3 Fonds-Vergleichskriterien

1) Der Kostenvergleich

Wenn es sich um die Berechnung einer voraussichtlichen Rendite eines Finanzprodukts dreht, ist ein Kostenvergleich unumgänglich. Unterschiedliche Kostenstrukturen und –grade besitzen maßgeblichen Einfluss auf die Renditen eines Fondsinvestments.

Zunächst ist bei den Kosten zwischen solchen, die aufgrund der Verwahrung und durch den Vertrieb, und solchen, die durch den „Betrieb“ des Fonds anfallen, unterscheiden. Erste werden von der gewählten Depotbank erhoben, die Zweiten verlangt die Fondsgesellschaft.

Ausgabeaufschlag für Vertriebskosten

Der Aushabeaufschlag stellt sich meist (teilweise oder vollständig) als Vermittlungsprovision dar. Auch die Verwaltungsgebühr kann teilweise für Vertriebsaufwendungen verwandt werden.

Normalerweise muss beim Kauf über die Hausbank der volle (von der Fondsgesellschaft vorgegebene) Ausgabeaufschlag gezahlt werden, Direktbanken geben Rabatte bis 50% und bei der günstigsten Variante, dem Erwerb eines Fonds über eine Fondsvermittler im Internet, kann der Anleger bis 100% Nachlass erwarten.

Dachfonds besonders teuer

Es ist davon auszugehen, dass Dachfonds mit Ausgabeaufschlägen zwischen 5 und 7% zum Teuersten gehören, was im Fondssektor zu finden ist. Für gewöhnlich liegen regionale oder branchendefinierte Aktienfonds im Bereich zwischen 3 und 6%, Rentenfonds zwischen 1,5 und 5%, Immobilienfonds zwischen 3 und 6% und Geldmarktfonds zwischen 0 und maximal 2,5%.

Hat der Investor sich zwischen zwei Fonds des gleichen Segments entschieden, sollten Unterschiede beim Ausgabeaufschlag bis 1% nur geringen Einfluss auf die Kaufentscheidung ausüben. Die einmalige Zahlung von 1% mehr oder weniger hat bei einer Laufzeit von (hypothetischen) 5 bis 10 Jahren nur sehr wenig Einfluss auf Gesamtrendite p.a.

Verwaltungsgebühr im Fokus

Die Höhe der Verwaltungs- oder Managementgebühr unterscheidet von Fonds zu Fonds recht stark und hängt unter anderem davon ab, wie aufwändig die Betreuung des Finanzprodukts ist. Die Managementgebühr wird mit dem Anteilsvermögen des Anlegers über die Depotbank verrechnet und beläuft sich jährlich zwischen etwa 0,50% und 2,00%.

Hinsichtlich der Gesamtrendite schlagen diese Kosten weit stärker zu Buche als beispielsweise der Ausgabeaufschlag. Jährlich anfallende Kosten addieren sich über den gesamten Anlagezeitraum und so machen sich bereits Unterschiede von 0,25 % bei der Gesamtrendite bereits recht empfindlich bemerkbar.

Vergleiche und Kontrolle unabdingbar

Von der jeweiligen Fondsgesellschaft wird die jährliche Verwaltungsgebühr für jeden ihre Fonds festgelegt. Die Vertriebsgesellschaften gewähren meist keinerlei Rabatt auf die Verwaltungsgebühren.

Der Investor kann die Verwaltungsgebühren im Regelfall recht gut vergleichen. Angaben hierzu finden sich z. B. auf den bekannten Internet-Seiten (onvista.de, fondsweb.de) oder auf den sogenannten factsheets, die die Fondsgesellschaften regelmäßig für die jeweiligen Fonds veröffentlichen.   

2) Der Renditevergleich

Renditevergleiche sind in erster Linie für Aktienfonds sinnvoll und daneben auch relativ leicht zu vollziehen. Wenn ein Anleger sich beispielsweise im Segment Aktien Welt engagieren möchte, wird er, sobald ihm die Performancelisten möglichst vieler Wettbewerber vorliegen, einige Fonds in die engere Wahl nehmen.

Für welchen Fonds sich der Investor am Ende entscheidet, hängt jetzt davon ab, wie die Performances über die verschiedenen Zeitläufe von ihm nach seinen individuellen Risikoaspekten eingestuft werden.

Amundi-Fonds im Beispiel vorn

Ein Anleger interessiert sich, nachdem er von einem befreundeten Finanzexperten einen Tipp erhalten hat, für den AMUNDI INTERNATIONAL SICAV (ISIN LU0068578508/WKN 635297). Bei der einjährigen Performance liegt dieser +5,02% noch im akzeptablen Bereich, über drei Jahre hinweg weist er mit +47,21% ein hervorragendes Ergebnis aus.

Jedoch kann diese Betrachtung allein nicht die Grundlage für eine Kaufentscheidung sein, hierzu müssen weitere Fragen geklärt werden. Selbst die besten Fonds eines Sektors könnten allesamt schlechter performen als der zugrunde liegende Vergleichsindex (Benchmark).

Die Begründung des Tipps des Freundes aus unserem Beispiel bezog sich nämlich ebenfalls darauf, dass der Amundi-Fonds mit seiner Value-Strategie ein besonders risikoarmes Konzept verfolgt. Auch besitzt dieses Produkt einen Performance-Rekord über 50 Jahre (!) hinweg, der eine durchschnittliche jährliche Entwicklung von etwa +10,50% bei niedriger Schwankungsanfälligkeit ausweist.

Fondsentwicklung – Benchmarkentwicklung

Um die Entwicklung des Fonds mit der der Entwicklung der Benchmark vergleichen zu können, empfiehlt sich die Betrachtung des Charts des Fonds. In den meisten Chart-Abbildungen ist auch gleich die Benchmark eingezeichnet.

3) Der Volatilitätsvergleich

Volatilität ist die Maßeinheit für das Risiko, mit dem die Schwankungsbreite bzw. -intensität eines Finanzprodukts gemessen wird. Durch die Volatilität wird das Gesamtrisiko eines Fonds dargestellt. Ein hoher Wert deutet auf ein höheres Risiko und damit größere Preisschwankungen hin.

Der Ursprung des Begriffs „Volatilität“ geht auf das lateinische volatilis „fliegend; flüchtig“ zurück. In der Statistik ist Volatilität als Schwankung von Zeitreihen.

Bei der Volatilität handelt es sich um eine mathematische Größe für das Maß des Risikos jeder Kapitalanlage. Hierbei wird ein Durchschnittswert für die Entwicklung des Finanzprodukts in einem bestimmten Zeitabschnitt gebildet. Als Standard werden die Schwankungen dieses Werts gemessen. Diese beschreiben, wie weit sich der Fonds in dem Zeitabschnitt von dem Durchschnittswert bewegt hat.

Beispielrechnung

Zwei Fonds steigen durchschnittlich um 10% pro Jahr, somit ist der Ausgangswert (A) 110 Euro, die Volatilität (V) beläuft sich für den ersten Fonds auf 20% (20 : 100 = 0,2) und für den zweiten 30 Prozent (30 : 100 = 0,3). Es wird davon ausgegangen, dass Fonds eine Gewinnchance von A ×(1 + V) und ein Verlustrisiko von A: (1 + V) besitzen.

Das heißt für den ersten Fonds A mal 1,2 für den oberen Wert (= 132) und A geteilt durch 1,2 für den unteren Wert (= 92) bei einer Volatilität von 20 Prozent; A mal 1,3 (= 143) und A geteilt durch 1,3 (= 85) bei einer Volatilität von 30 Prozent für den zweiten Fonds.

Aufwändige Berechnung

Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass nicht für jeden Fonds zu jedem Zeitabschnitt Volatilitäten berechnet vorliegen, die der Investor im Bedarfsfall miteinander vergleichen könnte. Verantwortlich sind die relativ zeit- und damit kostenaufwändigen ständig durchzuführenden Berechnungen, die unumgänglich wären.

Fondsweb.de führt Berechnung dieser Art, leider nicht für alle Fonds, durch. Dazu suchen Interessierte zunächst die Seiten der Fonds, über die er die Informationen abrufen möchte. Anschließend kann der Anleger diese unter dem Punkt „Kennzahlen“ abrufen.

Aktienfonds mit höherer Volatilität

Zu den volatilitätsärmsten Fonds zähen Geldmarktfonds oder Offene Immobilienfonds. Diese weisen nahezu keine Volatilität auf, besitzen dementsprechend lediglich ein sehr niedriges Risiko – jedoch auch bei geringen Gewinnaussichten. Aktienfonds sind in aller Regel, abhängig von ihrem Anlagespektrum und ihrer Strategie, volatitlitätsstärker.

 


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