Droht der Wirtschaft eine lange Rezession?

Donnerstag den 5.09.2019 - Abgelegt unter: Brokernews

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist schlecht. Im zweiten Quartal 2019 sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,1 Prozent. Weltweit gibt es zudem jede Menge Konflikte, die weiterhin ungelöst sind. Das gilt für den Handelsstreit zwischen den USA und China. Das gilt auch für den Brexit. Sollten sich Anleger also auf eine lange Rezession einstellen?

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Das ifo Geschäftsklima ist auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gesunken
  • Die ZEW Konjunkturerwartungen sanken zuletzt viermal in Folge auf nun -44,1 Punkte
  • Der Dienstleistungssektor und der private Konsum halten sich bisher hingegen wacker
  • Eine kurze Rezession ist wahrscheinlich, eine lange Rezession oder ein Crash nicht

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Konsumklima stemmt sich gegen den Trend

Sinkt das BIP zweimal in Folge, spricht man von einer technischen Rezession. Ende letzten Jahres ist Deutschland an einer solchen bereits knapp vorbeigeschrammt. 2019 könnte es zu einer solchen jedoch kommen.

Dafür sprechen zahlreiche Konjunkturindikatoren. Das ifo Geschäftsklima sank zuletzt um 1,57 Prozent auf 94,3 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit sieben Jahren.

Quellen:

Auch mit den ZEW-Konjunkturerwartungen geht es rapide bergab. Zuletzt sank es von -24,5 auf -44,1 Punkte. Es war der vierte Rückgang in Folge.

Quellen:

Betroffen sind vor allem wichtige Industrien wie die Autohersteller – dieses Problem teilt Deutschland mit China, wo die Industrie gerade viermal in Folge schrumpfte.[1] Es gibt jedoch nicht nur negative Meldungen.

Der Einkaufsmanagerindex der deutschen Industrie stieg im August leicht auf 43,5 Punkte. Zudem zeigt sich der Dienstleistungssektor bisher überraschend robust. Und auch die privaten Verbraucher lassen sich nicht beirren. Das Konsumklima trotzt dem allgemeinen Trend und hielt sich im August stabil bei 9,7 Punkten.

Quellen:

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Ein Crash ist unwahrscheinlich

Alles in allem wäre es nicht überraschend, wenn es 2019 zu einer technischen Rezession kommt. Eine länger anhaltende Rezession ist hingegen unwahrscheinlich. Auch von einem Crash ist nicht auszugehen.

Diese Einschätzung teilen Experten der Deutschen Bank und des Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen. So erwartet die Deutsche Bank auch im Falle einer technischen Rezession keinen allzu heftigen Konjunktureinbruch.  Adrian Roestel, Leiter des Portfoliomanagements beim Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen, meint: „Einen Abschwung wie 2013 oder in der Finanzkrise wird es nicht geben. Sollte sich die Rezession verschärfen, werden wir neben der anhaltend lockeren Geldpolitik deutliche fiskalische Impulse sehen.“[2]

Für Anleger heißt das: durchhalten. Sie sollten sich von der Schwächephase nicht beeindrucken lassen, sich jedoch auf stärker schwankende Kurse einstellen. Wer beispielweise auf einen Sparplan setzt, kann dann gegebenenfalls auch von den niedrigen Kursen profitieren.

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[1] WirtschaftsWoche – China will Wirtschaft mit Investitionen und Reformen stützen

[2] Focus Money – Der Boom ist vorbei – kommt jetzt der Crash?