Altersvorsorgedepot: Der Kampf um Millionen Neukunden hat begonnen

Noch ist kein einziges Altersvorsorgedepot eröffnet, doch der Wettlauf läuft längst. Drei Monate vor dem Start am 1. Januar 2027 überbieten sich Neobroker, Direktbanken, Fondshäuser und Versicherer mit Nullgebühren, Wartelisten und Startprämien. Der Grund: Mit dem Riester-Nachfolger öffnet sich ein Markt, wie es ihn in der deutschen Altersvorsorge seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Wer sich jetzt die Kunden sichert, hat sie womöglich für 30 oder 40 Jahre.
Das Wichtigste im Überblick
- Branchenschätzungen rechnen bis Ende 2028 mit 9 bis 10 Millionen neuen geförderten Verträgen.
- Neobroker und Direktbanken drücken die Kosten weit unter den gesetzlichen Deckel von 1 Prozent.
- Versicherer müssen um ihre Riester-Bestände kämpfen – für Sparer lohnt sich Gelassenheit.
Ein Markt mit enormem Potenzial
Die Dimensionen sind beachtlich: Zu Spitzenzeiten hielten die Deutschen rund 17 Millionen Riester-Verträge. Für all diese Sparer stellt sich nun die Frage, ob sie bleiben, nur die Förderung umstellen oder ihr Guthaben zu einem neuen Anbieter übertragen. Hinzu kommen neue Zielgruppen, denn erstmals sind auch Selbstständige förderberechtigt. Ein Szenario von Handelsblatt Live geht davon aus, dass bis Ende 2028 rund 37 Prozent des Riester-Bestands in die neue Förderwelt wechseln und zusätzlich 9 bis 10 Millionen neue Verträge entstehen. Hinter jedem Vertrag stehen jahrzehntelange Sparpläne, staatliche Zulagen und Kapitalströme, an denen Anbieter über Depot- und Fondskosten verdienen.
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Neobroker eröffnen die Preisschlacht
Besonders aggressiv treten die digitalen Anbieter auf. Scalable Capital hat als einer der Ersten Konditionen veröffentlicht: keine Depot-, Sparplan- oder Ordergebühren und ETF-Kosten von höchstens 0,15 Prozent. Smartbroker+ hat am 8. September die Voranmeldung geöffnet und stellt eine dreijährige Erstattung der ETF-Kosten in Aussicht. Quirion setzt auf Vanguard-ETFs mit Kosten um 0,07 bis 0,08 Prozent. Auch die Sparkassen-Tochter Deka hat laut WirtschaftsWoche ein Angebot unter 0,2 Prozent vorgelegt. Flatex hat Ende September drei Modelle vorgestellt, von zwei Standarddepots bis zu einer frei gestaltbaren Variante.
Die Direktbanken ziehen nach: Die ING sammelt Einträge in einer Startliste und lockt Neukunden mit einem Bonus, die DKB hat eine Vorregistrierung eröffnet, die Deutsche Bank wirbt mit einem eigenen Förderrechner. Trade Republic hat den Start angekündigt, aber noch keine Details genannt.
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Versicherer unter Zugzwang
Für die Versicherungsbranche steht mehr auf dem Spiel. Ein großer Teil der Riester-Verträge liegt bei ihr, und viele Kunden dürften ihre oft teuren Policen nun kritisch prüfen. Allianz und ERGO reagieren mit einem Komplettangebot aus Standarddepot, freiem Altersvorsorgedepot und Garantieprodukt. Dazu kommen Infrastrukturanbieter wie die FNZ Bank oder die Sutor Bank, die kleineren Häusern und Vermögensverwaltern die Technik für ein eigenes Produkt liefern.
Was Sparer daraus machen sollten
Der Wettbewerb nützt Sparern – solange sie sich nicht treiben lassen. Die vielen Wartelisten erwecken den Eindruck, die Plätze seien knapp. Das stimmt nicht: Ab 2027 kann jeder Förderberechtigte bei jedem Anbieter abschließen, und die Zulage richtet sich nach dem Jahresbeitrag, nicht nach dem Starttag. Vorsicht ist auch bei befristeten Lockangeboten geboten. Das Gesetz erlaubt Anbietern, ihre Preise später anzuheben. Entscheidend sind deshalb die dauerhaften Gesamtkosten über Jahrzehnte, nicht der Rabatt im ersten Jahr. Wer wechselt, sollte zudem wissen, dass der abgebende Anbieter erst nach fünf Jahren Vertragslaufzeit kostenfrei ziehen lassen muss.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot hat schon vor dem Start das erreicht, was Riester nie gelang: echten Preiswettbewerb. Neobroker drücken die Kosten, Banken ziehen nach, Versicherer verteidigen ihre Bestände. Für Sparer ist das eine gute Nachricht. Wer die Konditionen zum Start in Ruhe vergleicht, statt sich von Wartelisten unter Druck setzen zu lassen, profitiert am meisten.
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Weiterführende Links und Quellen
- Bundesfinanzministerium: Fragen und Antworten zur Reform der privaten Altersvorsorge
- Handelsblatt Live: Warum das AV-Depot den Markt neu sortiert
- WirtschaftsWoche: Wie lange geht die Preisschlacht ums Altersvorsorgedepot noch?
- AssCompact: Wettbewerb um Millionen Riester-Kunden beginnt jetzt
Stand: 30. September 2026
Erstellt am 02.10.2026, zuletzt aktualisiert am 02.10.2026


