorgt für erhebliche Unsicherheit am globalen Ölmarkt. Nach der US-Militärintervention und der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass amerikanische Ölkonzerne Milliarden in die marode venezolanische Öl-Infrastruktur investieren werden.
Venezuela verfügt über die größten bestätigten Ölreserven der Welt mit über 300 Milliarden Barrel. Die Produktion ist jedoch von 3,5 Millionen Barrel täglich in den 1970er Jahren auf magere 900.000 Barrel im Jahr 2025 eingebrochen – ein Rückgang um über 67 Prozent durch jahrzehntelange Misswirtschaft, Verstaatlichungen und Sanktionen. Der Ölpreis für Brent ist 2025 bereits um 19 Prozent gefallen, was die wirtschaftliche Lage weiter verschärft.
Die kurzfristigen Auswirkungen auf den Ölpreis sind schwer einzuschätzen, da derzeit Exportblockaden bestehen und keine beladenen Tanker die Häfen verlassen dürfen. Analysten wie Thomas O’Donnell vom Baker Institute der Rice University sehen bei einer friedlichen Transition das Potenzial für einen signifikanten Produktionsanstieg in fünf bis sieben Jahren – vorausgesetzt, die politische Stabilisierung gelingt.
„Venezuela könnte für die USA besonders attraktiv sein, da es geografisch naheliegt und über große Schwerölvorkommen verfügt, die US-Raffinerien effizient verarbeiten könnten“, erklärt Francisco Monaldi vom Baker Institute. Die Geschichte mahnt allerdings zur Vorsicht: „Die USA haben bei den Regimewechseln im Irak und in Libyen keinerlei Nutzen aus dem Öl gezogen“, warnt Energieexperte Ed Hirs von der Universität Houston. „Ich befürchte, die Geschichte wiederholt sich in Venezuela.“
Für Chevron, den einzigen US-Ölriesen mit aktiven Operationen in Venezuela, bedeutet die Situation eine prekäre Lage. Das Unternehmen exportiert normalerweise rund 150.000 Barrel pro Tag an die US-Golfküste – doch diese Lieferungen stocken derzeit. ConocoPhillips, dem Venezuela über 10 Milliarden Dollar aus Enteignungen schuldet, dürfte die aktuelle Lage sehr genau beobachten.
Krypto-Märkte: Zwischen Konsolidierung und Hoffnung
Der Krypto-Markt präsentiert sich zum Jahreswechsel 2026 ernüchtert. Nach der Euphorie des Jahres 2025, die durch den Wahlsieg Donald Trumps und seine Pro-Krypto-Agenda befeuert wurde, ist die Stimmung gekippt. Bitcoin notiert unter 95.000 Dollar und hat sich vom Allzeithoch bei 126.000 Dollar im Oktober 2025 deutlich entfernt. Das vierte Quartal 2025 war mit einem Minus von 23,7 Prozent das schlechteste seit 2018.
Divergierende Prognosen der Experten
Die Prognosen für 2026 fallen sehr unterschiedlich aus. Die Citigroup hat ihr Zwölfmonatsziel von 181.000 auf 143.000 Dollar reduziert – ein Kursplus von rund 60 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau wäre damit immer noch möglich. Noch drastischer fiel die Anpassung bei anderen Banken aus: Vom ursprünglichen Ziel von 300.000 Dollar wurde auf 150.000 Dollar halbiert.
Brad Garlinghouse, CEO von Ripple, zeigt sich optimistischer und rechnet bis Ende 2026 mit 180.000 Dollar. Galaxy Digital hält langfristig sogar 250.000 Dollar bis Ende 2027 für möglich und sieht strukturelle Verbesserungen im Markt, die eine solidere Basis für künftiges Wachstum schaffen könnten.
„Einige Kryptoinvestoren glauben, dass der historische Vier-Jahres-Zyklus bald zu Ende geht und der aktuelle Preisrückgang nur eine vorübergehende Korrektur ist, bevor der Markt seinen Aufwärtstrend wieder aufnimmt“, erklärt Chris Kuiper, Leiter des Kryptoresearch beim Vermögensverwalter Fidelity.
Strukturelle Verbesserungen als Fundament
Trotz der kurzfristigen Schwäche gibt es strukturelle Verbesserungen, insbesondere in den USA. Der für Anfang 2026 erwartete CLARITY Act schafft erstmals klare regulatorische Rahmenbedingungen in den USA. Garlinghouse rechnet mit einer Verabschiedung in der ersten Jahreshälfte 2026 und sieht dies als wesentlichen Treiber für institutionelle Adoption.
Große US-Vermögensverwalter haben den Markt bereits erschlossen. Franklin Templeton, Vanguard, Blackrock und andere haben ETF-Angebote lanciert und die Bank of America erlaubt ihren Beratern ab 2026, Kunden einen Anteil von bis zu vier Prozent in Kryptoanlagen zu empfehlen. Morgan Stanley rät sehr reichen Kunden mit Wachstums-Portfolio zu einem Kryptoanteil von zwei bis vier Prozent.
Alex Thorn von Galaxy Digital warnt jedoch vor der hohen Unsicherheit: „2026 ist zu chaotisch, um vorherzusagen.“ Die Preisgestaltung von Bitcoin-Optionen impliziert gleich hohe Wahrscheinlichkeiten für Szenarien zwischen 50.000 Dollar und 250.000 Dollar bis Ende 2026. Johanna Belitz vom Kryptoemittenten Valour rät Anlegern daher, die Geldpolitik der USA im Blick zu behalten, da Bitcoin oft parallel zu Tech-Aktien schwankt.
Ethereum und Alternative Coins
Für Ethereum sehen Analysten ebenfalls großes Potenzial. Die zweitgrößte Kryptowährung profitiert von ihrer Rolle als Plattform für Smart Contracts und DeFi-Anwendungen. BlackRock und JP Morgan bauen ihre Anlageprodukte bereits auf der Ethereum-Blockchain auf. Die Zulassung von Ethereum-Spot-ETFs durch große Finanzakteure in den USA hat weitere Türen für institutionelle Investoren geöffnet und könnte die Legitimität der gesamten Anlageklasse stärken.
Fidelity betont, dass die Erweiterung des institutionellen Zugangs und eine mögliche Lockerung der Geldpolitik Bitcoin und Ethereum in die Lage versetzen könnten, dem Weg von Gold als Absicherung gegen monetäre Entwertung zu folgen.
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Weitere Marktthemen 2026
Gold: Der sichere Hafen glänzt weiter
Gold hat 2025 bereits um rund 50 Prozent zugelegt und neue Höchststände erreicht. Für 2026 sind die Erwartungen weiterhin hoch: Fast zwei von drei Investment Professionals (65 Prozent) der DVFA-Umfrage sehen Gold über 4.200 Dollar je Feinunze steigen, darunter 9 Prozent sogar über 5.000 Dollar.
„Inzwischen nehmen offenbar viele Marktbeobachter an, dass Käufe von Zentralbanken zur Diversifizierung ihrer Reserven, private Käufe für Krisen und Notzeiten sowie spekulativ eingestellte Investoren den Goldpreis weiter nach oben treiben„, analysiert die DVFA.
Kritischer sieht Ray Dalio, Gründer des weltweit größten Hedgefonds Bridgewater, die Bitcoin-Gold-Debatte: „Der Vorteil von Gold ist, dass es sich um eine Anlageform handelt, die man halten kann und bei der man nicht davon abhängig ist“ – ein klares Statement für Gold als die bessere Krisenwährung.
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Währungen: Dollar unter Druck
Die Dollarschwäche des Jahres 2025 kam für die meisten Experten überraschend. Nur 5 Prozent der im November 2024 befragten Investment Professionals konnten sich vorstellen, dass der Euro auf über 1,15 Dollar steigen würde. Für 2026 erwarten mehr als ein Drittel (34 Prozent), dass sich dieser Trend fortsetzt, mit Kursen von 1,20 bis 1,25 Dollar je Euro oder darüber.
Hauck Aufhäuser Lampe prognostiziert einen EUR-USD-Kurs um 1,15: „Den US-Dollar schreiben wir nicht ab. Anders als der Euroraum bereiten die USA schon länger die Basis für künftige Produktivitätszuwächse. Das arbeitet gegen wachsende Autokratie-Tendenzen.“
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Künstliche Intelligenz: Vom Hype zur Produktivität
Die KI-Revolution bleibt der dominierende Mega-Trend. AXA Investment Managers identifiziert Automatisierung und Digitalisierung als einen der zentralen Megatrends. 2026 dürfte das Jahr werden, in dem der Übergang vom reinen Hype zur echten wirtschaftlichen Produktivität sichtbar wird.
Die ersten durch KI entwickelten Medikamente stehen kurz vor klinischen Phasen, KI-Agenten übernehmen zunehmend komplexe Aufgaben in Unternehmen. Paul Atkins, Vorsitzender der US-Börsenaufsicht SEC, hat kürzlich eine bemerkenswerte Prognose gemacht: Er erwarte, dass der gesamte Finanzmarkt, einschließlich des Aktienmarktes, innerhalb der nächsten zwei Jahre auf die Blockchain-Technologie umsteige.
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Nachhaltige Investments und Energiewende
AXA Investment Managers sieht Klimaschutz und Netto-Null-Emissionen als Priorität für Investoren: „Wir gehen davon aus, dass der Fokus im Jahr 2026 auf grünen Anleihen, Dekarbonisierung sowie Klimaschutz- und Naturschutzlösungen liegen wird.“
Der Markt für grüne Anleihen ist von 30 Milliarden Euro vor zehn Jahren auf jetzt 1,9 Billionen Euro gewachsen. Vor allem der europäische Markt nimmt Fahrt auf. Aberdeen House View betont ebenfalls, dass Infrastruktur zu den bevorzugten Strategien gehört, da sich das globale Wachstum stabilisiert und neue Anlagethemen aufkommen.
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| Quelle: comdirect.de, Eigene Recherchen, Stand: 01.2026 | |||||
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Fazit: Differenzierung als Schlüssel zum Erfolg
Das Kapitalmarktjahr 2026 erfordert von Anlegern eine differenzierte und aktive Herangehensweise. Die Zeiten, in denen eine simple Buy-and-Hold-Strategie in breite Indizes zum Erfolg führte, scheinen vorerst vorbei. Stattdessen gilt es, die unterschiedlichen Chancen und Risiken in verschiedenen Regionen, Sektoren und Anlageklassen genau zu analysieren.
Fidelity International fasst zusammen: „Wir meinen, dass erfolgreiche Investments im Jahr 2026 eine Vielzahl von Instrumenten aus verschiedenen Anlageklassen erfordern, sowohl öffentlich als auch privat gehandelte.“ Diese Einschätzung wird von nahezu allen befragten Experten geteilt.
Während US-Technologiewerte hoch bewertet bleiben und Vorsicht geboten ist, bieten europäische und asiatische Märkte attraktive Bewertungen. Die erwarteten Zinssenkungen der Federal Reserve schaffen ein grundsätzlich günstiges Umfeld für risikobehaftete Anlagen. Gleichzeitig sorgen geopolitische Unsicherheiten – von Venezuela über Taiwan bis zur Ukraine – für erhöhte Volatilität, die sowohl Risiken als auch Chancen birgt.
Die KI-Revolution bleibt der zentrale Wachstumstreiber, wobei die Profiteure zunehmend auch außerhalb der bekannten Tech-Giganten zu finden sind. Der Krypto-Markt durchläuft eine notwendige Konsolidierungsphase, die langfristig durch verbesserte Regulierung und institutionelle Adoption ein stabileres Fundament schaffen könnte. Und die Entwicklung in Venezuela zeigt einmal mehr, wie geopolitische Ereignisse die Energiemärkte grundlegend beeinflussen können.
Invesco-Stratege Paul Jackson bringt es auf den Punkt: Chancen gibt es 2026 an beiden Enden des Volatilitätsspektrums – sowohl bei defensiven als auch bei risikoreichen Anlagen. Es kommt darauf an, die richtige Balance zu finden.
Anleger, die 2026 erfolgreich sein wollen, benötigen nicht nur Mut, sondern vor allem Disziplin, Diversifikation und die Bereitschaft zur aktiven Portfoliogestaltung. Wie Hauck Aufhäuser Lampe es treffend formuliert: „Das Jahr 2026 verstehen wir als eine sich fortsetzende Übergangsphase. Diese ist gekennzeichnet durch den Verlust alter Systeme und Gewissheiten. Neue Strukturen sind dagegen noch nicht etabliert. Dies erfordert eine besondere Aufmerksamkeit, da sich andere Chancen und Risiken als gewohnt ergeben.“
Wer diese Herausforderung annimmt und seine Anlagestrategie entsprechend ausrichtet, kann optimistisch in das neue Kapitalmarktjahr blicken.
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Quellen und weiterführende Links
- Allianz Global Investors – Ausblick 2026: Was Anleger wissen müssen
- LBBW Research – Jahresausblick 2026: Aktienmarkt Prognose und Entwicklungen
- Handelsblatt – Bitcoin 2026: Das ist von der größten Kryptowährung zu erwarten
- ZDF heute – Venezuelas Ölreserven: Was eine US-Kontrolle bedeuten würde
Stand: Januar 2026
Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Prognosen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung dar und dienen ausschließlich Informationszwecken. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.