Börslicher und außerbörslicher Optionshandel

Der börsliche und außerbörsliche Optionshandel

An der Terminbörse EUREX werden „echte“ Optionen in standardisierter Form gehandelt. Privatanleger können darüber hinaus einen Teil der Möglichkeiten von Optionskontrakten durch Optionsscheine erschließen. Bei Optionsscheinen handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen, deren Preisbildung die einer klassischen Option nachempfunden ist und die sowohl börslich (z. B. EUWAX) als auch außerbörslich (Emittentenhandel) gehandelt werden kann. Relativ neu ist der ausschließlich außerbörsliche Handel mit digitalen Optionen.

Optionshandel an der EUREX

An der EUREX werden Optionen auf Aktien, Indizes, Währungen,. Rohstoffe und mehr gehandelt. Die Optionskontrakte sind ebenso wie Futures-Kontrakte standardisiert. Die EUREX legt die Kontraktspezifikationen sowie die Marginanforderungen fest. Die Kontraktspezifikationen regeln unter anderem die Kontraktgröße, Laufzeit, Schlussabrechnung, Lieferungsansprüche und Ausübungspreise. Ein Auszug aus den Kontraktspezifikationen der EUREX für die Kontraktgröße von Indexoptionen und zugleich eine Übersicht über das Angebot an Indizes:

Der Wert eines Optionskontrakts beträgt:

  • EUR 5 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf DAX und MDAX
  • EUR 10 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf ATX, ATXfive, CECE EUR, RDX EUR,TecDAX, OMXH25, EURO STOXX 50®Index, EURO STOXX®Select DividendIndex, EURO STOXX 50®ex Financials Index und STOXX Europe 50 Index
  • UR 50 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf die EURO STOXX Sector Indizes, STOXX Europe 600 Sector Indizes, STOXX Europe 600 (Produkt ID: OXXP) Index, STOXX Europe Large 200 (Produkt ID: OLCP) Index, STOXX Europe Mid 200 (Produkt ID: OMCP) Index, STOXX Europe Small 200 (Produkt ID: OSCP) Index, EURO STOXX Index,EURO STOXX Large Index, EURO STOXX Mid Index, EURO STOXX Small Index
  • EUR100 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf den auf den Dow Jones Global Titans 50SM Index (EUR), MSCI Emerging Markets (NTR, EUR), den MSCI Europe(NTR & Price, EUR), den MSCI Europe Growth,den MSCI Europe Value und den MSCI World (NTR, EUR)
  • EUR200 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf den DivDAX
  • CHF10 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf den SMI, SLI und SMIM
  • USD 1 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf den Sensex Index
  • USD10 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf den MSCI Russia (Price, USD), MSCI World (NTR & Price, USD) und RDX USD Index
  • USD 50 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf den MSCI Emerging Market Index (Price, USD)
  • USD 100 pro Indexpunkt bei Optionskontrakten auf den MSCI AC Asia Pacific ex Japan, MSCI Emerging Markets (NTR, USD), MSCI Emerging Markets Asia, MSCI Emerging Markets EMEA und MSCI Emerging Markets Latin America

Die Kontraktspezifikationen regeln den Barausgleich bei im Geld auslaufenden Optionen:

„Der Käufer einer Kaufoption (Call) hat das Recht, eine Zahlung in Höhe der Differenz zwischendem Ausübungspreis der Option und einem höheren Schlussabrechnungspreis (Kapitel II Ziffer 3.4.3der Clearing-Bedingungen der Eurex ClearingAG) der Optionsserie (Barausgleich) zu verlangen“.

Bemerkenswert ist das Angebot an Laufzeiten, das von fünf Wochen bis hin zu neun Jahren und elf Monaten reicht. Die Kontraktspezifikationen teilen jeden Basiswert einer Laufzeitgruppe zu. Für jede Laufzeitgruppe werden Laufzeitintervalle anhand des Kalenders definiert. So gilt für die Laufzeitgruppe 60 Monate beispielsweise:

„60 Monate: Bis jeweils einschließlich zum nächsten, übernächsten und drittnächsten Verfalltag sowie bis einschließlich zu den drei danach liegenden Quartalsverfalltagen (März, Juni, September, Dezember) und bis zu den vier darauf folgenden Halbjahresverfalltagen (Juni, Dezember) sowie den nächsten zwei darauf folgenden Jahresverfalltagen (Dezember)“.

Die möglichen Ausübungspreise der Optionsserien legen die Kontraktspezifikationen ebenfalls fest, wobei sichtbar Raum für eine Anpassung an die Marktverhältnisse gelassen wird:

 „Optionsserien von Optionskontrakten auf den DAXund SMI können für Laufzeiten bis zu zwölf Monaten Ausübungspreise mit Preisabstufungen von 50 Punkten, für Laufzeiten von 13 bis 24 Monaten von 100 Punkten oder für Laufzeiten von mehr als 24 Monaten von 200 Punkten haben.“

 sowie ferner:

„Bei Einführung der Optionskontrakte stehen für jeden Call und Put für jede Fälligkeit mit Laufzeiten von bis zu 24 Monaten mindestens sieben Ausübungspreise für den Handel zur Verfügung. Davon sind drei Ausübungspreise im Geld (In-the-money), ein Ausübungspreis am Geld (At-the-money) und drei Ausübungspreise aus dem Geld (Out-of-the-money).“

Die EUREX veröffentlicht ihre Kontraktspezifikationen im Internet und nimmt hin und wieder Aktualisierungen oder Änderungen vor.

Optionsscheine und Digitaloptionen

Optionsscheine sind als Wertpapier verbriefte Optionen. Rechtlich betrachtet handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen. Die Rückzahlungsansprüche des Inhabers spiegeln die Funktionsweise von Optionen wider: Läuft ein Optionsschein im Geld aus steht dem Inhaber das Ausübungsrecht bzw. ein Barausgleich zu.

Optionsscheine werden von Banken emittiert und börslich sowie außerbörslich gehandelt. Der Markt bietet ein breites Spektrum an Basiswerten, Laufzeiten und Ausübungspreisen das jenem der EUREX in Nichts nachsteht. Anders als im Terminhandel spielt das Marginprinzip allerdings keine Rolle: Käufer von Optionsscheinen müssen den vollen, aus den üblichen Bewertungskriterien abgeleiteten Marktpreis zahlen. Neben Transaktionskosten fällt insbesondere im außerbörslichen Handel ein größerer Spread an.

Die größte Einschränkung in der Praxis betrifft die Möglichkeit von Shortpositionen: Diese ließen sich allenfalls durch den Leerverkauf von Optionsscheinen realisieren, den Banken jedoch nicht zulassen. Optionsscheine mit dem Profil einer Shortposition sind schon allein aufgrund der dabei zu berücksichtigenden Sicherheitsleistung unpraktikabel. Die Bezeichnung „Short“ wird im Zusammenhang mit Optionsscheinen deshalb vorwiegend für Put-Optionen verwendet.

Ein relativ neuer Trend im außerbörslichen Optionshandel mit Privatkunden sind Digitaloptionen. Diese werden von einigen CFD/FX-Brokern, vorwiegend aber von neu auf den Markt getretenen Spezialbrokern angeboten. Viele dieser Anbieter führen ihre Geschäfte von Zypern aus und agieren als Whitelabel-Partner von weniger als einem halben Dutzend Plattformen, die die Kurse stellen.

Digitaloptionen weisen einige Besonderheiten auf. Die Wichtigste betrifft das Payoff-Profil: Binäroptionen (eine alternative Bezeichnung von Digitaloptionen) werden entweder mit einer festgelegten Rendite zurückbezahlt oder verfallen wertlos/zum Restwert. Es gibt sehr unterschiedliche Kontraktarten mit sehr verschiedenen Chance/Risiko-Profilen.