Goldman Sachs sieht mittelfristig hohe Ölpreise

Mittwoch den 8.06.2022 - Abgelegt unter: Aktien, Brokernews

Das Investmenthaus Goldman Sachs hat eine Prognose bezüglich der Ölpreise in der nahen Zukunft gewagt. Ein kurzer Blick auf die Prognosen für 2022/2023 zeigt, dass der Höhepunkt vermutlich noch nicht erreicht ist.

Im dritten Quartal wird es für Verbraucher, aber auch Unternehmen, noch einmal richtig bitter, bevor von den US-Analysten eine leichte Entspannung im Jahr 2023 erwartet wird. Autofahrer weltweit stöhnen unter den horrenden Preisen für Benzin und Diesel, Hausbesitzer mit einer Ölheizung lassen die Tanks nur noch notdürftig befüllen. Das heutige Szenario wird noch viel interessanter, wenn man sich einmal mit der Vergangenheit beschäftigt.

Brent spot WTI spot Brent-WTI
Spot Spot Spot
New Prior Fwd New Prior Fwd New Prior Fwd
3Q22 140 125 117 137 119 113 3.0 6.0 3.6
4Q22 130 125 110 125 119 106 5.0 6.0 4.2
1Q23 130 115 105 125 110 100 5.0 5.0 4.5
2Q23 130 115 101 125 110 96 5.0 5.0 4.7
3Q23 125 115 97 120 110 92 5.0 5.0 4.9
4Q23 115 115 94 110 110 89 5.0 5.0 4.9
3m 140 125 114 137 119 111 3.0 6.0 3.7
6m 130 125 108 125 119 104 5.0 6.0 4.4
12m 130 115 99 125 110 95 5.0 5.0 4.8
Quelle: ICE, CME, Goldman Sachs Global Investment Research

Immerhin fällt die Hauptreisezeit in das dritte Quartal, die Zahlen von Goldman Sachs, zeigen, dass die Spitze aufgrund der dann steigenden Nachfrage nach Benzin, Diesel und Kerosin noch bevorsteht.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Nach einem weiteren Anstieg der Preise für Rohöl ist mit einer marginalen Erholung im Jahr 2023 zu rechnen
  • Ukraine-Krieg ist nicht der einzige Grund für den massiven Preisanstieg
  • Ähnliches Preisniveau im Jahr 2012 führte nicht zu der drastischen Verteuerung von Heizöl wie der Preisanstieg im Jahr 2022
  • Ökologische Restriktionen führen ebenfalls zu Verknappung

Ölpreise im Jahr 2022 kein Allzeithoch

Der eine oder andere mag sich noch erinnern, andere werden sich bei den folgenden Zahlen wundern. Vorweg: Die aktuellen Ölpreise sind keineswegs ein Novum. In den Jahren 2011, 2012 und 2013 lagen sie auf dem gleichen Niveau wie heute. Aber wie sah es dabei mit Heizöl und Benzin aus? (1)

Durch­schnitt­liche Preise 2011 2012 2013 2022
Rohöl / Barrel in Euro in USD 77,24
(107,46)
85,16
(109,45)
79,40
(105,87)
97,34
(104,67)
Benzin / Liter Deutsch­land in EUR 1,5540 1,6460 1,5920 1,8880
Heizöl / Liter Deutsch­land in EUR 0,81 0,881 0,829 1,1684

Wichtig in Bezug auf den Rohölpreis ist die Entwicklung in US-Dollars. Denn obwohl der Preis in US-$ unter dem der Jahre 2011 bis 2013 liegt, hat er sich durch die Veränderung des Wechselkurses von US-Dollar zu Euro in Europa verteuert.

Wie sieht es mit der prozentualen Preisentwicklung aus? Während sich Rohöl in Euro von 2012 auf 2022 um 14 Prozent verteuert hat, fällt die Preisentwicklung bei den Endprodukten unterschiedlich aus:

  1. Benzin: + 14 Prozent
  2. Heizöl: + 32 Prozent

Zu sagen, die Ölkonzerne würden die aktuelle Situation nutzen, um ihre Margen noch einmal zu verbessern, ist etwas zu einfach. Hier muss differenzierter hinterfragt werden, was die Gründe für die anhaltenden Preisanstiege sind.

Raffinerieengpässe ein Preistreiber

Eine der Ursachen für den Preisanstieg liegt in der Verknappung von Raffineriekapazitäten gerade in den USA. Die Ursachen dafür werden Verbraucher als banal einstufen. Durch Wirbelstürme, Feuer, Explosionen oder Alter beschädigte Raffinerien werden aus Gründen der Rentabilität nicht mehr repariert oder wieder aufgebaut. Dies ist trotz steigender Nachfrage leider der Fall. Mit dem Mangel an eigenen Raffinerien steigt natürlich der Bedarf an ausländischem Öl.

Die USA haben schon immer einen Teil ihres Ölbedarfs aus Russland importiert, allerdings nur in marginalen Größen. Erst seit dem Jahr 2019 kam es zu einem signifikanten Anstieg von 3,8 Prozent im Jahr 2018 auf 7,9 Prozent im Jahr 2021 (2).

Die EU bezog im Jahr 2019 über ein Viertel, 25,4 Prozent, ihres Öls aus Russland. Norwegen folgte mit 10,37 Prozent auf Rang zwei vor dem Irak mit 8,74 Prozent (3).

Die Zahlen für Deutschland, wenn auch aus dem Jahr 2018, wichen massiv von den EU-Zahlen ab. Russland war mit 36,3 Prozent Hauptöllieferant. Norwegen steuerte 11,8 Prozent bei und Libyen auf Platz 3 immerhin noch 8,5 Prozent (3). China als Öllieferant spielt in keinem der drei Szenarien eine Rolle.

Ökologische Kriterien führen ebenfalls zu einer Verteuerung

Aktuell sind bei der Ölpreisdiskussion alle Augen nach Osteuropa gerichtet. Der Ukrainekrieg 2022 ist aber nicht der einzige Auslöser. Ein weiterer Punkt, der bei der Betrachtung der Ölpreisentwicklung keineswegs außer Acht gelassen werden darf, sind die sogenannten ESG-Kriterien. ESG steht für

  1. E: Environmental (Umwelt)
  2. S: Social (Soziales)
  3. G: Governance (Unternehmensführung)

Wer als Unternehmen heute respektiert werden möchte, muss sich das “ESG” auf die Fahnen schreiben. Das hat nicht nur ideelle Hintergründe. Die Umsetzung der Geschäftspolitik in Anlehnung an “ESG” ist heute ein Maßstab, der beispielsweise auch bei der Kreditvergabe berücksichtigt wird.

Die Förderung, Verarbeitung und Nutzung von Erdöl und Erdölprodukten wird unter Umweltgesichtspunkten sehr skeptisch gesehen. Damit wird es für Öl fördernde Unternehmen schwieriger, Finanzierungen für künftige Projekte zu erhalten. Die Versicherungswirtschaft tut sich schwer, Vorhaben zu versichern, die nicht mit ESG-konform sind, um selbst wiederum nicht in den Ruf zu gelangen, gegen ESG-Kriterien zu verstoßen. In der Summe kommt dies einem Förderverbot für Rohöl gleich.

Das Schlüsselwort dafür lautet “Taxonomie”. Darunter versteht die Wissenschaft die Einordnung in systematische Kategorien. Taxonomie bedeutet in diesem Zusammenhang, dass bei der Analyse von ESG keine differenzierte Betrachtung betrieben wird, sondern die Verantwortlichen klassisches Schubladendenken betreiben.

Aktien von Ölkonzernen als Absicherung für Verbraucher

Wer sich vor steigenden Öl- und Benzinpreisen schützen will, kann das über Aktien von Öl- und Gaskonzernen tun. Bleiben die Ölpreise dauerhaft hoch oder steigen sie noch weiter, steigen in der Regel auch deren Kurse. Einige dieser Werte lassen sich sogar bequem per Sparplan in kleinen monatlichen Raten besparen – etwa Chevron, Equinor, Exxon oder Occidental Petroleum:

AktieWKNcomdirectConsorsbankINGTARGOBANKMaxblueS BrokerSmartbrokerDKB
Comdirect »Consorsbank »ING »TARGOBANK »Maxblue »S Broker »Smartbroker »DKB »
Chevron Corp.852552jajajaneinneinjaneinnein
Equinor675213neinjaneinneinneinneinneinnein
Exxon Mobil852549jajajaneinneinjaneinnein
Occidental Petroleum851921neinneinjaneinneinneinneinnein

Weiterführende Hinweise

  1. Alle Zahlen von Statista.de, Wechselkurse US-$ Mittelwert des jeweiligen Jahres.
  2. Ölimporte der USA aus Russland – Statista.de
  3. Ölimporte der EU im Jahr 2019 – Statista.de
  4. Ölimporte Deutschland im Jahr 2018 – Statista.de

Zuletzt aktualisiert am 08.06.2022