Geldanlage nach dem Brexit

Viele deutsche Anleger haben die teilweise sehr guten Angebote Britischer Banken, beispielsweise der Royal Bank of Scotland genutzt, und Konten für Tagesgelder und Festgelder bei einem britischen Institut eröffnet. Diese Sparer stellen sich jetzt, über ein  Jahr nach dem Referendum, die Frage, was eigentlich mit ihrem Ersparten passiert, wenn der Brexit vollzogen ist.

Unstrittig, noch sind die beiden Parteien, Großbritannien und die Europäische Union, weit davon entfernt, getrennte Wege zu gehen. Aufgrund der völlig unterschiedlichen Vorstellungen in Bezug auf die Abwicklung erinnert das ganze aktuell mehr an einen „Letter of Intent“, denn an einen tatsächlichen Bruch. Aber das britische Volk hat entschieden und Theresa May muss Wort halten.

Wie sieht es nun mit den deutschen Anlegern und ihrem Ersparten aus, welche Folgen hat der Brexit, sollte er denn irgendwann Realität werden?

Keine zeitnahen Änderungen in Sicht

Alle Überlegungen können bislang nur hypothetischen Charakter haben, da niemand sagen kann, wann der Brexit vollzogen ist. Kommt es innerhalb der vorgeschriebenen zwei Jahre zu keiner Einigung, kann die Frist für Verhandlungen bei gemeinsamer Zustimmung auf unbegrenzte Zeit ausgedehnt werden.

Angenommen, der Tag ist gekommen, Großbritannien ist kein EU-Mitglied mehr. Das erste, was deutsche Sparer jetzt tun sollten, ist – nichts. Tatsache ist, dass beispielsweise die Einlagensicherung weiterhin Bestand haben wird. Diese beträgt aktuell 75.000 GBP, bedingt durch den Wechselkurs nicht ganz 100.000 Euro. Das Pfund wird vermutlich zunächst an Wert verlieren, eine mittelfristige Erholung ist aber nicht auszuschließen. Alle Überlegungen, wie sich das Verhältnis Euro zu Pfund entwickeln wird, können nur auf einer soliden Kaffeesatzleserei basieren.

Abgesehen von der europäischen Einlagensicherung sind viel britische Banken durch ihre Niederlassungen in Deutschland auch in deutschen Einlagensicherungsvereinen und bieten damit weiterhin die bewährte Sicherheit deutscher Systemen. Niemand kann vorhersagen, wie sich

  • Die britische Wirtschaft nach dem Brexit entwickeln wird
  • Ob es zu einem Investitionsstopp aus dem Ausland kommen wird

Der berühmte englische Nebel liegt in größtmöglicher Dichte über allem, was nach dem Brexit kommt. Sparer sollten sich in Geduld üben und in bester englischer Manier Abwarten und Tee trinken.

Wie sieht es mit den Wechselkursen im schlimmsten Fall aus?

Der Devisenhandel basiert auf Angebot und Nachfrage. Gerät die britische Wirtschaft ins Straucheln, würde dies zu einer Abwertung des Pfund führen. Für Sparer, die in diesem Moment zeitnah ihre Einlagen benötigen, wäre dies ein Nachteil. Anleger, die keinen akuten Liquiditätsbedarf haben, sollten abwarten, bis sich die Währung wieder erholt hat.

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Wer massive Befürchtungen hat, dass bereits das Vorfeld des Brexit zu einer drastischen Abwertung des Pfundes führt, dem sei allerdings geraten, seine Gelder von britischen Banken abzuziehen. Die Entwicklung von Devisenkursen unterliegt nicht nur harten volkswirtschaftlichen Fakten, sondern in großem Umfang auch den psychologischen Momenten der Marktteilnehmer.

Positiv für deutsche Anleger wäre, dass britische Waren in Deutschland billiger würden und auch Reisen auf die Insel die Urlaubskasse deutlich geringer belasten als dies in der Vergangenheit der Fall war. Gerade London ist für sein sportliches Preisniveau bekannt.

Dieser Sachverhalt zeigt jedoch, zugegebenermaßen sehr „plain and simple“, wie sich eine Währung entwickelt. Export und Tourismus steigen durch eine billige Währung, die Wirtschaft erhält einen Schub, die Währung steigt wieder im Kurs.

Währungskonten gab es schon vor langer Zeit, Anleger in diesem Segment wissen um die Volatilität. Manch ein Anleger wird auf den Brexit und den damit möglichen Kursverfall des Pfundes warten, um dann einzusteigen. Es bleibt ja die Option, dass das Pfund mit dem von den Befürwortern versprochenen Erstarkens der britischen Wirtschaft außerhalb der EU wieder steigt.

Es wird offenkundig, dass es keine gesicherte und valide Antwort auf die Frage, wie sich deutsche Anleger im Zusammenhang mit dem Brexit verhalten sollen, gibt – zumindest nicht in Bezug auf Festgelder und Tagesgelder.

Ich habe britische Aktien – was kommt da auf mich zu?

Für britische Aktien gilt, mit oder ohne Brexit, das gleiche, wie für alle anderen Aktien auch. Der Markt  bestimmt den Preis. Könnte man die Frage beantworten, wäre die Antwort für alle Aktienmärkte die gleiche: Jetzt kaufen oder jetzt verkaufen. Allerdings gehen die Börsen immer von zwei parallelen Vermutung aus – der Vermutung der Käufer auf steigende Kurse und die Vermutung der Verkäufer auf fallende Kurse.

Für britische Aktien gilt allerdings im Zusammenhang mit einem Brexit das gleiche, wie für die britische Währung. Es ist anzunehmen, dass es nach dem Vollzug des Brexit dazu kommt, dass die Kurse zunächst massiv nachgeben.

Dazu kommt, dass die Dividenden bei einem Kursverfall des Pfundes für deutsche Anleger ebenfalls weit weniger Rendite bringen, wie aktuell. Wer einen langen Atem hat, kann diesen Sachverhalt aussitzen und hoffen, dass es zu einer Umkehr kommt. Wer massive Befürchtungen hat, sollte sich aus dem britischen Markt zurückziehen.

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Dem Wechselkurs des Pfund kommt in diesem Fall die gleiche Bedeutung zu, wie der Unsicherheit in die nahe Entwicklung der britischen Wirtschaft. Gehen ausländische Investitionen zurück? Müssen die Briten unter Wert ihrer Ware exportieren? Gehen die Banken nach Dublin, Frankfurt am Main oder  Luxemburg?

Der Brexit stellt eine einzige Unwägbarkeit dar, für Anleger ebenso, wie für die britische Volkswirtschaft.

Was sollten deutsche Anleger tun?

Die Antwort auf diese Frage ist so schlicht und einfach, wie sie generell Gültigkeit besitzt. Kein Anleger sollte seine Investments nur auf ein Produkt setzen. Unabhängig davon, ob er im Ausland investiert ist oder nur in Deutschland.

Grundsätzlich gilt, dass eine gesunde Streuung auf unterschiedliche Anlageklassen und durchaus auch unterschiedliche Regionen Risiken jeder Art minimiert. Wer mit zehn Prozent seines Vermögens in Großbritannien investiert ist, kann den Unwägbarkeiten des Brexit durchaus entspannt entgegensehen und weiterhin von attraktiven Zinsen auf der Insel profitieren und durchaus auch ein wenig „zocken“.

Wer seine Einlagen ausschließlich bei britischen Banken platziert hat, sollte eventuell ein wenig umdenken, um Risiken zu minimieren.