Futures-Kontrakte und der Hebeleffekt

Die mit großem Abstand bekanntesten Terminkontrakte beziehen sich auf Aktienindizes. Mittlerweile existieren jedoch Futures auf Basiswerte in fast allen Anlageklassen. Nachfolgend sind für jede Anlageklasse wichtige Kontrakte mit internationaler Bedeutung aufgeführt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den der EUREX handelbaren Kontrakten.

Futures auf Aktienindizes

Ein Indexfuture ermöglicht den Handel eines vollständigen Aktienindex auf Termin. Futures können sehr kostengünstig gehandelt werden, ermöglichen einfaches Hedging von Aktienportfolios und setzen nur einen geringen Kapitaleinsatz voraus. Bekannte Indexfutures sind u.a.(in Klammern das Ticker-Symbol und die Terminbörse): 

  • DAX-Future (FDAX, EUREX)
  • EuroStoxx50-Future (FESX, EUREX)
  • Stoxx50 Future (FSTX, EUREX)
  • S&P 500-Future (SPH4, CME)
  • Nasdaq-100-Future (NDH4, CME)
  • Dow Jones Industrial Average-Future (ZDH4, CME)

Futures auf Aktien

Die EUREX bietet Futures auf den Großteil der im Stoxx 600 enthaltenen einzelnen Aktien an. Mit einem Aktienfuture wird eine einzelne Aktie auf Termin gekauft. Im Vergleich zum Kassamarkt fällt der notwendige Kapitaleinsatz gering aus; auch die Kosten liegen zumeist unter denen des Aktienmarktes. Dennoch spielen Single-Stock-Futures bislang nur eine untergeordnete Rolle.

Futures auf Währungen (Forex)

Die EUREX plant die Einführung von Optionen und Futures auf den Devisenmarkt. Als Basiswert werden Währungspaare dienen, wobei langfristig die Wechselkurs aller G-10-Währungen gehandelt werden können sollen. Die Kontrakte basieren auf dem Kassamarkt, sehen eine physische Lieferung bei Fälligkeit und eine Kontraktgröße von 100.000 Einheiten der Basiswährung (bei einem Währungspaar in der Notierung EUR/USD ist die Basiswährung EUR) vor.

Futures auf Dividenden

Dividendenfutures ermöglichen den separaten Handel der Dividenden von Indizes oder einzelnen Aktien auf Termin. Dazu wird die Dividende der zugrundeliegenden Wertpapiere von ihrer Kursentwicklung getrennt. Anleger können auf die Dividendenentwicklung einzelner Unternehmen, Branchen oder Länder setzen. Dividenden sind weniger volatil als Aktien und bieten einen Schutz gegen Inflation. Die börsliche Abwicklung reduziert das Kontrahentenrisiko im Vergleich zu Dividenden-Swaps.

Futures auf Volatilität

Die EUREX bietet mit dem VSTOXX einen Future auf auf die implizite Volatilität des EuroStoxx50 an. Maßgeblich ist die implizite Volatilität am Optionsmarkt auf den ES50 für die jeweils nächsten 30 Tage. Dazu werden nur Optionen herangezogen, die aus dem Geld und am Geld notieren. Volatilitätsderivate werden insbesondere zu Diversifikations- und Hedgingzwecken eingesetzt. Volatilität sichert Portfolios gegen starke, plötzliche Kursverluste ab, da diese immer mit einem Anstieg der Schwankungsintensität einhergehen. Volatilität weist bestimmte Eigenschaften auf: Insbesondere kehrt sie immer wieder in die Nähe ihres Mittelwertes zurück.

Futures auf Rohstoffe

Die EUREX bietet eine Vielzahl von Futures auf Rohstoffe und Energie an. Darunter finden sich beispielsweise: 

  • Butter-Futures (Butter, ISIN: DE000A1DKGY6)
  • European Processing Potatoe Futures (Veredelungskartoffeln, ISIN: DE000A0Z3068)
  • European Whey Powder Futures (Molkepulver, ISIN: DE000A1PH3U0)
  • Hog Futures (Mastschweine, ISIN DE000A0Z3084)
  • Magermilchpulver Futures (ISIN: DE000A1DKGX8)
  • Piglet Futures (Ferkel, ISIN: DE000A0Z3092)
  • Gold Future (London Gold Market, Kontraktgröße: 100 Feinunzen)
  • Silber Future
  • Futures auf ETCs (Crude Oil u. Gold)
  • Derivate auf Strom, CO2, Kohle und Erdgas (Kooperation mit der Strombörse EEX) 

Futures auf Zinsen und Anleihen

Terminkontrakte auf Zinssätze und Anleihen dienen in erster Linie zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos in Anleiheportfolios, die mit der Steuerung von Kursrisiken einhergeht. Der bekannteste Anleihefuture in Deutschland ist der Euro-Bund-Future (FGBL, ISIN: DE0009652644, früher: BUND-Future), der sich auf eine hypothetische Bundesanleihe bezieht.

Die hypothetische Anleihe ist mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren und einem Zinskupon von 6% ausgestattet. Die Kontraktgröße beträgt 100.000 Euro. Bei Fälligkeit ist der Verkäufer zur Lieferung von Bundesanleihen mit 8,5 bis 10,5 Jahren Restlaufzeit verpflichtet. 

Hurricane Futures und Inflationsderivate

Bemerkenswert sind Hurricane Futures, die für drei Regionen (die gesamte USA, den Bundesstaat Florida und die Küstenstaaten der Golfregion (Bundesstaaten Alabama, Louisiana, Mississippi und Texas) erhältlich sind und primär institutionelle Anleger wie Asset Manager, Hedgefonds, Banken und Rückversicherer adressieren, aber auch Privatanlegern grundsätzlich offenstehen.

Hurricane Futures besitzen einen Versicherungscharakter: Werden bedingt durch Wirbelstürme in der versicherten Region Schäden in einer bestimmten Höhe festgestellt werden die Kontrakte mit 10.000 USD/Kontrakt abgerechnet. Überschreiten die Schäden die Auslöseschwelle nicht, erfolgt die Abrechnung zu 0,10 USD. Wann genau der Versicherungsfall eintritt ist in den Kontraktbedingungen standardisiert geregelt: „Zur Berechnung der Versicherungsschäden nutzt Eurex die Daten des Property Claim Service von ISO (Insurance Service Offices), der einzigen international anerkannten Schätzstelle für katastrophenbedingte Versicherungsschäden in den USA.“

Für jede der drei Regionen gibt es verschiedene Kontrakte mit unterschiedlichen Fälligkeiten und Auslöseschwellen. Letztere bewegen sich im Bereich von 10 bis 50 Mrd. USD. Je höher die Auslöseschwelle, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Auszahlung aus dem Kontrakt.

Ein weiteres erwähnenswertes Instrument der EUREX sind Euro-Inflations-Futures. Die Terminkontrakte basieren auf dem europäischen Verbraucherpreisindex HVPI ex Tobacco, der monatlich durch die europäische Statistikbehörde Eurostat berechnet wird. Für den Terminkontrakt werden lediglich zweimal täglich im Rahmen kurzer Auktionen Preise gestellt, da sich die Inflationserwartungen nur recht langsam ändern. Mithilfe von Inflationsderivaten können sich Privatanleger prinzipiell selbst inflationsindexierte Anlageprodukte kombinieren. ISIN: DE000A0QZFK9.

Futures als gehebeltes Marktinvestment

Dem Handel von Futures an Terminbörsen liegt das Marginprinzip zugrunde. Das bedeutet, dass nur ein Bruchteil des Kontraktgegenwertes mit Sicherheiten (Geld oder Wertpapiere) unterlegt werden muss. Daraus resultiert ein Hebeleffekt: Beläuft sich der Gegenwert eines DAX-Futures auf 200.000 Euro und verlangt die EUREX (bzw. der Broker, über den dort gehandelt wird) eine Margin (=Sicherheitsleistung) von 5% reichen 10.000 Euro aus um die Position zu eröffnen. Steigt der Index um 5% an wächst der Gegenwert des Kontraktes auf 210.000 Euro und Trader erzielen im Fall einer Longposition einen Gewinn in Höhe von 10.000 Euro bzw. 100% bezogen auf den Einsatz.

Die Marginsätze der EUREX

Die EUREX bestimmt ihre Marginanforderungen laufend neu und für jeden Kontrakt separat. Zu den wichtigsten Parametern zählt die Volatilität: Steigt diese an, wächst das Risiko für Marktteilnehmer so dass die Sicherheitsleistungen erhöht werden. Aufgrund der ständigen Aktualisierungen existiert keine statische EUREX Margintabelle.  

„Margining“ ist das Verfahren „der Bemessung, Berechnung und Abwicklung von Sicherheitsleistungen, die für offene Positionen zu hinterlegen sind, um die daraus entstandenen Risiken abzudecken“.

 „Risk-Based“ bezieht sich auf die angestrebte Minimierung der zu hinterlegenden Sicherheiten. Diese wird dadurch erreicht, dass die Risiken gegenläufiger Positionen miteinander verrechnet werden. Das Ziel ist es, bei einem gegebenen erwünschten Sicherheitslevel eine möglichst geringe Sicherheitsleistung einzufordern. Dieses Bestreben ist im Kontext des Versuchs zu sehen, effiziente Märkte zu gestalten – Marktveranstalter wie die EUREX betrachten das als ihr Kerngeschäft.

 Arbitrage: Warum der DAX-Future teurer ist als der DAX

Wer regelmäßig Börsenkurse studiert stellt fest dass der Kurs des DAX-Futures stets etwas höher liegt als der des DAX selbst. Der Preisaufschlag erklärt sich durch die hypothetischen Finanzierungskosten. Ein Investor kann entweder den Betrag X in den DAX investieren oder eine Longposition in einem DAX-Future eröffnen und lediglich die Margin hinterlegen, die nur einen Bruchteil des Kaufpreises ausmacht. Die gewonnene Liquidität könnte dann risikofrei am Geldmarkt (oder bei der Zentralbank, wenn es sich bei dem Investor um eine Bank handelt) angelegt werden. Die Zinserträge bis zur Fälligkeit des Terminkontraktes wären ein sicherer Gewinn ohne zusätzlichen Einsatz von Kapital und Risiko.

Da Märkte effizient sind bieten sich solche Möglichkeiten allenfalls einige Minuten lang – danach haben Marktteilnehmer die Ineffizienz durch Arbitragegeschäfte beseitigt. So könnte der Inhaber eines DAX-gleichen Portfolios dieses am Markt veräußern, eine Longposition im DAX-Future eröffnen und die ersparte Liquidität sicher anlegen. Das Resultat: Der Verkaufsdruck im DAX steigt und drückt die Kurse, die Nachfrage nach DAX-Futures (long) wächst und treibt dessen Kurse. Dadurch wird die effiziente Kursdifferenz zwischen Kassageschäft und Terminkontrakt wieder hergestellt.

 Contango und Backwardation

Liegt der Terminpreis über dem Kassapreis handelt es sich um eine Contango-Marktsituation, die einen normalen Markt darstellt. Das gilt nicht nur für Financial Futures, sondern auch für Warenterminkontrakte (Commodity Futures). Die steigende Terminmarktkurve spiegelt den Umstand wider, dass es besser ist das sichere Anrecht auf den Kauf einer Ware zu einem festen Zeitpunkt als die Ware selbst zu besitzen. Physisch vorhandene Ware verursacht Lagerkosten oder führt – wie beschrieben bei Finanztiteln – zu einem Liquiditätsnachteil.

Das Gegenstück zu Contango ist Backwardation und in der Praxis sehr viel seltener anzutreffen. In einem Backwardation-Markt liegt der Terminpreis niedriger als der Spot-Preis. Contango ist praktisch nur an Rohstoff- und Metallmärkten anzutreffen: Die Nachfrage nach der Ware in der Gegenwart ist dann höher als die in der Zukunft – zum Beispiel weil ein physischer Engpass besteht und Händler sich bei einer schnelleren Lieferung höhere Margen versprechen.


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