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ETF Basics: Was Sie über ETFs wissen sollten (Teil 1/3)

ETFs – ein weiteres Kürzel am Finanzmarkt wirft immer wieder die Frage auf „Was ist das eigentlich?“ Sie möchten gerne in den Handel mit Aktien einsteigen, trauen sich aber nicht? Ihr Tagesgeldkonto bereitet Ihnen keine Freude mehr und Sie schielen neidisch zu denjenigen, welche am Höhenflug der Börsen verdienten? Klassische Aktienfonds sind Ihnen durch das Agio und die Verwaltungskosten zu teuer? Dann ist es an der Zeit, sich mit ETFs zu beschäftigen.

ETFs – auf Deutsch „Indexfonds“

Das Kürzel ETF steht für „Exchange Trading Funds“ und bezeichnet Fonds, die direkt über die Börse gehandelt werden. Auf Deutsch heißt diese spezielle Fondsgattung „Indexfonds“. Der Name gibt bereits wieder, worum es sich bei diesen Wertpapieren handelt.

Ein klassischer Aktienfonds wird von einer Gruppe von Spezialisten gemanagt, die permanent die im Fonds befindlichen Aktien analysieren, um diese eventuell gegen erfolgreichere Titel auszutauschen. Diese sogenannten „aktiv gemanagten“ Fonds verursachen neben dem Ausgabeaufschlag auch Kosten für das Fondsmanagement. Seit einigen Jahren lassen sich einige Fondsmanager auch noch eine sogenannte Erfolgsprämie bezahlen – vom Anleger. Diese Kosten, Managementgebühr, Verwaltungskosten und Erfolgsprämie, beeinflussen natürlich die Rendite zulasten des Anlegers.

Die durchschnittlichen Kosten pro Jahr von börsengehandelten Indexfonds und klassischen Investmentfonds im Vergleich.

Der Index – der Leitfaden

Zu diesen kostenintensiven Fonds gibt es nun seit einigen Jahren eine preiswerte Alternative. Indexfonds unterliegen keinem aktiven Management. Die Fondsmanager bestücken den Fonds bei Auflegung analog zu dem Index, den der Fonds abbilden soll. Ein weiteres Eingreifen wird nur notwendig, wenn sich die Zusammensetzung des abgebildeten Index ändert. Damit entfallen große Teile der Gebühren.

Ein ETF auf den DAX 30 setzt sich (fast) analog zum Dax zusammen. Mit Indexfonds werden alle Indizes abgebildet, die vorhanden sind. DAX, S&P 500, Anleger können aus allen Indizes auswählen. Man muss allerdings dazu sagen, dass nicht 100 Prozent des Fondsvermögens in die Titel des Index investiert werden.

Ein kleiner Teil kann auch in Devisen oder Aktien aus einem anderen Index investiert werden. So kann sich in einem ETF auf den DAX 30 durchaus auch eine Aktienposition eines japanischen Unternehmens befinden, wenn das Fondsmanagement hier überdurchschnittliches Potenzial sieht. Die Fondsmanager machen dies, um eventuelle Kursrückgänge des abgebildeten Index zu kompensieren, zu „hedgen“, wie es so schön in der Börsianersprache heißt.

Die Vergangenheit belegt eine interessante Tatsache: Indexfonds schneiden langfristig mindestens genauso gut ab, wie aktiv gemanagte Fonds.

Das Ziel eines klassischen Fonds liegt darin, besser zu sein als die sogenannte Benchmark, die Messlatte. In der Regel ist diese Benchmark wiederum ein Index. Den wenigsten Fondsmanagern gelingt dies jedoch. In der Regel liegen sie sogar unter dem Index.

Ziel des ETFs dagegen ist es, die Benchmark so genau wie möglich abzubilden und damit die Entwicklung des Index eins zu eins abzubilden.

Die Geschichte der ETFs

Wenn wir unterstellen, dass Fondsgesellschaften auch betriebswirtschaftlich kalkulieren, schneiden sie sich ja eigentlich ins eigene Fleisch, wenn sie Fonds auflegen, die deutlich kostengünstiger gestaltet sind, aber in den meisten Fällen besser abschneiden als herkömmliche Fonds.

Die Geschichte der ETFs reicht bis in das Jahr 1900 zurück, als der französische Mathematiker Louis Bachelier eine weitgehend unbeachtete Forschungsarbeit über Aktien erstellte. Er kam zu dem Schluss, dass eine richtige Prognose für die Entwicklung eines Aktienkurses bei maximal 50 Prozent liegen kann. Der spätere Nobelpreisträger Harry Markowitz entwickelte auf Bacheliers Erkenntnissen die Theorie der Diversifizierung im Portfolio. Indexfonds boten eine solche Diversifizierung, ohne dass all zu große Kosten für das Fondsmanagement entstanden – eine interessante Alternative für Großanleger.

Es gingen noch einige Jahre ins Land, bevor das US-Investmenthaus State Street Global Advisors im Jahr 1970 den ersten echten ETF auflegte. Bis zum Jahr 1987 waren es jedoch institutionelle Anleger, Pensionskassen beispielsweise, die sich für dieses Investment interessierten. Der globale Durchbruch für Indexfonds kam im Jahr 2000, als ETFs in Deutschland, Schweden, Italien, der Schweiz und Israel von den Aufsichtsbehörden zugelassen wurden.

Der erste in Deutschland emittierte ETF kam aus dem Hause Commerzbank und trug den Namen CB German Index Fund.

Warum gibt es ETFs und wo liegen die Vorteile?

Diese Frage wurde bereits im vorangegangenen Abschnitt ansatzweise beantwortet. Für institutionelle Investoren boten ETFs die kostengünstigste Variante, eine breite Risikostreuung vorzunehmen. Ein Indexfonds auf den S&P 500 bietet immerhin eine Streuung über 500 Einzelaktien. Wer zweistellige Millionenbeträge handelt, ist dankbar dafür, wenn sowohl die, in dieser Größenordnung natürlich reduzierten, Ausgabeaufschläge entfallen, aber auch die Managementgebühr so gering wie möglich gehalten wird.

Diese Vorteile eines Indexfonds sind auch gleichzeitig die Existenzberechtigung dieser Anlagegattung.

Die folgende Gegenüberstellung zeigt noch einmal detailliert die Unterschiede in den Kosten am Beispiel zweier ausgewählter Fonds:

Kostenart ETF: DB x-trackers DAX UCITS, 43 (WKN: DBX1DA) Fonds: DWS Aktienstrategie Deutschland (WKN: DBX1DA)
Ausgabeaufschlag 0,00% 5,00%
Performance Fee 0,00% 0,00%
Verwaltungsgebühr 0,09% 1,45%
Rücknahmegebühr 0,00% 0,00%
Total Expense Ratio 0,09% 1,45
Stand der Daten: 27.11.2015

Die Gegenüberstellung spricht für sich – auch ohne Ausgabeaufschlag beträgt die Verwaltungsgebühr des ETF nur einen Bruchteil dessen, was der klassische Aktienfonds verlangt. Wer für 10.000 Euro einen klassischen Aktienfonds ohne Rabatt erwirbt, bezahlt in der Regel rund 500 Euro für den Ausgabeaufschlag.

Wer einen ETF clever erwirbt, zahlt 4,95 Euro Ordergebühr. Diese verdoppelt sich bei Verkauf des Papiers, aber 9,90 Euro Handelskosten sind eine andere Hausnummer als 500 Euro für das Agio. Bereinigt um die Verwaltungskosten muss der klassische Fonds mindestens fünf Prozent Gewinn im ersten Jahr machen, damit der Anleger mit seinem Investment nicht in die roten Zahlen rutscht. Bei einem ETF sind es gerade mal 0,0495 Prozent.

In der Renditeberechnung ergibt sich bei bei einer angenommenen durchschnittlichen Performance beider Fonds von fünf Prozent pro Jahr und einer Laufzeit von 10 Jahren folgender Unterschied in der Gesamtrendite:

Für den klassischen Fonds ergibt sich bei einer Einmalanlage von 10.000 Euro abzüglich des Ausgabeaufschlages von fünf Prozent und der Bereinigung des Wertzuwachses um 1,45% Verwaltungskosten ein Endergebnis von 13.499,32. Die Nettoanlagesumme betrug dabei 9523,81 Euro.

Für den ETF ergibt sich folgende Rechnung:

Eine Anlagesumme von 10.000 Euro abzüglich 4,95 Orderkosten ergibt einen Nettobetrag von 9,995,05. Die Nettorendite beträgt 4,91%. Dies führt zu einem Endkapital von 16.141,87, einem Plus von 2.642,55 oder 19,57 Prozent gegenüber dem klassischen gemanagten Fonds.

Auf einen Blick:

  ETF Klassischer Aktienfonds

Bruttoanlagevolumen

10.000 Euro

10.000 Euro

Erwerbskosten

4,95 Euro

476,19 Euro

Nettoanlagevolumen

9.995,05 Euro

9.523,81 Euro

Bruttoperformance

5% p.a.

5% p.a.

Verwaltungskosten

0,09% p.a.

1,45% p.a.

Nettoperformance

4,91% p.a.

3,55% p.a.

Ergebnis nach zehn Jahren

16.141,87

13.499,32

 

Haben wir Ihr Interesse an ETFs geweckt?

Dann folgen Sie uns auch künftig auf unserer kleinen Einführung in die Welt der Indexfonds.
Hier gelangen Sie zum zweiten Teil unserer Serie: ETF Basics: Was Sie über ETFs wissen sollten (Teil 2/3)

 

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