Die Messung und Funktionen der Performance

Die Performance ist das wichtigste Beurteilungskriterium für jede Anlagestrategie. Sie dient dem Vergleich mit anderen Anlagen und Strategien sowie als Grundlage für erfolgsbasierte Vergütungen bei institutionell verwalteten Portfolios. Die Messung von Performance erfolgt fast ausschließlich quantitativ. Qualitative Aspekte wie Transparenz spielen wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle sind für selbständig agierende Privatanleger ohnehin nicht relevant. 

Die Funktionen der Performance 

  • Vergleich verschiedener Anlagestrategien
  • Maß für die Vergütung übernommenen Risikos
  • Objektiver Anreiz zur effizienten Kapitalallokation

Die obigen drei Funktionen der Performance begründen die Notwendigkeit ihrer objektiven Messung und sollen kurz erläutert werden. Für Anleger ist die Performance eines Portfolios für verschiedene Motivationen relevant.

Erstens dürfte die Performance bei der Suche nach einer geeigneten Strategie eines der wichtigsten Kriterien sein: Verschiedene Ansätze werden anhand ihrer Performance objektiv und auf das Wesentliche reduziert verglichen. Der Vergleich anhand der Performance erfolgt auch im Hinblick auf naheliegende Benchmarks: Entwickelt sich ein Portfolio nahezu identisch zum DAX macht es wenig Sinn viel Geld für ein aktives Management oder zahlreiche Transaktionen auszugeben.

Zweitens ermöglicht die Betrachtung der Performance eine Wertung in Relation zum Risiko. Ein jährlicher Ertrag von 4% scheint auf den ersten Blick solide – wenn sichere Staatsanleihen jedoch gleichzeitig 6% im Jahr abwerfen und die Volatilität der aktiven Anlagestrategie auch noch deutlich höher ist als die der Staatsanleihen entzieht dies jedem strategischen Ansatz seine Grundlage.

Performance ist die um Risiko und Benchmark bereinigte Rendite

Drittens muss das weltweit umlaufende Investitionskapital effizient verteilt werden. Das setzt voraus, dass erfolglose Anlagestrategien durch Mittelabflüsse sanktioniert und erfolgreiche durch Mittelzuflüsse bestärkt werden. Die Performancemessung ist deshalb ein ganz wesentlicher Bestandteil der Preisbildungsprozesse an den globalen Finanzmärkten.

Die vorgenannten Aufgaben werden zu ganz wesentlichen Teilen durch die eigentliche Definition von Performance in der Finanzwissenschaft erfüllt. Diese setzt „Performance“ keinesfalls mit „Rendite“ gleich, sondern berücksichtigt auch die Wertentwicklung einer adäquaten Benchmark ein Risikomaß.

Es gilt: 

Performance = (Portfoliorendite – Rendite der Benchmark)/Risiko 

Als Maß für das Risiko wird fast immer die Volatilität verwendet. Das Wort entstammt dem italienischen „volare“ (zu Deutsch: fliegen) und bedeutet frei übersetzt in etwa „Flatterhaftigkeit“. Gemeint ist die Schwankungsintensität der Kurse, die auf Basis der statistischen Varianz und damit der Gaußschen Normalverteilung berechnet wird.

Mindestens ebenso wichtig ist die Bestimmung einer plausiblen Benchmark. Diese sollte in sich breit diversifiziert sein: Es macht wenig Sinn, die Rendite eines Aktienportfolios mit der Rendite einer einzelnen Aktie zu vergleichen. Zudem sollte es tatsächlich und zu moderaten Hürden möglich sein, in die Benchmark zu investieren. Die Hürden sind spätestens zu hoch, wenn für Investitionen eine andere Staatsbürgerschaft angenommen werden muss.

Performance-Kennzahlen: Sharpe und Treynor

Die beiden gebräuchlichsten Performance-Kennzahlen sind Sharpe und Treynor. Die beiden Konzepte sollen nachfolgend inklusive ihrer Berechnungsmethode vorgestellt und kritisch gewürdigt werden. 

Das Sharpe-Maß

Wie hoch wird übernommenes Risiko tatsächlich vergütet? Diese Frage versucht das Sharpe-Maß zu beantworten. Zur Ermittlung der Kennzahl wird der Ertrag eines Portfolios zunächst um die so genannte risikolose Verzinsung gekürzt. Diese Überschussrendite (im Englischen auch als „excess return“ bezeichnet) wird anschließend ins Verhältnis zur Portfoliovolatilität gesetzt.

Es gilt: 

Sharpe-Maß = Portfoliorendite – risikolose Verzinsung/Portfoliovolatilität 

Üblicherweise wird das Sharpe-Maß mehrerer Portfolios mit dem einer adäquaten Benchmark verglichen. Nur Portfolios, deren Sharpe-Maß das ihrer Benchmark übertrifft wurden unter Berücksichtigung des Risikos tatsächlich gut verwaltet. Ein Sharpe-Maß oberhalb des Benchmark-Wertes ist in Zeiten von ETFs geradezu konstitutiv für eine Anlagestrategie: Wenn es nicht gelingt „den Index“ zu schlagen, ist ein ETF auf die Benchmark die naheliegende Lösung.

Bemerkenswert ist der Begriff der „risikolosen Verzinsung“. Die (vor der Finanzkrise entstandene) Theorie geht an dieser Stelle davon aus dass es eine risikolose Verzinsung gibt. Angesichts diverser Rettungsschirme für einstmals von Ratingagenturen begünstigten Staaten ist diese Vorstellung womöglich nicht mehr zeitgemäß. Treffender könnte die Einstufung der risikolosen Verzinsung als „Opportunitätskosten“ sein.

Das Treynor-Maß

Das Treynor-Maß unterscheidet sich vom Sharpe-Maß durch das verwendete Risikomaß. Auch für diese Kennzahl wird die so genannte risikolose Verzinsung von der Portfoliorendite subtrahiert. Die Differenz wird anschließend aber nicht durch die Volatilität, sondern durch den Betafaktor dividiert.

Es gilt: 

Treynor-Maß: Portfoliorendite – risikolose Verzinsung/ Betafaktor 

Der Betafaktor ist ein Maß für das im Portfolio übernommene systematische Risiko. Das systematische Risiko entspricht dem allgemeinen Marktrisiko. Unsystematische Risiken (wie z. B. die Pleite eines Unternehmens) werden in effizienten Portfolios gemäß der gängigen Theorie durch Diversifikation auf ein Minimum reduziert und fallen nicht ins Gewicht.

Der Betafaktor gibt an, wie stark der Wert eines Portfolios im Vergleich zum Gesamtmarkt (bzw. zur Benchmark) schwankt. Entspricht der Betafaktor exakt 1,00 schwankt das Portfolio exakt so stark wie die Benchmark. Bei Werten >1,00 sind die Schwankungen des Portfolios größer und bei Werten <1,00 entsprechend kleiner. Je höher das Treynor-Maß ausfällt, desto besser ist die um das Risiko bereinigte Performance. Auch hier besteht kein großer Unterschied zum Sharpe-Maß.