Deutsche Bank – jetzt Aktien kaufen oder nicht?

Mittwoch den 9.03.2016 - Abgelegt unter: Aktien, Brokernews, Online-Broker News

Betrachtet man die Deutsche Bank und ihren Aktienkurs in den Jahren seit der Finanzkrise 2008, ist von Deutschlands Nummer Eins nicht mehr viel übrig geblieben. Dies gilt sowohl für den Aktienkurs als auch für das Image des hiesigen Branchenprimus. Galt das Unternehmen gemessen an der Bilanzsumme im Jahr 2013 noch als drittgrößte Bank der Welt, musste sie sich im Jahr 2015 mit Rang 11 zufriedengeben.

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Update vom 28.06.2016:

Auch Mitte 2016 sieht es nicht gut aus für die Deutsche Bank. Das Brexit-Referendum führte zu einem erneuten Tiefschlag. Der Kurs der Deutsche Bank-Aktie rutschte am Montag vorübergehend auf 12,07 Euro ab. So wenig war das Papier noch nie Wert. Einige Trader wie der Hedgefonds-Manager George Soros schlagen daraus Kapital – sie haben die Deutsche Bank-Aktie „geshortet“, also darauf gewettet, dass es mit ihr bergab geht. Und auch die Analysten lassen kein gutes Haar daran. Das Verhältnis derer, die zu einem Kauf raten, zu denen, die einen Verkauf empfehlen, ist 4 zu 12.

Was waren die Auslöser für den rasanten Absturz der Aktie zur Jahreswende 2015 / 2016?

  • Die Doppelspitze Fitschen / Jain als Nachfolger von Josef Ackermann konnte keine gemeinsame Linie finden.
  • Millionenrückstellungen für Prozesse in den USA und Großbritannien.
  • Massiver Imageverlust durch Zinsmanipulationen und daraus resultierende Gerichtsverfahren.
  • Endlose Verfahren um Wiedergutmachung für die Kirch-Gruppe.
  • Wiederholte Durchsuchung der Geschäftsräume, auch im Hauptsitz in Frankfurt am Main durch die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung.
  • Geplanter Verkauf der Postbank gestaltet sich schwerer als gedacht.
  • Massive Einsparungen sollen durch die Schließung von einem Drittel der Filialen der Deutsche Bank PGK AG erzielt werden.
  • Aufwendungen im dreistelligen Millionenbereich für Erneuerung der völlig veralteten IT.

Dass sich das Unternehmen nicht mit Ruhm bekleckert hat, spiegelt nichts deutlicher wider als der Aktienkurs. Betrug der Aktienkurs am 11. Mai 2007 immerhin noch 117,96 Euro, so mussten sich die Aktionäre am 19. Februar 2016 noch mit einem Gegenwert von 15,20 Euro zufriedengeben.

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Quelle: http://www.finanzen.net/chart/Deutsche_Bank

Aber nicht nur die Aktie der Bank ist, gelinde formuliert, unter Druck geraten. Anleihen des Geldhauses sind aktuell für 70 Prozent des Nominalwertes zu haben.

Der neue Chef in den Doppeltürmen, John Cryan, hatte neben der Hiobsbotschaft der Schließung von rund 200 Filialen noch weitere schlechte Nachrichten. Nach dem schlechtesten Geschäftsjahr in der Geschichte des Kreditinstituts im Jahr 2015 mit einem Verlust in Höhe von 6,7 Milliarden Euro setzt die Deutsche Bank AG zunächst für die Jahre 2015 und 2016 die Dividendenzahlung aus.

Zieht man an dieser Stelle ein Fazit, ist es nicht dunkelblau um die Deutsche Bank bestellt, eher dunkelschwarz. Die Frage, ob die Aktien dieses Unternehmens noch interessant sind, erscheint fast schon obsolet. Manch ein Aktionär mag sich in Anlehnung an den Werbeslogan der Deutsche Bank die Frage stellen, ist dies „Leistung aus Leidenschaft“ oder eher Leistung, die Leiden schafft.

Wie steht es aber mit den Rahmenbedingungen?

Aktienkurse werden bekanntermaßen von mehreren Faktoren bestimmt:

  • Die aktuelle Situation des Unternehmens
  • Die künftige Entwicklung der Gesellschaft
  • Dem aktuellen Marktumfeld
  • Dem künftigen Marktumfeld

Aktuell steht es um die Deutsche Bank eher schlecht. Gelingt es John Cryan, den geplanten Konzernumbau ohne allzu viele Kollateralschäden umzusetzen, könnte die DB wieder zu alter Stärke zurückfinden. Dies sind jedoch die hausgemachten Probleme und Lösungen.

Positiv fällt für die Deutsche Bank das Marktumfeld ins Gewicht. Nie war die Refinanzierung für Banken so günstig, wie im Moment. Dieser Kostenfaktor hält sich also in Grenzen. Das Risiko, dass es hierzulande Bankpleiten geben könnte, ist so niedrig wie nie. Der Gesamtforderungsbestand der deutschen Kreditwirtschaft weist nur einen Anteil von 2,3 Prozent notleidender Kredite aus. Damit sitzt Deutschland auf dem ersten Platz innerhalb Europas.

Darüber hinaus hat sich die Eigenkapitalquote der 20 größten Banken in Europa, die Deutsche Bank zählt zu diesem Kreis, von sieben Prozent im Jahr 2008 auf die Summe von 13 Prozent im Jahr 2016 erhöht. Die Bilanzwerte der deutschen Kreditinstitute haben sich kontinuierlich erhöht, bei der Deutsche Bank seit 2011 um stolze 40 Prozent. Über mangelnde Liquidität kann sich keines der Geldhäuser hierzulande beschweren.

Die Kursentwicklung der Deutsche Bank spiegelt in den Augen des US-Investmentmanagers Ken Fisher, Inhaber von Fisher Investments mit Sitz in San Francisco, die Ängste der Anleger vor einer Finanzkrise ähnlich dem Jahr 2008 wider (Focus, Ausgabe 9/2016). Für ihn sind diese Ängste völlig unbegründet, da sowohl die Deutsche Bank über die Mittel verfüge, sich wieder zu konsolidieren, als auch das Marktumfeld genügend Spielraum für ein schnelles Wiedererstarken der Bank vom Main bietet. Für ihn stellt die Deutsche Bank eine klare Kaufempfehlung dar, „wer gierig ist, steigt ein“.

Wie entwickeln sich eigentlich die Banken ohne Skandale?

Der Imageverlust der Deutsche Bank ist für viele Anleger Grund genug, nicht in dieses Unternehmen zu investieren. Nicht nur bei Geldanlagen geht der Trend immer stärker in Richtung nachhaltiger Investments, auch bei Direktinvestitionen, sprich Unternehmensbeteiligungen, steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Optionen.

Der Kursverlauf der Aktie der UmweltBank zeigt ein Bild, welches den Aktionären der Deutsche Bank die Tränen in die Augen treiben dürfte:

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Quelle: http://www.finanzen.net/aktien/Umweltbank-Aktie

Für das Jahr 2014 schüttete die UmweltBank im Jahr 2015 eine Dividende von 1,30 Euro je Aktie aus. Die Aktionäre der Deutschen Bank mussten sich im gleichen Jahr mit lediglich 0,75 Euro zufriedengeben. Von großflächigen Rechtsstreitigkeiten mit Kunden ist bei einer der ältesten Banken im Bereich „nachhaltige Finanzen“ ebenso wenig zu hören, wie von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.

Die meisten der nachhaltig operierenden Banken agieren jedoch auf genossenschaftlicher Basis, wie beispielsweise die GLS-Bank mit Sitz in Bochum. Damit entfällt eine Beteiligung in Form von Aktienerwerb. Interessenten können jedoch Genossenschaftsanteile erwerben. Die Anteile bei der GLS haben einen Gegenwert von 100 Euro und schütten eine Dividende zwischen ein und drei Prozent pro Jahr aus. Eine solche Beteiligung lässt sich natürlich nicht mit den Wachstumspotentialen einer Aktie vergleichen. Der eine oder andere Anleger mag jedoch dem Geschäftsmodell der Nachhaltigkeit gegenüber dem klassischen Bankgeschäft den Vorzug geben.