Welche Risiken haben Aktien? 

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Sie möchten Ihr Geld langfristig ertragreich anlegen? Dann kommen Sie an Aktien nicht vorbei. Rückblickend brachte keine andere Anlageform bisher höhere Renditen.

 Mit Aktien partizipieren an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens durch Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen.

 Als Anleger sollten Sie sich jedoch nicht nur über die Chancen, sondern auch über mögliche Risiken informieren. Welchen Risiken ein Aktieninvestment ausgesetzt ist und warum Aktien langfristig sicherer als gedacht sind, erfahren Sie in folgendem Beitrag.

 

Was versteht man im Allgemeinen unter Anlagerisiko?

Viele Anleger sprechen vom Anlagerisiko, wenn die Kurse von Aktien oder anderen Wertpapieren fallen anstatt zu steigen, d.h. wenn es anders kommt als erwartet.

Risiko wird demzufolge als die Gefahr von Kursverlusten verstanden. Aus welchen Gründen Aktienkurse steigen bzw. fallen, kann hier noch einmal nachgelesen werden.

Welche einzelnen Risikoarten gibt es?

Die 6 wichtigsten Basis-Risiken, die alle Wertpapieranlagen betreffen

Im Folgenden werden zunächst typische Basis-Risiken beschrieben, die nicht nur für Aktien sondern im Wesentlichen für alle Wertpapieranlagen zutreffen:

1. Inflation

Inflation bedeutet, dass die Preise auf breiter Front steigen-, bzw. umgekehrt, dass Geld jährlich an Wert verliert. Das Inflationsrisiko entsteht genau dann, wenn die (nominale) Rendite der Geldanlage kleiner als die Inflationsrate ist.

Wird zum Beispiel ein Tagesgeldkonto mit 0,5 Prozent verzinst und die Inflationsrate beträgt 2 Prozent, verliert der Anleger jedes Jahr 1,5 Prozent von seinem Vermögen. Deswegen ist es sinnvoll nicht die Nominalrendite sondern die Realrendite zu betrachten. Welche langfristigen Konsequenzen sich daraus für die Vermögensanlage ergeben können wird hier ausführlich erläutert.

2. Konjunkturzyklus

Jede Wirtschaft entwickelt sich in konjunkturellen Zyklen. Im Allgemeinen werden die Phasen

  • Aufschwung,
  • Boom,
  • Abschwung und
  • Depression unterschieden.

Die meisten Unternehmen können sich ungünstigen Konjunkturphasen schwer entziehen, so dass die Veränderungen auch (negative) Auswirkungen auf die Kursentwicklungen von Aktien bedeuten.

3.) Währungsrisiko

Ein Währungsrisiko entsteht, wenn Wertpapiere in fremder Währung gehalten werden und der Devisenkurs dieser Währung sinkt. Dann verlieren auch die in dieser Währung gehaltenen Wertpapiere an Wert.

4.) Stabilität einzelner Länder

Wenn wirtschaftliche oder politische Instabilität dazu führen, dass Zahlungen ins Ausland eingestellt werden, spricht man von Länderrisiko. Alle Anleger, die in Wertpapiere des betroffenen Landes investiert sind, sind von diesem Risiko betroffen.

5.) Steuerliche Gesetzgebung

Alle Kapitalerträge sind steuerpflichtig. Verändert sich die steuerliche Gesetzgebung kann sich dies auch nachteilig auf die Wertpapieranlage auswirken.

6.) Liquiditätsrisiko

Findet sich zu einem Wertpapierverkauf kein passender Käufer spricht man von einem Liquiditätsrisiko, da in diesem Zeitpunkt das Wertpapier nicht liquidiert werden kann.

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So riskant sind Aktien: Spezielle Risiken

Neben den so genannten Basisrisiken, von denen alle Wertpapieranlagen betroffen sind, gibt es Risiken, die speziell auf Aktien zutreffen.

1.) Unternehmerische Entwicklung

Der Aktionär tritt gegenüber der Gesellschaft nicht als Gläubiger auf, er ist vielmehr als mit seinen Aktien Bestandteil des Eigenkapitals Mitinhaber der Aktiengesellschaft und somit unmittelbar an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens beteiligt. Der Investor ist de facto Unternehmer, der sowohl mit Chancen aber auch mit Risiken in Form von Kursgewinnen bzw. Kursverlusten konfrontiert werden kann. 

Das Risiko des Aktionärs besteht darin, dass sich die wirtschaftliche Situation der Aktiengesellschaft anders entwickeln kann als ursprünglich angenommen. Unternehmerische Entwicklungen sind schwierig vorauszusagen.

Empfindlichstes Risiko: mögliche Insolvenz 

Als sogenanntes worst case scenario bedeutet ein Insolvenzverfahren den Totalverlust des eingesetzten Kapitals, die Aktie wird wertlos. Im Insolvenzfall einer Aktiengesellschaft hat der Aktionär erst Anspruch auf Liquidationserlös, wenn alle Ansprüche der Gläubiger befriedigt worden sind. 

2.) Risiko von Kursschwankungen

Die beiden unterschiedlichen Risikofaktoren, das allgemeine Marktrisiko und das unternehmensspezifische Risiko, können Einfluss auf den Kurs der erworbenen Aktie nehmen. 

Der Aktienmarkt wird durch das wirtschaftliche Umfeld wie die Unsicherheit des wirtschaftlichen Wachstums, Inflation, Zinsen, Devisenkurse und Wirtschaftsdaten beeinflusst. Diese Bewegungen werden als Marktrisiko bezeichnet, die sich auf den Kurs der Aktien auswirkt. Einige Unternehmen sind dem Marktrisiko stärker ausgesetzt als andere. 

Das unternehmensspezifische Risiko besteht darin, dass durch menschliche Fehlentscheidungen im Management der Gesellschaften auf veränderte Strömungen des Marktes fehlerhaft oder komplett falsch reagiert wird.

Langfristig sind die Kursveränderungen also von der Ertragslage des jeweiligen Unternehmens abhängig. Kurz- bis mittelfristig lösen sich jedoch steigende und fallende Kurse ab, die sich nicht vorhersehen lassen. Diese Schwankungen werden als Volatilität beschrieben. Sie können für die Vergangenheit gemessen werden: Je höher die Kursauschläge sind umso höher ist auch die Volatilität.

3.) Psychologie der Marktteilnehmer

Kursveränderungen am Aktienmarkt sind in hohem Maße von den Emotionen und der Psychologie des Börsenpublikums abhängig. Nicht immer werden Anlageentscheidungen rational getroffen. Marktteilnehmer neigen in Zeiträumen stark steigender Aktienkurse dazu, Vertrauen in die Anlageform zu gewinnen und nach Trendfolgeprinzipien unablässig Kapital in bestimmte Aktien zu investieren. Umgekehrt werden negative Trends ebenso hartnäckig verfolgt. 

Die ökonomische Wirklichkeit spielt hierbei nur eine zweitrangige Rolle. Das Risiko, dem die Anleger ausgesetzt sind, ist, dass es durch Massen-psychologisches Verhalten des Börsenpublikums durch Hoffnungen, Ängste oder Vermutungen zu übertriebenen Kursreaktionen kommt. Stimmungen, Meinungen und Gerüchte können also irrationale Entscheidungen und nicht begründbare Kursbewegungen auslösen.

4.) Risiko: Höhe der Dividende  

Die Gewinnausschüttung an die Aktionäre, die in Form einer Dividende vorgenommen wird, richtet sich in erster Linie nach dem von Aktiengesellschaft erwirtschafteten Gewinn. Die einfache Rechnung lautet: Steigt der Gewinn, steigt auch die Dividende. Fällt der Gewinn in einem Geschäftsjahr, kann die Gewinnausschüttung gekürzt oder gänzlich gestrichen werden. 

Eine über Jahre fortdauernde Dividendenausschüttung darf nicht alleiniger Grund zum Kauf einer Aktie sein, da sie noch lange keine Garantie für eine weitere Dividendenausschüttung in der Zukunft bedeutet. 

Wie setzt sich die Wissenschaft mit dem Thema Risiko auseinander

Risikostreuung: „Lege niemals alle Eier in einen Korb!“

Das Anlagerisiko ist seit langer Zeit Forschungsgegenstand der Wirtschaftswissenschaften. Die richtige Basis der Kapitalmarktforschung gelang jedoch erst in den 50er Jahren mit der modernen Portfoliotheorie von Harry Markowitz. Seiner Meinung nach steht das Risiko unmittelbar mit dem Ertrag in Zusammenhang und wird damit messbar.

Markowitz unterschied zwei Risiken:

  1. Das Risiko eines einzelnen Wertpapiers sowie
  2. das Gesamtrisiko, dass eine Gruppe von Wertpapieren aufweist.

Er zeigte, dass sich das Gesamtrisiko mindern lässt durch die Kombination von Wertpapieren, die voneinander unabhängige Risiken ausweisen. Damit wurde die theoretisch wissenschaftliche Grundlage der Diversifizierung gebildet. Zudem indirekt ein Beweis geliefert, dass mit steigendem Risiko auch die erwartete Rendite steigen sollte.

Die Lehre der modernen Portfoliotheorie von Markowitz kann auch mit der Lebensweisheit: „Lege niemals alle Eier in einen Korb!“ umschrieben werden. Wer in seinem Depot folglich verschiedene Aktien bzw. Wertpapierarten kombiniert, deren Kursentwicklung kaum voneinander abhängen, kann das Risiko minimieren.

Ein Beispiel wäre die Investition von Aktien verschiedener Länder, Währungen oder Branchen. Des Weiteren könnten neben der Investition in Aktien in weitere Anlageklassen wie zum Beispiel Immobilien oder Anleihen investiert werden um das Risiko zu mindern.

Das Standardmaß der Risikobewertung: Der VaR – Value at Risk

In den Neunziger Jahren hat sich mit dem so genannten „Value-at-Risk“ (VaR) ein Standardrisikomaß in der Finanzbranche durchgesetzt. Der VaR misst – einfach ausgedrückt – den höchsten absolut zu erwartenden Verlust in einem bestimmten Zeitraum und Eintrittswahrscheinlichkeit.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Risikomaße aus der Wissenschaft vor allem auf Auswirkungen von Kursschwankungen abzielen. Wie oben beschrieben, gibt es noch zahlreiche weitere Risiken, die nicht mit in die Betrachtung einfließen. Grundsätzlich liefern die wissenschaftlichen Theorien jedoch die wichtige Erkenntnis, der Minimierung von Anlagerisiken durch breit gestreute Portfolios.

So viele Risiken, dann greife ich doch lieber zum Sparbuch oder Tagesgeld

Sparbücher und Tagesgeldanlagen sind die beliebtesten Anlageformen der Deutschen und gelten als sichere Anlagen.

Da die Sparzinsen jedoch indirekt von den Leitzinsen abhängen, führt die aktuelle Niedrigzinspolitik der EZB dazu, dass die Inflation höher ausfällt als die (nominalen) Zinsen, so dass die realen Renditen negativ werden.

Mit dem Tagesgeldkonto verbrennen Sie (real) Geld

Hier kann noch einmal nachgelesen werden, dass es in den letzten beiden Jahren nur durch sogenanntes Tagesgeld Hopping möglich war eine positive Rendite zu erwirtschaften. Alle Bestandskunden mussten eine negative Realverzinsung hinnehmen.

Mit dem Sparbuch wurde das Geld (real) noch weniger

Während Tagesgeldkonten derzeit durchschnittlich Zinsen in Höhe von 0,6 % abwerfen, ist es auf Sparbüchern nur noch ein Bruchteil dessen. Jeder Euro, der in einem Sparbuch steckt verliert so jedes Jahr an Wert.

Aktien sind langfristig sicherer als gedacht

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) veröffentlicht Jahr für Jahr das so genannte DAX-Rendite-Dreieck und visualisiert die durchschnittlichen Jahresrenditen deutscher Standardwerte der letzten 50 Jahre.

In diesem Dreieck werden die jeweiligen Jahresrenditen durch unterschiedliche Farben ausgewiesen. Positive Renditen werden grün, negative Renditen rot dargestellt.

Eindeutig ist erkennbar, dass es bei

  • kurzfristigen Anlagezeiträumen zu teilweise starken Schwankungen und damit auch zu Verlusten kommen kann.
  • Anlagezeiträume über 10 Jahre weisen dagegen kaum negative Renditen auf.
  • Langfristig, das heißt über 15 Jahre, wurden im Dax zu keiner Zeit negative Renditen eingefahren.

Einer der ungünstigsten Einstiegszeitpunkte der jüngeren Vergangenheit war Ende 2007 kurz vor dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise. Dax Investoren mussten innerhalb eines Jahres über 40 % Kursverluste hinnehmen.

Derjenige, der ein Jahr länger durchhielt verminderte die durchschnittliche Rendite auf – 14 %. Wer die Aktien bis Ende 2013 hielt erzielte in diesem Zeitraum, trotz Jahrhundertcrashs, eine durchschnittliche jährliche Rendite von 2,9 %.

Fazit

Kurzfristig betrachtet sind die Risiken von Aktien nicht zu verleugnen. Vor allem das Risiko der Kursschwankungen wird von Anlegern besonders gefürchtet.

Jedoch wurden die zum Teil drastischen Kursverluste langfristig mehr als wettgemacht, sofern der Anleger nicht den Mut verlor und mitten im Crash verkaufte.

Zur Senkung des Risikos ist also ein langer Atem notwendig. Genau diese Eigenschaft sollte jeder Aktionär mitbringen. Dann sind Renditen möglich, die nachweislich von keiner anderen Geldanlage erreicht werden.



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