Investmentchance Venezuela? Aktienindex mit über 4.000 Prozent im Jahresplus

Donnerstag den 15.01.2026 - Abgelegt unter: Brokernews, Index, International, Politik

Spannende Entwicklungen für Anleger in Venezuela: Der Leitindex Índice Bursátil Caracas (IBVC) hat innerhalb eines Jahres um mehr als 4.000 Prozent zugelegt und konnte alleine in der letzten Handelswoche über 120 Prozent Wertzuwachs erreichen. Trotz der starken Bewegung und neuem Auslandsinteresse bleibt der Markt sehr klein, mit weniger als 40 gelisteten Firmen und einer gesamten Marktkapitalisierung von etwa 20 Milliarden US-Dollar. Der spektakuläre Kursanstieg könnte auch für deutsche Privatanleger attraktive Renditen bringen. Ob deutsche Anleger in den venezolanischen Index investieren können und was die Gründe für den spektakulären Kursanstieg sind, haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Absetzung von Nicolás Maduro und die Hoffnung auf einen Regimewechsel haben Optimismus bei globalen Investoren geweckt.
  • Der venezolanische Leitindex IBVC stieg innerhalb eines Jahres um über 4.000 Prozent.
  • Der Markt ist weiterhin sehr klein und für internationale Investoren schwer zugänglich.

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IBVC Index: Spektakuläre Kursentwicklung

Der venezolanische Leitindex IBVC (Índice Bursátil de Caracas) hat in den vergangenen zwölf Monaten eine außergewöhnliche Kursrallye hingelegt und über 4.000 Prozent Wertzuwachs erzielt. Ein Investment von 1.000 Euro hätte also mittlerweile einen Wert von 44.000 Euro. Zum Vergleich: Leitindizes wie der DAX oder der S&P500 erzielen langfristig Renditen von sieben bis zehn Prozent. Selbst in außergewöhnlich starken Börsenjahren überschreitet ein Index selten die 20-Prozent-Marke.

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Quellen:

Für den extremen Anstieg des IBVC gibt es mehrere Gründe:

  • Inflation & Währungsabwertung: Der IBVC wird in der lokalen Währung Venezuelas, dem Bolívar, berechnet. Durch die jahrelange hohe Inflation verlor der Bolívar stark an Kaufkraft, dadurch steigen Aktienkurse nominal extrem an, ohne dass sich der reale Unternehmenswert entsprechend mitentwickelt.
  • Aktien als Inflationsschutz: Da das Bargeld bei einer hohen Inflation schnell an Wert verliert, flüchten viele Anleger in vermeintlich wertstabilere Sachwerte wie Aktien.
  • Politischer Wandel: Mit der Absetzung von Nicolás Maduro steigen die Hoffnung auf politische und gesellschaftliche Reformen, auf mögliche Lockerungen von Sanktionen und die Erwartungen ausländischer Kapitalzuflüsse.
  • Sehr kleiner & illiquider Markt: Der venezolanische Aktienmarkt ist im Vergleich zum DAX oder dem Dow Jones winzig, kaum liquide und bietet wenige handelbare Titel. Schon geringe Kaufvolumina führen zu massiven Kursanstiegen.

Können Privatanleger in Venezuela investieren?

Die Bolsa de Valores de Caracas (BVC), einst das zentrale Börsenparkett Venezuelas, vereinte früher eine Vielzahl börsennotierter Unternehmen aus Branchen wie Bankwesen, Telekommunikation, Industrie und Konsumgüter. Infolge der lang anhaltenden wirtschaftlichen Krise hat der Aktienmarkt jedoch massiv an Bedeutung verloren. Das Handelsvolumen ist stark geschrumpft, zahlreiche Unternehmen haben ihren Geschäftsbetrieb eingestellt oder wurden von der Börse genommen.

Für deutsche und internationale Privatanleger ist ein Investment in venezolanische Aktien kaum realisierbar. Der Marktzugang erfordert in der Regel die persönliche Kontoeröffnung bei einer lokalen Maklerfirma, da internationale Broker keinen Handel mit venezolanischen Wertpapieren anbieten. Zusätzlich ist ein venezolanisches Bankkonto notwendig, dessen Eröffnung für Ausländer mit erheblichen rechtlichen und organisatorischen Hürden verbunden ist. Da alle Transaktionen in der stark schwankenden Landeswährung Bolívar abgewickelt werden, kommen erhebliche Währungsrisiken hinzu. Geringe Liquidität, eingeschränkte Transparenz bei Unternehmensdaten sowie Unsicherheiten bei Verwahrung und Eigentumsrechten machen ein Investment für die meisten Privatanleger sehr riskant und unattraktiv.

Kurz gesagt: Für Privatanleger ist es nahezu unmöglich, in venezolanische Aktien zu investieren. Möchten Anleger dennoch an der aktuellen Situation in Venezuela partizipieren, gibt es eine Reihe weiterer Möglichkeiten, die mit deutlich weniger Aufwand verbunden sind:

So könnten Anleger in Venezuela investieren

  1. Öl- und Energieunternehmen: Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt, deshalb könnten Öl- und Energie-Aktien proftieren, wenn sich die Lage im Land stabilisiert und die Produktion wieder hochgefahren wird. Beispiele sind hier Chevron (ISIN: US1667641005), ExxonMobil (ISIN: US30231G1022), Halliburton (ISIN: US4062161017) oder SLB (ISIN: AN8068571086).
  2. Der „Venezuela Exposure“ ETF: Der ETF-Anbieter Teucrium hat bereits vor einigen Tagen bei der US-Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission) die Einführung des Teucrium Venezuela Exposure ETF beantragt. Dieser ETF würde Unternehmen abbilden, die entweder venezolanisch sind oder einen Großteil ihres Geschäfts in Venezuela durchführen.
  3. Lateinamerika-ETFs: ETFs wie der iShares MSCI EM Latin America UCITS ETF (ISIN: IE00B27YCK28) bilden den gesamten regionalen Markt ab. Unternehmen aus Venezuela sind in diesen ETFs allerdings kaum bis gar nicht vertreten. Dominiert sind diese ETFs von brasilianischen und mexikanischen Titeln.
  4. Venezolanische Staatsanleihen: Anleger können in venezolanische Staatsanleihen (z.B. ISIN: USP97475AJ95 oder ISIN: USP17625AB33) investieren. Diese haben zum Teil beachtliche Performance-Werte, gelten aber als hochriskant und sind deshalb nur bedingt zu empfehlen.

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Fazit: Investments in Venezuela

Für Privatanleger bleibt es trotz attraktiver Wachstums- und Erholungschancen schwierig und äußerst riskant, Kapital in Venezuela anzulegen. Direkt über Aktien oder ETFs in den Markt zu investieren ist aufgrund von lokalen Zugängen und rechtlichen Hürden nahezu unmöglich. Dennoch können Anleger indirekt über Energieaktien, Anleihen oder Themenfonds an einem möglichen Wiederaufleben der venezolanischen Wirtschaft partizipieren. Aufgrund der politischen Unsicherheit, der Währungsvolatilität, rechtlicher Rahmenbedingungen und der geringen Marktliquidität ist ein Investment aktuell sehr riskant.

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Quellen und weiterführende Links