Nach Buffett: So verändert Greg Abel das Berkshire-Depot

Donnerstag den 20.08.2026 - Abgelegt unter: Börse, Brokernews, International

Fast acht Monate nach der offiziellen Amtsübergabe zeigt sich zum ersten Mal in voller Deutlichkeit, wie Greg Abel als neuer CEO von Berkshire Hathaway das legendäre Aktiendepot des Konzerns steuert. Das kürzlich veröffentlichte 13F-Filing für das zweite Quartal 2026 offenbart eine deutliche Kursänderung: Die Beteiligung an Alphabet wurde massiv ausgebaut, gleichzeitig wurde Berkshire nach 14 Quartalen in Folge erstmals wieder zum Netto-Käufer von Aktien. Für Anlegerinnen und Anleger, die Buffetts Investmentphilosophie über Jahrzehnte als Kompass genutzt haben, stellt sich damit eine zentrale Frage: Setzt sein Nachfolger die Strategie fort, oder beginnt mit Abel tatsächlich eine neue Ära?

Das Wichtigste in Kürze

  • Berkshire Hathaway hat im zweiten Quartal 2026 sein US-Aktienportfolio spürbar umgeschichtet: Die Alphabet-Position wuchs kräftig und avancierte zur drittgrößten Beteiligung im Depot, während Bank of America weiter reduziert und die komplette Position an Constellation Brands aufgelöst wurde.
  • Nach 14 Quartalen, in denen der Konzern per saldo mehr verkauft als gekauft hatte, trat Berkshire erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder als Netto-Käufer auf: 23,5 Milliarden US-Dollar Zukäufe standen 3,7 Milliarden US-Dollar Verkäufen gegenüber.
  • Das Depot bleibt trotz der Umschichtungen stark von Warren Buffetts jahrzehntelangen Entscheidungen geprägt: Apple, American Express und Coca-Cola bilden weiterhin mit deutlichem Abstand die drei größten Positionen und wurden von Abel im Berichtszeitraum nicht angetastet.

Alphabet rückt in die Top-Vier des Depots vor

Das auffälligste Signal des Quartals betrifft die Google-Mutter Alphabet. Berkshire war erst 2024 eingestiegen – ein Schritt, den Buffett später öffentlich als seine eigene, persönlich gesteuerte Entscheidung bezeichnete. Im zweiten Quartal 2026 baute Abel diese Position nun drastisch aus: Bei der stimmberechtigten A-Aktie kamen rund 24,5 Millionen zusätzliche Anteile hinzu (+45 %), bei der stimmrechtslosen C-Aktie legte der Bestand sogar um mehr als 650 Prozent zu. In Summe wuchs die Alphabet-Beteiligung auf einen Marktwert von knapp 37,8 Milliarden US-Dollar und wurde damit zur drittgrößten Einzelposition des gesamten 13F-Portfolios, das zum 30. Juni rund 299,3 Milliarden US-Dollar umfasste. Bemerkenswert: Buffett selbst hatte jahrelang bedauert, bei Google nicht früher zugegriffen zu haben – 2017 sprach er offen davon, diese Chance „vergeigt“ zu haben.

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Bank of America weiter abgebaut, Constellation Brands komplett verkauft

Auf der Verkaufsseite setzte sich ein länger laufender Trend fort: Bei Bank of America reduzierte Berkshire seinen Bestand das achte Quartal in Folge, diesmal um knapp 30,2 Millionen Aktien (-5,9 %). Die Position bleibt mit rund 27,5 Milliarden US-Dollar dennoch die fünftgrößte im Portfolio. Vollständig aufgelöst wurde dagegen die noch junge Beteiligung am Spirituosen- und Weinkonzern Constellation Brands, die erst 2024 aufgebaut worden war und zuletzt unter 0,1 Prozent des Gesamtportfolios ausmachte – ein kleines, aber symbolisches Signal, dass Abel auch jüngere Positionen wieder kappt, wenn sie sich nicht wie erhofft entwickeln.

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Erstmals seit Jahren wieder Netto-Käufer

Der eigentliche Paradigmenwechsel liegt in der Gesamtbilanz: Mit Aktienkäufen von 23,5 Milliarden US-Dollar gegenüber Verkäufen von 3,7 Milliarden US-Dollar wurde Berkshire per saldo erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder zum Netto-Käufer, nach 14 Quartalen in Folge mit Verkaufsüberhang. Parallel kaufte der Konzern eigene Aktien im Volumen von 4,5 Milliarden US-Dollar zurück – der größte Quartalsrückkauf seit 2021 –, gefolgt von weiteren 3,3 Milliarden US-Dollar im Juli. Die Barreserve sank entsprechend leicht von 380,2 auf 364,7 Milliarden US-Dollar zum 30. Juni, bleibt damit aber historisch außergewöhnlich hoch.

Wie viel Abel wirklich schon eigenständig entscheidet

Formal führt Abel Berkshire seit dem 1. Januar 2026 als alleiniger CEO, nachdem Buffett die Übergabe bereits im Mai 2025 angekündigt hatte. Buffett bleibt als Chairman an Bord und ist laut eigenen Aussagen weiterhin eng eingebunden: „Ich mache nichts, das er nicht gutheißt. Er macht nichts, das ich nicht gutheiße“, beschrieb Buffett das Verhältnis kürzlich – betonte aber, Abel sei der eigentliche Entscheider. Das zeigt sich auch im Depot: Die drei größten Positionen Apple, American Express und Coca-Cola, zusammen rund die Hälfte des US-Portfolios, blieben unverändert und tragen unverkennbar Buffetts Handschrift. Nicht alle sind von der Kontinuität überzeugt: Investor Michael Burry äußerte Zweifel, ob Abel Buffetts Bewertungsdisziplin mitbringt. Kapitalmarktstrategen wie Heiko Böhmer sehen dagegen Kontinuität mit vorsichtigen Akzentverschiebungen, etwa einer möglichen stärkeren Öffnung für Investments außerhalb der USA.

Fazit

Das zweite Quartal 2026 liefert das bislang klarste Bild davon, wie Greg Abel das Berkshire-Portfolio in eigener Verantwortung steuert – eine Mischung aus Kontinuität und vorsichtiger Neuausrichtung. Die Aufstockung bei Alphabet und die Rückkehr zum Netto-Käufer deuten auf mehr Risikobereitschaft hin, als es die 14 Quartale des Verkaufsüberhangs vermuten ließen. Gleichzeitig bleiben die tragenden Säulen des Depots unangetastet und zeigen, dass Abel die von Buffett aufgebaute Kernstruktur respektiert, statt sie kurzfristig umzukrempeln. Für Anlegerinnen und Anleger, die Berkshire weiterhin als Orientierung nutzen, gilt: Der grundsätzliche Investmentstil bleibt erkennbar, doch einzelne Entscheidungen tragen zunehmend Abels eigene Handschrift.

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Weiterführende Links und Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Kursangaben und Einschätzungen basieren auf öffentlich verfügbaren Quellen zum Stand August 2026. Investitionen in Aktien sind mit Risiken verbunden – insbesondere in geopolitisch unsicheren Marktphasen.

 

Erstellt am 20.08.2026, zuletzt aktualisiert am 20.08.2026