ETFs – so erfolgt die Besteuerung

ETFs, börsengehandelte Investmentfonds, setzen ihren Siegeszug in der Gunst der Anleger unbeirrt fort. Zwei Punkte sprechen eindeutig für diese Fondsgattung:

  • Die Performance kann sich sehen lassen.
  • Hinsichtlich der Kosten schlagen sie klassische Fonds um Längen.

Neue Regeln für die Besteuerung von ETFs ab 2018

Ab Januar 2018 ändern sich die Regeln für die Besteuerung von ETFs. Die Steuererklärung soll vereinfacht werden. Die wichtigsten Eckpunkte finden Sie im letzten Abschnitt des Textes.

Einen Punkt haben sie jedoch mit den klassischen Fonds gemeinsam. Die Erträge und Kursgewinne müssen versteuert werden. Die Frage, die sich manch einem Anleger allerdings stellt, ist die Frage, wann und wie die Besteuerung erfolgt. Über das „Wie“ muss man nicht viel sagen. Es gilt die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Für die Modalitäten der Besteuerung gelten vier Kriterien:

  • Der Fonds ist in Deutschland aufgelegt und schüttet Erträge aus.
  • Der Fonds ist in Deutschland aufgelegt und thesauriert die Erträge.
  • Der Fonds ist im Ausland aufgelegt und schüttet Erträge aus.
  • Der Fonds ist im Ausland aufgelegt und thesauriert die Erträge.

Thesaurierung bedeutet, dass die Erträge wieder angelegt werden. Der Investor profitiert erst bei Wiederverkauf der Anteile durch das höhere Rückzahlungsvolumen davon. Anleger müssen im Rahmen ihrer Steuererklärung jeden einzelnen Fonds unter die Lupe nehmen, um keinen Fehler zu machen. Wir wollen im Folgenden die Vorgehensweise für jede der vier genannten Varianten aufzeigen.

Wie werden die verschiedenen ETFs besteuert?

ETFs Deutschland, ausschüttend

Fonds, die in Deutschland aufgelegt wurden und die Erträge einmal jährlich ausschütten, sind für den Anleger am einfachsten zu handhaben. Wie die Bank bei dem Sparbuch oder einer festverzinslichen Anleihe führt in diesem Fall die Fondsgesellschaft die Steuerschuld aus der Ausschüttung direkt an das zuständige Finanzamt ab. Der Depotinhaber muss sich um nichts kümmern. Liegt sein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, kann er die Differenz zur Abgeltungssteuer im Rahmen der Steuererklärung zurückfordern.

ETFs Deutschland, thesaurierend

Thesaurierende ETFs gelten ebenfalls als steuertransparent. Die Fondsgesellschaft publiziert einmal jährlich, in der Regel im Bundesanzeiger, die Höhe der thesaurierten Erträge pro Anteil und führt in diesem Zusammenhang ebenfalls die Abgeltungssteuer pro Anteil direkt an das Finanzamt ab. Der Anteilsinhaber muss auch in diesem Fall nicht tätig werden. Hinsichtlich eines Steuersatzes von weniger als 25Prozent gilt das gleiche Vorgehen wie bei ausschüttenden Fonds.

Etwas anders verhält es sich bei Fonds, welche im Ausland aufgelegt wurden. Die Herkunftsländer sind in der Regel Luxemburg oder Irland.

ETFs Ausland, ausschüttend

Theoretisch werden auch im Ausland die Erträge direkt an der Quelle besteuert. Hier gilt es jedoch, zwei Dinge zu beachten:

  • Wie hoch ist die Quellen- oder Abgeltungssteuer im Ausland?
  • Wird der gesamte Ertrag ausgeschüttet, oder gibt es auch einen Anteil, der thesauriert wird?

Diese Informationen erfragt der Anleger am Besten bei der jeweiligen Fondsgesellschaft, um im Rahmen der Steuererklärung auf Nummer sicher zu gehen.

ETFs Ausland, thesaurierend

Bei dieser Variante ist die Mitarbeit des Anlegers auf jeden Fall gefragt. Er muss theoretisch die thesaurierten Erträge des laufenden Jahres in der Steuererklärung, hier in der Anlage KAP auf jeden Fall angeben.

Wichtig: Die deutschen Finanzbehörden tendieren dazu, bei Verkauf eines thesaurierenden Fonds den gesamten Verkaufserlös, also auch die bereits versteuerten thesaurierten Anteile, zu besteuern. Anleger müssen daher ihre Steuerbescheide aus der Zeit der Haltedauer des Fonds aufbewahren, um dem Finanzamt bei Verkauf der Anteile nachzuweisen, dass bereits eine Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge stattgefunden hat.

Es kommt immer wieder vor, dass Anleger jedoch auf die jährliche Meldung der thesaurierten Erträge verzichten und diese tatsächlich am Laufzeitende versteuern lassen. In diesem Fall handelt es sich um eine ungenehmigte Steuerstundung, die zu einem enormen Zinseszinseffekt führen kann. Eine höchstrichterliche Entscheidung, ob dieses Vorgehen rechtens ist, steht zurzeit noch aus. Immerhin unterstellen die Finanzämter diesen Sachverhalt bei den Anlegern.

Die Ausnahme – Besteuerung synthetischer oder physischer ETFs

Handelt es sich um synthetische ETFs, sind die Ausschüttungen allerdings keine echten ausschüttungsgleichen Erträge, sondern Gewinne aus Swap-Geschäften. Diese Gewinne müssen in der Tat nicht in der Steuererklärung angegeben werden, sondern werden erst bei Verkauf der Anteile besteuert. Der Steuerstundungseffekt wirkt sich in diesem Fall ebenfalls, legal, auf die Rendite aus.

Physisch replizierende ETFs, also Fonds, die tatsächlich die in einem Index beinhalteten Aktien aufweisen, fallen nicht unter diese Ausnahmeregelung.

Neue Regeln für die Besteuerung von ETFs ab 2018

Ab dem 1. Januar 2018 sollen die Regeln für die Besteuerung von ETFs vereinfacht werden. Ab dann werden nur noch vier Angaben nötig sein:

  • Die Höhe der Ausschüttungen
  • Der Wert des ETFs zu Beginn des Jahres
  • Der Wert des ETFs zum Ende des Jahres
  • Die Art des ETFs

Dagegen wird es keine Rolle mehr spielen, in welchem Land der ETF aufgelegt wird. Ebenso wenig werden Steuerzahler darauf achten müssen, ob es sich um einen ausschüttenden oder einen thesaurierenden ETF handelt und wie er repliziert.

Steuerstundungen für ausschüttungsgleiche Erträge wird es nicht mehr geben. Dafür soll eine Vorabpauschale sorgen. Weitere Details werden wir Ihnen hier in Kürze präsentieren.


Quellen:

  • comdirect

Quellen: Börse.de / comdirect