Marktbeeinflussungskosten 

Marktbeeinflussungskosten entstehen beim Kauf oder Verkauf großer Stückzahlen von Wertpapieren und spiegeln sich in durchschnittlich höheren Kaufpreisen oder niedrigeren Verkaufspreisen wieder.

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine Fondsgesellschaft erwirbt an einem Tag für einen großen Publikumsfonds in Erwartung steigender Kurse eine halbe Million Siemens-Aktien. Mit dem Kauf der Wertpapiere beauftragt sie eine Investmentbank. Die Fondsgesellschaft agiert also prinzipiell wie ein Privatanleger, der z. B. Aktien über eine Direktbank an der Börse kauft.

Normalerweise ordert die Fondsgesellschaft, die Aktien „interessewahrend“ innerhalb von beispielsweise drei Stunden am Aktienmarkt zu kaufen. Hierbei fallen nicht unerhebliche Transaktionskosten an. Nach aktuellen Untersuchungen betragen diese Kosten für Publikumsfonds im Durchschnitt 0,88% – bei einem Kurs von 68 Euro entspricht dies 299.200 Euro.

Höhe der Kosten überraschend

An dem Beispiel kann man erkennen, dass ein Fonds, der in einem Jahr das gesamte Fondsvolumen einmal umschlägt, insgesamt durchschnittlich 1,76% der Anlagesumme aufgrund der Transaktionskosten einbüßt. Die Transaktionskosten im Beispiel entfallen zu 0,2 Prozentpunkte (72.000 Euro) auf die Umsatzprovision. Das sind Kosten, die die Depotbank vereinnahmt. Der mit dem Erwerb der Papiere beauftragte Broker erhält für seine Dienste immerhin 0,12 Prozentpunkte (43.200 Euro).

Preiseinfluss nicht unerheblich

Der Löwenanteil der Kosten von 0,56 Prozentpunkten (201.600 Euro) wird aber durch den Preiseinfluss des Auftrags selbst hervorgerufen. Da eine Fondsgesellschaft meist große Stückzahlen handelt, kann die Ordergröße bis zu 20% des Tagesumsatzes an der Börse betragen. In unserem Beispiel wurden eine halbe Million Aktien gestückelt über drei Stunden gekauft.

Wenn ein solch großer Kaufauftrag innerhalb einer derart kurzen Zeit ausgeführt wird, kommt es oft zu einem nicht unerheblichen Kursanstieg in der entsprechenden Aktie (hier der Siemens-Aktie). Wenn nicht große Verkaufsorders dagegenstehen, werden besonders die späteren Stücke zu einem deutlich über dem Anfangskurs liegenden Preis erworben.

Da der Preiseinfluss durch den Auftrag selbst verursacht worden ist und damit erst nach Abschluss der Orderausführung bekannt wird, können diese Kosten als „unsichtbar“ bezeichnet werden.

Im umgekehrten Fall ebenfalls wirksam

Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn ein Fonds eine große Stückzahl von Aktien innerhalb einer kurzen Zeitspanne verkaufen möchte. Hier wird der Kurs der Wertpapiere mit dem hohen Angebot bis zum Ende der vorgegebenen Handelsspanne immer weiter fallen.

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