CLOs: Gebündelte Unternehmenskredite an der Börse handeln

Sie haben einen sperrigen Namen, aber ausgesprochen attraktive Eigenschaften: Collateralized Loan Obligations – kurz: CLOs – kombinieren erstklassige Kreditqualität mit Renditeprämien, die vergleichbare Unternehmensanleihen zum Teil weit hinter sich lassen. Kein Wunder, dass der europäische Markt 2025 ein neues Allzeithoch markierte. Während klassische Anleihen im aktuellen Zinsumfeld kaum noch überzeugen und Tagesgeldkonten an Attraktivität verlieren, rücken CLOs als strukturell überlegene Alternative zunehmend in den Fokus versierter Anleger. Was hinter dem Instrument steckt, warum es trotz seiner Komplexität für viele Anleger interessant sein kann – und welche Risiken es gibt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Doppelte Renditeprämie: Ein Euro-CLO mit AAA-Rating zahlt derzeit rund 120 Basispunkte über dem Euribor – eine vergleichbare AAA-Unternehmensanleihe kommt gerade einmal auf etwa 60 Basispunkte Aufschlag.
  • Bewährte Sicherheitsarchitektur: Bevor eine AAA-Tranche einen Verlust erleidet, müssten rund 40 Prozent aller Einzelkredite im CLO ausfallen – ein Szenario, das selbst in der Finanzkrise 2008/2009 nicht eingetreten ist.
  • Wachsender Marktzugang: Aktiv gemanagte CLO-ETFs machen diese Assetklasse inzwischen auch für Privatanleger zugänglich – mit laufenden Renditen von aktuell 3,6 bis 3,8 Prozent im AAA-Segment.

Was sind CLOs – und warum sind sie so besonders?

Man könnte es so formulieren: Unaussprechlich, aber ausgesprochen gut. CLOs – Collateralized Loan Obligations – bündeln Hunderte von Einzelkrediten an Unternehmen in einem strukturierten Paket. Ihr eigentliches Geheimnis liegt gerade in dieser Verpackung: Denn erst die Struktur schnürt aus den einzelnen Krediten ein solides Gesamtprodukt.

Bei den zugrunde liegenden Einzelkrediten handelt es sich um sogenannte Senior Leveraged Loans – fast durchgehend Darlehen an Unternehmen, deren individuelle Ratings im Hochzinsbereich unterhalb von BBB liegen. Ein typischer Einzelkredit in einem CLO hat ein Rating zwischen BB+ und B-, eine Laufzeit von etwa fünf bis sieben Jahren und eine variable, an den Geldmarktzins gekoppelte Verzinsung. Die Kreditnehmer sind überwiegend mittelgroße bis große Unternehmen im Besitz von Private-Equity-Fonds. Diese Kredite werden am Markt für syndizierte Kredite unter zahlreichen Investoren aufgeteilt – der Großteil fließt dabei direkt in CLOs.

Das klingt zunächst nicht nach einem Produkt für konservative Anleger. Doch genau hier setzt das entscheidende Prinzip an: die Tranchenstruktur.

Das Wasserfallprinzip: Wie Sicherheit durch Struktur entsteht

Ein CLO funktioniert fundamental anders als ein klassischer Anleihenfonds. In einem herkömmlichen Fonds würde der Ausfall eines einzelnen Kreditnehmers direkt auf den Gesamtertrag durchschlagen. Beim CLO ist das anders. Das Gesamtkapital eines CLO – üblicherweise zwischen 400 und 500 Millionen Euro – wird in mehrere Tranchen unterschiedlicher Qualität aufgeteilt, jede mit eigenem Rating und eigenem Risikoprofil.

Die oberste Tranche trägt ein AAA-Rating, von da an geht es abwärts über die sogenannten Mezzanine-Tranchen bis zu eigenkapitalnahen Segmenten. Die Zins- und Rückzahlungen der Unternehmen fließen zunächst vollständig in die obersten AAA- und AA-Tranchen. Erst wenn diese Investoren ihr Kapital vollständig zurückerhalten haben, wird die nächste Tranche bedient – so weiter bis hinunter zu den riskantesten Eigenkapitaltranchen.

Das Prinzip kehrt sich beim Verlust um: Kommt es zu Zahlungsausfällen im Kreditpool, müssen die untersten, eigenkapitalnahen Tranchen die ersten Verluste tragen. Man nennt sie daher auch „First Loss“-Tranchen. Dieser Aufbau schützt die konservativeren oberen Tranchen erheblich. Die Pufferwirkung der untergeordneten Tranchen ist dabei beachtlich: Erst wenn rund 40 Prozent aller Einzelkredite im CLO gleichzeitig ausfallen würden, käme eine AAA-Tranche überhaupt in Bedrängnis. Ein solches Szenario ist historisch nie eingetreten – nicht einmal während der globalen Finanzkrise 2008/2009 mussten Investoren in AAA- und AA-Tranchen trotz zeitweiser Kursschwankungen einen Kapitalverlust hinnehmen.

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Keine CDOs: Warum der Vergleich zur Finanzkrise hinkt

CLOs haben in der Folge der Finanzkrise ein gewisses Imageproblem geerbt, da sie zur Familie der strukturierten Asset-Backed-Securities (ABS) gehören – und einige ABS-Strukturen, die auf schwachen amerikanischen Immobilienkrediten basierten, damals massive Verluste erlitten. Doch der Vergleich führt in die Irre.

CLOs unterscheiden sich fundamental von den berüchtigten CDOs (Collateralized Debt Obligations) jener Ära: Hinter den Krediten stehen keine spekulativen Hypotheken, sondern überwiegend große, operativ tätige Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen. Zwar gaben auch die Kurse der unteren CLO-Tranchen mit Ratings von A oder BBB zeitweise nach – sie erholten sich jedoch rasch wieder. Die AAA-Tranchen überstanden den Stress vollständig ohne Kapitalverlust.

Ein weiterer Sicherheitspuffer: Während jeder CLO bereits selbst Hunderte von Einzelkrediten enthält, investieren CLO-Fonds ihrerseits in eine Vielzahl von oft 40 bis 50 verschiedenen CLOs. Die resultierende Diversifikation ist damit außergewöhnlich breit und lässt sich mit kaum einem anderen Anleihen Segment vergleichen.

Attraktive Zinsprämien – und warum sie existieren

CLOs sind variabel verzinst und orientieren sich am Euribor zuzüglich eines festen Aufschlags, dem sogenannten Spread. Und dieser Spread ist bei CLOs strukturell höher als bei vergleichbaren Unternehmensanleihen. Aktuell liegt die Renditeprämie eines Euro-CLOs mit AAA-Rating bei rund 120 Basispunkten über dem Drei-Monats-Euribor. Eine vergleichbare AAA-Unternehmensanleihe zahlt dagegen nur etwa 60 Basispunkte – also gerade einmal die Hälfte.

Dieser Mehrertrag ist kein Zufall, sondern hat nachvollziehbare Ursachen: Zum einen ist der genaue Rückzahlungszeitpunkt bei CLOs nicht exakt planbar, da er von verschiedenen Optionen und Kündigungsrechten abhängt. Zum anderen handelt es sich um einen Spezialmarkt, der fundierte Analyseressourcen erfordert und von durchschnittlichen Anleiheinvestoren gemieden wird. Diese Komplexitätsprämie – kombiniert mit der variablen Verzinsung – macht CLOs aus Rendite-Risiko-Sicht zu einem überzeugenden Instrument.

Der variable Zinscharakter hat dabei einen weiteren, oft unterschätzten Vorteil: Im Gegensatz zu langlaufenden Anleihen besitzt ein CLO quasi kein Zinsänderungsrisiko. Er verliert nicht an Kurswert, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt steigen. Im Gegenteil – sollte die EZB die Zinsen irgendwann wieder erhöhen, profitieren CLO-Investoren unmittelbar über den steigenden Euribor-Satz. Bei einem aktuellen Euribor von rund zwei Prozent und einem AAA-Spread von 120 Basispunkten ergibt sich eine laufende Gesamtrendite von etwa 3,2 Prozent – bei erstklassigem Rating.

Europäische Besonderheit: Zusätzliche Sicherung durch Skin in the Game

Europäische CLOs bieten gegenüber ihren amerikanischen Pendants einen zusätzlichen Schutzmechanismus: Die europäischen Regulatoren verlangen von den Managern der einzelnen CLOs, dass sie mindestens die untersten fünf Prozent des CLOs selbst finanzieren und damit die ersten potenziellen Verluste selbst tragen. Diese sogenannte Risk-Retention-Anforderung – im angelsächsischen Raum als „Skin in the Game“ bezeichnet – sorgt für eine enge Interessengleichrichtung zwischen CLO-Manager und den übrigen Investoren. Bei den CLO-Managern handelt es sich um renommierte Spezialisten für Alternative Credits wie Ares oder CVC. Das erhöht den Anreiz für ein solides Management und eine sorgfältige Risikobeurteilung erheblich.

Trend zu aktiven CLO-ETFs: Einfacher Marktzugang für Anleger

Lange Zeit waren CLO-Investments institutionellen Großanlegern vorbehalten. Das ändert sich gerade grundlegend. Aktiv gemanagte CLO-ETFs machen den Zugang inzwischen deutlich niedrigschwelliger. Aktuell stehen Anlegern unter anderem folgende Produkte zur Verfügung:

CLO-Produkte im Überblick

  • Janus Henderson EUR AAA CLO Active Core UCITS ETF – EUR Dist: Aktiv gemanagter ETF mit Fokus auf europäische AAA-CLOs. Rund 80 selektierte Positionen, davon mindestens 80 Prozent im höchsten AAA-Segment. Ziel: Qualität, stabile Cashflows und Renditeaufschlag gegenüber klassischen Investment-Grade-Anleihen.
  • UBS EUR AAA CLO UCITS ETF – EUR Acc: Aktiv gemanagter ETF, der gezielt in europäische AAA-besicherte CLO-Tranchen investiert und die Erträge reinvestiert. Fokus auf Bonität und stabile Ertragsquellen, empfehlenswert für Anleger, die kontinuierliches Wachstum im AAA-CLO-Segment wollen.
  • Lupus alpha CLO High Quality Invest A: Aktiv gemanagter CLO-Fonds (UCITS/VAG-konform) mit Fokus auf Qualität, also überwiegend Investment-Grade-CLO-Tranchen. Lupus alpha selektiert die besten CLOs nach Cashflow-Stabilität, historischen Ausfallraten und ESG-Risiken.
  • Lupus alpha CLO High Yield Invest C: Aktiv gemanagter CLO-Fonds mit Fokus auf renditestärkere, überwiegend nachrangige CLO-Tranchen. Ziel ist es, attraktive Renditeaufschläge durch aktives Management und strenge Risikoselektion zu erzielen, empfehlenswert für Anleger, die im CLO-Segment mehr Ertragspotenzial suchen.
CLO-Produkte im Überblick
Produkt Typ ISIN Ausschüttung Schwerpunkt Performance 1 Jahre
Janus Henderson EUR AAA CLO Active Core ETF Aktiv gemanagter UCITS ETF LU2941599164 Ausschüttend EUR AAA CLOs +1,3%
UBS EUR AAA CLO UCITS ETF Aktiv gemanagter UCITS ETF LU3028243122 Thesaurierend EUR AAA CLOs +2,3%
Lupus alpha CLO High Quality Invest A Aktiv gemanagter Fonds DE000A1XDX38 Ausschüttend Hochwertige EUR CLOs (AAA–AA) -0,3%
Lupus alpha CLO High Yield Invest Aktiv gemanagter Fonds DE000A3DD2U8 Ausschüttend EUR CLOs (BBB–B) +3,1%
Quelle: comdirect.de, finanzen.net, justetf.com, wallstreet-online.de/ Stand: 02.2026

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Risiken und Nebenwirkungen: Was Anleger wissen müssen

Wie jedes Anlageinstrument sind auch CLOs nicht frei von Risiken. Ein strukturelles Merkmal, das Aufmerksamkeit verdient: CLOs verpacken potenziell illiquide Kredite in ein grundsätzlich liquides Anlageprodukt. Sollte es – wie in der Finanzkrise – infolge eines Marktschocks zu massiven Rückgaben von Fondsanteilen kommen, kann der Markt zeitweise illiquide werden und CLO-Kurse können deutlich nachgeben. Wenn Fonds in einem solchen Szenario Positionen verkaufen müssen, könnten vor allem Investoren in unteren Ratingkategorien tatsächliche Verluste realisieren. Auf den höherwertigen Tranchen wie AAA und AA ist dieses Risiko eher theoretischer Natur – dennoch gilt zum Beispiel bei Lupus alpha eine Zehntagesfrist für die Rückgabe von Fondsanteilen, die als Puffer für außergewöhnliche Marktsituationen dient.

Zudem setzt eine fundierte Einzeltitelinvestition in CLOs erhebliche Analysekompetenz voraus. Für die meisten Privatanleger ist der Zugang über einen Fonds oder ETF daher sinnvoller – die Diversifikation und das aktive Management übernehmen die Arbeit, die für Direktinvestments in CLO-Tranchen nötig wäre.

CLOs im Portfolio: Wozu eignen sie sich?

Für Anleger kann ein CLO-Fonds mit Schwerpunkt auf hochwertigen Tranchen als attraktive Alternative zu variabel verzinsten Geldmarktfonds, Tagesgeldkonten oder kurzlaufenden Unternehmensanleihen dienen. Wer die höhere Komplexität in Kauf nimmt und über einen Fonds oder ETF investiert, erhält dafür eine deutlich attraktivere Renditeprämie – bei vergleichbarer oder sogar geringerer Zinssensitivität. Und wer bereit ist, tiefer in die Kapitalstruktur zu gehen, kann mit BBB- oder BB-Tranchen Renditepotenziale erschließen, die sonst nur im Hochzinssegment zu finden wären.

Fazit zu Collateralized Loan Obligations

CLOs sind kein Produkt, das man bis ins letzte Detail verstehen muss, um davon zu profitieren. Wer über etablierte Fonds oder aktive ETFs in diese Assetklasse investiert, erhält Zugang zu einer der strukturell überzeugendsten Renditequellen im Anleiheuniversum: variabel verzinst, breit diversifiziert, mit bewährten Schutzpuffern und einem Renditeaufschlag, der in dieser Kombination kaum reproduzierbar ist. Die Geschichte gibt dem Modell recht – und das aktuelle Zinsumfeld macht es besonders attraktiv.

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Weiterführende Links und Quellen


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in CLOs und CLO-Fonds sind mit Risiken verbunden, darunter mögliche Kursverluste und eingeschränkte Liquidität in Stressphasen. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitte konsultieren Sie bei Investitionsentscheidungen einen unabhängigen Finanzberater.