Kann das Coronavirus zum Schwarzen Schwan für Anleger werden?

Dienstag den 28.01.2020 - Abgelegt unter: Brokernews

Über 70.000 Menschen haben sich inzwischen am Coronavirus (2019-nCoV) angesteckt. Der Großteil davon in China, doch inzwischen sind auch Fälle in anderen Ländern – darunter Australien, Frankreich und Deutschland – bekannt. Wie gefährlich der Virus tatsächlich ist, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Die Börsen reagierten jedoch bereits auf die steigenden Zahlen der Infizierten. Könnte sich das Coronavirus zum Schwarzen Schwan für Anleger entwickeln?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wissenschaftler erwarten bis zu 190.000 Infizierte innerhalb von 14 Tagen
  • Das Coronavirus könnte sich negativ auf die Wirtschaft in China auswirken
  • Die Börsen reagieren bereits mit Kursrückgängen

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Die Zahl der Infizierten am Coronavirus steigt weiter

Seitdem die ersten Infizierten gemeldet wurden, kamen jeden Tag neue hinzu. Vom 01.02.2020 bis zum 04.02.2020 stieg die Zahl der Infizierten von 14.642 auf 24.551.[1] Das entspricht einer Wachstumsrate von rund 19 Prozent pro Tag. Jonathan Read von der University of Lancaster und sein Team prognostizierten, in China könnten nach 14 Tagen mehr als 190.000 Menschen infiziert sein. Das entspräche einem Wachstum an Infizierten von rund 33 Prozent am Tag .[2]. Die folgende Tabelle soll helfen, einen Überblick darüber zu bekommen, was die Fortschreibung beider Zuwachsraten für die Zahl der Infizierten bis Ende Februar 2020 bedeuten würde. Dem gegenüber stellen wir täglich die tatsächlichen Zahlen:

Tag Zahl der Infizierten
(Prognose bei 33% Wachstum pro Tag)
Zahl der Infizierten
(Prognose bei 19% Wachstum pro Tag)
Tatsächliche
Anzahl
Tatsächliches Wachstum pro Tag
27.01.2020 4.474   4.474 65,70%
28.01.2020 5.950   6.057 35,38%
29.01.2020 7.914   7.783 28,46%
30.01.2020 10.526   9.776 25,61%
31.01.2020 14.000   11.791 20,61%
01.02.2020 18.620   14.642 24,18%
02.02.2020 24.765 17.405 17.405 18,87%
03.02.2020 32.937 20.712 20.624 18,49%
04.02.2020 43.806 24.647 24.551 19,04%
05.02.2020 58.262 29.330 28.282 15,24%
06.02.2020 77.488 34.903 31.485 11,33%
07.02.2020 103.059 41.535 34.954 11,02%
08.02.2020 137.068 49.427 37.555 7,44%
09.02.2020 182.300 58.818 40.540 7,99%
10.02.2020 242.459 69.993 43.111 6,34%
11.02.2020 322.470 83.292 45.188 4,82%
12.02.2020 428.885 99.117 60.332* 33,51%
13.02.2020 570.417 117.949 64.441 6,77%
14.02.2020 758.655 140.359 67.066 4,07%
15.02.2020 1.009.011 167.027 69.256 3,27%
16.02.2020 1.341.985 198.762 71.335 3,00%
17.02.2020 1.784.840 236.527 73.335 2,80%
18.02.2020 2.373.837 281.467 75.199 1,03%
19.02.2020 3.157.203 334.946 75.727 0,70%
20.02.2020 4.199.080 398.586 76.726 1,32%
21.02.2020 5.584.776 474.317 77.662 1,22%
22.02.2020 7.427.752 564.437 78.816 1,49%
23.02.2020 9.878.910 671.680 79.360 0,69%
24.02.2020 13.138.950 799.299    
25.02.2020 17.474.804 951.166    
26.02.2020 23.241.489 1.131.888    
27.02.2020 30.911.180 1.346.947    
28.02.2020 41.111.869 1.602.867    
29.02.2020 54.678.786 1.907.412    
Alle Angaben ohne Gewähr. Quelle: Johns Hopkins CSSE für tatsächliche Fallzahlen, Hochrechnungen = eigene Berechnungen, *Umstellung der Erfassungsmethode ab 13.02.2020

Wirtschaftswachstum in China könnte ins Stocken geraten

Eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus könnte starke Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft haben. Zum Beispiel die folgenden:

  • Arbeitnehmer fallen aus
  • Restaurants bleiben geschlossen
  • Der Verkehr und Handelswegen werden eingeschränkt
  • Es gibt weniger Reisende
  • Öffentliche Veranstaltungen fallen aus[3]

Die chinesische Wirtschaft wuchs zuletzt um rund 6 Prozent im Jahr. Sollte sich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft durch das Coronavirus verlangsamen, hätte das Auswirkung auf die Wirtschaft weltweit. Auch deshalb reagieren die Börsen bereits nervös.

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Die Börsen reagieren nervös

So verzeichnete beispielweise der DAX am Montag, den 27.01.2020, einen Rückgang um 2,3 Prozent. Der EuroStoxx50 erhielt ebenfalls einen Dämpfer und verlor 2,1 Prozent. Wird das Coronavirus also zum schwarzen Schwan?

Schwarze Schwäne sind Ereignisse, die extrem unwahrscheinlich sind, völlig überraschend eintreten und sich im Nachhinein einfach erklären lassen. Breitet sich das Coronavirus weiterhin mit hoher Geschwindigkeit aus und reagieren die Anleger mit Verkäufen, könnte sich das Coronavirus in der Tat zu einem solchen Schwarzen Schwan entwickeln.

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In der gesamten Woche vom 27.01.2020 bis zum 31.01.2020 verlor der DAX sogar 4 Prozent. Am Montag den 23.01.2020 stabilisierte er sich dann bei rund 13.000 Punkten. Die chinesischen Börsen hingegen starteten nicht gut in den Montag, 23.01. So gaben die Börsen in Shanghai und Shenzen um rund 9 Prozent nach.

Wichtig ist aber auch: Zieht man den Vergleich zur Sars-Epedemie 2003, zeigt sich, dass diese damals die Weltkonjunktur kaum beeinflusste. Wissenschaftler weisen außerdem darauf hin, dass die Grippewelle 2017/18 allein in Deutschland rund 25.000 Todesopfer forderte.[4]

Anleger, die sich dennoch absichern möchten, können das beispielweise mit Gold tun. Edelmetalle wie Gold gelten als Krisenwährung. Gold hat im Laufe seiner Geschichte seinen Wert nie ganz verloren. Im vergangenen Jahr konnte der Goldkurs zudem deutlich Zugewinne verzeichnen.

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Das Corona-Virus und seine Auswirkungen für Anleger – Eine Einschätzung von Solidvest by DJE Kapital AG

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Update: China pumpt 156 Milliarden Euro in den Finanzmarkt

Am 2. Februar 2020 wurde bekannt, dass Chinas Zentralbank den Geschäftsbanken rund 1,2 Billionen Yuan (ca. 156 Milliarden Euro) Liquidität zur Verfügung stellt. Die Maßnahme soll die Funktionalität des Geldmarktes in China sowie des Bankensystems während der Coronavirus-Krise sicherstellen.


Weiterführende Links

[1] arcgis.com – Coronavirus

[2] Scinexx – Coronavirus: Nur die Spitze des Eisbergs?

[3] Welt – Jetzt zittert die Welt vor dem „Schwarzer Schwan“-Effekt

[4] Ärzteblatt – Grippewelle

SZ – Chinas Aktienkurse fallen um neun Prozent