Grundlagenwissen Optionen

Optionen sind neben Futures die wichtigsten derivativen Finanzinstrumente im Finanzsektor. Investoren handeln Optionen mit ganz unterschiedlichen Motiven von Absicherung bis Spekulation. Im Vergleich mit Terminkontrakten ist die Bewertung von Optionen recht kompliziert. Wer die Instrumente beherrscht erschließt sich jedoch beträchtlichen Gestaltungsspielraum.

Wie funktioniert eine Option?

Eine Call-Option berechtigt den Inhaber zum Kauf eines bestimmten Basiswertes zu einem festgelegten Kurs (Strike oder Ausübungspreis) zu einem bestimmten Zeitpunkt (europäische Option) bzw. während eines festgelegten Zeitraumes (amerikanische Option). Eine Put-Option funktioniert identisch, berechtigt allerdings zum Verkauf statt zum Kauf.

Im Gegensatz zu Futures handelt es sich bei Optionen um ein bedingtes Termingeschäft: Der Inhaber der Option kann sein Recht geltend machen, muss dies aber nicht. Er wird von seinem Recht Gebrauch machen wenn sich daraus ein wirtschaftlicher Vorteil ergibt.

Beispiel für eine Option

Am 01. Januar wird eine Call-Option auf die BASF-Aktie als Optionsschein von einer Bank im Bezugsverhältnis 1:1 emittiert. Die Option räumt dem Inhaber das Recht ein, eine BASF-Aktie zum Preis von 80,00 Euro zu kaufen. Die Aktie notiert am 01.01. exakt bei diesem Kurs. Die Option läuft am 31.12. aus und kostet 5,00 Euro. Der Käufer der Option rechnet mit steigenden Kursen in der BASF-Aktie.

Szenario A: Er behält Recht und die Aktie notiert am Jahresende bei 95,00 Euro. Der Inhaber der Option übt diese aus und kann die Aktie für 80,00 Euro vom Stillhalter kaufen und im selben Moment wieder am Markt zu 95,00 Euro verkaufen. Abzüglich der bezahlten Optionsprämie ergibt sich dadurch ein Gewinn in Höhe von 10,00 Euro. Bezogen auf den Einsatz entspricht das einer Rendite in Höhe von 200 Prozent.

Szenario B: Der Optionsinhaber liegt falsch: Am Ende des Jahres notiert die BASF-Aktie bei 79,00 Euro und damit unter dem Basispreis, so dass sich die Ausübung der Option nicht lohnt. Die Option verfällt wertlos und beschert einen Totalverlust von 100 Prozent.

Optionen und Hebelwirkung

Szenario A macht deutlich, dass Optionen eine überproportionale Partizipation an Kursbewegungen des Basiswertes ermöglichen und damit einen zum Teil beträchtlichen Finanzhebel darstellen können. Im obigen Beispiel fällt dieser noch moderat aus, weil die Option am Geld gekauft wurde (das bedeutet das der Kurs des Basiswertes dem Ausübungspreis entspricht). Liegt eine Option weit aus dem Geld kann der Hebel um ein Vielfaches größer sein.

Dazu ein reelles Beispiel, das unten anhand des Szenario-Rechners für Optionsscheine des Finanzportals OnVista.de dokumentiert ist (siehe unten). Am 31. Januar 2014 notierte die BASF-Aktie bei 79,50 Euro. Ein Call-Optionsschein mit einem Basispreis von 100,00 Euro und einer Laufzeit bis zum 16.03.2015 kostete 1,10 Euro bei einem Bezugsverhältnis von 1:1. Der Szenario-Rechner zeigt: Steigt der Kurs der Aktie bis zum Fälligkeitstag auf 120,00 Euro, notiert der Optionsschein im Bezugsverhältnis 1:1 bei 20,00 Euro und damit 1718 Prozent höher als zum Zeitpunkt des Kaufs. Diese hohe Rendite wurde erreicht weil die Option beim Kauf recht weit aus dem Geld notierte.

Optionen und Verlustrisiken

Die Hebelwirkung wirkt in beide Richtungen und führt regelmäßig zu großen Verlusten bis hin zum Totalverlust. Verluste über den Einsatz hinaus sind für Optionsinhaber (sehr wohl aber für Stillhalter, die auf der anderen Seite des Geschäfts stehen) nicht möglich. Da Optionen mit einer Laufzeitbegrenzung versehen ist spielt die Zeit stets gegen den Inhaber der Option, die jeden Tag etwas an Wert verliert wenn sich der Markt nicht bewegt. Dieser Zeitverlust kann einen Totalverlust verursachen, ohne dass sich der Kurs des Basiswertes bewegt.

Die Bewertung von Optionen

Die Preisbildung von Optionen ist ungleich komplizierter als jene von z. B. Hebelzertifikaten. Neben dem Kurs des Basiswertes spielen die Restlaufzeit und insbesondere die Marktvolatilität eine bedeutende Rolle. Die finanzmathematische Bewertung von Optionen basiert im Wesentlichen auf dem Black&Scholes-Modell. Dieses ermöglicht durch partielle Ableitungen nach den einzelnenen vorgenannten Variablen die Ermittlung von Kennzahlen für die Sensitivität des Optionspreises für bestimmte Entwicklungen.

Die Einsatzgebiete von Optionen

Die große Hebelwirkung prädestiniert Optionen für spekulative Zwecke: Wird die Marktentwicklung richtig antizipiert sind mit überschaubaren Einsätzen hohe Gewinne möglich. Mindestens ebenso häufig dienen Optionen jedoch Absicherungszwecken: Ein Portfolio kann z. B. abhängig von der Marktvolatilität zu moderaten Kosten gegen Kursverluste abgesichert werden, ohne dass dadurch die Gewinne beschränkt werden.

Unterschied zwischen Option und Optionsscheinen

Die Bewertung von Optionen und Optionsscheinen basiert auf derselben Bewertungsformel. Dennoch gibt es einige substantielle Unterschiede. Optionen werden an Terminbörsen (wie z. B. der EUREX) gehandelt. Die Ansprüche des Optionsinhabers richten sich nur indirekt gegen den (namentlich nicht bekannten) Stillhalter, sondern zunächst gegen die Clearing-Gesellschaft der Börse. Diese hat wiederum einen Anspruch gegen den Stillhalter und sichert diesen ggf. durch Marginanforderungen ab.

Optionsscheine sind Wertpapiere und werden an Kassa-Börsen (wie z. B. der EUWAX) sowie außerbörslich gehandelt. Bei den Emittenten handelt es sich um Banken. Diese sichern die Risiken aus ihrer Emission in der Regel am Terminmarkt ab und generieren ihren Deckungsbeitrag durch die Vereinnahmung der Optionsprämie an sich sowie durch einen Aufschlag auf den fairen Wert der Emission. In der Regel sehen sowohl Optionsscheine als auch Optionskontrakte am Terminmarkt bei Ausübung durch den Inhaber einen Barausgleich anstelle physischer Lieferung vor.