Gold mit Rabatt aus Liechtenstein – (k)ein guter Deal?
Beim Goldkurs dürfen sich Anleger erfreut (oder verstört) die Augen reiben: Auf rund 4.400 Euro pro Unze (Stand: 6. März 2026) kletterte der Wert des Edelmetalls. Bei solchen Preisen klingt ein spezielles Angebot aus Liechtenstein eigentlich zu schön, um wahr zu sein: Die TGI AG aus Vaduz veräußert physische „Feingoldbarren“ an Kunden und bietet verschiedene Rabattmodelle – zwei bis vier Prozent auf den Kaufpreis. Die Seite wirbt mit 35.000 „erfreuten“ Kunden. Ist das seriös? Die Stiftung Warentest hat ihre Zweifel daran. Auf Risiken weist die Webseite nicht direkt hin – aus gutem Gründen.
Das Wichtigste zum Thema im Überblick
- Liechtensteiner Unternehmen wirbt im Internet mit atemberaubenden Rabatten für den Kauf von Gold
- Warnungen durch die Stiftung Warentest und die Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht
Anlage mit ungewissen Risiken
Das generelle Prinzip des Geschäftsmodells lautet: Vorkasse. Der Kunde der TGI AG kauft online das Gold und zahlt umgehend einen rabattierten Preis – doch das Edelmetall geht nicht gleich auf die Reise. Im Rahmen eines Zielkaufvertrags wird stattdessen eine spätere Lieferung in 36 Monaten vereinbart. Für jeden vollen Monat des Lieferaufschubs erhält der Käufer dann zwei Prozent Rabatt (insgesamt 72 Prozent über die gesamte Laufzeit). Erst nach 36 Monaten startet die Auslieferungsphase, welche weitere vier Wochen (Bearbeitungs- und Logistikzeit) in Anspruch nimmt. Bestenfalls nach drei Jahren klingelt irgendwann der Goldlieferant an der Haustür. War da nicht etwas mit 4,0 Prozent Rabatt? Ja. In diesem Fall handelt es sich um die „Never-Ending-Gold Story“ (so das Werbeversprechen) – inklusive Premiumgebühr, Verwahrung sowie einer partiellen Wiederanlage. Wie der Rabatt zustande kommt? Laut der TGI AG entsteht die Handelsspanne durch einen Preisunterschied zwischen Rohgold und raffiniertem Feingold, welches die Kooperationspartner (Gold Crest und Golden Empire, Ghana + Bootup Africa Limited, Sambia) liefern. Nach Angaben der Webseite stammt das Gold vorwiegend aus Ghana.
Es bedarf indes wenig Aufwand, um einige Warnhinweise vor diesem Rabattmodell zu finden. Unter anderem schreibt die Stiftung Warentest: „Für die Kunden ist das [Angebot, d. R.] riskant. In drei Jahren kann sich viel ändern, selbst im europäischen Ausland kann es schwer sein, Ansprüche durchzusetzen.“ Verzögerte Lieferungen durch andere Anbieter mit ähnlichen Modellen, nämlich der GGMTrading GmbH, seien bekannt. insgesamt sei das Angebot „wegen der Risiken nicht empfehlenswert.“ Erwartungsgemäß interveniert das Unternehmen gegen diese Aussage.
Warnung aus Liechtenstein, Glamour-Auftritte in Wien
Apropos GGMTrading GmbH: Hinter diesem Unternehmen und der TGI AG steht übrigens der gleiche Unternehmer, namentlich Helmut Kaltenegger. Dem ein oder anderen dürfte sein Gesicht bekannt vorkommen. Entweder aus einem Instagram-Werbe-Video mit Oliver Pocher oder schlicht der Reality-Show „Die Kalteneggers – Eine Familie wie ein Goldrausch“, einer Austria-Version der Geissens – inklusive Yacht-Lifestyle, Opernball, Wiener Schnitzeln und ja, dem Goldhandel.
Kaltenegger ist ein Enfant terrible in der österreichischen Medien-/Unternehmerlandschaft und stets für den „große Auftritte“ bereit. Allerdings hat sein „Lack“ durchaus den oder anderen Kratzer. Im vergangenen Jahr kam es zum Streit mit dem Fußball-Klub DSV Leoben aufgrund ausstehender Sponsorengelder.
Nahezu parallel waren er und seine Frau Katarina Mitangeklagte in einem Prozess wegen Anlagebetrugs mit rund 21.000 geschädigten Kunden, die in eine Goldmine in Guyana investiert hatten. Diese Investments verwandelte sich aber (durch Corona und Hochwasser) in ein riesiges Desaster. Schaden: Rund 34,9 Millionen Euro. Am Ende sprach das Landgericht in Wien das Ehepaar sowie weitere Beklagte frei, da in den AGBs das Risiko eines Totalverlusts hinterlegt war. Abenteuerlich erscheint das dahinterstehende System dennoch. Bemerkenswerterweise befindet sich eine Goldmine in Guyana jetzt im Besitz der TGI AG.
Während Katarina und Helmut Kaltenegger weiterhin ihr glamouröses Leben promoten, sprechen andere Quellen im Internet von einem „nebulösen“ Geschäftsmodell und weisen auf eine Warnung der Finanzmarktaufsicht Liechtensteins (FMA) hin. Demnach verfüge das Unternehmen über keine eine aufsichtsrechtliche Bewilligung oder Registrierung. TGI wiederum erklärte, dass ihr Handel mit Gold grundsätzlich nicht bewilligungspflichtig sei bzw. der Aufsicht der FMA unterliege.
Fazit:
Es bewahrheitet sich: In der Krise gilt Gold als sicherer Hafen – und an Krisen mangelt es derzeit nicht. In den „Hafen“ der TGI AG sollten Anleger allerdings nur mit Vorsicht einfahren. Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann hat das Ganze in der Regel einen Haken. Wir verweisen an dieser Stelle auf die Warnungen der Stiftung Warentest und der FMA.
Weiterführende Links und Quellen
- Stiftung Warentest: Vorsicht vor Goldkauf mit Rabatt
- Spiegel.de: Der Traum vom Gold zum halben Preis
- Handelsblatt: TGI verkauft Gold zum Spottpreis – und Oliver Pocher wirbt dafür
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