Brexit sorgt für Chaos an den Märkten – Black Friday

Freitag den 24.06.2016 - Abgelegt unter: Brokernews

Noch um 23:17 Uhr, nachdem die Wahllokale bereits geschlossen hatten, hieß es am Donnerstag in einer Eilmeldung des Handelsblattes: „Umfrage deutet auf Sieg der EU-Befürworter hin“. [1]  Es war die letzte Meldung dieser Art und sie reiht sich ein in die Nachrichten, die in den letzten Wochen die Stimmung geprägt haben. Knapp würde das Referendum sein, darin waren sich alle Kommentatoren einig – jedoch knapp zu Gunsten der Befürworter. Ausgerechnet ein Todesfall ließ die Anleger an den Börsen endgültig glauben, der Brexit sei unmöglich. Nachdem die britische Politikerin Jo Cox von einem Brexit-Befürworter am 16. Juni ermordet worden war, stiegen die Kurse deutlich an, der DAX gewann um knapp 9 Prozent.

Heute hat sich gezeigt, das Referendum war knapp, durchgesetzt haben sich aber die Brexit-Befürworter. Nach aktuellem Stand sprachen sich 51,9 Prozent für einen Austritt Großbritanniens aus der EU aus. [2]

Wie verlief der frühe Morgen?

Das sorgte am Morgen für viel Unruhe. Zwei Stunden vor Handelsbeginn taxierte der Broker IG den deutschen Leitindex bereits um 8 Prozent tiefer bei 9435 Punkten.[3] Wer um 9 Uhr dann selbst die Kurse prüfen wollte, musste feststellen: Auf vielen Internetseiten zum Thema herrschte so viel traffic, dass es kaum möglich war, sie zu erreichen. Und die community von wallstreet-online.de berichtete, einige Kunden hätten keinen Zugriff auf ihre Online-Depots.[4] Vieles deutete auf einen Black Friday hin.

Welche Auswirkungen hat das Votum auf die Kurse?

Der DAX mit 1.000 Punkten Verlust

Als der Handel tatsächlich begann, verlor der DAX 1.000 Punkte. Der Tiefstand lag bei 9232,60. Das ist der größte Einbruch seit 25 Jahren. Der bisher größte war 1989, wie die dpa-AFX berichtet, damals sank der Kurs um 12,81 Prozent. Der DAX müsste jedoch deutlich unter 9.000 Punkte fallen, damit es so schlimm würde wie damals. [5]

Diese Grafik zeigt den Kurs des DAX nach dem Brexit-Referendum

 

Das Britische Pfund auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren

Auch bei den Währungen sind die Auswirkungen bereits zu spüren. Am schlimmsten trifft es die Briten selbst. Das Pfund fiel auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren. Die Investmentbank Morgan Stanley geht davon aus, dass der Kurs sogar noch weiter sinkt: auf 1,25 bis 1,30 Dollar für das Pfund Sterling. [6]

Surftipp: So sichern sich CFD- und Forex-Broker gegen den Brexit »

Der Euro bricht um 4,1 Prozent ein

Auch den Euro trifft es hart. Er brach um 4,1 Prozentpunkte ein. Damit ist er 1,0914 Dollar wert. Einen solchen Rutsch gab es noch nie, seit der Euro eingeführt wurde. [7]

Diese Grafik zeigt den Kurs des Euros zum US-Dollar nach dem Brexit-Referendum

Die Grafik zeigt den Kurs des Euros zum US-Dollar nach dem Brexit-Referendum

Der Goldkurs steigt

Wie bei den meisten Krisen gibt es jedoch auch Profiteure. In diesem Fall ist es der Goldmarkt. Gold gilt allgemein als sicherer Hafen für viele Anleger. Es zeigt sich ausgesprochen krisenresistent. Seit Jahrhunderten wird es als Zahlungsmittel genutzt und hat seinen Wert seither nie verloren. Es ist also wenig verwunderlich, dass Anleger auch jetzt auf das Edelmetall setzen. Am Morgen erreichte es den höchsten Stand seit August 2014. Der Kurs stieg um fast 5 Prozent an. [8]

Diese Grafik zeigt den Kurs des Goldes nach dem Brexit-Referendum

Aureus Golddepot - Jetzt in Gold anlegen »

Was bedeutet das für die Zukunft?

Noch ist der Austritt der Briten aus der EU nicht offiziell. Bevor es dazu kommen kann, muss dieser schriftlich erklärt werden. Ist das passiert, gelten die EU-Regeln dennoch weitere zwei Jahre.

Nach der schriftlichen Erkärung des Austritts muss das Verhältnis der EU zu Großbritannien neu geregelt werden. Die bisherigen Handelsprivilegien wird das Land nach Ablauf der beiden Jahre verlieren. Möglich wäre, Großbritannien einen Sonderstatus ähnlich dem der Schweiz einzuräumen. Können sich die EU-Staaten jedoch nicht einigen, müssten am Ende wieder Zölle eingeführt werden.

Auch auf den Finanzmarktplatz London kommen höchstwahrscheinlich Veränderungen zu. Dort sitzen viele große Broker und Fintechs, die von der EU-Mitgliedschaft profitiert haben. Gut möglich, dass sich einige von ihnen entscheiden, ihren Sitz von der Insel wegzuverlegen.


[1] http://www.handelsblatt.com/politik/international/brexit-referendum/brexit-liveblog/liveblog-aus-london-endergebnis-briten-stimmen-fuer-eu-austritt/13781226.html

[2] http://www.spiegel.de/politik/ausland/brexit-die-ergebnisse-in-einer-karte-a-1099133.html

[3] http://www.dpa-afx.de/

[4] http://www.wallstreet-online.de/

[5] Siehe Fußnote 3

[6] http://www.n-tv.de/wirtschaft/Pfund-sackt-auf-tiefsten-Stand-seit-40-Jahren-article18030911.html

[7] http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/marktberichte/boerse-frankfurt-schwarzer-freitag-fuer-den-dax/13781830.html

[8] http://www.spiegel.de/politik/ausland/brexit-referendum-in-grossbritannien-live-ergebnisse-der-nacht-a-1099479.html

Zuletzt aktualisiert am 28.06.2016