Die aktive Portfolioverwaltung und sechs Beispiele für Zielportfolios

Vermögensanlage in Eigenregie erfordert persönlichen Einsatz auf vier Feldern:

  1. Es sind Steuern zu zahlen,
  2. die Performance zu kontrollieren,
  3. die Zusammensetzung des Portfolios planmäßig oder außerplanmäßig anzupassen und
  4. der Blick „für das Ganze“ zu bewahren.

Die steuerlichen Rahmenbedingungen für Kapitalanleger haben sich in den vergangenen 10-15 Jahren tendenziell verschlechtert. Insbesondere wurde die einjährige Spekulationsfrist bei Wertpapieren ersatzlos abgeschafft, nach der früher Gewinne steuerfrei vereinnahmt werden konnten.

Dafür ist die Besteuerung einfacher: Sofern ein Depot bei einer deutschen Bank geführt wird erhebt diese auf alle Erträge die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Banken aus dem EU-Ausland sind keine Zahlstellen der deutschen Finanzämter und führen die Steuer nicht ab – Anleger müssen die Einnahmen selbst ihrem Finanzamt anzeigen.

Erfolgskontrolle für Privatanleger

Mindestens einmal im Jahr sollte geprüft werden, ob sich das Portfolio wie gewünscht entwickelt. Die Erfolgskontrolle darf sich nicht auf das Ablesen der erzielten Performance und ihre Einteilung in „erfreulich“ und „nicht erfreulich“ beschränken. Ein Verlust allein sagt ebenso wenig aus wie ein Gewinn: Entscheidend ist, ob das Resultat gemessen an der jeweiligen Strategie und den Marktumständen objektiv als erfolgreich einzuschätzen ist oder nicht. Ein 20prozentiger Verlust mit einem Aktienportfolio ist bei einem gleichzeitigen Verlust von 30 Prozent im Gesamtmarkt ein erstklassiges Ergebnis.

Die Spreu vom Weizen trennen – regelmäßig!

Die laufende Anpassung des Portfolios an die gesteckte Strategie ist gleichbedeutend mit dem konsequenten Verfolgen dieser.

  • Liegt der Fokus auf Aktien mit hoher Dividendenrendite müssen einmal im Jahr die Titel mit gesunkenen Renditen gegen die nun bestplatzierten Aktien ausgetauscht werden. Auch bei diesen turnusmäßigen „Wartungsarbeiten“ müssen die Nebenbedingungen (insbesondere die der Diversifikation) unverletzt bleiben.
  • Werden primär Wachstumsaktien forciert sind die früheren Gewinnprognosen der einzelnen Titel mit den tatsächlich ausgewiesenen Gewinnen zu überprüfen.
  • Bei Mischportfolios ist regelmäßig die relative Attraktivität von Aktien- und Bondmarkt zu prüfenAuch wenn erarbeitete Anlagestrategien grundsätzlich Bestand haben sollten dürfen sie nicht zu einem unumstößlichen Dogma werden. Ist die Performance anhaltend schlecht oder ändern sich Rahmenbedingungen grundlegend, muss darauf reagiert werden. Beispiele: Einstmals galten alle Staatsanleihen von EU-Mitgliedstaaten als ausfallsicher – die Zeiten ändern sich mitunter.
  • Abweichungen von der einmal gesteckten Strategie sollten die Ausnahme sein bzw. nach gründlicher Prüfung als veränderte Strategie deklariert werden. Ansonsten lässt sich die Kausalität zwischen Ergebnis und Handlung irgendwann nur noch unzureichend nachvollziehen.

Sechs Beispiele für Zielportfolios

1) Portfolio A

  • Eigene, selbstgenutzte Immobilie (70%)
  • Verzinsliche Wertpapiere 25 %
  • Aktienfonds 5%

Zielsetzung: Altersvorsorge zusätzlich zu gesetzlicher Rente

Für das Wertpapierportfolio stehen insgesamt 60.000 Euro zur Verfügung. 50.000 Euro davon werden in den Anleihemarkt investiert, 10.000 entfallen auf den Aktienmarkt.

  • 20.000 Euro in eine zehnjährige Bundesanleihe
  • 20.000 Euro in eine fünfjährige Bundesobligation
  • 10.000 Euro in einen ETF auf den RDAX Return Index (Unternehmensanleihen)
  • 5.000 Euro in einen Stoxx50-ETF
  • 5.000 Euro in einen DAX-ETFEigenschaften des Portfolios: Sowohl die Risiken als auch die Renditechancen sind moderat. Die selbstgenutzte Immobilie wirkt als Inflationsschutz und macht einen höheren Aktienanteil überflüssig. Die Kosten beschränken sich auf 0,20 bis 0,30 Prozent des in ETFs verwalteten Vermögens, mithin 40-60 Euro/Jahr.

2) Portfolio B 

  • Eigene, selbstgenutzte Immobilie (50%)
  • Tagesgeld: 25%
  • Aktien: 25%

Zielsetzung: Freier Vermögensaufbau ohne konkretes Ziel

Für das Aktienportfolio stehen 100.000 Euro zur Verfügung, die in gleichen Teilen in die 40 Blue Chip-Aktien der G7-Industrienationen investiert werden, die gemessen an der angekündigten Ausschüttung für das beginnende Jahr am 01.01. die höchste Dividendenrendite versprechen. Die Anpassung des Portfolios erfolgt jährlich.

Eigenschaften des Portfolios: Die Kombination aus Aktien, Betongold und Tagesgeld hält flexibel und bietet einen mehr als ausreichenden Schutz gegen Inflation und passable Renditechancen – in schlechten Aktienjahren kann es allerdings zu – beherrschbaren – Verlusten kommen. Bei zehn Umschichtungen pro Jahr (das entspricht 20 Transaktionen) lassen sich die Kosten auf etwa 200 Euro begrenzen.

3) Portfolio C 

  • Aktien: 30%
  • Anleihen: 60%
  • Rohstoffe: 10%

Zielsetzung: Es soll nach Abzug von Inflation ein jährlicher Ertrag in Höhe von 3% als Einkommen erzielt werden.

Es stehen 500.000 Euro zur Verfügung. 150.000 Euro werden in die 50 Blue Chips mit der höchsten Dividendenrendite weltweit erzielt, wobei kein Land und keine Branche innerhalb des Aktienportfolios einen Anteil von 20 Prozent überschreiten darf. Das Anleiheportfolio (300.000 Euro) besteht aus Staatsanleihen der Ratingstufen AAA, AA und A, wobei Anleihen in Fremdwährung maximal 30 Prozent des Anleiheanteils ausmachen und eine einzelne Fremdwährung 15 Prozent nicht überschreiten darf. Die 50.000 Euro des Rohstoffportfolios werden je zur Hälfte in einen breit gefassten Rohstoffindex-ETF und in Xetra-Gold investiert. 

Eigenschaften des Portfolios: Eine durchschnittliche Anleiherendite von 3% und eine durchschnittliche Dividendenrendite von 4% reichen für die Zielsetzung aus, wenn der Anstieg der Rohstoffe im Portfolio die Inflation ausgleicht. Das wird nicht in allen Jahren der Fall sein, weshalb das Portfolio das gesteckte Ziel in einem ungünstigen Marktumfeld mit niedrigen Zinsen häufiger verfehlen dürfte. Insgesamt sind die Risiken ausgewogen. Transaktionskosten von ca. 500 Euro pro Jahr können ausreichen.

4) Portfolio D 

  • Aktien: 70%
  • Anleihen: 30%

Zielsetzung: 6 % Rendite nach Inflation pro Jahr.

Es stehen 200.00 Euro zur Verfügung. 70.000 Euro werden in 30 Blue Chips aus den G7-Staaten mit niedrigem KGV/Buchwertverhältnis investiert, weitere 70.000 in BRIC-Aktien mit hohem prognostizierten Gewinnzuwächsen. 60.000 Euro fließen in Anleihen von Unternehmen aus der zweiten Reihe im mittleren Laufzeitbereich. Auslaufende Anleihen werden reinvestiert, der Aktienbestand jährlich angepasst. 

Eigenschaften des Portfolios: In guten Jahren wird das gesteckte Ziel deutlich übertroffen, in schlechten ebenso deutlich verfehlt. Langfristig ist eine jährliche Nominalrendite zwischen 6 und 10 Prozent realistisch. Die Transaktionskosten sollten 200-300 Euro im Jahr nicht überschreiten.

5) Portfolio E 

  • Aktien: 150%

Zielsetzung: 15 % Rendite vor Steuern und Inflation pro Jahr zwecks dynamischem Vermögensaufbau. 

Es stehen 100.000 Euro Eigenkapital zur Verfügung, die mit einem Lombardkredit auf 50.000 Euro aufgestockt werden. Jeweils 15.000 Euro werden in die zehn europäischen Blue Chips mit dem höchsten mittelfristigen Momentum investiert. Das Kriterium wird wöchentlich überprüft. 

Eigenschaften des Portfolios: Der gehebelte Einstieg in Momentumaktien führt in dynamischen Märkten zu raschen und sehr hohen Gewinnen. In trendlosen Phasen und Baisse-Phasen werden diese allerdings wieder neutralisiert, wenn die vorgeschalteten Filter nicht rechtzeitig anschlagen. In einem günstigen Umfeld ist das gesteckte Ziel realistisch – unter weniger guten Bedingungen dagegen nicht. Zusätzlich zu dem eigentlichen Transaktions- fallen auch Finanzierungskosten an.

6) Portfolio F 

  • Aktien: 80%
  • Optionen/Futures: 20%

Zielsetzung: Konstante Erträge und Schutz gegen Inflation zwecks Vermögenserhalt für den Nachwuchs. 

Es stehen 250.000 Euro zur Verfügung. 200.000 Euro davon werden in 40 internationale Blue Chips investiert, wobei der Anteil der Aktien in Fremdwährung insgesamt 25 Prozent nicht überschreiten darf. 20 Prozent des Portfolios werden in Futures und Optionen investiert – abhängig von der Marktlage sowohl zu Absicherungs- als auch zu Ertragszwecken (Covered Call Writing). 

Eigenschaften des Portfolios: Langfristig ist eine attraktive Realrendite zu erwarten. Diese erhöht sich deutlich, wenn es mit Derivaten gelingt, die großen Rückschläge abzumildern. Die jährlichen Transaktionskosten können auf einige hundert Euro begrenzt werden.