Was bedeutet der Krieg in der Ukraine für Anleger?

Montag den 28.02.2022 - Abgelegt unter: Brokernews

Der Krieg in der Ukraine kostet viele Menschen das Leben, sorgt für Leid, Trauer und Zerstörung. Auch auf die Finanzmärkte wirkt sich der Krieg aus. Als erste Reaktion brachen am 24. Februar die Börsen ein. Nach einer kurzen Erholung am folgenden Tag ist für die nächste Zeit mit weiteren Turbulenzen zu rechnen. Besonders hohe Verluste erlitten russische Aktien. Der Goldpreis in Euro erreichte hingegen ein neues Rekordhoch. Ein Überblick über aktuelle Entwicklungen an den Märkten als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Update: Aktuelle Lage
  • Am 24. Februar brachen die Börsen in Folge des Angriffs russischer Truppen auf die Ukraine ein
  • Der Goldpreis schoss am selben Tag in die Höhe, fiel anschließend aber wieder deutlich ab
  • In der Vergangenheit sorgten Kriege oft nur für kurze Rücksetzer an der Börse

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Aktuelle Lage

  • 24.03.2022 (I): Die Moskauer Börse öffnet wieder. Allerdings können zunächst nur 33 Aktien gehandelt werden, darunter die Aktie von Gazprom. Ob Gazprom in diesem Jahr eine Dividende zahlen kann, ist unsicher.
  • 24.03.2022 (II): Trotz leichter Erholung an den Börsen blicken Banken und Fondshäuser verhalten auf die kommende Entwicklung großer Aktienindizes. Im Dezember 2021 sahen Prognosen den DAX Ende 2022 laut Bloomberg bei 17.000 Punkten. Nun wurden die Prognosen auf 15.500 Punkte gesenkt. 2021 schloss der DAX bei 15.884,86 Punkten. Bei 18 Prozent der Fondsmanager werden laut der Bank of America europäische Aktien zudem derzeit untergewichtet, da die Entwicklung der europäischen Wirtschaft stark vom Ukraine-Krieg belastet wird.
  • 24.03.2022 (III): Das ifo Institut erwartet für die deutsche Wirtschaft nur noch ein Wachstum von 2,2 bis 3,1 Prozent. Zuvor hatte die Prognose bei 3,7 Prozent Wachstum gelegen.
  • 15.03.2022 (I): Laut Analysten der Deutschen Bank brechen Kurse nach Krisen und Kriegen im Schnitt um 5,7 Prozent ein. Nach drei Wochen ist der Tiefpunkt erreicht und wiederum drei Wochen nach dem Tiefpunkt der Stand von vor der Krise zurückerobert. Allerdings spielt dabei die allgemeine wirtschaftliche Lage eine große Rolle. So fielen nach der Ölkrise 1973 die Kurse teils deutlich tiefer als im Schnitt und die Erholung dauerte länger an.
  • 15.03.2022 (II) Die Citigroup zieht sich stärker aus Russland zurück. Neben dem Geschäft mit Verbrauchern sollen auch die Geschäfte mit institutionellen Kunden und der Vermögensverwaltung abgewickelt werden.
  • 15.03.2022 (III): Sowohl die FinTech-Branche als auch Private Equity könnten unter dem Krieg in der Ukraine leiden. So könnte es für Start-ups schwieriger werden, große Finanzierungsrunden abzuschließen. Private Equity-Manager zeigen sich indes zurückhaltend, was auch damit zu tun hat, dass nach Angaben des Analysehauses Refinitiv bei rund 350 Fusionen und Übernahmen (M&A) mit russischer Beteiligung in einem Volumen von 10,7 Milliarden Dollar unklar ist, wie es weitergeht.
  • 11.03.2022 (I): US-Banken ziehen sich aus Russland zurück – sowohl Goldman Sachs als auch JP Morgan Chase kündigten entsprechende Schritte an. Die Citigroup, die von den Banken der Wall Street am stärksten in Russland tätig ist, prüft derzeit, wie sie weiter vorgehen will. Für US-Banken spielt Russland als Markt jedoch eine untergeordnete Rolle.
  • 11.03.2022 (II): Der Goldpreis kletterte in dieser Woche mehrmals über die Marke von 2.000 US-Dollar. Zuletzt (10.3.) schloss er knapp darunter bei 1.995,54 US-Dollar. Auch Silber und Palladium sind gefragt.
  • 11.03.2022 (III): Die Börsenkurse bleiben volatil. Der Dax konnte jedoch die 13.000-Punkte-Marke zurückerobern. Heute startete er bei knapp 13.500 Punkten in den Tag.
  • 07.03.2022 (I): Der DAX verliert zum Handelsstart über 600 Punkte, Schlusskurs: 12.834,65 Punkte
  • 07.03.2022 (II): Nach einem zwischenzeitlichen Hoch in den ersten März-Tagen verlor der Bitcoin zuletzt wieder deutlich. Der Kurs lag am 6. März bei 38.419,98 US-Dollar, am 1. März hatte er noch bei 44.354,64 US-Dollar gelegen.
  • 07.03.2022 (III): Der ukrainische Vizepremier, Mykhailo Fedorov, rief Kryptobörsen am Wochenende dazu auf, Adressen von russischen Nutzern zu blockieren. Bereits zuvor war eine Debatte im Gange, inwieweit mithilfe von Kryptowährungen wie dem Bitcoin Sanktionen gegen Russland umgangen werden können. Bisher reagieren Kryptobörsen unterschiedlich auf den Krieg in der Ukraine. Binance, Kraken und Coinbase betonen, sich an die Sanktionsvorgaben zu halten. So billigt Binance keine Kunden mit Karten von sanktionierten Banken mehr und Coinbase hat die Konten von Personen eingefroren, die auf der Sanktionsliste stehen. Die Adressen aller russischen Nutzer zu blockieren, lehnen beide ab. Bitpanda akzeptiert hingegen gar keine Ein- und Auszahlungen mehr von und an russische Banken.
  • 07.03.2022 (IV): Die Indexanbieter MSCI und FTSE Russell nehmen russische Wertpapiere aus ihren Indizes. ETFs, die die Indizes abbilden, müssen ihr Portfolio entsprechend anpassen.
  • 07.03.2022 (V): Die US-Senatorin Elizabeth Warren kritisiert die amerikanischen Großbanken JP Morgan Chase und Goldman Sachs, weil sie Anleihen angeschlagener russischer Konzerne gekauft und im Fall von JP Morgan Chase auch zum Kauf empfohlen haben sollen. Anleihen sind bisher nicht von den Sanktionen betroffen.
  • 04.03.2022 (I): Der Börsen geben weiter nach – DAX, Dow Jones und Hang Seng schließen unter den Werten des Vortages. Der DAX steht zum Handelsschluss nur noch knapp über 13.000 Punkten: 13.094,54.
  • 04.03.2022 (II): Der Goldkurs profitiert von der Krise. Er schließt bei 1.967,78 US-Dollar. Der Schlusskurs des Vortages lag bei 1.938,31 US-Dollar.
  • 03.03.2022 (I): Nachdem der Kurs des Bitcoins am 24. Februar zunächst einbrach, erholte er sich noch am selben Tag und ging bis Ende Februar in eine Seitwärtsbewegung über. Anschließend legte er ordentlich zu und gewann kurzzeitig bis zu 21 Prozent. Vor allem der Handel von Bitcoin mit Rubel und Hrywnja hat zugenommen. Zuletzt gab der Kurs des Bitcoins wieder etwas nach.
  • 03.03.2022 (II): Russische Aktien können an kaum einer Börse mehr gehandelt werden. Ausgesetzt ist der Handel unter anderem an der Börse Moskau, der New York Stock Exchange sowie den Börsen in London und Frankfurt. Die letzten Kurse zeugten von teils gravierenden Verlusten. So schloss die Gazprom-Aktie am 28. Februar bei 3,266 Punkten, am 23. Februar hatte der Kurs noch bei 5,585 Punkten gestanden. Das entspricht einem Minus von knapp 42 Prozent.
  • 03.03.2022 (III): Viele Fonds und ETFs, die ganz oder teilweise in russische Aktien investiert sind, werden eingefroren. Es werden keine Anteile mehr ausgegeben und zurückgenommen. Der Grund dafür ist, dass wegen der Lage am russischen Aktienmarkt die Anteilswerte nicht berechnet werden können. Betroffen sind beispielsweise der Uni EM Osteuropa von Union Investment, der Pictet Russian Equities von Pictet Asset Management und der iShares MSCI Russia von Blackrock.
  • 02.03.2022 (I): Der Ölpreis (Brent) steigt auf 112,93 US-Dollar. Der DAX schließt bei 14.000,11 Punkten, nachdem er kurzzeitig auf sein bisheriges Jahrestief von 13.707 Punkten gesunken war. Der Dow Jones schließt bei 33.891,35 Punkten. Der Goldkurs fällt etwas auf 1.925,55 US-Dollar.
  • 02.03.2022 (II): Die Moskauer Aktienbörse bleibt weiter geschlossen

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Wie entwickeln sich die Börsen?

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Quellen:

Der DAX war bereits in den Tagen vor der Invasion Russlands in die Ukraine unter die Marke von 15.000 Punkten gesunken. Am 23. Februar 2022, dem Tag vor dem Einmarsch, schloss der DAX bei 14.631,36 Punkten. Am 24. Februar eröffnete er deutlich im Minus bei 13.989,41 Punkten. Über Nacht hatte er damit knapp 642 Punkte bzw. rund 4,4 Prozent eingebüßt. Sein Tagestief erreichte er bei 13.807,28 Punkten.

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Ähnlich erging es dem Dow Jones, der in den Tagen vor dem Angriff ebenfalls verloren hatte und deutlich unter 35.000 Punkte gesunken war. Am 24. Februar stand er zwischenzeitlich nur noch bei 32.272,64 Punkten, erholte sich aber noch im Laufe des Tages auf 33.223,83 Punkte, womit er über dem Schlusskurs des Vortages schloss.

Am 25. Februar erfolgte sowohl beim DAX als auch beim Dow Jones eine Erholung. Nach dem Wochenende startete der DAX jedoch wieder im Minus. Die weitere Entwicklung ist schwer abzusehen. Allerdings sollten Anleger mit Kursturbulenzen rechnen. Ein Börsencrash kann nicht ausgeschlossen werden.

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Quellen:

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„Kaufen, wenn die Kanonen donnern“?

Börsenweisheiten wie „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ sind mit Vorsicht zu genießen. Sie sind kein zuverlässiger Indikator für die künftige Entwicklung. Darauf weist auch Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank in Frankfurt am Main, hin. Er schrieb: „[…] In puncto Dauer, Intensität und Folgen geopolitischer Konflikte – gerade auch im aktuellen Fall der Ukraine – bieten sie [Börsenweisheiten, Anm. d. Red.] Anlegern keine konkreten Handlungsanweisungen.“[1]

Historisch betrachtet führen Kriege nicht zwangsläufig zu einem Börsencrash. Während der Kubakrise 1962 kam es zu einem Rückschlag für den Dow Jones, er erholte sich jedoch schnell und drehte anschließend ins Plus. Der Dritte Golfkrieg im Jahr 2003 sorgte an den Börsen für ein Plus. Beide Konflikte waren zeitlich sehr begrenzt. Während des Vietnamkriegs von 1965 bis 1975 reagierten Aktien aus den USA mit einer langen Seitwärtsbewegung und zum Ende des Krieges mit Verlusten.

„In der Vergangenheit haben kriegerische Auseinandersetzungen zumeist nur kurzfristige Rücksetzer an den Aktienmärkten zur Folge gehabt. Allerdings ist noch nicht absehbar, wie tief die Kurse tatsächlich rutschen können“, sagte Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Bank Donner & Reuschel.[2] Er mahnte Anleger zur Zurückhaltung, solange der Umfang des russischen Vormarsches sowie das Ausmaß der Sanktionen nicht klar sind.

Sollten Aktien jetzt verkauft werden?

Sollten Aktien jetzt verkauft werden? Eine allgemeine Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. In der Vergangenheit hat sich jedoch häufig eine Buy-and-Hold-Strategie als richtige Wahl erwiesen, also die Krise auszusitzen. Wer bei einem Kurstief verkauft und anschießend den Wiedereinstieg beim Aufschwung verpasst, hat am Ende oft doppelt verloren. Wer seine Aktien in der aktuellen Lage behält, muss sich aber auf turbulente Zeiten einstellen.

Robert Halver äußerte sich zum Thema am 24. Februar wie folgt: „Ich würde auf diesem Niveau nicht mehr verkaufen, den gesunkenen Bestand nicht mehr veräußern. Es ist sinnvoller, das Depot jetzt abzusichern. Dazu eignen sich Teilschutzzertifikate beziehungsweise Put-Optionen zur vollständigen Absicherung. Die benötigte Anzahl Puts lässt sich einfach berechnen: Depotwert geteilt durch Indexstand mal Bezugsverhältnis.“

Quelle: justetf.com

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In der Vergangenheit haben sich Kurse nach Krisen in der Regel wieder erholt, wie die Infografik veranschaulicht. Allerdings kann aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit nicht auf die zukünftige Entwicklung geschlossen werden, einzelne Werte können auch dauerhaft verlieren. Ein besonnenes Verhalten ist angebracht.

Wie entwickelt sich der Goldkurs?

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Nachdem Gold im vergangenen Jahr trotz Corona-Pandemie und hoher Inflation seinem Ruf als Krisenwährung nicht gerecht werden konnte, meldete es sich mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine zurück. Am 24. Februar schoss der Kurs auf ein zwischenzeitliches Hoch bei 1.973,20 US-Dollar, verlor im Anschluss jedoch ebenso schnell wieder. Damit zeigte es sich den gesamten Handelstag über sehr volatil.[3]

Gegenüber dem Euro erreichte der Goldpreis am selben Tag sogar ein Allzeithoch bei 1.767,33 Euro. Dass der Goldpreis in US-Dollar von einem Rekord entfernt blieb, lag unter anderem daran, dass neben Gold auch der US-Dollar als sicherer Hafen gefragt war, sich also beide verteuerten.

Der Goldpreis in US-Dollar hatte bereits vor dem Angriff auf die Ukraine am 24. Februar deutlich zugelegt. Am 28. Februar lag er zu Beginn des Tages bei 1.911,37 US-Dollar und startete stark in die neue Woche.

Wie entwickeln sich die Energiepreise?

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Der Ölpreis (Brent) kletterte am 24. Februar über die Marke von 100 US-Dollar. Sein Tageshoch erreichte er bei 105,79 US-Dollar je Barrel, der Schlusskurs lag jedoch wieder unter 100 US-Dollar. Am 28. Februar stieg der Preis wieder über diese Schwelle an. Sollte Russland als Reaktion auf die Sanktionen gegen das Land die Liefermengen von Öl drosseln, könnte der Preis weiter steigen.

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Wie entwickelt sich der Bitcoin?

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Am 23. Februar schloss der Bitcoin bei 37.296,57 US-Dollar. Am 24. Februar brach er zeitweise auf 34.459,22 US-Dollar ein, reagierte also zunächst mit einem Rückgang auf den Einmarsch. Im Laufe des Tages erholte er sich jedoch und schloss über dem Wert des Vortages bei 38.332,61 US-Dollar.

Nach einigen Tagen Seitwärtsbewegung begann der Kurs Ende Februar zu steigen. Am 2. März erreichte er kurzeitig 45.077,58 US-Dollar. Im Vergleich zum Schlusskurs vom 23. Februar entspricht das einem Plus von 7781,01 Punkten bzw. knapp 21 Prozent.

Jonathan Cheesman von der Krypto-Derivatebörse FTX vermutete: „Dieses geopolitische Umfeld ist sicherlich ein Rückenwind für Krypto. Die Situation unterstreicht den Anwendungsfall für einen dezentralen, neutralen, algorithmischen sicheren Hafen.“[4]

Aus Daten des Analysehauses Kaiko geht zudem hervor, dass das Handelsvolumen des Bitcoins mit dem Rubel und mit der ukrainischen Währung Hrywnja deutlich angestiegen ist. Das dürfte zwei wesentliche Gründe haben. Zum einen soll das Ersparte geschützt werden. Zum anderen sollen so Sanktionen umgangen werden.

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Weiterführende Links

[1] Das Investment – Krieg und Aktienmarkt

[2] Handelsblatt – Wie sich Konflikte auf Börsen auswirken

[3] Gold.de – Gold bewährt sich als Krisenwährung

[4] Handelsblatt – Warum der Bitcoin steigt

Weitere Quellen u.a. t-online.de, Handelsblatt, Das Investment

Zuletzt aktualisiert am 24.03.2022