Autor: Konrad Feldschmid | Anlagestrategien, Blog | Keine Kommentare

Die drei Wege zur Umsetzung der Anlagestrategie

In unserem letzten Beitrag haben wir uns allgemein mit dem Thema Anlagestrategie beschäftigt. Es ging darum, die Vorteile einer Diversifizierung Ihres Vermögens herauszustellen und herauszufinden: Wie viel Risiko möchten Sie eingehen? Außerdem haben wir den Unterschied zwischen Value und Growth herausgearbeitet.

Mit unserem neuen Beitrag wollen wir das Thema vertiefen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie weitermachen können, nachdem die Grundlagen geklärt sind.

Nachdem der eigene Standpunkt in Sachen Chance-Risiko Profil definiert wurde, die Zeiträume, für die Gelder angelegt werden können, feststehen, geht es nun daran, die Anlagestrategie in die Tat umzusetzen und ein Portfolio anzulegen.

Für diesen Schritt stehen drei Alternativen zur Verfügung:

  • Der Anleger vertraut sein Geld einem Vermögensverwalter oder einer Bank an.
  • Nach intensiver Lektüre von Fachmagazinen und der Auswahl der Anlageobjekte eröffnet der Anleger ein Depot und beginnt selbst, das Portfolio aufzubauen.
  • Als Einsteiger möchte er kein Risiko eingehen, aber auch kein unnötiges Geld für Beratung ausgeben. Er entscheidet sich für einen RoboAdvisor.

Keine Angst, wir werden ausführlich erläutern, was es mit einem RoboAdvisor auf sich hat und wie er funktioniert. Wenden wir uns zunächst einmal den traditionellen Methoden des Portfolioaufbaus zu.

Wie funktioniert die Anlage über einen Vermögensverwalter oder eine Bank?

Zu dem Thema Anlageberatung bei Banken haben wir uns schon im ersten Teil geäußert. Die individuelle Anlagestrategie des Kunden tritt im Filialgeschäft in der Regel hinter den Vertriebsdruck des Beraters zurück. Verkauft werden die Produkte, die in den Vetriebsmaßnahmen im Fokus stehen. Eine Anlagestrategie mit einem Bankberater zu entwickeln, bedeutet für den Laien, dass er in der Regel mit provisionsintensiven Produkten, Fonds mit vollem Ausgabeaufschlag und Zertifikaten, zu tun hat.

Fast alle Fondsgesellschaften bieten heute eine Art Vermögensverwaltung im Rahmen von Dachfonds an, die wiederum von den assoziierten Banken vertrieben werden. Diese Dachfonds orientieren sich an den jeweiligen Risikoklassen. Dabei erwirbt der Dachfonds wiederum Fondsanteile von anderen Investmentfonds. Handelt es sich um einen konservativen Dachfonds, machen Fonds mit Anleihen und konservativen Aktien den Löwenanteil aus.

Für den Anleger bedeutet diese Variante zum einen Ausgabegebühren, zum anderen recht hohe Verwaltungskosten. Der Vorteil liegt darin, dass auch im Rahmen eines Sparplans eine Anlagestrategie verfolgt werden kann.

Vermögensverwalter erhalten keine Provision, sondern arbeiten auf Honorarbasis. Vermögensverwalter setzen allerdings gewisse Einstiegsvolumina voraus, Sparpläne werden eher selten angeboten.

Worauf ist beim eigenen Weg zu achten?

Während Vermögensverwalter und RoboAdvisors bereits Depots anbieten, setzt die individuelle Lösung zunächst die Suche nach einem geeigneten Depot voraus. Zahlreiche Direktbanken und Onlinebroker verzichten heute auf eine Depotverwaltungsgebühr. Bei der Auswahl einer Depotbank kommt es darauf an, welche Wertpapiere in die Anlagestrategie eingebunden werden sollen.

Liegt der Fokus auf Investmentfonds, empfiehlt sich ein Partner, der zu weiten Teilen auf den Ausgabeaufschlag verzichtet. Stehen Aktien deutscher Unternehmen oder Anleihen im Vordergrund, muss der Anbieter nicht den Handel an 30 internationalen Börsenplätzen ermöglichen. Wichtiger ist in diesem Fall eine niedrige Courtage. Es gibt durchaus Broker, die keine vom Ordervolumen her prozentuale Kommission verlangen, sondern Flatrates anbieten, beispielsweise 4,95 Euro für den Handel mit deutschen Aktien. Unabhängig davon, wie die Anlagestrategie aufgebaut ist, am Ende des Tages zählt die Nettorendite, also der Ertrag, der nach Abzug von Steuern und Kosten beim Anleger verbleibt. Mit einer geschickten Auswahl des Brokers lassen sich hier, abhängig vom Handelsvolumen, einige Hundert Euro im Jahr sparen.

Viele Online-Broker unterstützen ihre Kunden mittels entsprechender Tools, dass sie eine entsprechende individuelle Risikoeinstufung vornehmen können und darauf aufbauend eine Strategie entwickeln, wie dies beispielsweise die comdirect anbietet.

Der Anlageassistent der comdirect

Der Anlageassistent der comdirect

Eine eigene Anlagestrategie, die auf Einzelwerten basiert, kann allerdings sehr zeitintensiv werden. Anleger müssen sich kontinuierlich auf dem Laufenden halten, um gegebenenfalls Umschichtungen im Portfolio vorzunehmen. Sinnvoller ist es, langfristig auf Fonds und Indexfonds zu setzen.

Was bringen RoboAdvisors?

RoboAdvisors sind eine relativ neue Form der virtuellen Vermögenverwaltung. Diese Variante basiert auf der Anlage in ETFs, passive Fonds. Entsprechend des angegebenen Risikoprofils werden die Kundengelder in einem Portfolio mit der dazu passenden Fondszusammensetzung investiert. Die Zusammenstellung der jeweiligen Anlagestrategie fußt nicht auf willkürlichen, subjektiven Entscheidungen des Managements, sondern auf finanzmathematischen Modellen.

Der Begriff RoboAdvice kann daher im weitesten Sinn mit „maschinelle Empfehlung“ übersetzt werden. Der Vorteil liegt bei diesem Vorgehen darin, dass es zum einen sehr kostengünstig ist, zum anderen für den Kunden völlig losgelöst von dem Verkaufsdruck der Bankberater vor Ort oder eigenem Zeitaufwand für Recherchen verläuft.

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Seit Mai 2015 messen sich Anbieter automatisierter Vermögensanlage in unserem Test. Echtgeld bedeutet, dass wir jedes Depot auch wirklich eröffnen, Geld einzahlen und so die tatsächliche Performance abzüglich Kosten und Gebühren ermitteln – aus der Kundenperspektive.

Welche Variante ist für wen geeignet?

Um ehrlich zu sein, die klassische Bankberatung vor Ort hat im Grunde ausgedient. Natürlich kann es nicht pauschal formuliert werden, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass objektive Beratungen zur Anlagestrategie kaum noch stattfinden. So berichtet es auch die Stiftung Warentest[1] in ihrer Ausgabe vom 19. Januar 2016.

Vermögensverwalter kommen eigentlich nur für diejenigen infrage, welche größere Vermögen zur Verfügung haben und die steuerliche Komponente bei der Anlagestrategie eine wesentliche Rolle spielt.

Die selbstdefinierte Anlagestrategie und deren Umsetzung ist für diejenigen geeignet, die bereits über Erfahrung im Geldanlagebereich verfügen, oder diese wirklich von Grund auf selbst sammeln möchten. Das Beobachten der Märkte, die kontinuierliche Lektüre von Analystenmeinungen und –empfehlungen ist allerdings recht zeitintensiv.

Robo Advisors empfehlen sich für alle, die auf der einen Seite langfristig Vermögen aufbauen möchten, auf der anderen Seite aber nicht über die Erfahrung oder die Zeit dafür verfügen. Robo Advisors bieten darüber hinaus den Vorteil, dass der Vermögensaufbau auch mit Sparplänen, zum Teil schon ab zehn Euro monatlich, möglich ist. Die Online-Vermögensverwaltung zeigt sich als die einfachste und preiswerteste Variante.

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Portfolioübersicht des RoboAdvisors Ginmon

Die Kosten im Vergleich

Schauen wir an dieser Stelle einmal auf die Kosten und legen einen einfachen Kauf von einem Indexfonds mit einem Volumen von 5.000 Euro zugrunde. Verglichen wird das Wertpapierdepot von S-Broker, dem Online-Broker der Sparkassen, das Depot der ING-DiBa und der RoboAdvisor der Sutor-Bank, da sich diese von den Kosten her im Mittelfeld bewegt.

  S-Broker
ING-DiBa Sutor-Bank
*Entfällt, bei mindestens einem Trade im Quartal oder wenn ein Bestand von 10.000 Euro vorhanden ist.
Stand: 29.06.2016
Depotgebühr p.a. 35,40* Kostenlos 28 Euro
Provision 4,99 Euro zzgl. 0,25 % des Orderwertes,  mind. 8,99 Euro, max. 54,99, bei ETFs 2,5% 1,75% vom Kurswert, mindestens 9,90 Euro 0,7%, mindestens 9,90 Euro
Mindestanlage 50 Euro bei Sparplan 50 Euro bei Sparplan 5.000 Euro oder 100 Euro im Sparplan

Es muss allerdings an dieser Stelle erwähnt werden, dass es sich bei S-Broker und ING-DiBa nur um die normalen Konditionen für eine individuelle Anlage handelt, nicht um eine Vermögensverwaltung.

Im Service nehmen sich alle drei Beispiele nichts, sofern man den Bereich der Vermögensverwaltung, der nur bei RoboAdvisors gegeben ist, außen vor lässt. Hinsichtlich der Transparenz kann der Kunde beim RoboAdvisor erkennen, in welche Fonds investiert wird. Hier hat die eigeninitiierte Anlagestrategie einen Vorteil. Der Anleger entscheidet selbst, welche Basiswerte er auswählt. Dies gilt auch für die Flexibilität. Außerhalb der Vermögensverwaltung kann er jederzeit selbst entscheiden, ob ein Papier gehalten oder veräußert wird.


Haben wir Ihr Interesse an Anlagestrategien geweckt? Hier gelangen Sie zum ersten Beitrag: Die Grundlagen der Anlagestrategien


Weiterführende Links

[1] Stiftung Warentest – Anlageberatung

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