Trump öffnet Tür für „Perps“: Riskante Krypto-Wetten erobern die USA

Mittwoch den 5.08.2026 - Abgelegt unter: Brokernews, International, Kryptowährung

Ein neues Finanzprodukt sorgt in den USA für hitzige Debatten: Perpetual Futures, kurz „Perps“. Seit Ende Mai 2026 können amerikanische Kleinanleger erstmals über regulierte Börsen rund um die Uhr gehebelte Wetten auf Bitcoin, Öl, Gold und andere Vermögenswerte abschließen – ganz ohne Verfallsdatum. Möglich gemacht hat das die Aufsichtsbehörde CFTC, die unter dem Druck der Trump-Regierung den Weg für die zuvor vor allem im Ausland verbreiteten Derivate freigemacht hat. Kritiker warnen eindringlich vor den Risiken für unerfahrene Anleger, während die Handelsvolumina in wenigen Wochen in die Milliarden gehen. Was steckt hinter dem Boom – und warum halten viele Experten ihn für gefährlich?

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Ende Mai 2026 sind Perpetual Futures auf regulierten US-Börsen wie Kalshi und Coinbase zugelassen – zuvor waren sie in den USA praktisch nur über Offshore-Plattformen zugänglich.
  • Die Produkte sind hoch gehebelt und laufen unbegrenzt weiter; Studien zu vergleichbaren Hebelprodukten zeigen, dass ein Großteil der Privatanleger dabei Geld verliert.
  • CME-Chef Terrence Duffy hat Klage gegen die CFTC eingereicht, weil er die Produkte als Swaps statt als Futures einstufen will – der Rechtsstreit könnte die gesamte Branche durcheinanderwirbeln.

Was sind Perpetual Futures überhaupt?

Perpetual Futures sind Derivate, mit denen Anleger auf steigende oder fallende Kurse eines Basiswerts wetten können, ohne diesen tatsächlich zu besitzen. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Terminkontrakten: Sie haben kein festes Verfallsdatum und können theoretisch unbegrenzt gehalten werden. Damit ein Kontrakt nah am tatsächlichen Marktpreis bleibt, zahlen sich Käufer und Verkäufer in regelmäßigen Abständen sogenannte Funding-Zahlungen. In der Kryptowelt sind Perps seit Jahren das mit Abstand meistgehandelte Derivat – bislang jedoch fast ausschließlich über Handelsplätze außerhalb der US-Regulierung. Genau das hat sich nun geändert.

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Die Zulassung: Trump, die CFTC und Kalshi

Ende Mai 2026 erteilte die US-Terminmarktaufsicht CFTC der Plattform Kalshi grünes Licht für einen bar abgerechneten Bitcoin-Perpetual-Future. Kurz zuvor hatte Präsident Trump auf seiner Plattform Truth Social erklärt, frühere Aufsichtsbehörden hätten die amerikanische Kryptobranche samt Bitcoin und „Crypto Perpetuals“ praktisch ins Ausland vertrieben – er selbst habe sie „gerettet“. CFTC-Chef Michael Selig, aktuell der einzige vom Senat bestätigte Kommissar der Behörde, bezeichnete den Schritt als „historisch“ und wichtigen Baustein auf dem Weg zu Trumps Ziel, die USA zur globalen Kryptohauptstadt zu machen. Parallel erhielt auch Coinbase über ein sogenanntes No-Action-Schreiben Zugang, indem es US-Kunden an seine über die Tochter Deribit abgewickelten Offshore-Perpetuals weiterleitet. Die Nachfrage übertraf alle Erwartungen: Bereits in der Beta-Phase verzeichnete Kalshi laut Marktberichten mehrere Milliarden Dollar an Handelsvolumen, wenige Wochen später soll die Marke von 5,5 Milliarden Dollar erreicht worden sein.

Warum Kritiker alarmiert sind

Die Warnungen kommen nicht nur von Verbraucherschützern, sondern auch aus der Finanzbranche selbst. Zwar existieren für Perpetual Futures noch keine belastbaren offiziellen Verlustquoten aus den USA, doch Erfahrungswerte aus vergleichbaren Hebelprodukten wie CFDs oder Turbo-Zertifikaten zeichnen ein klares Bild: Je nach Studie verlieren zwischen 70 und über 90 Prozent der Privatanleger auf Dauer Geld mit solchen Instrumenten. Der hohe Hebel kann Gewinne vervielfachen – ebenso schnell aber auch das eingesetzte Kapital vernichten. Verschärfend kommt hinzu, dass Perps rund um die Uhr handelbar sind und damit klassische Ruhephasen der Börse wegfallen, die impulsive Entscheidungen sonst bremsen. Ein Zwischenfall im Handel mit einem Perpetual-Kontrakt auf ein Raumfahrtunternehmen, bei dem in nur 30 Minuten umgerechnet rund 1,5 Millionen Dollar an Positionswert ausgelöscht wurden, gilt in der Branche bereits als Warnsignal für die Risiken dünner Liquidität.

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Der Machtkampf: CME gegen die CFTC

Besonders brisant ist der Widerstand von Terrence Duffy, dem scheidenden Chef der weltgrößten Terminbörse CME Group. Er wirft der CFTC vor, die neuen Kontrakte fälschlicherweise als Futures statt als Swaps eingestuft zu haben – eine Einordnung, die nach dem Dodd-Frank-Gesetz von 2010 strengere Regeln nach sich ziehen würde. Mitte Juni reichte die CME tatsächlich Klage gegen die Behörde und deren Chef Selig ein. Duffy erklärte, sein Unternehmen habe die Klage acht Monate lang mit dem Verwaltungsrat vorbereitet und werde nicht zurückweichen. Sollte ein Gericht ihm recht geben, müssten Kalshi, Coinbase und weitere Anbieter ihre gerade erst gestarteten Produkte unter deutlich strengeren Auflagen neu aufstellen – mit ungewissem Ausgang für die gesamte noch junge US-Perp-Branche.

Fazit

Die Zulassung von Perpetual Futures markiert einen tiefgreifenden Kurswechsel in der amerikanischen Finanzregulierung: weg von Vorsicht, hin zu einer bewusst kryptofreundlichen Politik unter Trump. Für Anleger bedeutet das vor allem eines: mehr Zugang zu einem Produkt, das historisch für hohe Verluste bei Privatanlegern bekannt ist. Ob sich der Boom als nachhaltiger Baustein des US-Kapitalmarkts etabliert oder an der Klage der CME und an regulatorischer Unsicherheit scheitert, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. Bis dahin gilt für Privatanleger besondere Vorsicht bei einem Produkt, das Chancen und Risiken in extremer Form vereint.

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Quellen und weiterführende Links

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Kursangaben und Einschätzungen basieren auf öffentlich verfügbaren Quellen zum Stand August 2026. Investitionen in Aktien sind mit Risiken verbunden – insbesondere in geopolitisch unsicheren Marktphasen.

 

Erstellt am 05.08.2026, zuletzt aktualisiert am 05.08.2026