Sell in May – oder doch nicht?

Donnerstag den 9.05.2019 - Abgelegt unter: Brokernews

Im Mai macht traditionell eine alte Börsenweisheit die Runde: „Sell in May and go away, but remember to come back in September.“ Zugegeben, die Signale aus der Wirtschaft sind derzeit uneinheitlich und die Wachstumsprognosen gedämpft. Die meisten Anleger sollten die Börsenweisheit dennoch ignorieren.

Handelskonflikt zwischen USA und China verschärft sich wieder

Nachdem es zuletzt so aussah, als könnten sich die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China entspannen, meldete sich Donald Trump am Sonntag per Twitter zu Wort und kündigte an, die Importzölle auf bestimmte chinesische Produkte auf 25 Prozent erhöhen zu wollen. Betroffen sind Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar. Auch auf weitere Waren aus China im Wert von 325 Milliarden Dollar will Trump Strafzölle erheben.[1]

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Das ist nur einer der zahlreichen Konflikte, die derzeit ungelöst sind. Auch die Brexit-Frage ist bleibt ungeklärt. Kein Wunder also, dass die wirtschaftliche Stimmung gedämpft ist. Doch es gibt keinesfalls nur negative Signale. So stiegen etwa die ZEW Konjunkturerwartungen, bei denen rund 200 Analysten einschätzen, wie sich die deutsche Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten entwickeln wird, sechs Mal in Folge an und liegen nun bei 3,1 Punkten. Das ist zugleich der erste positive Wert seit einem Jahr.

Quellen:

  • ZEW

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Sell in May – mehr Rendite nur mit viel Aufwand

Sollten Anleger also jetzt ihre Wertpapiere abstoßen und im September zurückkehren, wie es die Börsenweisheit nahelegt? Für die meisten Anleger dürfte das kaum praktikabel sein. Ob ein solches Anlageverhalten überhaupt einen Effekt hat, ist umstritten. So hat LYNX Broker die Entwicklung des DAX in den letzten zwanzig Jahren untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass es den Effekt früher tatsächlich gab, er sich aber seit der Jahrtausendwende überholt hat. Das liegt am technischen Fortschritt, der den Handel an der Börse erleichtert und verändert hat.[2]

Eine Studie des Schweizer Finanzdienstleisters VZ Holding kommt zu dem Ergebnis, dass eine Sell-in-May-Strategie zwar über längere Betrachtungsperioden oft eine höhere Rendite erzielt als eine Kaufen-und-Halten-Strategie. Allerdings muss die Strategie über einen sehr langen Zeitraum konsequent umgesetzt werden. Sie kommt also nur für sehr disziplinierte Anleger in Frage, die Zeit und Nerven genug haben, sie jedes Jahr umzusetzen.[3]

Für alle anderen empfiehlt sich eine Kaufen-und-Halten-Strategie. Zumal bei jeder Order Kosten anfallen. Außerdem kann eine Kaufen-und-Halten-Strategie mehrere Jahre hintereinander deutlich bessere Resultate erzielen.

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Weiterführende Links

[1] Handelsblatt – Warum Trumps Kehrtwende im Handelskonflikt mit China so riskant ist

[2] LYNX Broker – „Sell in May and go away“ – Woher kommt die Faustregel?

[3] VZ Finanzportal – Was ist dran an «Sell in May»?