Reaktion der Börse auf Leitzinsänderungen

Die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve und die Bank of England – weltweit haben Zentralbanken in den letzten Monaten die Leitzinsen angepasst. Diese Entscheidungen beeinflussen die Finanzmärkte erheblich, da die Leitzinsen die Kosten der Kreditaufnahme für Unternehmen direkt bestimmen. Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung, was Unternehmen belasten und Investitionen senken kann. Sinkende Zinsen hingegen fördern wirtschaftliches Wachstum und wirken oft stimulierend auf den Aktienmarkt. In diesem Ratgeber analysieren wir, wie sich Leitzinsänderungen seit 2008 auf verschiedene Indizes ausgewirkt haben und ob wiederkehrende Muster dabei erkennbar sind.
Das Wichtigste im Überblick:
- EZB, Fed oder BoE – Zentralbanken weltweit haben in den letzten Monaten die Leitzinsen angepasst.
- Die Leitzinsänderungen haben sich auch auf die Kurse von Aktien, ETFs und ganzen Indizes ausgewirkt.
- Steigende Zinsen sind meist ein Hinweis auf einen folgenden Bärenmarkt, sinkende Leitzinsen können Aktienkurse beflügeln.
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Inhaltsverzeichnis
Leitzins der EZB – aktuelle Entwicklung
Nach mehreren Zinssenkungen im Jahr 2025 hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik 2026 wieder gestrafft. Bereits im Juni erhöhte sie die drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte. Bei ihrer Sitzung am 10. September 2026 folgte eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte. Hintergrund sind anhaltende Inflationsrisiken, unter anderem infolge höherer Energiepreise. Die EZB betont weiterhin, ihre geldpolitischen Entscheidungen datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung zu treffen.
Seit dem 16. September 2026 gelten in der Eurozone folgende Leitzinsen:
- Hauptrefinanzierungssatz der EZB: 2,65 Prozent
- Zinssatz der Einlagefazilität: 2,50 Prozent
- Spitzenrefinanzierungsfazilität: 2,90 Prozent
Und wie geht es weiter? Die weitere Entwicklung der Leitzinsen hängt vor allem von den Inflationsaussichten, der wirtschaftlichen Entwicklung und geopolitischen Risiken ab. Die EZB strebt weiterhin eine Inflationsrate von zwei Prozent auf mittlere Sicht an. Nach den aktuellen Projektionen dürfte die Inflation jedoch noch längere Zeit über diesem Ziel liegen. Für 2026 erwartet die Notenbank im Durchschnitt 3,0 Prozent, für 2027 2,5 Prozent und für 2028 2,1 Prozent.
Die EZB legt sich dabei nicht auf einen bestimmten Zinspfad fest. Weitere Entscheidungen sollen von Sitzung zu Sitzung anhand der aktuellen Wirtschafts- und Inflationsdaten getroffen werden. Bleibt der Preisdruck hoch, könnten die Leitzinsen länger auf einem erhöhten Niveau bleiben oder erneut angehoben werden. Lässt der Inflationsdruck dagegen nach, wären zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder Zinssenkungen möglich.
Leitzinsen international: Fed und BoE
Auch die Federal Reserve und die Bank of England stehen 2026 vor anhaltendem Inflationsdruck. Während beide Notenbanken ihre Leitzinsen 2024 und 2025 schrittweise gesenkt hatten, hat sich der geldpolitische Kurs zuletzt wieder verändert. Höhere Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten haben die Inflationsrisiken erneut erhöht.
Die Federal Reserve (Fed) hat den Zielkorridor für die Federal Funds Rate am 16. September 2026 um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Nach Einschätzung der Fed wächst die US-Wirtschaft weiterhin solide, während die Inflation erhöht bleibt. Die Notenbank begründete den Zinsschritt mit dem Ziel, die Inflation wieder näher an die Marke von zwei Prozent zu bringen.
Die Bank of England (BoE) beließ ihren Leitzins bei ihrer September-Sitzung bei 3,75 Prozent. Die britische Inflationsrate lag im August bei 3,1 Prozent und dürfte nach Einschätzung der Notenbank aufgrund höherer Energiepreise zunächst weiter steigen. Weitere geldpolitische Schritte hängen insbesondere davon ab, wie lange der Preisdruck anhält und wie stark er sich auf Löhne und andere Preise überträgt.
- Aktueller Zielkorridor Federal Reserve (Fed): 3,75 bis 4,00 Prozent
- Aktueller Leitzins Bank of England (BoE): 3,75 Prozent
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Reaktionen von Indizes auf Leitzinsänderungen
Im Folgenden betrachten wir die Reaktion von Indizes wie dem DAX, dem Dow Jones oder dem S&P500, wenn sich die Leitzinsen der entsprechenden Zentralbanken gesenkt oder erhöht haben. Dabei betrachten wir alle Leitzinsänderungen der EZB, der BoE und der Fed seit dem Jahr 2008 bis 2026.
| Zentralbank | Index | Anzahl Senkungen | 1 Woche später (Minus/Plus) | 6 Monate später (Minus/Plus) | 12 Monate später (Minus/Plus) |
|---|---|---|---|---|---|
| EZB | DAX | 23 | 13 x Minus / 10 x Plus | 3 x Minus / 20 x Plus | 0 x Minus / 23 x Plus |
| EZB | Euro Stoxx 50 | 23 | 12 x Minus / 11 x Plus | 7 x Minus / 16 x Plus | 1 x Minus / 22 x Plus |
| Bank of England | FTSE 100 | 17 | 7 x Minus / 10 x Plus | 4 x Minus / 13 x Plus | 2 x Minus / 14 x Plus |
| Fed | Dow Jones | 18 | 10 x Minus / 8 x Plus | 14 x Minus / 4 x Plus | 7 x Minus / 9 x Plus |
| Fed | S&P 500 | 18 | 9 x Minus / 9 x Plus | 11 x Minus / 7 x Plus | 4 x Minus / 12 x Plus |
| Quelle: Eigene Berechnungen, comdirect.de / Betrachtungszeitraum: seit 2008 / Stand: 09.2026 | |||||
Reaktion auf Zinssenkungen der EZB
- DAX: Nach 23 Zinssenkungen zeigte der DAX kurzfristig eine gemischte Reaktion. Eine Woche später notierte er 13-mal im Minus und zehnmal im Plus. Langfristig fiel das Ergebnis eindeutig positiv aus: Nach sechs Monaten lag der DAX in 20 von 23 Fällen im Plus. Zwölf Monate nach den Zinssenkungen verzeichnete er sogar in allen 23 Fällen einen Kursgewinn.
- Euro Stoxx 50: Beim Euro Stoxx 50 fiel die kurzfristige Reaktion ebenfalls uneinheitlich aus. Eine Woche nach den 23 Zinssenkungen notierte der Index zwölfmal im Minus und elfmal im Plus. Nach sechs Monaten lag er in 16 Fällen im Plus und siebenmal im Minus. Zwölf Monate später standen 22 positive Entwicklungen nur einem Minus gegenüber.
Reaktion auf Zinssenkungen der BoE
- FTSE 100: Nach den 17 Zinssenkungen der Bank of England reagierte der FTSE 100 kurzfristig überwiegend positiv. Eine Woche später notierte er zehnmal im Plus und siebenmal im Minus. Nach sechs Monaten standen 13 Kursgewinne vier Kursverlusten gegenüber. Für den Zwölf-Monats-Zeitraum lassen sich bislang 16 Zinssenkungen vollständig auswerten: In 13 Fällen lag der Index im Plus und in vier Fällen im Minus.
Reaktion auf Zinssenkungen der Fed
- Dow Jones: Der Dow Jones reagierte auf die 18 Zinssenkungen der Fed vergleichsweise häufig mit Kursverlusten. Sowohl nach einer Woche als auch nach sechs Monaten notierte er häufiger im Minus und als im Plus. Für den Zwölf-Monats-Zeitraum sind bislang 17 Senkungen auswertbar. Dabei überwogen die positiven Entwicklungen knapp: zehnmal Plus gegenüber siebenmal Minus.
- S&P 500: Beim S&P 500 fiel das Bild ähnlich aus. Sechs Monate nach den 18 Zinssenkungen verzeichnete der Index jeweils mehr Minus als Plus. Nach zwölf Monaten zeigte sich dagegen eine deutlich positivere Entwicklung: Von den bislang 16 auswertbaren Zinssenkungen führten 12 zu Kursgewinnen und vier zu Kursverlusten.
| Zentralbank | Index | Anzahl Erhöhungen | 1 Woche später (Minus/Plus) | 6 Monate später (Minus/Plus) | 12 Monate später (Minus/Plus) |
|---|---|---|---|---|---|
| EZB | DAX | 14 | 8 x Minus / 6 x Plus | 3 x Minus / 9 x Plus | 2 x Minus / 10 x Plus |
| EZB | Euro Stoxx 50 | 14 | 5 x Minus / 9 x Plus | 3 x Minus / 9 x Plus | 2 x Minus / 10 x Plus |
| Bank of England | FTSE 100 | 16 | 4 x Minus / 12 x Plus | 7 x Minus / 9 x Plus | 4 x Minus / 12 x Plus |
| Fed | Dow Jones | 20 | 10 x Minus / 10 x Plus | 5 x Minus / 14 x Plus | 3 x Minus / 16 x Plus |
| Fed | S&P 500 | 20 | 12 x Minus / 8 x Plus | 4 x Minus / 15 x Plus | 3 x Minus / 16 x Plus |
| Quelle: Eigene Berechnungen, comdirect.de / Betrachtungszeitraum: seit 2008 / Stand: 09.2026 | |||||
Reaktion auf Zinserhöhungen der EZB
- DAX: Nach den 14 Zinserhöhungen reagierte der DAX kurzfristig überwiegend negativ. Eine Woche später notierte er achtmal im Minus und sechsmal im Plus. Für den Zeitraum von zwölf Monaten sind bislang zwölf Erhöhungen vollständig auswertbar. Dabei überwogen die positiven Entwicklungen deutlich: Der DAX lag zehnmal im Plus und nur zweimal im Minus.
- Euro Stoxx 50: Der Euro Stoxx 50 reagierte kurzfristig überwiegend positiv. Eine Woche nach den 14 Zinserhöhungen notierte der Index fünfmal im Minus und neunmal im Plus. Zwölf Monate nach den bislang zwölf vollständig auswertbaren Erhöhungen standen zehn positive Entwicklungen nur zwei negativen gegenüber.
Reaktion auf Zinserhöhungen der BoE
- FTSE 100: Von den 16 Zinserhöhungen der Bank of England führten zwölf innerhalb einer Woche zu Kursgewinnen, während der FTSE 100 viermal im Minus lag. Nach sechs Monaten standen neun positive Entwicklungen sieben negativen gegenüber. Zwölf Monate später überwogen die Kursgewinne deutlich: Der Index notierte zwölfmal im Plus und viermal im Minus.
Reaktion auf Zinserhöhungen der Fed
- Dow Jones: Die kurzfristigen Reaktionen auf die 20 Zinserhöhungen der Fed waren ausgeglichen: Eine Woche später notierte der Dow Jones zehnmal im Minus und zehnmal im Plus. Für die jüngste Zinserhöhung liegen noch keine vollständigen Zwölfmonatsdaten vor. Bei den bislang 19 auswertbaren Erhöhungen standen nach zwölf Monaten 16 Kursgewinne nur drei Kursverlusten gegenüber.
- S&P 500: Der S&P 500 reagierte kurzfristig häufiger negativ. Eine Woche nach den 20 Zinserhöhungen lag der Index zwölfmal im Minus und achtmal im Plus. Für die jüngste Zinserhöhung liegen noch keine vollständigen Zwölfmonatsdaten vor. Bei den bislang 19 auswertbaren Erhöhungen verzeichnete der Index nach zwölf Monaten 16-mal einen Kursgewinn und nur dreimal einen Kursverlust.
Update: Reaktion von Indizes auf die jüngsten Leitzinsentscheidungen (Stand 09.2026)
10.09.2026: EZB erhöht die Leitzinsen
Die EZB erhöhte ihre drei Leitzinsen erneut um jeweils 25 Basispunkte. Seit dem 16. September 2026 liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent, die Einlagefazilität bei 2,50 Prozent und die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,90 Prozent. Der DAX lag eine Woche nach der Entscheidung rund 0,5 Prozent unter seinem Stand vom 10. September.
17.09.2026: Bank of England lässt den Leitzins unverändert
Die Bank of England beließ die Bank Rate bei 3,75 Prozent. Sechs Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses stimmten für unveränderte Zinsen, drei Mitglieder für eine Anhebung auf 4,00 Prozent. Damit setzte die BoE ihren seit Dezember 2025 geltenden Zinssatz fort. Der FTSE100 zeigte sich von dem Ergebnis unbeeindruckt und konnte nur kurzzeitig etwas zulegen.
16.09.2026: Fed erhöht den Leitzins
Die US-Notenbank erhöhte den Zielkorridor für die Federal Funds Rate um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Eine Woche nach der Entscheidung lag der Dow Jones mit rund 0,1 Prozent leicht im Plus. Der S&P 500 legte im gleichen Zeitraum um rund 2,0 Prozent zu.
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Risikohinweis: Die Investition in Wertpapiere birgt verschiedene Risiken.
DAX40
| Reaktionen des DAX auf Leitzinsänderungen der EZB | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Datum | Leitzins | Zinsänderung | Veränderung beim DAX40 | |||
| 1 Woche | 1 Monat | 6 Monate | 12 Monate | |||
| 08.10.2008 | 3,75% | -0,5 | -3,03% | 0,24% | -13,08% | 8,07% |
| 06.11.2008 | 3,25% | -0,5 | -3,41% | -8,98% | -0,20% | 14,02% |
| 04.12.2008 | 2,50% | -0,75 | 4,45% | 8,96% | 10,97% | 27,46% |
| 15.01.2009 | 2,00% | -0,5 | -2,71% | 1,77% | 14,31% | 35,49% |
| 05.03.2009 | 1,50% | -0,5 | 7,06% | 18,66% | 43,46% | 59,04% |
| 02.04.2009 | 1,25% | -0,25 | 2,49% | 8,84% | 26,76% | 42,30% |
| 07.05.2009 | 1,00% | -0,25 | -1,37% | 5,68% | 14,09% | 18,96% |
| 07.04.2011 | 1,25% | 0,25 | -0,45% | 4,37% | -21,36% | -5,62% |
| 07.07.2011 | 1,50% | 0,25 | -3,44% | -16,53% | -18,41% | -14,21% |
| 03.11.2011 | 1,25% | -0,25 | -4,33% | -0,86% | 9,15% | 20,07% |
| 08.12.2011 | 1,00% | -0,25 | -2,45% | 3,12% | 4,59% | 27,97% |
| 05.07.2012 | 0,75% | -0,25 | -1,78% | 5,05% | 18,68% | 19,44% |
| 02.05.2013 | 0,50% | -0,25 | 3,78% | 4,86% | 13,47% | 20,02% |
| 07.11.2013 | 0,25% | -0,25 | 0,76% | 1,01% | 5,80% | 2,32% |
| 05.06.2014 | 0,15% | -0,1 | -0,09% | 0,62% | -0,97% | 12,56% |
| 04.09.2014 | 0,05% | -0,1 | -0,34% | -5,44% | 18,30% | 3,23% |
| 10.03.2016 | 0,00% | -0,05 | 4,15% | 1,31% | 12,39% | 25,95% |
| 27.07.2022 | 0,50% | 0,50 | 4,10% | -2,08% | 15,10% | 24,64% |
| 14.09.2022 | 1,25% | 0,75 | -2,00% | -4,53% | 15,26% | 20,16% |
| 02.11.2022 | 2,00% | 0,75 | 3,10% | 9,60% | 20,32% | 14,23% |
| 21.12.2022 | 2,50% | 0,50 | -1,22% | 6,64% | 13,66% | 18,37% |
| 08.02.2023 | 3,00% | 0,50 | 0,61% | 1,43% | 2,35% | 10,18% |
| 22.03.2023 | 3,50% | 0,50 | 0,45% | 4,01% | 1,97% | 19,98% |
| 10.05.2023 | 3,75% | 0,25 | 0,34% | 0,34% | -3,77% | 18,13% |
| 21.06.2023 | 4,00% | 0,25 | -0,46% | 0,96% | 4,15% | 13,45% |
| 02.08.2023 | 4,25% | 0,25 | 0,14% | -1,12% | 5,63% | 10,2% |
| 20.09.2023 | 4,50% | 0,25 | -3,04% | -5,29% | 14,72% | 19,21% |
| 12.06.2024 | 4,25% | -0,25 | -3,02% | 0,64% | 9,63% | 27,59% |
| 18.09.2024 | 3,65% | -0,60 | 1,10% | 5,05% | 24,95% | 26,52% |
| 23.10.2024 | 3,40% | -0,25 | -0,62% | -0,28% | 13,34% | 13,69% |
| 18.12.2024 | 3,15% | -0,25 | -1,28% | 3,26% | 16,95% | 19,55% |
| 05.02.2025 | 2,90% | -0,25 | 2,60% | 6,93% | 10,47% | 13,46% |
| 12.03.2025 | 2,65% | -0,25 | 2,70% | -10,15% | 4,51% | 10,10% |
| 23.04.2025 | 2,40% | -0,25 | 5,69% | 11,01% | 13,07% | 13,48% |
| 11.06.2025 | 2,15% | -0,25 | -2,64% | 1,28% | 1,44% | 1,09% |
| 17.06.2026 | 2,40% | 0,25 | -0,78% | -0,42% | ||
| 16.09.2026 | 2,65% | 0,25 | -0,50% | |||
| Quelle: Eigene Berechnungen / Ariva.de | ||||||