Verkaufsargumente von Fonds kritisch hinterfragt

Verkaufsargument I: Diversifikation für alle

Rein technisch betrachtet lässt sich das in einem Fondsanteil verbriefte Vermögen tatsächlich auf tausende unterschiedliche Wertpapiere aufteilen. In der Praxis fällt die Diversifikation vieler Investmentfonds allerdings sehr viel geringer aus. Nur wenige Aktienfonds halten mehr als 50-100 Werte oder bilden größere Marktsegmente über Indizes ab.

Wie schwach die Diversifikation ausfällt wird oft bei starken Kursrückgängen sichtbar, die regelmäßig auf die überwiegende Mehrheit der Fonds durchschlagen. Dabei ist für Anleger oft schwer einzuschätzen, wie stark ein bestimmter Fonds auf deutliche Marktschwankungen reagieren wird. Die Fondsbranche führt immer wieder an, dass die Diversifikation vor allem das unsystematische (also mit einzelnen Werten zusammenhängende) Risiko reduziere. Die dafür notwendige Anzahl von Wertpapieren lässt sich jedoch auch für Privatanleger realisieren.

Verkaufsargument II: Professionelles Management

Die meisten Fonds schlagen ihren Vergleichsindex nicht und rechtfertigen deshalb auch nicht die hohen Kosten der Fondsverwaltung. Auf dieser Erkenntnis basiert der Aufschwung börsengehandelter Indexfonds, die ihren Vergleichsindex schlicht replizieren. Um mit Fonds eine Überrendite zu erzielen müssen Anleger „auf das richtige Pferd setzen“.

Vernünftigerweise wird ein Portfolio jedoch auf mindestens zehn verschiedene Fonds aufgeteilt. In der Summe dürfte die Rendite auch dann in der Nähe des Vergleichsindexes verbleiben, wenn ein Fonds deutlich bessere Ergebnisse erwirtschaftet. Ein weiterer Schwachpunkt: Da die meisten Fondsgesellschaften zu Banken gehören lässt sich nie ausschließen, dass letztere risikobehaftete bzw. überbewertete Papiere gezielt auf ihre Fondsgesellschaften auslagern.

Verkaufsargument III: Einfach und unkompliziert

Für Anleger, die sich gar nicht mit ihrem Vermögensaufbau auseinandersetzen möchten trifft dieses Argument zu. Grundsätzlich ist im Zeitalter des Onlinebrokerage der Zugang zu den Aktien- und Rentenmärkten so einfach, dass auch Privatanleger die meisten „professionellen“ Strategien leicht umsetzen können. Das gilt insbesondere, wenn das Portfolio einen konstanten Anteil an Aktien und Anleihen aufweist.

Die Umschichtung von auf vielen Fonds basierenden Portfolios wiederum ist fast immer umständlicher als die Umschichtung von Renten- und Aktienportfolios. Während z. B. DAX-Aktien binnen weniger Minuten verkauft werden können werden Kurse für Fondsanteile nur einmal pro Tag festgestellt.

Verkaufsargument IV: Niedrige Transaktionskosten

Eine isolierte Betrachtung der Transaktionskosten erscheint nicht zielführend, da für den effektiven Anlageerfolg alle Kosten im Zusammenhang mit der Fondsanlage relevant sind.

Erstens fallen Ausgabeaufschläge (seltener Rücknahmegebühren) an – Direktbanken verlangen üblicherweise 1,00 bis 2,50 Prozent des Anteilswertes. Dafür entfallen die beim börslichen Handel üblichen Transaktionsentgelte von Broker und Börse.

Zweitens wird eine jährliche Verwaltungsgebühr fällig, die üblicherweise 0,50 bis 1,50 Prozent des Fondsvolumens beträgt und diesem laufend entnommen wird. Diese Verwaltungsgebühr deckt die Vergütung des Managements ab und wird bei einigen Fonds um eine erfolgsabhängige Zusatzvergütung ergänzt. Drittens fallen weitere Kosten für den laufenden Betrieb des Fonds an, die dem Rechenschaftsbericht entnommen werden können.

Bei einem Portfolio im Wert von 100.000 Euro ist im Fall einer vollständigen Investition in Fonds mit einmaligen Kosten in Höhe von 1.000 und jährlichen Kosten in Höhe von 1.500 Euro zu rechnen. Werden 100.000 Euro dagegen (zum Beispiel) auf 100 verschiedene Aktien aufgeteilt summieren sich die Ordergebühren bei preisgünstigen Brokern auf 600 bis 800 Euro. Laufende Kosten fallen bei Brokern ohne pauschale Depotführungsentgelte nicht an.


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