Sparkassen vs. die Welt: S-Neo startet im April – doch der Neobroker-Markt wartet nicht

Die deutschen Sparkassen wagen im April 2026 den lang angekündigten Schritt in die Welt des günstigeren Wertpapierhandels. Mit „S-Neo“ soll erstmals ein vereinfachtes ETF-Depot direkt aus der Sparkassen-App heraus eröffnet werden können – ein überfälliger Schritt in Richtung digitale Gegenwart. Doch der deutsche Neobroker-Markt hat nicht gewartet. Neben den etablierten Anbietern wie Scalable Capital hat sich seit Sommer 2025 ein weiterer Mitspieler positioniert: Joe Broker, der Neobroker-Ableger der Targobank. Der Wettbewerb um digital-affine Selbstentscheider nimmt 2026 deutlich an Fahrt auf – zum Vorteil der Anleger.
Das Wichtigste im Überblick
- S-Neo startet im April 2026: Die Sparkassen ermöglichen erstmals den direkten ETF-Handel aus ihrer bestehenden App – allerdings legt jede der 338 Sparkassen ihre Preise individuell fest.
- Hoher Nachholbedarf: Während Scalable Capital und Co. seit Jahren mit Null- und Ein-Euro-Ordergebühren werben, fallen bei vielen Sparkassen aktuell noch rund zehn Euro je Order sowie jährliche Depotgebühren an.
- Joe Broker als neuer Herausforderer: Die Targobank mischt seit Juli 2025 mit ihrem Neobroker „Joe Broker“ aktiv mit – ohne Payment for Order Flow, mit transparenten Gebühren und einem breiten Handelsangebot an fünf deutschen Börsenplätzen.
S-Neo: Sparkassen holen auf – aber wie weit?
Jürgen Wannhoff, Vize-Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, machte es Ende Februar 2026 offiziell: Im April soll „S-Neo“ bundesweit verfügbar sein. Das neue Depot-Angebot richtet sich laut Wannhoff an „digitale Selbstentscheider“ – also jene Kunden, die ihre Geldanlage schnell, unkompliziert und günstig über das Smartphone abwickeln möchten. Ein klares Bekenntnis, dass die Sparkassen-Gruppe den Marktdruck durch Neobroker nicht länger ignorieren kann.
Das Kernversprechen: Depoteröffnung mit wenigen Klicks direkt in der bekannten Sparkassen-App – bisher war hierfür eine separate App nötig. Der symbolische Mehrwert ist nicht zu unterschätzen: Viele Millionen Kunden haben die Sparkassen-App bereits installiert. Die Hürde zum ersten ETF-Investment soll so deutlich sinken.
Doch ein kritischer Blick ist angebracht. Die Frage der Preisgestaltung bleibt eine offene Flanke: Jede der bundesweit 338 Sparkassen entscheidet eigenständig über ihre Konditionen. Eine garantierte Einheitslösung gibt es nicht. Wer als Anleger in Stuttgart günstiger wegkommt als in Hamburg, muss im Zweifel selbst vergleichen. Das steht dem Versprechen eines „einfachen, schnellen und kostengünstigen“ Erlebnisses strukturell entgegen. Zum Vergleich: Marktführer Trade Republic berechnet eine pauschale Fremdkostenpauschale von einem Euro – unabhängig vom Ordervolumen, unabhängig vom Wohnort.
Surftipp: S Broker im redaktionellen Test
Der Preisdruck steigt: Was Sparkassen-Kunden bislang zahlen
Wer heute über eine klassische Sparkasse in Wertpapiere investiert, zahlt mitunter deutlich mehr als bei Direktkonkurrenten. Je Order können bis zu zehn Euro anfallen, bei größeren Transaktionen auch mehr. Hinzu kommt häufig eine jährliche Depotgebühr – ein Kostenfaktor, der bei Neobrokern schlicht nicht existiert. Kostenfreie Depots bieten einzelne Sparkassen zwar für Fondssparpläne an, nicht jedoch standardmäßig für ETFs.
S-Neo soll das ändern – oder zumindest annähern. Welche konkreten Konditionen die einzelnen Häuser bieten werden, bleibt bis zum Launch offen. Genau diese Ungewissheit ist es, die Anleger skeptisch stimmen darf.
Joe Broker: Wenn die Hausbank zur Neobroker-Herausforderin wird
Während die Sparkassen noch in den Startlöchern stehen, ist ein anderer Traditionsspieler bereits auf dem Feld: Die Targobank hat im Juli 2025 unter der eigenständigen Marke „Joe Broker“ einen vollwertigen Neobroker auf den deutschen Markt gebracht. Die Zielgruppe klingt vertraut – digital-affine Einsteiger und kostenbewusste Anleger –, das Angebot aber kann sich sehen lassen.
Über Joe Broker sind mehr als 800.000 Finanzinstrumente handelbar, darunter Aktien, ETFs, Fonds, Anleihen und Derivate. Abgewickelt wird über fünf deutsche Börsenplätze: gettex, Xetra, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. Technisch läuft alles über die Baader Bank, die Depot- und Kontoführung übernimmt – ein etabliertes Modell im Neobroker-Markt. Die Orderkosten: Ab einem Euro über gettex, 2,90 Euro plus 0,01 Prozent des Volumens über Xetra – damit positioniert sich Joe Broker nach eigenen Angaben als günstigster Xetra-Anbieter unter den Neobrokern. ETF-Sparpläne sind kostenfrei ausführbar.
Besonders bemerkenswert ist die frühzeitige Positionierung im Hinblick auf das PFOF-Verbot: Während zahlreiche Neobroker ihr Geschäftsmodell noch auf Payment for Order Flow stützen und sich auf das EU-weite Verbot ab Juni 2026 einstellen müssen, verzichtet Joe Broker von Beginn an vollständig auf dieses Vergütungsmodell. Das schafft Transparenz – und könnte mittelfristig ein echter Wettbewerbsvorteil sein.
Einen weiteren Pluspunkt bietet die App durch ihren integrierten Wissensaufbau: Echtzeit-Marktdaten, redaktionelle Investment-Stories und auf den Erfahrungsstand zugeschnittene Erklärungen sollen besonders Einsteiger beim Vermögensaufbau begleiten.
Surftipp: Joe Broker im redaktionellen Test
Fazit: Wettbewerb gut für Anleger – aber Vorsicht vor Etikettenschwindel
Der Eintritt der Sparkassen in den Neobroker-Markt ist überfällig und grundsätzlich zu begrüßen. Mehr Wettbewerb bedeutet mehr Druck auf Gebühren und bessere Angebote für Anleger. Doch S-Neo allein wird den Rückstand auf Trade Republic, Scalable Capital oder Joe Broker nicht über Nacht aufholen. Solange Preisgestaltung und Konditionen von Haus zu Haus variieren, bleibt das Versprechen der Einfachheit nur teilweise eingelöst.
Joe Broker zeigt, wie Traditionsbanken den Sprung in die Neobroker-Welt ernsthaft gestalten können – mit klarem Pricing, regulatorischer Voraussicht und einem modernen Nutzererlebnis. Ob Sparkassen-Kunden tatsächlich wechseln oder ob die neue App-Integration die nötige Überzeugungskraft mitbringt, wird der Markt in den kommenden Monaten zeigen.
Für Anleger gilt: Vergleichen lohnt sich mehr denn je.
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Quellen und weiterführende Links
- Handelsblatt (26.02.2026): ETF – Sparkassen starten im April mit „S-Neo“ als Reaktion auf Neobroker
- Focus Online: Sparkassen starten Neobroker S-Neo – Konkurrenz für Trade Republic
- Targobank Pressemitteilung (02.07.2025): TARGOBANK launcht Neo-Broker „Joe Broker“
- DAS INVESTMENT (04.07.2025): Targobank startet Neo-Broker „Joe Broker“
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Vor jeder Investitionsentscheidung empfiehlt sich eine individuelle Beratung.
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