GameStop will eBay kaufen: Der 55-Milliarden-Dollar-Coup von Ryan Cohen

Es klingt wie das Drehbuch eines Wirtschaftsthrillers – und doch ist es bitterer Ernst: GameStop, die Videospielkette, die 2021 als Meme-Stock-Phänomen weltweite Berühmtheit erlangte, will ausgerechnet eBay schlucken. Ein Konzern, der viermal so groß ist wie der Bieter selbst. Ryan Cohen, der exzentrische CEO und Großaktionär von GameStop, hat den nächsten Zug auf seinem persönlichen Schachbrett gemacht – und die Märkte stehen staunend daneben.
Das Wichtigste im Überblick
- GameStop bietet 125 US-Dollar je eBay-Aktie – je zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien – was einer Gesamtbewertung von rund 55,5 Milliarden Dollar entspricht.
- eBay hat das ungebetene Angebot offiziell bestätigt und erklärt, es habe keinerlei Vorgespräche mit GameStop gegeben; der Vorstand prüft nun den Vorschlag.
- Die eBay-Aktie legte rund 5 % zu, während die GameStop-Aktie nach der Bekanntgabe deutlich unter Druck geriet – ein klares Zeichen für Skepsis der Märkte.
Ein ungebetenes Angebot mit Sprengstoffpotenzial
Am Sonntag, dem 3. Mai 2026, reichte GameStop ein unverbindliches Übernahmeangebot für 100 % der eBay-Anteile ein. eBay, dessen Marktkapitalisierung mit rund 46 Milliarden Dollar fast viermal so hoch ist wie die von GameStop, bestätigte den Eingang des Angebots am darauffolgenden Montag.
Der Schritt kam nicht aus dem Nichts: GameStop hatte seit dem 4. Februar 2026 schrittweise eine 5-%-Beteiligung an eBay aufgebaut – über Derivate und direkten Aktienbesitz. Dass Cohen dabei zunächst still blieb, ist charakteristisch für seinen Stil. Als das Wall Street Journal am 1. Mai über seine Übernahmeabsichten berichtete, war der strategische Grundstein längst gelegt.
Sollte eBays Vorstand das Angebot ablehnen, ist Cohen nach eigenen Angaben bereit, den Deal direkt an die eBay-Aktionäre zu tragen – Branchenbeobachter werten dies als klares Signal für einen möglichen Proxy Fight.
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Cohens Strategie: Amazon Konkurrenz machen
Ryan Cohen sieht in der Kombination von GameStops rund 1.600 US-Filialen und eBays Online-Plattform das Potenzial, einen ernsthaften Rivalen für Amazon zu schaffen. „Es könnte ein echter Konkurrent für Amazon werden“, sagte Cohen gegenüber dem Wall Street Journal. Konkret benennt er vier Anwendungsfelder für das stationäre Netz: Authentifizierung von Waren, Wareneingang, Fulfillment und Live-Commerce – jenes Videoverkaufsformat, das in Asien bereits massiven Umsatz generiert, im westlichen E-Commerce aber noch erhebliches Wachstumspotenzial hat.
Die versprochenen Kosteneinsparungen von 2 Milliarden Dollar sollen laut GameStop vor allem durch Kürzungen in Vertrieb und Marketing, Produktentwicklung sowie allgemeinen Verwaltungskosten erreicht werden – und könnten das verwässerte Ergebnis je Aktie aus dem laufenden Geschäft von 4,26 Dollar auf 7,79 Dollar steigern.
Cohen selbst ist kein Unbekannter im Aufbau von E-Commerce-Strukturen: Er gründete Chewy, einen Online-Händler für Heimtierbedarf, und verkaufte das Unternehmen für 3,35 Milliarden Dollar an PetSmart. Seit September 2023 führt er GameStop als CEO und hat die Kette durch aggressive Kostensenkungen und Filialschließungen wieder in die Gewinnzone gebracht.
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Die Finanzierungslücke – das zentrale Risiko
Hier wird es heikel. GameStop plant, den Deal aus einer Kombination von Eigenkapital, Fremdfinanzierung und Aktienausgabe zu bestreiten: Rund 9,4 Milliarden Dollar liegen als Cash und liquide Mittel auf der Bilanz, ergänzt durch eine Finanzierungszusage der TD Securities über 20 Milliarden Dollar Fremdkapital.
Darüber hinaus soll laut Medienberichten auch Kapital von externen Investoren, darunter möglicherweise nahöstliche Staatsfonds, eingeworben werden. Dennoch klafft eine erhebliche Lücke: Als CNBC-Moderator Andrew Ross Sorkin die Marktkapitalisierung von GameStop, seine Cash Reserven und die TD-Finanzierung zusammenrechnete, fehlten noch rund 16 Milliarden Dollar – eine Summe, die Cohen im Interview nur vage mit möglichen Aktienneuemissionen beantwortete.
Gegenüber CNBC zeigte sich Cohen sichtlich genervt von konkreten Nachfragen zur Finanzierung und verwies die Moderatoren wiederholt auf die Unternehmenswebsite. Für Investoren ist genau dieses Verhalten ein Warnsignal: Wer 56 Milliarden Dollar bewegen will, sollte in der Lage sein, die Kapitalstruktur klar zu erläutern.
Die Prämie – und was sie wirklich bedeutet
Das Angebot von 125 Dollar je Aktie entspricht einer Prämie von 46 % auf den unbeeinflussten Schlusskurs von eBay vom 4. Februar 2026 – also auf den Kurs vor Cohens erstem heimlichen Einstieg. Gemessen am Freitags-Schlusskurs kurz vor Bekanntgabe beträgt der Aufschlag hingegen nur 20 %. Die Tatsache, dass eBay-Aktien am Montag lediglich auf rund 109 Dollar kletterten – weit unterhalb der gebotenen 125 Dollar – zeigt, dass Investoren erhebliche Zweifel hegen, ob der Deal tatsächlich zustande kommt.
Bemerkenswert ist auch ein persönlicher Interessenkonflikt Cohens: Erreicht das kombinierte Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar sowie ein kumulatives EBITDA-Ziel von 10 Milliarden Dollar, würde Cohen einem Vergütungspaket von bis zu 35 Milliarden Dollar näherkommen, auf das er vertraglich Anspruch hätte. Der Deal ist für ihn also nicht nur strategisch – er ist persönlich hochgradig lukrativ.
Was bedeutet dies für Anleger?
Die Transaktion steckt in einem sehr frühen Stadium und ist mit erheblicher Unsicherheit behaftet.
eBay-Aktionäre sitzen auf einem potenziellen Kursgewinn, sollte der Deal zu den genannten Konditionen abgeschlossen werden. Die aktuelle Marktreaktion – eBay deutlich unterhalb des Angebotspreises – spiegelt die verbreitete Skepsis wider. Wer jetzt bei eBay einsteigt und den Deal einpreist, wettet gegen den Markt.
GameStop-Aktionäre müssen mit Verwässerung rechnen. GameStops Aktie verlor am Montag mehr als 10 %, da Investoren erkannten, dass erhebliche neue Aktienemissionen zur Finanzierung erforderlich sein könnten. Hinzu kommt: Ein Scheitern des Deals würde Cohen erheblich beschädigen und die strategische Glaubwürdigkeit des Unternehmens schwächen.
Für risikobewusste Anleger gilt: Das Szenario ist binär. Entweder entsteht tatsächlich ein milliardenschwerer E-Commerce-Konzern mit echter Amazon-Konkurrenzstrategie – oder der Deal platzt an Finanzierung, Regulierung oder eBay-Widerstand, und beide Aktien korrigieren entsprechend.
Fazit
Ryan Cohen denkt groß – das ist unbestreitbar, und seine Erfolgsbilanz bei Chewy und GameStop verdient Respekt. Die Idee, eBays Marktplatz mit einem physischen Filialnetz zu verzahnen und auf Live-Commerce auszurichten, hat strategischen Kern. Doch die Finanzierungslücke ist real, das persönliche Anreizproblem ist offensichtlich, und eBay hat unmissverständlich klargestellt, dass es sich dieses Angebot nicht gewünscht hat. Ob dieser Deal Geschichte schreibt oder als spektakulär gescheiterter Versuch in die Annalen eingeht, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.
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Quellen und weiterführende Links
- Investing.com (DE): Übernahmeangebot von GameStop lässt eBay-Aktie steigen
- XTB Deutschland: GameStop Aktie – Milliarden-Deal mit eBay geplant
- derStandard.at: Gamestop will Ebay für 56 Milliarden Dollar kaufen
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Kursangaben und Einschätzungen basieren auf öffentlich verfügbaren Quellen zum Stand Mai 2026. Investitionen in Aktien sind mit Risiken verbunden – insbesondere in geopolitisch unsicheren Marktphasen.
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