Aktien kaufen und verkaufen – wie funktioniert das?

1. Kauf von Aktien bei der Hausbank

Investoren die kaum Zeit, wenig Erfahrung und auch kein großes Interesse besitzen, ihr persönliches Aktiendepot zusammenzustellen und es fortlaufend zu überwachen, werden sich dafür entscheiden, Hilfe beim Kauf von Aktien zu suchen.

Hausbanken können behilflich sein

Praktisch alle Filialbanken großer deutscher Geschäftsbanken bieten eine individuelle Anlageberatung auch für Aktien an. Einer der Vorteile einer Bankberatung ist, dass der Mitarbeiter der Hausbank die finanzielle Situation des Anlegers kennt. Der Investor kann die Aktien im Depot verwahren lassen und so auch alle weiteren Engagements im Blick behalten. Ein weiterer Vorteil ist, dass hierfür ein vielleicht bestehendes Wertpapier-Depot genutzt werden kann. Dies verursacht dann keine weiteren Depotgebühren.

Ein guter Bankberater kann dem potenziellen Anleger dabei helfen, die typischen Anfängerfehler zu vermeiden. Er sollte die Anlageziele, den Zeithorizont und die Risikobereitschaft des Investors erfragen. Danach sollte er dem Kunden geeignete Aktien präsentieren und einen konkreten Anlagevorschlag machen.

Bankberater mit eigenen Interessen

Es dürfte völlig klar sein, dass der Anleger seinem jeweiligen Bankberater nicht grenzenlos vertrauen kann. Selbst wenn diese Bewertung nicht negativ ausfällt, muss das aber noch nicht bedeuten, dass der Experte auch die optimale Aktie empfohlen hat.

Die meisten Bankberater werden dem Anleger ausschließlich die Aktien nach Weisung des eigenen Hauses anbieten, einfach deswegen, weil sie dazu verpflichtet sind.

Interessenkonflikte vorprogrammiert

Bankberater werden in erster Linie auf die Interessen des eigenen Geldinstituts schauen. Hierzu sollte man wissen, dass die meisten Banken auch mit Aktien aus eigenen Beständen handeln. Dabei ist zu bedenken, dass der Berater möglicherweise angewiesen sein könnte, an einem bestimmten Tag die Aktie XY bevorzugt zu verkaufen und daher besonders anzupreisen, weil die Bank der Meinung ist, dass der Kurs des entsprechenden Papiers sinken könnte.

Hierbei würde der Bankberater vorrangig die Interessen seines eigenen Geldinstituts vertreten und weniger auf das finanzielle Wohl des Kunden schauen.

Einstufung der Risikofreude 

Nach vielen unerfreulichen Gerichtsprozessen um Fehlberatungen sind die Berater heutzutage dazu verpflichtet, die Risikobereitschaft der Kunden anhand einer Dokumentation vorab zu bestimmen. Anhand dieser Einstufung darf der Bankberater nur Aktien anbieten, die Ihrer Risikoklasse entsprechen. Im Anderen Fall hat der Kunde das Recht die Bank darauf hinzuweisen und zu klagen.

2. Kauf von Aktien bei Direktbanken 

Anleger, die sich bei ihren Investitionen auf Standardprodukte beschränken, müssen sich nicht unbedingt an ihre Hausbank wenden, wenn ihr Gespartes an der Börse Gewinn bringen soll. Wesentlich günstiger ist dies bei zahlreichen Direktbanken. Die meisten Filialen der gängigen Geldinstitute erheben für Aktienorders eine Provision in Höhe von 1% des Umsatzes. Bei Direktbanken zahlt man dafür meist weniger als die Hälfte und auf eine Depotgebühr wird zum Teil gänzlich verzichtet. 

Wechsel lohnt sich

Was auf den ersten Blick recht gering aussieht, summiert sich zum Ende des Jahres zu einem stattlichen Betrag. Beim Wechsel zu einer Direktbank können auch Kleinanleger richtig sparen. Die standardisierten Dienstleistungen der Direktbanken für Investoren mit Internet-Zugang sind sehr günstig, aber auch bei Orders per Telefon oder Fax werden deutlich geringere Gebühren fällig als bei traditionellen Geldinstituten. 

Einlagensicherung gewährleistet

Das Geld der Anleger ist bei den deutschen Direktbanken bestmöglich geschützt: Sie sind alle Mitglied des deutschen Einlagensicherungssystems. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgesprochene Guthabengarantie gilt auch für sie. 

Lockangebote nutzen 

Direktbanken bieten vor allem Neukunden lukrative Lockangebote, die mit begrenzter Laufzeiten und/oder hohen Zinsen daherkommen. Die meisten Direktbanken bieten neben dem Aktienhandel auch komplexere Finanzdienstleistungen an wie Kredite und Baufinanzierungen.

Wachstumstrend noch nicht gestoppt 

Zwischen 2000 und 2010 gewannen Direktbanken in Deutschland mehr als 14 Mio. Kunden mit einem Marktanteil bei Sichteinlagen von 20%. Einer Studie zufolge wird diese Zahl bis zum Jahr 2015 um mehr als 30% auf rund 19,5 Mio. steigen.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Selbst wenn sich der Anleger nach dem Vergleich der Angebote der preiswertesten Anbieter gegen die Eröffnung eines Discount-Depots entscheidet, hat er keine Zeit vergeudet. Viele Bankberater reagieren nämlich auf Hinweise, dass die Wettbewerber günstigere Konditionen anbieten, mit Vorschlägen, die sich auf Gebührensenkungen beziehen.

Jeder Investor sollte sich indes darüber im Klaren sein, dass die Beratung bei der Hausbank im Zweifel immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen ist. Bankberater sind in erster Linie den Interessen ihres Arbeitgebers verpflichtet, nicht den Interessen ihrer Kunden!!!

3. Kauf von Aktien bei Online-Brokern

Aktienanleger konnten früher ihre Order zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren meist telefonisch, per Fax oder sogar persönlich in ihrer Bankfiliale erteilten. Heutzutage nutzen immer mehr Investoren das Internet als bequemen und flexiblen Weg für ihren Aktienhandel.

Online Broker oft günstiger

Neben den Angeboten der klassischen Geschäftsbanken, Sparkassen und Direktbanken in Bezug auf das Online-Banking gibt es in der Zwischenzeit eine Reihe von Online Brokern, die ihren Kunden eine Plattform für den Wertpapierhandel über das Internet zur Verfügung stellen. Im Normalfall lassen sich Transaktionen auf diesem Wege deutlich kostengünstiger abwickeln als bei herkömmlichen Wertpapieraufträgen an eine Bank.

Gebührenmodelle vergleichen

Die verschiedenen Online Broker bieten für ihre Wertpapiergeschäfte unterschiedliche Gebührenmodelle und Kostenstrukturen an. Mit diesen sollte sich der Anleger vertraut machen, wenn er die einzelnen Anbieter unterscheiden und sich hinsichtlich ihrer Ordergebühren entscheiden möchte. Eine pauschale Einteilung in teure und preiswerte Online Broker ist daher kaum möglich.

Wie viel oder wenig ein Investor bei einem Online Broker an Gebühren zu zahlen hat, hängt davon ab, welche Art von Geschäften er tätigt, wie häufig er handelt und wie hoch seine Orderbeträge sind.

Börslicher und außerbörslicher Handel

Neben dem herkömmlichen Börsenhandel bieten Discount Broker ihren Kunden auch die Teilnahme am außerbörslichen Handel. Beide Handelsformen haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Jeder Investor muss daher für sich entscheiden, in welcher Form er am Aktienhandel teilnehmen möchte.

Beim börslichen Handel erfolgen die Transaktionen zu nachprüfbaren Börsenpreisen. Zudem erfolgt im sogenannten regulierten Markt eine kontinuierliche Überwachung des Handels. Dies bedeutet für mehr Sicherheit für Investoren als beim außerbörslichen Handel. 

Außerbörslich geht´s schneller

Der außerbörsliche hat verglichen mit dem börslichen Handel den Vorteil, dass die Handelszeiten hier deutlich länger und die Gebührenstrukturen erheblich preiswerter sind. Es fallen keine Maklercourtage und ähnliche Kosten an. Daneben überzeugt die größere Schnelligkeit. Im Prinzip werden alle Orders unmittelbar ausgeführt.

Der Verkauf  von Aktien

Aktien und andere Wertpapiere werden über Banken, Sparkassen, Direktbanken und Online Broker gekauft und verkauft. Zwischen der Geldinstitution und den Kunden besteht für die Abwicklung des Kaufs- bzw. Verkaufsauftrages eine Rechtsbeziehung. In Deutschland gelten die von allen Anbietern verwendeten Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken und insbesondere die Sonderbedingungen für Wertpapiergeschäfte. Diese Sonderbedingungen werden einheitlich verwendet und damit gilt bei allen Anbietern das gleiche Niveau des Schutzes.

Ordererteilung zum Verkauf 

Zunächst gibt der Depotinhaber seiner Institution den Auftrag bzw. Wertpapierorder die Aktie zu verkaufen. Mit der Anweisung werden der Bank detaillierte Vorgaben für die Orderausführung erteilt. Beispiele für diese Vorgaben sind: die Börse, an der der Auftrag ausgeführt werden soll, die Höhe des maximalen Kauf- beziehungsweise Mindestens-Verkaufspreis. 

Damit kann beim Verkauf ein Mindesterlös (Limit) bestimmt werden. Der Auftrag darf nur dann ausgeführt werden, wenn sich die Preisvorgaben im Markt durchsetzen lassen. Werden keine Vorgaben erteilt, wird die abwickelnde Institution das Wertpapiergeschäft entsprechend ihren Ausführungsgrundsätzen abwickeln. Wenn kein Mindesterlös vorgegeben wurde, gilt die so genannte Bestens-Order.

Kommissionsgeschäfte üblich 

Beim Kommissionsgeschäft strebt die abwickelnde Institution danach, den erteilten Wertpapierauftrag an einer vorab bestimmten Börse oder an einem anderen Handelsplatz auszuführen. Zwar handelt der Anbieter an diesem Börsenplatz in eigenem Namen aber für Rechnung des Depotinhabers. 

Die an der Börse gehandelten Aktien sind einer Handelsform zugeordnet. Dabei wird in Deutschland grundsätzlich zwischen dem Regulierten Markt und dem Freiverkehr unterschieden. Im Regulierten Markt sind die Voraussetzungen für einzuhaltende Standards sind deutlich höher wie im Freiverkehr.

Xetra oder Präsenz 

Bei den Handelsformen wird zwischen Präsenzbörsen und elektronischen Handelssystemen unterschieden. Bei einer Präsenzbörse gelten für die Börsenteilnehmer feste Börsenzeiten, während es im elektronischen Handel (beispielsweise beim Xetra) keinen Börsenmakler und keine zeitlichen Begrenzungen mehr gibt. Im Zeitalter von Internet und weltweiten Zugriffsoptionen gewinnt der elektronische Handel mehr und mehr an Bedeutung.

Fehlerquellen beim Aktiengeschäft

Auch beim Kauf oder Verkauf von Aktien bleibt der Anleger vor Fehlerquellen nicht verschont. Abgesehen von der Fehleinschätzung über die Gewinnerwartungen einer Aktie kommt es beispielweise zu Tippfehlern bei der Erteilung der elektronischen Kauforder oder ein anderer Fehler bei der Übermittlung des Wertpapierauftrags.

Falsche Eingabe/falsche Ausführung wird teuer    

Bei nicht eindeutig erteilten Orders kann zu einer falschen Ausführung kommen. Daher sollte die Aktie anhand der Bezeichnung und der ISIN (International Securities Identification Number) oder der WKN (Wertpapierkennnummer) genau bestimmt werden. Auch ein Zahlendreher kann fatale Folgen haben und schnell zu einer falschen Stückzahl führen. Elektronisch erteilte Aufträge sollten vor dem Abschicken mehrfach kontrolliert werden.

Geringe Marktliquidität birgt Fehlerpotenzial 

Besonders marktenge Aktien bergen Fehlerquellen, die sich auf den ersten Blick kaum erschließen. Da bei diesen große Kurschwankungen möglich sind, kann der Verzicht auf Limits zu ungünstigen Ergebnissen führen. Beispielsweise notiert die Aktie XY an einem bestimmten Tag mit 50 Euro. Der Anleger YX entschließt sich 50.000 Euro zu investieren, einen Höchstpreis, den er pro Aktie zahlen möchte, gibt er nicht an. An der Börse steigt der Kurs während des Ausführungszeitraums plötzlich um 50%. Statt der erwarteten 1.000 Aktien erhält der Anleger nur noch 666,66 Aktien.

Umgekehrt kann auch das Setzen von Limits zu negativen Ergebnissen führen. Beispielweise möchte sich der Anleger YZ sich an jenem Tag, an denen die Aktie XY mit 50 Euro notiert, von 1.000 Stück seiner Papiere trennen. Da er mit dem Kurs einverstanden ist, aber auch nicht weniger einstreichen möchte, gibt er als Limit 50 Euro ein. Je nach Abwicklung oder Bank wird er trotz des erwähnten Anstiegs seiner Aktien auf 75.000 Euro lediglich 50.000 Euro erhalten. 

Risiko bei Kursaussetzung   

Kursaussetzungen werden von der Börsenaufsicht vorgenommen, wenn wichtige, möglicherweise kursbeeinflussende Mitteilungen der Gesellschaft bevorstehen, die die betroffene Aktie emittiert hat. Die Kursaussetzung hat das Ziel, allzu starke Kursschwankungen zu verhindern und dient dem Schutz der Anleger.

Dauerhaft wird die Börsenpreisfestsetzung für eine bestimmte Aktie eingestellt, wenn der ordnungsgemäße Börsenhandel nicht mehr gewährleistet erscheint. Beispielsweise kommt diese äußerste Maßnahme bei Insolvenzeröffnung über das Vermögen des Emittenten in Betracht. Orders lassen sich dann nicht mehr über den Aktienmarkt abwickeln.