Der Fall GameStop: Neo-Trader gegen Shortseller

Neo-Broker wie Robinhood und Trade Republic sind ein Phänomen der letzten Jahre. Lange war jedoch nicht klar, ob „Neo-Broker“ nur ein Marketing-Begriff ist, hinter dem sich nicht mehr als ein gewöhnlicher Broker mit günstigen Gebühren verbirgt. Nun ist klar: Neo-Broker haben auch eine neue Art Anleger hervorgebracht, die Neo-Trader. Sie organisieren sich über Foren wie wallstreetbets auf Reddit und sind angetreten, die großen Player der Finanzbranche ins Wanken zu bringen. Damit zwingen sie den Markt, sich an sie anzupassen und werfen eine ganze Reihe juristischer Fragen auf. Ob das Bild „Gut gegen Böse“ passt, ist hingegen fraglich.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Update: Chronologie der Ereignisse
  • Eine große Anzahl von Kleinanlegern hat massiv in die Aktie von Gamstop investiert, nachdem diese Ziel von Shortseller geworden war
  • Hedgefonds erlitten durch diesen Short Squeeze Verluste in Milliardenhöhe
  • Zwischenzeitlich war der Kauf der Aktien über die Neo-Broker Robinhood und Trade Republic nicht mehr möglich, was auch juristische Fragen aufwirft

Neo-Broker im Vergleich»

 

Was ist passiert?

Mitte vergangener Woche (KW 4/2021) erlebte die Aktie von GameStop einen Höhenflug. Auf den ersten Blick verwunderlich, denn positive Nachrichten aus dem Unternehmen waren nicht vorangegangen. GameStop ist eine Einzelhandelskette für Computerspiele und Unterhaltungssoftware – in Zeiten von Epic Game Store, Google Stadia und Apple Arcade nicht unbedingt ein Geschäftsmodell, dem man eine große Zukunft vorhersagen würde. Vergangenes Jahr lag der Kurs der Aktie teilweise unter 3,0 US-Dollar. Für 2021 und 2022 ist mit Verlusten des Unternehmens zu rechnen.

Quelle: ariva.de

Chronologie der Ereignisse

  • KW 3/2021:
    • Shortseller nehmen GameStop ins Visier. Am 21. Januar twittert Andrew Left, Gründer von Citron Research, dass die Gamstop-Aktie auf 20 US-Dollar sinken wird.
  • KW 4/2021:
    • 25.-28.1.2021: Die Community wallstreetbets auf Reddit wirbt für GameStop. Am Montag zeigt sich die Aktie sehr volatil. Mitte der Woche schnellt die Aktie nach oben und erreich zeitweise 480 US-Dollar. Citron Research und andere Shortseller schließen ihre Shortpositionen teils mit erheblichen Verlusten.
    • 26.1.2021: Der Chef des Elektroauto-Unternehmens Tesla unterstützt die Reddit-Community mit einem Post auf twitter. Tesla wurde in der Vergangenheit selbst Opfer von Shortsellern.
    • 28.1.2021 (I): Der Neo-Broker Robinhood schränkt den Handel mit der GameStop-Aktie ein. Bei Trade Republic bricht der gesamte Handel aufgrund technischer Probleme zusammen. Abends erlärt auch Trade Republic, keine Kauf-Orders mehr für GameStop-Aktien anzunehmen.
    • 28.1.2021 (II): Wegen der Einschränkungen des Aktienhandels durch Robinhood wird eine Sammelklage gegen den Neo-Broker eingereicht.
    • 29.01.2021: Allein am Freitag legt die Aktie mehr als 68 Prozent zu, Shortseller verzeichnen Verluste von 7,8 Milliarden US-Dollar.
  • KW 5/2021
    • 1.2.2021 (I): Die GameStop-Aktie verliert deutlich und 190,68 Euro (vorwoche: 275 Euro)
    • 1.2.2021 (II): Reddit-Trader nehmen Silber ins Visier. Das Edelmetall erreicht kurzzeitig ein Acht-Jahres-Hoch.
    • 2.2.2021 (I): Die GameStop-Aktie sinkt weiter und schließt bei 75,42. Wallstreetbets fordert dazu auf, die Aktie nicht zu verkaufen.
    • 2.2.2021 (II): Silber stürzt auf 26,3 US-Dollar, nachdem es am Vortag bis zu 29,89 US-Dollar erreicht hatte.
    • 2.2.2021 (III): Haben sich Hedgefonds unter die Reddit-Unser genutzt, um die Silber-Rallye anzufeuern? Das vermuten einige User, da unter anderem Citadel Advisor vom Anstieg des Silberkurses profitiert.
    • 3.2.2021 (I): Der Neo-Broker Trade Republic entschuldigt sich bei seinen Kunden, dass für die GameStop-Aktie zeitweise keine Kauf-Orders mehr angenommen wurden. Neben der außerordentlichen Belastung der Handelsplätze wird der Anlegerschutz als Begründung angeführt.
    • 3.2.2021 (II): Die Buch-Verluste vieler Shotseller gehen zurück – wohl auch, weil zwischenzeitlich bei einigen Brokern das Kaufen der GamesStop-Aktie nicht mehr möglich war
    • 4.2.2021: US-Finanzministerin Janet Yellen beruft wegen der Ereignisse der vergangenen Wochen ein Treffen wichtiger Finanzaufseher ein
    • 5.2.2021 (I): Die GameStop-Aktie schließt am Freitag bei 52,52 US-Dollar. Eröffnet hatte sie am Montag bei 304,50 US-Dollar. Damit verlor sie im Verlauf der Woche knapp 83 Prozent.
    • 5.2.2021 (II): Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) rügt Online-Broker, darunter Trade Republic. Aufgrund zahlreicher Beschwerden werden die Broker mit „Nachdruck aufgefordert, die aufsichtsrechtlichen Anforderungen einzuhalten sowie ihren Kundinnen und Kunden sämtliche Dienstleistungen dem Aufsichtsrecht entsprechend und störungsfrei zur Verfügung zu stellen“.
  • KW 6/2021
    • 10.02.2021 (I): Inzwischen sind über 4.000 Beschwerden über Trade Republic bei der BaFin eingegangen
    • 10.02.2021 (II): Die Zahl der Short-Wetten auf deutsche Aktien geht deutlich zurück. So liefen am 22. Januar 185 Short-Wetten von Hedgefonds auf deutsche Aktien. Bei 53 Positionen – also rund einem Drittel – senkten die Hedgefonds inzwischen ihre Einsätze. Auch in den USA sank die Zahl der Aktien, auf die Short-Wetten abgeschlossen wurden. In den letzten zwei Januarwochen betrug der Rückgang 5,7 Prozent. Ein Grund dürften die Vorfälle rund um die GameStop-Aktie sein.
    • 11.02.2021 (I): Die wallstreetbets-Community auf Reddit macht sich nun für Cannabis-Aktien stark. Im Fokus steht unter anderem die Aktie des US-Unternehmens Tilray. Auch deutsche Anleger springen auf den Trend auf. An der Börse Lang & Schwarz war das Handelsvolumen der Tilray-Aktie am Donnerstag größer als das von VW oder Siemens. Cannabis könnte in den USA legalisiert werden.
    • 11.02.2021 (II): Laut dem Wall Street Journal verlangen das US-Justizministerium und der Staatsanwalt von San Francisco Informationen von Robinhood und Social-Media-Unternehmen in Zusammenhang mit den GameStop-Vorfällen. Der Verdacht der Marktmanipulation steht im Raum.
    • 13.02.2021: Der Youtuber „Roaring Kitty“ (Keith Gill), Hedgefondsmanager und Firmenchefs sollen vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses aussagen.
  • KW 7/2021
    • 15.02.2021 (I): GameStop hatte Ende 2020 die US-Börsenaufsicht SEC informiert, Aktien im Wert von 100 Millionen US-Dollar ausgeben zu wollen. Während des Hypes um die Aktie nahm das Unternehmen davon jedoch Abstand, obwohl es dadurch viel Geld einsammeln hätte können. Die Ausgabe der Aktien war dem Unternehmen zu riskant, da es vorläufige Finanzzahlen hätte veröffentlichen müssen.
    • 15.02.2021 (II): Der mit seiner Kryptowährung TRON bisher mäßig erfolgreiche Unternehmer Justin Sun hält den Vorfall rund um die GameStop-Aktie für einen Paradigmenwechsel. Er glaubt, in Zukunft würden Anleger weniger auf Finanzanalysten hören und mehr eigene Entscheidungen treffen. Er hat selbst GameStop-Aktien gekauft und auch in Silber investiert.
    • 17.02.2021: Der Youtuber „Roaring Kitty“ wird wegen Wertpapierbetrugs verklagt. Hintergrund: Obwohl er Finanzprofi mit entsprechenden Lizenzen ist, soll er sich als Amateur-Anleger ausgegeben haben. „Roaring Kitty“ hatte stark vom zwischenzeitlichen Anstieg der GameStop-Aktie profitiert.
    • 18.02.2021 (I): Laut dem Hedgefonds-Experten Marcus Storr soll die Hedgefonds-Branche insgesamt gut ins Jahr 2021 gestartet sein. Von tausenden Hedgefonds haben nur einige wenige einen Schaden durch den GameStop-Vorfall erlitten – diese allerdings in zweistelliger Milliardenhöhe.
    • 18.02.2021 (II): Die BaFin warnt Privatanleger vor Aufrufen zu Aktienkäufen in Sozialen Medien. Sie sollen sich vor Anlageentscheidungen aus offiziellen Quellen informieren.
    • 18.02.2021 (III): Vlad Tenev, Chef von Robinhood, gesteht in einer Anhörung vor dem US-Kongress Fehler, ohne diese näher zu benennen. Der Handel der GameStop-Aktie habe zeitweise nicht aufrechterhalten werden können, da bei der Clearing-Stelle zusätzlich drei Milliarden US-Dollar hinterlegt hätten werden müssen. Hedgefonds habe man durch die Handelsbeschränkungen nicht helfen wollen.
    • 18.02.2021 (IV): Der Youtuber „Roaring Kitty“ bezeichnet es vor dem US-Kongress als tragisch, dass Kleinanleger durch die Vorfälle rund um die GameStop-Aktie viel Geld verloren haben, sieht seine Posts aber nicht als Auslöser für die Markbewegung.
  • KW 8/2021
    • 22.01.2021 (I): Der Neo-Broker Robinhood hat die Rangliste der meist gehandelten Aktien auf seiner Plattform aktualisiert. Neu dabei sind AMC Entertainment (Platz 3), Nokia (Platz 4), GameStop (Platz 8) und Sundial Growers (Platz 10). Sie haben unter anderem Amazon und Walt Disney aus den Top 10 verdrängt.
    •  22.02.2021 (II): Einige Experten glauben, der GameStop-Vorfall könnte seine guten Seiten haben, weil junge Trader dadurch etwas über den Aktienmarkt gelernt haben. „Obwohl ich einige Sorgen über die vollen Nachwirkungen von GameStop habe, scheint es so, als ob es zu einer neuerlichen Einsicht geführt hat, dass auch die durchschnittliche Person ohne finanziellen Hintergrund oder Wall-Street-Erfahrung investieren kann“, meint etwa Buchautorin Erin Lowry. [6]
    • 24.02.2021: Nach dem Rücktritt von GameStop-Finanzchef Jim Bell, machte sich die Community von wallstreetbets erneut für GameStop stark. Der Kurs stieg bis Handelsschluss auf über 90 US-Dollar – ein Plus von mehr als 100 Prozent. Wieder wurde der Aktienhandel mehrmals ausgesetzt.
    • 25.02.2021: Der Aufwärtstrend der GameStop-Aktie setzte sich am Donnerstag zunächst fort. Der Kurs stieg zwischenzeitlich auf 184,51 US-Dollar, wodurch die Verluste auf Seiten der Shortseller zeitweise auf rund elf Milliarden US-Dollar anwuchsen. Bis Handelsschluss sank der Kurs der GameStop-Aktie jedoch wieder auf rund 109 US-Dollar, was einem Tagesplus von knapp 20 Prozent entspricht. Es wird spekuliert, ob der Kauf von Call-Optionen zum neuerlichen Hype um die Aktie beigetragen haben könnte.

Was ist ein Neo-Broker? »

Doch vergangene Woche (KW 4/2021) schoss der Kurs der Aktie zweitweise auf über 480 US-Dollar. Was ist passiert? Shortseller hatten die Aktie von Gamstop ins Visier genommen. In anderen Worten: Sie haben darauf spekuliert, dass der Kurs der Aktie fällt und wollten Leerverkäufe nutzen, um aus dem fallenden Kurs Gewinne für sich selbst zu generieren. Größere Bekanntheit erreichte dieses Shortselling genannten Verfahren während der Finanzkrise. Am 21. Januar twitterte Andrew Left, Gründer von Citron Research, dass die Gamstop-Aktie auf 20 US-Dollar sinken wird.

Doch die Rechnung ging diesmal nicht auf. Der Grund: Eine Vielzahl von Kleinanlegern stemmte sich dagegen. Ausgangspunkt dieser Bewegung der Neo-Trader war die Community wallstreetbets auf Reddit. Dort wurde GameStop als unterbewertetes Unternehmen beworben, und als bekannt wurde, dass große Investoren wie Citron Research gegen Gamstop wetteten, investierten die Neo-Trader massenhaft in die Aktien. Es kam zum Short Squeeze, einer Angebotsknappheit, die den Kurs weiter nach oben treibt. Denn bei steigenden Kursen müssen die Leerverkäufer ihre geliehenen Aktien zu einem höheren Kurs zurückkaufen als sie sie zwischenzeitlich verkauft haben und versuchen darum, ihre Positionen schnell zu schließen.

Wie haben Shortseller und Neo-Broker reagiert?

Die Hedgefonds / Shortseller

Die Hedgefonds bzw. Shortseller verzeichneten in Folge massive Verluste. Seit Jahresbeginn belaufen sich diese in Zusammenhang mit der GameStop-Aktie auf 19,75 Milliarden US-Dollar. Allein am vergangenen Freitag, als die Aktie 68 Prozent zulegte, verzeichneten die Shortseller Verluste von 7,8 Milliarden US-Dollar.

Citron Research hat seine Short-Positionen inzwischen geschlossen. Ebenso der Hedgefonds Melvin Capital. Allerdings ist die Attacke der Neo-Trader keinesfalls ein voller Erfolg. Viele Shortseller setzen weiter auf sinkende Kurse bei GameStop. So werden laut Handelsblatt noch immer 113 Prozent der Aktien geshortet, ein Wert, der vor der Attacke der Neo-Trader über 140 Prozent betragen hatte.

Die Neo-Broker Robinhood und Trade Republic

Möglich wurde die Attacke der Kleinanleger auf die Shortseller durch Neo-Broker wie Robinhood und Trade Republic. Bei diesen können Orders zu sehr günstigen Gebühren und teilweise sogar kostenfrei aufgegeben werden. Bei Trade Republic kostet eine Order beispielsweise einen Euro.

Trade Republic im Test»

Diese niedrige Hürde motiviert immer mehr junge Trader und Anleger, die sich vorher nicht an die Börse getraut haben, in den Börsenhandel einzusteigen. Diese Neo-Trader haben nun ihre Macht demonstriert. Doch der Vorfall rund um GameStop sorgt bei Neo-Brokern für Probleme.

Quelle: Trade Republic

Die App von Trade Republic war mit den vielen Kauf- und Verkaufsaufträgen überfordert. Am Donnerstag konnten Kunden des Neo-Brokers darum keine Orders mehr aufgeben. „Zurzeit ist ein Handel aufgrund von technischen Störungen des Handelsplatzes nur eingeschränkt möglich“, hieß es in einer Meldung.[1]

Bei Robinhood hingegen konnten die Neo-Trader die GameStop-Aktie nicht mehr kaufen, sondern nur noch verkaufen. „Wir überwachen die Märkte kontinuierlich und nehmen bei Bedarf Änderungen vor. Angesichts der jüngsten Volatilität beschränken wir Transaktionen für bestimmte Wertpapiere nur auf Positionsschließungen, darunter $AMC, $BB, $BBBY, $EXPR, $GME, $KOSS, $NAKD und $NOK. Außerdem haben wir die Margin-Anforderungen für bestimmte Wertpapiere erhöht“, so Robinhood.[2]

Sofort wurden Gerüchte laut, Robinhood mache gemeinsame Sache mit den Hedgefonds. Schließlich äußerte sich Robinhood CEO Vlad Tenev und machte regulatorische Cash-Anforderungen für die Einschränkungen verantwortlich. So haben Broker beim Handel Verpflichtungen gegenüber „clearinghouses“ wie dem Depository Trust & Clearing Corp (DTCC) zu erfüllen. Sie müssen dort Sicherheiten im Form von Geld hinterlegen. Je höher das Handelsvolumen, desto höher die Cash-Anforderungen. Diesen Anforderungen konnte Robinhood nicht mehr gerecht werden. Allerdings wollte Robinhood diese Begründung zu einem späteren Zeitpunkt nicht bestätigen.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch, dass Robinhood anders als Trade Republic viele Margin-Konten eröffnet, die Anleger folglich die Aktien im Depot gar nicht besitzen.

Online-Broker im Vergleich»

Welche Motivation haben die Neo-Trader?

In jedem Fall war das Verhalten von Robinhood ein massiver Eingriff in den Markt, der die Neo-Trader verärgerte und zu einer Sammelklage führte. Auch die Politik beschäftigt sich inzwischen mit dem Thema.

Doch was motiviert die Neo-Trader zu ihrem Handeln und den heftigen Reaktionen auf die Shorttrader? Darüber gibt ein offener Brief eines Neo-Traders an Melvin Capital, CNBC, Boomers und WSB Auskunft, dessen Echtheit zwar nicht bestätigt ist, der aber dennoch einen Eindruck von der Szene geben kann. Hier ein Auszug:

Offener Brief eines Anlegers an Melvin Capital, CNBC, Boomers und WSB (Auszug)

„An (den Hedgefonds) Melvin Capital: Ihr steht für alles, was ich in dieser Zeit [Anm. d. Red.: gemeint ist die Finanzkrise 2008] gehasst habe. Ihr seid eine Firma, die Geld damit verdient, Unternehmen auszubeuten und Märkte und Medien zu ihrem Vorteil zu manipulieren. Dass Ihr existiert, ist eine bittere Erinnerung daran, daran, dass diejenigen, die während der Krise von ’08 für so viel Unglück verantwortlich waren, nicht bestraft wurden. Und die eklatante Missachtung des Gesetzes, die schon vor Monaten durch Ihre (für die Melvin-Anwälte da draußen: angeblichen) illegalen ungedeckten Leerverkäufe und in jüngerer Zeit durch Ihre obszöne Marktmanipulation nach Feierabend deutlich wurde, zeigt, dass Sie seit ’08 nichts gelernt haben. Und warum sollten Sie auch? Ihresgleichen wurden für schreckliche und illegale Finanzentscheidungen, die das Leben von Millionen negativ verändert haben, gerettet und belohnt.

Ich habe vor ein paar Tagen Aktien gekauft. Ich habe meine Ersparnisse in GME (GameStop) gesteckt, meine Miete für diesen Monat mit meiner Kreditkarte bezahlt und mein Mietgeld in noch mehr GME-Aktien gesteckt (was ich den Leuten hier bei WSB nicht empfehlen würde). Und ich bleibe dabei. Das ist eine persönliche Angelegenheit für mich und Millionen andere.“[3]

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Geht es um einen Kampf Gut gegen Böse?

Ist das also die Formel, auf die sich der Konflikt bringen lässt? Gut gegen Böse, Klein gegen Groß, David gegen Goliath. Daran lässt sich zweifeln. Oder anders ausgedrückt: es fehlen die Grautöne.

So machte GameStop in der Vergangenheit unter anderem mit einer zweifelhaften Unternehmensführung auf sich aufmerksam. Mitarbeiter berichteten, dass Druck auf sie ausgeübt würde, den Kunden nur möglichst gewinnträchtige Ware zu kaufen. Da soll so weit gegangen sein, dass Mitarbeiter sich dazu genötigt sahen, Kunden falsch zu beraten und anzulügen.[4] Vorbildlich klingt das nicht gerade.

Quelle: ariva.de

Hedgefonds auf der anderen Seite genießen ohne Zweifel zurecht ihren schlechten Ruf als Heuschrecken. Doch zeigte erst kürzlich der Wirecard-Skandal, dass Shortseller ihre Hausaufgaben oft besser machen als Behörden oder „Longseller“. So kamen der Shortsellerin Fahmi Quadir schon 2017 Zweifel an der Seriosität von Wirecard: „Wir waren überzeugt, dass Wirecard eine riesige digitale Geldwaschmaschine war.“[5] Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ging nach Hinweisen der Shortseller und der Financial Times aber nicht gegen Wirecard vor, sondern gegen die Hinweisgeber. Auch wir ließen uns vom Wunsch nach einem Global Player aus Deutschland blenden. Wie die Sache ausging, ist bekannt. Die Shortseller lagen in ihrer Einschätzung richtig, die Behörden und viele Aktionäre falsch.

CFD-Broker im Vergleich»

Welche Konsequenzen hat das Geschehen für die Zukunft?

Wie auch immer man sich in diesem Konflikt positioniert, Fakt ist: Die Neo-Trader sind ein neues Phänomen, das den Finanzmarkt auf den Kopf stellt. Hedgefonds werden sich dank sozialer Medien und Neo-Broker auch künftig auf Attacken wie diese einstellen und ihre Strategie entsprechend anpassen müssen. Politik und Justiz werden prüfen müssen, inwieweit Handelseinschränkungen, wie sie bei Robinhood vorkamen, legitim sind. Und Neo-Trader werden aufpassen müssen: Wenn sie die Riesen der Finanzszene nur ins Wanken, aber nicht zu Fall bringen, drohen ihnen hohe Verluste. Auch ihr Handeln ist hochspekulativ.   

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Weiterführende Links

[1] Finanzszene.de – Trade Republic versinkt im Trading-Hype

[2] Trending Topics – Robinhood schränkt Handel ein

[3] WiWo – Offener Brief

[4] Gamestar – GameStop-Skandal

[5] Tagesschau – Shortseller nach Wirecard-Skandal

[6] Finanzen.net – Darum könnte das GameStop-Drama langfristig einen guten Effekt haben

CNN – GameStop (englisch)

Handelsblatt – 20 Milliarden Dollar im Minus

Der Aktionär – Melvin Capital

Axios – Robinhood misses the mark (englisch)

Vice – Wie Robinhood seine User verkauft hat

Handelsblatt – Trade Republic und die GameStop-Kaufsperre

BaFin – Verbraucherschutz

Cash-Online – Wie Hedgefonds mutmaßlich die Silber-Rallye befeuern

Handelsblatt – Shortseller reduzieren in Deutschland fast jede dritte Wette

Handelsblatt – Nach GameStop-Hype

Golem – GameStop wollte keine neuen Aktien ausgeben

Finanzen.net – Krypto-Mogul steckt Millionen in GameStop

Finanzen.net – Diese vier Aktien verdrängen ein paar große Namen aus Robinhoods Top 10-Aktien

Handelsblatt – Neuer Höhenflug

Handelsblatt – Neue GamesStop-Rally