Interview mit Salome Preiswerk, Gründerin von Whitebox
Nachgefragt: Was macht Whitebox eigentlich anders als andere Robo-Advisor?

Salome Preiswerk, Whitebox

Salome Preiswerk, Gründerin von Whitebox

Whitebox ging in den letzten Monaten regelmäßig als Anbieter mit der besten Rendite aus dem Echtgeld-Test der bekanntesten deutschen Robo-Advisor hervor und führt auch aktuell das Feld an. Zeit für ein Zwischenfazit und ein Interview mit Salome Preiswerk, einer der beiden Gründerinnen.

Whitebox rangiert an der Spitze in unserem Echtgeld-Test und hat jüngst seine Renditezahlen für das erste Jahr am Markt veröffentlicht, die mit bis zu knapp 20 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegen. Überrascht Sie das Resultat?

Nein, höchstens bezüglich der absoluten Höhe. Wir sind aber durchaus sehr erfreut.

So schneidet Whitebox in unserem Echtgeld-Test ab »

Eine Prognose – werden Sie auch in der Jahreswertung Ende April an der Spitze des Echtgeld-Tests stehen?

Gut möglich, wobei ich natürlich nicht in die Glaskugel schauen kann. Wichtig ist uns vor allen Dingen, dass sich unser Ansatz für unsere Kunden mittel- und langfristig auszahlt. Hier kommt unser großer Mehrwert zum Tragen.

Was meinen Sie damit?

Zunächst, dass wir die Portfoliostruktur bei Bedarf überhaupt anpassen können bzw. dürfen. Die meisten Anbieter – jene ohne Lizenz der BaFin zwingend, andere mit Lizenz z.T. ebenso – arbeiten mit starren Musterportfolios, deren Allokation über Jahr und Tag unverändert bleibt.

Wo liegt Ihrer Meinung das Problem?

Nebst der Tatsache, dass der Kunde für eine derartige „Dienstleistung“ heutzutage eigentlich nichts zahlen müsste, sehen wir die Problematik in der Starre und den mangelnden Eingriffsmöglichkeiten selbst. Ein Beispiel: US-Aktien. Die mögen – z.B. jüngst auf Basis des sogenannten Trump-Effekts – für eine Weile gut laufen. Wenn unsere Berechnungen allerdings zutreffen – wir halten US-Aktien für überbewertet und den positiven Effekt für nicht für nachhaltig – sollte der Anleger eigentlich die Quote an US-Aktien in seinem Portfolio reduzieren. Das haben wir bereits frühzeitig und entgegen vielen anderen Marktteilnehmern getan. Anbieter von starren Portfolios nehmen – sozusagen zufällig – wohl mal ein paar gute Börsenwochen mit, müssen danach aber gegebenenfalls tatenlos zusehen, wie die Korrektur über ihre Portfolios einbricht.

Wieso meinen Sie, die Zukunft richtig voraussagen zu können? Sie sagten, Sie können nicht in die Glaskugel sehen.

Nein, selbstverständlich nicht. Bei einer modernen Vermögensverwaltung sollte es nicht um subjektive Meinungen gehen bzw. sollten Portfolios nicht auf ein bestimmtes Szenario hinausgelegt werden. Zum Beispiel, ob Trump gewählt wird oder nicht, ob der Brexit kommt oder nicht. Ein Portfolio soll sich in möglichst vielen Szenarien gut verhalten. Risikomanagement, darum geht es eigentlich, wenn ich sage, dass ein Portfoliomanager aktiv in die Portfoliostruktur eingreifen können muss.

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Risikomanagement – Was kann sich ein Anleger jedoch darunter vorstellen?

Risikomanagement ist das wichtigste Thema bei der Geldanlage. Letztlich geht es um das Ziel, bei gleichem Risiko mehr Rendite zu erzielen oder eben bei gleicher Rendite weniger Risiko einzugehen. Risiko und Rendite stehen immer in einem Verhältnis zueinander.

Nun ist Whitebox aber nicht der einzige Anbieter, der Risikomanagement in die Geldanlage einfließen lässt. Funktioniert das überall ähnlich?

Abgesehen von denjenigen, die unserer Meinung nach nur tun, als ob sie Risiken aktiv managen, lautet die Antwort trotzdem: Nein. Das Ziel ist dasselbe, jedoch bereits das Verständnis von Risiko unterscheidet sich. Für die einen geht es darum, Volatilität möglichst zu vermeiden. Für uns geht es darum, einen bleibenden Kapitalverlust zu vermeiden. Bei den einen ist die Frage eher, „was halte ich wann“, bei uns eher „was halte ich überhaupt“ – unseres Erachtens ist die Assetallokation, die Anlagestrategie nach wie vor „King“. Im Resultat lässt sich die Portfoliostruktur einiger Anbieter bisweilen durchaus als Antithese zu unserer Struktur bezeichnen. Mit anderen Worten: Risikomanagement ist überhaupt nicht gleich Risikomanagement.

Und wie lautet das Rezept von Whitebox?

Wir nennen unseren Ansatz „bewertungsorientiertes“ Risikomanagement. Es geht um das Kaufen fundamental starker Anlagen, die unterbewertet sind. Experten nennen diesen Ansatz auch „Value-Ansatz“ – und während Warren Buffet sich eher auf Einzeltitel konzentriert, betrachten wir ganze Anlageklassen. Jedoch durchaus auch auf Basis der individuellen Bestandteile. Wir erachten das als eines der effektivsten Mittel zur Vermeidung von Anlagerisiken. Das – also ein bunter Strauß der besten „Value-Opportunitäten“ – alleine genügt allerdings nicht.

Sondern?

Immer, wenn sich in einem Depot mehr als ein Anlageprodukt befindet, ist es de facto ein Portfolio. Risiken verstärken sich oder heben sich gegenseitig auf, die Bestandteile stehen in einer Beziehung zueinander. Insofern geht es um das Ausbalancieren von Chancen und Risiken.

Unser Ansatz kompensiert letztlich die bekannten Unzulänglichkeiten der weit verbreiteten „modernen Portfoliotheorie“. Indem wir etwa mit nicht-normalverteilten statt normalverteilten Renditeannahmen arbeiten – oder indem wir CVaR statt die unseres Erachtens unzulänglichen Standardabweichung oder VaR als Risikomaß heranziehen. So sollen Risiken besser abgebildet und die gefürchteten schwarzen Schwäne besser in Schach gehalten werden.

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