Sparkassen starten Kryptohandel per App

Donnerstag den 22.10.2026 - Abgelegt unter: Brokernews, Kryptowährung, Online-Broker News

Lange galten die Sparkassen als die größten Krypto-Skeptiker der deutschen Bankenlandschaft. Jetzt folgt die Kehrtwende: Seit Montag, dem 19. Oktober 2026, können die ersten Sparkassen-Kunden Bitcoin, Ethereum und drei weitere Kryptowährungen direkt in der gewohnten Banking-App kaufen, verkaufen und verwahren. Das Angebot trägt den Namen „Krypto – powered by Deka“ und wird von der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe, bereitgestellt. Doch zum Start profitieren nur wenige Kunden – und das Angebot hat einige Eigenheiten, die Anleger vor dem ersten Kauf kennen sollten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Seit dem 19. Oktober 2026 bieten zunächst fünf Sparkassen den Handel mit Bitcoin, Ethereum, XRP, Solana und Polygon in der Sparkassen-App an; monatlich sollen 30 bis 40 weitere Institute folgen.
  • Pro Order fallen 0,99 Euro an – zusätzlich ist ein nicht veröffentlichter Spread im Kurs enthalten. Ein Wertpapierdepot ist nicht erforderlich.
  • Die Sparkassen beraten nicht zu Kryptowährungen, bewerben das Angebot nicht aktiv und warnen ausdrücklich vor dem Risiko eines Totalverlusts.

Schrittweiser Start: Diese Sparkassen sind zuerst dabei

Einen bundesweit einheitlichen Starttermin gibt es nicht. Da jede der rund 340 Sparkassen rechtlich eigenständig ist, entscheidet jedes Institut selbst, ob und wann es das Krypto-Angebot freischaltet. Zum Auftakt sind laut der offiziellen Teilnehmerliste der DekaBank die Frankfurter Sparkasse, die Taunus Sparkasse, die Sparkasse Karlsruhe, die Sparkasse Rottal-Inn und die Niederrheinische Sparkasse RheinLippe dabei.

Nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sollen pro Monat 30 bis 40 weitere Häuser hinzukommen. Im ersten Halbjahr 2027 will der Verband bereits einen Großteil der interessierten Sparkassen angebunden haben. Interesse signalisiert haben bislang mehr als 230 Institute – also rund zwei Drittel der Gruppe. Wer wissen möchte, ob die eigene Sparkasse bereits teilnimmt, findet die aktuelle Liste auf der Website der DekaBank.

Als Begründung für den Einstieg nennt DSGV-Vorstandsmitglied Joachim Schmalzl die gestiegene Kundennachfrage sowie den inzwischen verlässlichen europäischen Rechtsrahmen durch die Krypto-Verordnung MiCAR. Ziel sei es, Kunden, die sich bewusst für Kryptowährungen entscheiden, einen Zugang in einem regulierten Umfeld zu bieten.

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Welche Kryptowährungen können Sparkassen-Kunden handeln?

Die Auswahl ist bewusst schmal gehalten. Zum Start stehen fünf etablierte Kryptowerte zur Verfügung: Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH), XRP (Ripple), Solana (SOL) und Polygon (POL). Der Zugang erfolgt in der App „Sparkasse“ über einen eigenen Navigationsbereich in der Themenwelt „Anlegen“. Voraussetzung ist ein Girokonto bei einer teilnehmenden Sparkasse; das Angebot richtet sich ausschließlich an volljährige Kunden.

Technisch läuft der Handel über die DekaBank, die bereits seit Dezember 2024 über eine Kryptoverwahrlizenz von EZB und BaFin verfügt. Als Infrastruktur- und Liquiditätspartner fungiert Boerse Stuttgart Digital, deren Verwahrgesellschaft im Januar 2025 als erster deutscher Anbieter eine MiCAR-Lizenz erhalten hat.

Kosten: 0,99 Euro pro Order – plus Spread

Auf den ersten Blick wirkt das Preismodell günstig: Für jeden Kauf und Verkauf berechnet die DekaBank eine feste Ordergebühr von 0,99 Euro. Hinzu kommt allerdings ein Spread, also eine Handelsspanne gegenüber dem Referenzpreis, die bereits im angezeigten Kurs enthalten ist. Eine allgemeingültige Höhe dieses Aufschlags veröffentlicht die DekaBank nicht. Bei größeren Orders oder starken Kursschwankungen kann der Spread zudem breiter ausfallen. Die tatsächlichen Kosten werden damit erst im verbindlichen Preisangebot sichtbar, das die App für jede Order zeitlich begrenzt stellt.

Für Anleger bedeutet das: Gerade bei kleinen Beträgen fällt die Fixgebühr spürbar ins Gewicht. Bei einem Kauf über 500 Euro entsprechen 0,99 Euro rund 0,2 Prozent, bei einer Sparrate von 50 Euro bereits knapp 2 Prozent – jeweils noch ohne Spread. Wer regelmäßig kleinere Beträge investieren möchte, sollte die Gesamtkosten daher mit spezialisierten Kryptobörsen und Neobrokern vergleichen.

Der Haken: Keine Übertragung auf die eigene Hardware-Wallet

Ein wichtiger Unterschied zu klassischen Kryptobörsen betrifft die Verwahrung. Die Coins der Kunden liegen zentral in der Wallet der DekaBank – den privaten Schlüssel hält also die Bank, nicht der Anleger. Eine Auslieferung ist nur an Wallet-Adressen bestimmter zugelassener Krypto-Dienstleister (CASPs) möglich; die eigene Hardware-Wallet ist als Empfangsadresse ausgeschlossen. Wer seine Kryptowerte selbst verwahren möchte, ist mit dem Sparkassen-Angebot daher nur eingeschränkt bedient. Pro Order gilt zudem eine Obergrenze von 250.000 Euro.

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Sparkassen warnen ausdrücklich vor Totalverlust

Trotz des neuen Angebots bleibt die Risikoeinschätzung der Sparkassen unverändert: Kryptowährungen seien aus Sicht des DSGV weiterhin hochspekulative Anlagen. Eine Beratung durch die Sparkassen ist nicht vorgesehen, und das Angebot soll auch nicht in der Breite beworben werden. Es richtet sich an sogenannte Selbstentscheider, die ihre Anlageentscheidungen eigenständig treffen. Anleger sollten daher nur Geld investieren, dessen Verlust sie verkraften können, und Kryptowerte allenfalls als Beimischung im Portfolio betrachten.

Steuerlich gelten für Bitcoin und andere Kryptowährungen die üblichen Regeln: Gewinne aus dem Verkauf innerhalb eines Jahres nach dem Kauf sind als private Veräußerungsgeschäfte steuerpflichtig, sofern sie die Freigrenze von 1.000 Euro im Jahr überschreiten. Nach Ablauf der einjährigen Haltefrist sind Veräußerungsgewinne steuerfrei.

Wettbewerb: Hausbanken holen gegenüber Neobrokern auf

Mit dem Schritt reagieren die Sparkassen auch auf den wachsenden Wettbewerb. Smartphone-Banken und Neobroker wie Trade Republic, N26 oder Revolut bieten den Handel mit Kryptowährungen seit Jahren an, zum Teil mit deutlich größerer Coin-Auswahl. Auch die genossenschaftliche Bankengruppe ist mit ihrem Angebot „meinKrypto“ bereits in den Markt eingestiegen. Für viele Sparkassen-Kunden dürfte der größte Vorteil daher weniger im Preis als in der Bequemlichkeit liegen: Kein neues Konto, keine zusätzliche App, kein separates Identifikationsverfahren.

Fazit

Der Krypto-Start der Sparkassen ist ein Meilenstein für den deutschen Markt: Mit rund 50 Millionen Kunden öffnet Deutschlands größte Bankengruppe Bitcoin & Co. für eine breite Zielgruppe – in einem regulierten Umfeld und mit vertrauter Oberfläche. Für Einsteiger, die erste Erfahrungen sammeln möchten, kann das Angebot eine bequeme Option sein. Wer jedoch Wert auf eine große Coin-Auswahl, transparente Gesamtkosten oder die Selbstverwahrung in der eigenen Wallet legt, findet bei spezialisierten Anbietern derzeit mehr Flexibilität. Ein Kostenvergleich lohnt sich in jedem Fall – ebenso wie das Bewusstsein, dass Kryptowährungen auch über die Hausbank eine hochriskante Anlage bleiben.

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Weiterführende Links und Quellen

 

Erstellt am 22.10.2026, zuletzt aktualisiert am 23.10.2026