Vermögensaufbau mit Sparplänen: Des Anlegers liebste Geldanlage
Der deutsche Sparplan-Markt hat zwischen 2022 und 2025 eine beispiellose Entwicklung erlebt. Was mit einem kontinuierlichen Wachstum bei ETF-Sparplänen begann, entwickelte sich zu einer umfassenden Transformation des gesamten Marktes für regelmäßige Wertpapieranlagen. Neben dem anhaltenden ETF-Boom gewannen auch Aktiensparpläne durch digitale Plattformen an Bedeutung, während die Zinswende eine überraschende Renaissance der Anleihen-Sparpläne auslöste. Die Zahlen der vergangenen drei Jahre zeichnen das Bild eines Marktes im Umbruch: Das verwaltete Fondsvermögen erreichte mit 4.625 Milliarden Euro historische Höchststände, Online-Broker verzeichneten Millionen neuer Kunden und selbst traditionell konservative Anleger entdeckten Sparpläne als Instrument des Vermögensaufbaus. Deutschland entwickelt sich von einer Sparer- zu einer Anleger-Nation – und Sparpläne sind das zentrale Element dieser Wandlung.
Das Wichtigste im Überblick
- ETF-Boom ungebrochen: Die Anzahl der ETF-Sparpläne stieg von 7,1 Millionen (2023) auf prognostizierte 9,5 Millionen (2024) – ein Wachstum von über 30 Prozent
- Rekordvermögen: Das gesamte Fondsvermögen in Deutschland erreichte Mitte 2025 mit 4.625 Milliarden Euro einen neuen Höchststand
- Digitale Revolution: Online-Broker wie Trade Republic verdoppelten ihre Kundenzahl auf 8 Millionen und verwalten mittlerweile 100 Milliarden Euro
- Anleihen-Renaissance: Steigende Zinsen machten Anleihen-Sparpläne wieder attraktiv – deutsche Staatsanleihen bieten 2024 durchschnittlich 2,34 Prozent Rendite
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Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste im Überblick
- Der ETF-Sparplan als Zugpferd des Wachstums
- Das Gesamtfondsvermögen erreicht neue Rekorde
- Deutschland als europäischer ETF-Marktführer
- Die Online-Broker Revolution
- Robo-Advisor: Digitale Vermögensverwaltung im Aufwind
- Renaissance der Anleihen-Sparpläne
- Marktumfeld und gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
- Herausforderungen und Chancen
- Fazit: Ein Markt in der Transformation
Der ETF-Sparplan als Zugpferd des Wachstums
Das Segment der ETF-Sparpläne entwickelte sich in den letzten drei Jahren zum unbestrittenen Wachstumstreiber des deutschen Sparplan-Marktes. Der ETF-Sparplan-Markt in Deutschland entwickelt sich sehr dynamisch: Zum Ende des Jahres 2023 lag die Zahl der monatlichen Sparplanausführungen hierzulande bei rund 7,1 Millionen. Bis zum Jahresende 2024 soll die Zahl der ETF-Sparpläne nochmals auf etwa 9,5 Millionen Stück ansteigen. Diese Entwicklung ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass 2014 gerade einmal 200.000 ETF-Sparpläne existierten.
Die durchschnittliche Sparrate deutscher Anleger liegt bei 164 Euro monatlich, was das wachsende Vertrauen in passive Anlagestrategien widerspiegelt. Das jährlich von europäischen Privatanlegern in ETF-Sparplänen investierte Vermögen wird der Schätzung zufolge bis Ende 2028 die Marke von 64,3 Milliarden Euro übersteigen – Ende September 2023 waren es gemäß extraETF 15 Milliarden Euro.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des digitalen Handels: Bereits 2017 erreichte die Zahl der ETF-Sparpläne 500.000, stieg auf eine Million im Mai 2020 und überschritt im Dezember 2020 die Zwei-Millionen-Marke. Dieses Wachstum trat mit dem Aufkommen von digitalen Brokerage-Plattformen, die einen gebührenfreien ETF-Handel anbieten, in eine neue Phase.
Das Gesamtfondsvermögen erreicht neue Rekorde
Die positive Entwicklung der Sparpläne spiegelt sich auch in den Gesamtzahlen der deutschen Fondsbranche wider. Zur Jahresmitte verwalteten die Fondsgesellschaften für Anleger in Deutschland insgesamt 4.625 Milliarden Euro. In den letzten fünf Jahren ist das Vermögen um 1.286 Milliarden Euro gewachsen (30. Juni 2020: 3.339 Milliarden Euro). Das entspricht einer Steigerung von im Schnitt fast 7 Prozent pro Jahr.
Die Struktur des verwalteten Vermögens verdeutlicht die Bedeutung verschiedener Anlegergruppen: Offene Spezialfonds dominieren mit 2.208 Milliarden Euro, wobei Altersvorsorgeeinrichtungen mit 784 Milliarden Euro und Versicherer mit 530 Milliarden Euro die größten Anlegergruppen darstellen. Publikumsfonds, die für Privatanleger besonders relevant sind, verwalten 1.702 Milliarden Euro.
Im ersten Halbjahr 2025 flossen den Publikumsfonds 47,8 Milliarden Euro zu. Rentenfonds führen die Absatzliste mit 22,7 Milliarden Euro an. Dabei dominieren Fonds, die überwiegend in Anleihen mit bis zu drei Jahren Restlaufzeit investieren (13,6 Milliarden Euro), und Fonds mit Schwerpunkt auf Unternehmensanleihen (6,9 Milliarden Euro). Aktienfonds flossen netto 19,6 Milliarden Euro zu. Davon entfallen 19,3 Milliarden Euro auf Aktien-ETFs.
Deutschland als europäischer ETF-Marktführer
Deutschland hat sich zum größten ETF-Markt Europas entwickelt. Über alle Anlageklassen hinweg weist die Statistik für ETFs ein Vermögen von 423 Milliarden aus. Mit geschätzt über 600 Milliarden Euro ist Deutschland der größte ETF-Markt in Europa. Diese Position unterstreicht die wachsende Bedeutung passiver Anlagestrategien für deutsche Investoren.

Die Präferenz für ETFs zeigt sich auch in der Zusammensetzung des Fondsvermögens: Aktienfonds liegen mit 825 Milliarden Euro vorn, gefolgt von Mischfonds mit 366 Milliarden Euro und Rentenfonds mit 286 Milliarden Euro, wobei 129 Milliarden Euro auf Fonds mit Euro-Anleihen und 70 Milliarden Euro auf Fonds mit Unternehmensanleihen entfallen.
Die Online-Broker Revolution
Ein wesentlicher Katalysator für das Wachstum des Sparplan-Marktes war die Expansion digitaler Broker, die durch niedrige Gebühren und einfache Bedienung neue Anlegergruppen erschlossen haben. Diese Entwicklung wurde von verschiedenen Anbietern vorangetrieben.
Trade Republic als einer der bekanntesten Neobroker verdoppelte seine Kundenzahl 2024 auf 8 Millionen und verwaltet mittlerweile 100 Milliarden Euro Kundenvermögen. Parallel entwickelten sich auch etablierte Online-Broker weiter: Scalable Capital kombiniert erfolgreich Brokerage mit Robo-Advisor-Diensten und verwaltet als digitaler Vermögensverwalter 4,5 Milliarden Euro.
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Traditionelle Direktbanken wie die ING, Consorsbank und comdirect erweiterten ihre digitalen Angebote erheblich und bieten heute umfangreiche Sparplan-Portfolios mit teilweise kostenfreien ETF-Ausführungen. Auch reine Online-Broker wie Finanzen.net Zero, Flatex, justTrade und Smartbroker+ prägten mit ihren unterschiedlichen Gebührenmodellen den Wettbewerb.
Die Kundenstruktur der digitalen Broker zeigt interessante demografische Trends: 70 Prozent der Neukunden sind jünger als 35 Jahre, 47 Prozent zählen zu den Börsenneulingen. Besonders bemerkenswert ist die Motivation der Anleger: Mehr als 70 Prozent investieren, um einen langfristigen Beitrag zur Altersvorsorge zu leisten. Die wichtigsten Produkte waren Aktien (fast 60 Prozent) und ETFs (26 Prozent), während nur zwei Prozent risikoreichere Derivate bevorzugten.
Der Erfolg der Online-Broker basiert auf der Demokratisierung des Wertpapierhandels durch niedrige oder wegfallende Ordergebühren, intuitive Apps und die Möglichkeit, bereits ab einem Euro Sparpläne zu erstellen.
Robo-Advisor: Digitale Vermögensverwaltung im Aufwind
Parallel zu den Online-Brokern entwickelte sich auch das Segment der Robo-Advisor dynamisch. Nach der Einschätzung von extraETF kommt der Robo-Advisor-Markt in Deutschland auf Assets under Management in Höhe von rund 25 Mrd. € (Stand: März 2023). Die größten Marktanteile halten Scalable Capital (4,5 Milliarden Euro), LIQID (3,0 Milliarden Euro) und Quirion (2,6 Milliarden Euro).
Experten gehen derzeit von einem monatlichen Wachstum von rund 200 Millionen Euro aus. Dieses Wachstum basiert auf den Vorteilen digitaler Vermögensverwaltung: automatisierte Portfoliorebalancierung, niedrige Kosten und professionelle Anlagestrategien ohne hohe Mindestanlagesummen.
Renaissance der Anleihen-Sparpläne
Nach Jahren niedriger Zinsen erlebten Anleihen-Sparpläne eine bemerkenswerte Renaissance. Die Zinswende der Europäischen Zentralbank machte festverzinsliche Wertpapiere wieder attraktiv. Im Jahr 2024 lag die Rendite deutscher Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit im Durchschnitt bei etwa 2,34 Prozent. Damit liegt die jährliche Rendite deutscher Staatsanleihen im zweiten Jahr in Folge bei über 2 Prozent per annum.
Die Attraktivität von Anleihen spiegelt sich auch in den Fondszuflüssen wider. Rentenfonds führten 2025 die Absatzliste mit 22,7 Milliarden Euro an, wobei besonders Fonds mit kurzen Laufzeiten und Unternehmensanleihen gefragt waren. Im Jahr 2023 wurden in der Bundesrepublik öffentliche Anleihen in Summe von rund 614,6 Milliarden Euro brutto abgesetzt. In Umlauf befanden sich Anleihen im Wert von etwa 2.304,9 Milliarden Euro. Die Umlaufrendite lag bei ca. 2,6 Prozent.
Marktumfeld und gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Entwicklung des Sparplan-Marktes fand vor dem Hintergrund unterschiedlicher Marktphasen statt. Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich trotz wirtschaftlicher Herausforderungen robust: Der DAX beendet den Handelsmonat Dezember 2024 bei einem Stand von 19.909,14 Punkten. Das sind rund 280 Punkte mehr als zum Ende des Vormonats. Über das gesamte Jahr 2024 verzeichnete der DAX einen beachtlichen Zuwachs von 18,9 Prozent.
Das gestiegene Interesse an Kapitalmarktanlagen zeigt sich auch in demographischen Studien: Im Jahr 2023 gab es rund 5,14 Millionen Personen in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre, die besonderes Interesse an Aktien und Investmentfonds hatten.
Herausforderungen und Chancen
Trotz des beeindruckenden Wachstums stehen dem deutschen Sparplan-Markt verschiedene Herausforderungen gegenüber. Die anhaltende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und regulatorische Veränderungen beeinflussen das Anlegerverhalten. Gleichzeitig bieten die demografische Entwicklung und die Notwendigkeit privater Altersvorsorge erhebliche Wachstumschancen.
Die Digitalisierung wird weiterhin ein wichtiger Treiber bleiben. Neue Technologien wie künstliche Intelligenz in der Portfolioverwaltung und verbesserte Benutzeroberflächen werden die Zugänglichkeit von Sparplänen weiter erhöhen.
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Fazit: Ein Markt in der Transformation
Der deutsche Sparplan-Markt hat in den Jahren 2022 bis 2025 eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. ETF-Sparpläne entwickelten sich vom Nischenprodukkt zu einem Massenmarkt mit fast 10 Millionen Ausführungen. Das verwaltete Fondsvermögen erreichte mit über 4,6 Billionen Euro neue Rekordwerte, während Deutschland seine Position als größter ETF-Markt Europas festigte.
Die Digitalisierung des Finanzwesens durch Online-Broker und Robo-Advisor hat die Einstiegshürden drastisch gesenkt und neue Anlegergruppen erschlossen. Besonders die junge Generation nutzt verstärkt digitale Sparlösungen für die langfristige Vermögensbildung und Altersvorsorge.
Gleichzeitig führte die Zinswende zu einer Renaissance der Anleihen-Sparpläne, die nach Jahren der Vernachlässigung wieder attraktive Renditen bieten. Diese Diversifizierung der Anlageklassen stärkt die Stabilität des Gesamtmarktes.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der deutsche Sparplan-Markt hat sich von einem traditionell konservativen zu einem innovativen und dynamischen Segment entwickelt. Mit einem prognostizierten weiteren Wachstum und der zunehmenden Bedeutung privater Altersvorsorge ist davon auszugehen, dass diese positive Entwicklung auch in den kommenden Jahren anhält.
Der Erfolg des deutschen Sparplan-Marktes zeigt exemplarisch, wie Digitalisierung, regulatorische Reformen und veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse einen traditionellen Finanzmarkt fundamental transformieren können. Deutschland ist auf dem Weg zu einer echten Anleger-Nation – und Sparpläne sind das Fundament dieser Entwicklung.
Quellen und weiterführende Links
BVI Halbjahresbilanz: Fondsbranche verwaltet über 4.600 Milliarden Euro
Handelsblatt: ETF Sparplan 2025 starten
Statista: Anzahl der ETF-Sparpläne in Deutschland von 2014 bis 2024